Angola ist ein Land der Gegensätze. Luxus trifft auf Armut. Tropisches Klima auf trockene Hitze. Und eine reisen-EXCLUSIV-Autorin auf ein bodenständiges Abenteuer.  

Hand aufs Herz. Über Angola wusste ich vor dem Abflug nicht viel. Eigentlich nichts. Auch in meinem Umkreis schaute ich bei der Ankündigung meiner Reise in viele fragende Gesichter. Höchste Zeit also, das Scheinwerferlicht auf das Land im Südwesten Afrikas zu richten – und dieses gut festzuhalten, denn es wird ruckelig.

Mein Kopf knallt an das Dach des Jeeps. Wieder ein Schlagloch. Dieses Mal konnte unser sonst umsichtiger Fahrer nicht rechtzeitig ausweichen. Kurz durchatmen, dann wackeln wir und das Auto weiter über die Schotterpiste in Richtung Namibe-Wüste im Süden von Angola. Und so viel sei schon jetzt verraten: Wer Urlaub in Angola macht, sollte ein Fan längerer Autofahrten sein. Das Land ist viermal so groß wie Deutschland, die Distanzen zwischen einzelnen Orten sind weit und einige sehenswerte Plätze einfach nicht anders als auf vier Rädern erreichbar. Außer man besitzt eine Cessna, klar, das geht hier natürlich auch.

Die Kuvale und die Kunst des Feuermachens

Aber wir, eine Gruppe aus Journalisten, einem Reiseleiter, Fahrern, Küchencrew und anderen Helfern, fahren nun eben in einer Autokolonne durch steinige Landschaft und freuen uns auf die Ankunft am Zeltplatz. In Tchitundo Hulu – in der Nähe der Kleinstadt Virei – warten nicht nur mehrere tausend Jahre alte Felsgravuren und -zeichnungen (eine genaue Datierung gibt es nicht), sondern auch Mitglieder der Kuvale. Eine Bevölkerungsgruppe im Südwesten Angolas, die von der Viehzucht lebt. Schon am Abend schauen einige neugierige Männer vorbei und tauchen plötzlich im schummrigen Licht unseres Lagerfeuers auf. Stumm betrachten sie unsere Gruppe. Und fragen sich wahrscheinlich, wer von uns für dieses klägliche Feuer verantwortlich ist.

Kuvale an unserem Zeltplatz in Angola.

Foto: Jana Freiberger

Am nächsten Morgen steht dann quasi die ganze Truppe um unser Zeltlager. Wo ich auch hinschaue, zeichnet die aufgehende Sonne am frühen Morgen ihre schmalen und langen Silhouetten ab. Ein Gänsehautmoment. Auch Manuel Pedro Bungisa, der Soba (der Chef) der insgesamt 25-köpfigen Gruppe, schaut vorbei. Und trinkt erst einmal in Ruhe eine Tasse Kaffee. Der alte Mann freut sich über den Besuch der (vorab angemeldeten!) Touristen, und erzählt uns vom Leben der Kuvale. Von ihren Ziegen und vor allem von den Rindern, deren Milch sie trinken und die das Vermögen der Gruppe darstellt. Denn wird Geld benötigt, wird einfach ein Tier, in der Regel ein männliches, verkauft. Für umgerechnet etwa 250 Euro.

Eine Kuvale-Frau melkt eine Kuh.

Foto: Thomas Thadewaldt/DIAMIR Erlebnisreisen

Iona-Nationalpark: Camping in in der Höhle des Löwen

Nach einem kurzen Abstecher zur Viehherde geht’s weiter. Rein in den Jeep, Hand an den Haltegriff und schon wackelt unser Auto weiter in Richtung Iona-Nationalpark, wo der nächste Zeltplatz auf uns wartet. Zwischendurch verlieren wir vorübergehend übrigens auch mal einen der Wagen, der drei Stunden später wieder auftaucht, mehrmals fahren sich Autos im Sand fest und später, als wir in Angolas Norden unterwegs sind, platzt bei unserem Bus bei schneller Geschwindigkeit ein Reifen. Urlaub in Angola ist eben nicht mit einem entspannten All-inclusive-Urlaub auf Mallorca vergleichbar. Das touristisch noch weitgehend unentdeckte Land ist ein Reiseziel für Abenteurer und bei so einem Abenteuer muss eben häufiger mal ein Plan B her. Oder C.

