Viele Italien-Kenner fahren links und rechts vorbei und verpassen dabei etwas Großartiges. Molise, eingeklemmt zwischen Abruzzen und Apulien, ist die vielleicht authentischste und am wenigsten touristische Region des Landes. Keine Massen, keine Selfie-Hotspots, dafür viel unberührte Landschaft, echte Geschichte und ein unverfälschtes italienisches Lebensgefühl. Wer hierherkommt, entdeckt Italien, wie es früher einmal war. Wir stellen die schönsten Orte und Ecken der Region vor.
Was macht Termoli zu einem der schönsten Badeorte an der Adria?
Was macht Termoli zu einem der schönsten Badeorte an der Adria?Termoli ist der einzige größere Badeort in Molise in Italien und gleichzeitig einer der charmantesten. Die Altstadt (Borgo Antico) liegt auf einer kleinen Landzunge und ist von einer wuchtigen Stadtmauer umgeben. Innerhalb dieser Mauern findet man ein Labyrinth aus engen Gassen, weiß getünchten Häusern und kleinen Plätzen. Sehr pittoresk.

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Dreh- und Angelpunkt ist das Castello Svevo. Das ist eine trutzige Festung aus dem 13. Jahrhundert, die einst dem Schutz vor Angriffen aus dem Meer diente. Von hier aus hat man einen weiten Blick über die Adria.
Unterhalb der Altstadt erstrecken sich lange Sandstrände, die im Vergleich zu anderen Adriaküsten erstaunlich chillig sind. Besonders reizvoll ist der alte Hafenbereich, wo traditionelle Fischfangnetze– sogenannte Trabucchi – noch heute genutzt werden. Termoli eignet sich ideal als Ausgangspunkt, um die Küste Molises zu erkunden oder per Fähre zu den Tremiti-Inseln überzusetzen.
Tremiti-Inseln: Lohnt sich ein Tagesausflug von Termoli?
Die Tremiti-Inseln sind ein kleines Naturparadies. Der Archipel besteht aus fünf Inseln, von denen San Domino und San Nicola die bekanntesten sind. San Domino lockt mit Pinienwäldern, kleinen Buchten und kristallklarem Wasser, während San Nicola mit seinem historischen Zentrum, der Benediktinerabtei Santa Maria a Mare und alten Festungsanlagen einen spannenden Kontrast bietet.

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Besonders reizvoll sind die abgelegenen Grotten und Felsen, die sich am besten per Boot erkunden lassen. Wer Ruhe, ursprüngliche Landschaften und ein Stück italienische Inselschönheit sucht, findet auf den Tremiti-Inseln ein wunderbares Ziel. Die autofreien Inseln sind ein ideales Reiseziel für Badeurlauber, Wanderer und alle, die das Meer aus einer ruhigeren Perspektive erleben möchten.
Die Fahrtzeit mit der Fähre von Termoli beträgt rund eine Stunde. Die Inseln eignen sich perfekt für einen Tagesausflug. Übernachten ist aber auch möglich, vor allem auf San Domino mit Hotels wie dem Hotel Kyrie. Auf San Nicola finden sich kleinere B&B-Unterkünfte.
Warum Campobasso kein typisches Touristenziel ist
Die Hauptstadt Campobasso wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, offenbart aber bei näherem Hinsehen viel Charakter. Die Stadt ist zweigeteilt: ein moderner Bereich im Tal und eine historische Altstadt, die sich den Hang hinaufzieht.

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Wahrzeichen ist das Castello Monforte, das hoch über der Stadt thront. Der Aufstieg dorthin führt durch verwinkelte Gassen mit alten Steinhäusern und kleinen Kirchen. Von oben bietet sich ein Blick über die umliegenden Hügel und Berge.
Campobasso ist weniger ein klassisches Sightseeing-Ziel als vielmehr ein Ort, um das alltägliche Leben in Molise zu erleben. Märkte, kleine Trattorien und traditionelle Feste geben Einblick in eine Region, die stark von lokalen Traditionen geprägt ist.
Agnone: Traditionelles Handwerk und historische Altstadt
Die Kleinstadt Agnone ist vor allem für ihre Glockengießerei bekannt. Die Pontificia Fonderia Marinelli ist eine der ältesten noch aktiven Glockengießereien der Welt. Seit über tausend Jahren werden hier Glocken hergestellt, viele davon für Kirchen auf der ganzen Welt.

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Neben diesem einzigartigen Handwerk beeindruckt Agnone durch seine gut erhaltene Altstadt. Breite Gassen, elegante Palazzi und zahlreiche Kirchen zeugen von einer Zeit, in der die Stadt ein bedeutendes religiöses und wirtschaftliches Zentrum war.
Heute geht es hier ruhig zu, doch gerade diese Ruhe macht den Ort so besonders. Agnone ist ein hervorragendes Beispiel für das kulturelle Erbe Molises abseits der bekannten Routen.
Warum zählt Bagnoli zu den schönsten Dörfern Italiens?
Bagnoli del Trigno gehört zu den spektakulärsten Orten der Region. Das Dorf klammert sich spektakulär an einen Felsen, überragt von einer Kirche und einer Burg. Schon aus der Ferne wirkt der Ort wie eine Filmkulisse.

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Beim Spaziergang durch die engen, steilen Gassen eröffnet sich immer wieder ein weiter Blick über die umliegende Landschaft. Viele Häuser sind aus hellem Stein gebaut, was dem Dorf ein besonders harmonisches Erscheinungsbild verleiht.
Bagnoli del Trigno wird oft als eines der schönsten Dörfer Italiens bezeichnet – und dennoch bleibt es weitgehend unentdeckt. Gerade in den frühen Morgen- oder Abendstunden entfaltet der Ort einen fast meditativen Vibe.
Natur erleben im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise
Ein Teil des Parco Nazionale d’Abruzzo, Lazio e Molise erstreckt sich in die Region Molise hinein und bietet wunderschöne Naturerlebnisse. Dichte Wälder, klare Bergbäche und abgelegene Pfade prägen die Landschaft.

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Der Park ist bekannt für seine Tierwelt, darunter seltene Arten wie der Marsische Braunbär oder der Italienische Wolf. Wanderer finden hier gut ausgeschilderte Routen, die durch nahezu unberührte Natur führen. Anders als in vielen anderen Nationalparks Europas trifft man hier oft stundenlang auf keine anderen Besucher. Das ist ein Luxus, der in Italien wahrlich selten geworden ist …
Weitere sehenswerte Orte in Molise
Auch abseits der genannten Orte lohnt es sich, Molise zu erkunden. Die Region lebt von ihren kleinen, oft unscheinbaren Orten:
- Isernia: Eine der ältesten Städte Italiens mit archäologischen Funden, die bis in die Altsteinzeit zurückreichen.
- Sepino: Eine gut erhaltene römische Ausgrabungsstätte mit Stadtmauern, Straßen und Theater.
- Larino: Bekannt für seine Kathedrale und ein römisches Amphitheater.
Die Website Visit Molise hält weitere Informationen für einen Urlaub in der Region vor.
