São Paulo ist das wichtigste Mode-, Kunst- und Architekturzentrum Brasiliens und der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika. In der Metropolregion Grande São Paulo leben 21 Millionen Einwohner. Damit ist São Paulo eine der größten Städte der Erde. Hier unsere Tipps für einen Trip in die Metropole.

Eines vorweg: Das mit der Liebe auf den ersten Blick, das wird schwer in São Paulo. Das liegt vor allem daran, dass die Metropole ziemlich zugebaut ist. Während man in anderen Großstädten zumindest am Ende des Horizonts Wälder, Berge oder Seen entdeckt, sieht man hier nur Betonwüsten. Raumübergreifend liegt São Paulo da, wie eine Riesenkrake, die ihre Arme und Beine weit auseinander streckt und alles und jeden unter sich vereinnahmt.

Fahrradfahrer in Sao Paulo

D A V I D S O N L U N A

Ausreichend Zeit für Trips innerhalb der Stadt einplanen

Stop and Go ist auf dem Weg vom Airport in die Stadt angesagt. Nicht selten dringt durchs offene Auto-Seitenfenster eine Mischung aus heißem Sommerwind, Autoabgasen und Staub. Jedem Besucher sollte daher vorab klar sein: Nach São Paulo fährt man nicht zur Erholung. Und im Gegensatz zum 500 Kilometer entfernten Rio de Janeiro fliegt man hier auch nicht hin, um sich an der Schönheit der Stadt zu ergötzen.

Hochhäuser in São Paulo

D A V I D S O N L U N A

Und doch finden viele Menschen die Stadt unwiderstehlich. Vor allem die, die sich auskennen: die Brasilianer. Denn hinter und vor den Betonburgen hat sich eine quirlige Kultur-, Restaurant- und Clubszene etabliert.

Nun gibt es für Touristen in diesem Metropolendschungel eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Um in dieser Stadt von A nach B zu kommen, kann es gut und gern eins bis zwei Stunden mit dem Auto dauern (weshalb sich die Elite der Stadt mit dem Hubschrauber fortbewegt). Die gute Nachricht: Die meisten interessanten Locations liegen im Zentrum São Paulos und dort – aber auch nur dort – gibt es sogar ein gut funktionierendes öffentliches U-Bahn-Netz.

Frau in der U-Bahn

Denys Argyriou

Herzstück São Paulos: die Avenida Paulista

Die Avenida Paulista, die die Stadtteile Consolacao und Jardins voneinander trennt, gilt als das wirtschaftliche Herzstück der Metropole und dürfte die berühmteste Straße Brasiliens sein. Alle wichtigen Unternehmen und Banken haben hier eine Niederlassung, auf rund drei Kilometern reiht sich ein Bürokomplex nach dem anderen. Aber nicht nur: Für Besucher bietet die Avenida zahlreiche exklusive Läden, darüber hinaus ist sie auch ein Freiluftspektakel mit Musikern, Tänzern, Jongleuren und Zauberern auf der Straße – vor allem sonntags, wenn die Avenida für den Autoverkehr gesperrt ist.

Kunstfreunde unter euch sollten Kurs auf das Museu de Arte de São Paulo (MASP) nehmen. Ihr erkennt es leicht von außen an den knallroten Betonbügeln.

Avenida Paulista in Sao Paulo

Fred S. Pinheiro/Shutterstock.com

Das Museum umfasst heute mehr als 11.000 Werke, darunter Gemälde, Skulpturen, Objekte, Fotografien, Videos und Kleidung aus verschiedenen Epochen. Es gilt als das bedeutendste Kunstmuseum Brasiliens.(Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr; der Eintritt beträgt 25 Reais).

Shopping-Fans dagegen nehmen Kurs auf den Stadtteil Jardin, südlich der Avenida Paulista. Er gilt als die edelste – und teuerste – Gegend der Stadt. Auf der Alameda Lorena und der Rua Oscar Freire finden sich viele noble Boutiquen und edle Cafés und Restaurants. Wohl an keinem anderen Ort der Metropole lässt sich in so kurzer Zeit so viel Geld ausgeben …

Praça da Republica: São Paulos historisches Zentrum

Die Praça da Republica ist einer der Hauptplätze im historischen Stadtzentrum. Er liegt nördlich von der Avenida Paulista. Ihr lauft circa 30 bis 40 Minuten vom Museu de Arte de São Paulo dorthin. Viel zu sehen gibt es hier zwar nicht, aber wer einfach einmal das wuselige Treiben der Metropole im Kleinen erleben möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Am besten setzt ihr euch in ein Café und lasst das quirlige Treiben an euch vorbeiziehen. Am Wochenende lohnt ein Besuch am meisten, denn dann findet auf dem Platz ein Kunsthandwerksmarkt statt.