Wer nur wenig Geduld hat, ist hier vielleicht auch nicht ganz richtig. Wir stehen mittlerweile am Eingang zum Iona-Nationalpark. Und warten. Gut, dass ich vorher noch kurz in einen See gehüpft bin, der noch feuchte Badeanzug kühlt meinen Körper, während die Sonne aufs Autodach knallt.

Urlaub in Angola: Ein See in der Wüste.

Foto: Thomas Thadewaldt/DIAMIR Erlebnisreisen

Erst werden in aller Ruhe die Daten der Besucher erfasst. Dann funktioniert das Kartengerät nicht. Bargeld wird zusammengeworfen. Etwa eine Stunde später (okay, vielleicht waren es auch 40 Minuten), rollen unsere Autos in den seit 1964 zertifizierten Nationalpark, der mit 15.000 Quadratkilometern in etwa halb so groß ist wie Belgien.

Wir fahren durch sich stets verändernde Savannenlandschaften, vorbei an außergewöhnlichen Felsformationen und unzähligen Welwitschia-Gewächsen, die bereits seit Millionen von Jahren auf der Erde wachsen, über 1.000 Jahre alt werden – und in ihrer Form leicht an einen alten und arg zerfledderten Reifen erinnern. Und als die Sonne bereits untergegangen ist, erreichen wir endlich unseren Campingplatz in der Nähe einer Dünenlandschaft: »Gruta do Leão«, die Höhle des Löwen. Der Grund für den Namen ist schnell ersichtlich: Die Zelte stehen hier windgeschützt auf breiten und langen Stufen, die in einen Fels hineingearbeitet wurden. Das Schönste ist aber: Vom Feldbett im Inneren blickt man direkt auf die Weite des Iona-Nationalparks.

Blick vom Zeltplatz auf den Iona-Nationalpark – ein Highlight beim Urlaub in Angola.

Foto: Thomas Thadewaldt/DIAMIR Erlebnisreisen

Von Skorpionen, Schlangen und anderen süßen Tieren

Auch nett, es gibt hier (Outdoor-)Duschen! Sehr improvisiert, ja, aber immerhin. Das Wasser kommt aus einem Fass über der Duschhalterung, für Sichtschutz sorgt eine in die Jahre gekommene Bambusmatte. Und da nach meinem Bad am Morgen noch der halbe See an meinem Körper klebt und meine Haare auch mal ansprechender aussahen, fische ich im Dunkeln frische Unterwäsche und ein Top, das als Handtuch herhalten muss, aus meinem Koffer und spaziere los.

Das Wasser ist eiskalt. Ja, wir sind in Südwestafrika, aber bei meinem Besuch ist auf der Südhalbkugel gerade Winter und die Temperaturen sinken nachts schon mal auf 10 Grad. Mein Körper zittert heftig (auch aus Angst, dass mich der Skorpion, der kurz vorher einmal quer über den Zeltplatz gerannt ist, jetzt bei mir in der Dusche vorbeischauen könnte), aber nachdem ich abgetrocknet und wieder angezogen bin, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Auch wenn die in dicke Winterklamotten eingemummelte angolanische Crew (einer trägt sogar eine Sturmmaske aus Wolle) mich fassungslos anschauen, als ich später mit nassen Haaren am Lagerfeuer sitze.

Am nächsten Morgen finden wir nicht weit vom Zeltplatz entfernt Giraffenspuren im Sand. Nicht älter als ein oder zwei Tage. Erst im Jahr 2023 wurden hier 14 der Tiere wieder neu angesiedelt, nachdem der Natur- und Tierschutz während des Bürgerkriegs, der im Jahr 1975 nach dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Portugal begann und mit Unterbrechungen bis 2002 andauerte, stark vernachlässigt worden war. Immerhin sehen wir bei der Fahrt nach Lubango immer mal wieder eine einzelne Antilope (die Riesen-Rappenantilope, das Nationaltier Angolas, ist leider nicht dabei) und ein Zebra. Wenn auch etwas verwackelt, wir sind noch immer auf unbefestigten Straßen unterwegs. Mittlerweile wiegt mich das Geruckel sofort in den Schlaf. Ist alles nur Gewöhnungssache.

