Wohin zieht es Genießer im Juli? Am besten dorthin, wo gerade geerntet, gekocht und gefeiert wird. Diese Serie zeigt für jeden Monat, welche Reiseziele kulinarisch gerade Hochsaison haben. Dieses Mal führt uns die Genussreise vom gegrillten Aal in Japan bis zu den Lavendelfeldern der Provence. Los geht’s!
In vielen Regionen der Welt ist der Juli Erntezeit. Von Japan bis in die Karibik, von Südfrankreich bis Griechenland feiern Regionen ihre saisonalen Spezialitäten mit Festen, Märkten und traditionellen Gerichten. Unsere sieben Ziele sind ebenso zuckersüß wie aalglatt und lassen Gourmets garantiert nicht im Trüben fischen. Zwischen Lavendelfeldern, Pintxos-Bars, Steinobst und Tavernenküche findet jeder seinen Lieblingsplatz. Ganz gleich, ob Naturfreund, Naschkatze oder Liebhaber herzhafter Küche.
Japan im Juli: Unagi-Tag gegen die Sommerhitze

Foto: Xavier Chng
Unagi, der Süßwasseraal, zählt zu den kostbarsten Zutaten der japanischen Küche. »Doyo no Ushi no Hi«, der Unagi-Tag, fällt meist auf das Ende des Monats. Dann kommt im ganzen Land gegrillter Aal auf den Teller, ein Ritual, das Kraft gegen die drückende Sommerhitze geben soll.
In spezialisierten Restaurants garen zarte Filets über Holzkohle, glänzend glasiert und auf Reis angerichtet. Selbst die Supermärkte widmen dem Aal eigene Sommeraktionen.
Belize im Juli: Lobsterfest zum Saisonstart

Foto: Meritt Thomas
Butter bei die Fische? In Belize muss es bei die Languste heißen. Denn am 1. Juli beginnt hier die Langusten-Saison, und mit ihr die Lobsterfeste entlang der Karibikküste. Gefeiert wird an gleich mehreren Orten, im Norden in San Pedro auf der Insel Ambergris Caye und im Süden im Fischerort Placencia auf einer schmalen Landzunge. Tagelang steht dort alles im Zeichen der ersten Fänge.
An den Ständen am Strand warten gegrillte Langusten und Lobster-Tacos, dazu Musik und Rum. Wer dem Duft von Knoblauch und Limette folgt, findet den Weg zum Grill von allein. Und wer sich durchprobiert, nimmt am Ende einen kleinen Eiweißschock nur zu gerne in Kauf.
Provence im Juli: Lavendelblüte und Lavendelhonig

Foto: Luboslav Tiles/Shutterstock.com
Erst der Duft, dann das Bild. Lange bevor die Lavendelfelder ins Blickfeld rücken, liegt ihr Aroma in der Luft. Zwischen Ende Juni und Mitte Juli zeigt die Provence ihren bekanntesten Moment, auf dem Plateau de Valensole, wo sich die Reihen bis an den Horizont ziehen. In den höheren Lagen rund um Sault hält die Blüte oft bis Ende Juli, mancherorts bis in den August. Das Violett bringt viele Reisende zum Anhalten – das Instagram-Motiv des provenzalischen Sommers, der Urlaubsschnappschuss schlechthin.
Doch Lavendel ist nicht nur schön anzusehen, sondern schmeckt auch. Auf dem Markt des Städtchens Apt und dem des Bergdorfs Sault wartet die Blüte auch im Glas. Lavendelhonig, hell und blumig, gilt hier als süßeste Form des Lokalpatriotismus. Die eigentliche Arbeit leisten die Bienen, unbeeindruckt vom Andrang der Fotografierenden. Bei so viel Bienenfleiß geraten selbst nüchterne Genießer ins Schwärmen. Nebenan, in den kleinen Destillerien, entsteht das ätherische Öl, dem eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird. Nötig ist sie kaum: Nach einem Vormittag zwischen den Reihen sind die meisten Besucher ohnehin längst tiefenentspannt.
Griechische Inseln im Juli: Tavernenküche von Kreta bis Santorin