Frau geht über einen Platz in Sao Paulo

Jonathan Borba

Ihr möchtet einmal hoch hinaus und São Paulo von oben erleben? Dann seid ihr am Edifício Itália an der richtigen Adresse. Mit 46 Etagen und einer Höhe von 168 Metern ist dieser Wolkenkratzer eines der höchsten Gebäude der Stadt. Ihr könnt mit den Fahrstühlen bis ganz nach oben fahren und von der Aussichtsplattform aus einen tollen 360-Grad-Blick auf die Stadt erheischen. Fünf Etagen tiefer könnt ihr im Restaurant Terraço Italia feine italienische Gerichte probieren. In der 42. Etage lohnt ein Besuch der Bar.

Wem das nötige Kleingeld für einen Besuch des Terraço Italia fehlt, aber trotzdem in der Gegend etwas essen möchte, sollte sich ein paar Schritte vom Praça da Republica entfernen und das Restaurant »A Casa do porco« aufsuchen. Es gilt als eines der besten Restaurants der Stadt – und das bei moderaten Preisen.

Catedral da Sé

Nicht weit vom Praça da Republica befindet sich der Praca da Sé, inklusiv der neugotischen Catedral da Sé. Sie gilt als die »Mutter aller Kirchen« der Erzdiözese São Paulo. Ihr erkennt sie leicht an ihrer imposanten, 30 Meter hohen Renaissance-Kuppel und den 92 Meter hohen Türmen.

Kathedrale in Sao Paulo

Diego Grandi/Shutterstock.com

Auch wenn ihr vielleicht dazu neigt, nur ein Foto von außen zu schießen, ein Besuch im Inneren der Kathedrale ist durchaus lohnend. Sehenswert sind die imposante Orgel der Kathedrale – sie gilt als eine der größten Lateinamerikas – und die Krypta unterhalb des Hauptaltars mit ihren sieben Meter hohen Decken. In der Krypta befinden sich die Grabmale aller Bischöfe und Erzbischöfe von São Paulo sowie die Gräber von zwei historisch bedeutenden Persönlichkeiten: Vater Diogo Feijó und Häuptling Tibiriçá (täglich geöffnet, Eintritt frei).

Rund einen Kilometer weiter nördlich, in Richtung des Stadtteils Luz, findet ihr den Mercado Municipal. In der 1933 erbauten Markthalle könnt ihr wunderbar durch die Gassen schlendern und euch an den Erzeugnissen aus der Region laben.

Mercado Municipal in Sao Paulo

R.M. Nunes/Shutterstock.com

Es gibt Obst und Gemüse in Hülle und Fülle, aber auch einige Imbissbuden, von denen ihr unbedingt Mortadella-Sandwichs oder die mit Fleisch oder Käse gefüllte Teigtaschen namens Pastels probieren solltet. Auf der oberen Etage findet ihr sogar einige Restaurants (montags bis samstags geöffnet von 6 bis 18 Uhr, sonntags von 6 bis 16 Uhr).

Erholung im Parque do Ibirapuera

Das, was der Central Park für New York ist, ist der Parque do Ibirapuera für São Paulo: die grüne Lunge der Stadt. Der rund zwei Quadratkilometer große Park ist der perfekte Rückzugsort für alle, die eine Auszeit vom wuseligen Treiben brauchen.

Ibirapuera Park in Sao Paulo, Brazil

inacioluc/Shutterstock.com

Tipp: Spaziert am besten auf dem Gehweg, der quer durch den Park führt. Sehenswert sind die wuchtigen Feigenbäume (Nähe Eingang Nr. 7), das Museu de Arta Moderna im Gebäude der Biennale São Paulos, das Museu Afro Brasil, das Denkmal »Monumento aos Bandeirantes«, der Japanische Pavillon und das Planetarium.

In der Ipiranga Avenue befindet sich das Copan-Gebäude des Architekten Oscar Niemeyer. Manch ein Besucher findet es in seiner Monstranz potthässlich. Andere dagegen finden die Kurven elegant konstruiert.

Copan-Gebäude in Sao Paulo

sergio souza

Das Gebäude ist 115 Meter hoch und auf rund 120.000 Quadratmetern Fläche gebaut. 1.160 Apartments befinden sich darin, etwa 5.000 Einwohner leben hier. Auf dem Dach des Gebäudes könnt ihr einen schönen Ausblick genießen. In der Galerie im Erdgeschoss gibt es Geschäfte, Restaurants und Cafés. Ein – egal, wie es einem gefällt – ziemlich beeindruckenes Wahrzeichen der Stadt.

Tipp: Wer eine kostenlose Sightseeing-Tour mitmachen möchte, sollte sich bei SP Free Walking Tour nach den Terminen erkunden. Es werden drei Touren angeboten: Altstadt, Avenida Paulista und Vila Madalena.

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