Urlaub in Angola: Auf dem Weg in die Hauptstadt Luanda

Wer einen Stopp in Lubango macht, mit 900.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes nach der Hauptstadt Luanda, sollte auf dem Weg dorthin unbedingt im Serra-da-Leba-Gebirge Halt machen und sich den gleichnamigen Bergpass anschauen. In engen Kurven schlängelt dieser sich auf 1.845 Meter hoch und ist einfach ein hübsches Fotomotiv. Beim Knipsen aber immer darauf achten, wo man hintritt, sonst macht man wie ich schnell mal Bekanntschaft mit einer Schlange. Oder anderen süßen Tieren.

Der Serra-da-Leba-Pass in Angola.

Foto: Fabian Plock/Shutterstock.com

Sehenswert sind rund um Lubango auch die Tundavala-Schlucht und die 30 Meter hohe Cristo-Rei-Statue, die auf einer Erhebung am Rande der Stadt steht und besonders bei Sonnenuntergang einen tollen Ausblick bietet. Für uns heißt es, im Terminal noch schnell ein mit Käse und Schinken belegtes Sandwich (Tosta Mista) essen, einen Espresso trinken, für dessen Zubereitung uns lösliches Pulver und ein Wasserkocher neben die kleine Tasse gestellt wird, und dann ab ins Flugzeug nach Luanda steigen.

Es geht in Richtung Norden. In Richtung tropisches Klima. Kaum haben wir den Flieger verlassen, legt sich die feuchte Luft auf Haare und Haut. Auch die ersten Steckmücken kommen zur Begrüßung vorbei – unbedingt ein schützendes Spray einpacken! Und dann ab auf Erkundungstour! Die Küstenstadt am Südatlantik und Hauptstadt Angolas hat nicht nur einen schönen Strand, sondern auch sonst viel zu bieten.

Menschen auf einer Straße in Luanda, der Hauptstadt Angolas.

Foto: Thomas Thadewaldt/DIAMIR Erlebnisreisen

Gegensätze zum Beispiel. Kolonialbauten treffen auf Bürotürme und Wellblechhütten. Luxusschlitten auf motorisierte Lastenräder (Kewesekis). Feiernde Jugendliche in Markenklamotten auf bettelnde Straßenkinder in Unterhose. Und der Bierpreis schwankt je nach Etablissement zwischen 0,40 und 4 Euro. Na dann, Prost! Noch feucht-fröhlicher wird’s bei unserem Ausflug zu den Kalandula-Wasserfällen, östlich von Luanda. Mehrere Guides führen uns über einen steilen und rutschigen Weg direkt bis an die Gischt der 100 Meter hohen und 400 Meter breiten Fälle. Während uns das Wasser ins Gesicht spritzen, zücken alle ihr Handy oder ihre Kamera, um Selfies zu machen. Dieser Ort ist wirklich besonders!

Das gilt auch für die nahegelegene Fazenda Terras de Koló und das Kahombo Resort Rural, das mitten auf dem landwirtschaftlich betriebenen Gelände liegt. Hier, weitab jeglicher Zivilisation, lässt sich ganz wunderbar abschalten. Ob abends am Lagerfeuer, beim Sport im Outdoor-Gym mit Blick auf den Fluss Lucala oder beim Essen im Restaurante Kurral, wo ich besonders das Fleisch empfehlen kann. Aber Achtung, auf dem Weg zur Unterkunft sind Cowboys und Nelore-Rinder unterwegs – und die Straße ist nicht befestigt. Es wird also wieder ruckelig!

Cowboys in Angola.

Foto: Thomas Thadewaldt/DIAMIR Erlebnisreisen

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Mehr Infos zu Urlaub in Angola

Airline

Die Lufthansa bietet dreimal pro Woche Direktflüge von Frankfurt nach Angola an.

Währung

In Angola wird mit Kwanza gezahlt. 1 Euro entspricht etwa 1.000 Kwanza.

Sprache

Die Amtssprache ist Portugiesisch, es gibt aber auch verschiedene Nationalsprachen wie Umbundu Kikongo, Kimbundu und Chokwe.

Reiseveranstalter

Der Veranstalter DIAMIR Erlebnisreisen (hier geht es zur Website), der auch diese Reise zusammen mit dem angolanischen Tourismusministerium unterstützt hat, bietet regelmäßig Rundreisen durch Angola an. Die Preise starten bei 5150 Euro für eine 14-tägige Reise – inkl. Flug.