Foto: Loes Klinker
Auf den griechischen Inseln erreicht im Juli vieles seinen Reifepunkt, genau das, was den Sommer hier ausmacht. Tomaten bekommen ihre volle Süße, Gurken werden knackig, und wer das übersieht, hat sprichwörtlich Tomaten auf den Augen. Die Kräuter duften in der Hitze besonders kräftig.
Auf Santorin gedeiht im vulkanischen Boden die berühmte kleine Kirschtomate, auf Naxos füllen sich die Marktstände der Altstadt mit Gemüse und Käse. Die kretische Tavernenküche braucht kaum mehr als gutes Olivenöl. Schon ein einfacher Salat wird zum Sternegang, so intensiv schmecken die Zutaten, dass es kaum mehr als Hauptspeise braucht. Am Abend kommt der Grill dazu: frischer Fisch, schlicht zubereitet. Für so viel Geschmack aus so wenig Aufwand erntet die griechische Küche zu Recht Lorbeeren, die hier ohnehin im Garten wachsen.
Michigan im Juli: Kirschfest am Lake Michigan

Foto: Peggy Paulson
Cherry, Cherry, Michigan! An den Ufern des Lake Michigan dreht sich im Juli alles um die Kirsche. Rund um Traverse City läuft die Ernte auf Hochtouren, und die Stadt feiert die Kirsche mit dem National Cherry Festival. Es findet traditionell Anfang Juli statt, meist über acht Tage ab dem ersten Samstag im Monat, das genaue Datum wechselt von Jahr zu Jahr. Dann prägen Paraden und Jahrmarktstände das Bild, im Mittelpunkt aber stehen Cherry Pies und Kuchen mit frischen Früchten. Und die schmecken in Traverse City sogar besser als in Nachbars Garten. Das soll was heißen.
Neufundland im Juli: späte Erdbeeren am Atlantik

Foto: Samantha Edison/Shutterstock.com
Im Juli steppt in Neufundland der Bär. Und zwar wegen der Beere. Denn die reifen Früchte locken hier nicht nur Menschen an, sondern auch die Schwarzbären der Insel, die im Sommer ebenso gerne Beeren fressen.
Im hohen Nordosten Kanadas beginnt die Erdbeersaison erst, wenn sie anderswo schon ausklingt. Die späten Sorten reifen mitten im Sommer und kommen auf kleinen Feldern und Farmständen entlang der Küste in den Verkauf. Wer jetzt kommt, bestellt Erdbeerkuchen im Diner oder pflückt auf den U-pick-Feldern selbst. Eine kurze, intensive Saison, die wohl zum süßen Höhepunkt des nordatlantischen Sommers gehört.
Piemont im Juli: Aprikosen und Pfirsiche in der Hochsaison

Foto: Nadya Spetnitskaya
Im Herbst glänzt das Piemont mit Trüffeln und Barolo. Im Juli aber gehört die Bühne dem Steinobst. Aprikosen und Pfirsiche haben Hochsaison, dazu kommen Mirabellen und die ersten Pflaumen, die in den Tälern und Hügeln rasch nacheinander reifen. Die genauen Erntezeiten schwanken mit Jahr und Wetter, doch der Juli liegt fast immer mitten in der Saison.
Auf den Wochenmärkten rund um Saluzzo und Volpedo stapeln sich die Früchte nach Sorte und Reifegrad, sonnenwarm und so duftend, dass der Stand sich zwei Gassen früher ankündigt. Die Geduld der Obstbauern trägt jetzt reiche Früchte.
In der Landküche geht es weiter: Dolci mit eingelegten Aprikosen und Tartes mit Pfirsichspalten, vor allem aber Gelato, dessen Fruchtanteil kaum höher liegen könnte. Von der Obstkiste auf dem Markt bis in die Gelateria ist es nicht weiter als eine Kugellänge. Und wie heißt es so schön? Im Magen gibt es immer noch ein Plätzchen für Eis.

