Ein politischer Umbruch rückt Venezuela plötzlich wieder in den Mittelpunkt. Während in Caracas noch über die Zukunft des Landes gerungen wird, träumen Reisende bereits von türkisfarbenen Inseln, gewaltigen Wasserfällen und unberührter Natur. Was bedeutet dieser Moment für eines der faszinierendsten und lange verschlossenen Reiseziele Südamerikas?
Der 3. Januar 2026 könnte für Venezuela ein neuer Anfang sein. An diesem Tag erklärte US-Präsident Donald Trump, dass amerikanische Streitkräfte einen großen Militäreinsatz gegen das Land durchgeführt hätten, die sogenannte Operation Southern Spear. Nach seinen Worten wurden Präsident Nicolás Maduro und seine Frau festgenommen und außer Landes gebracht, berichtet unter anderem CNN auf seiner Website. In Caracas und anderen Städten hörten Menschen Explosionen, sahen Militärflugzeuge am Himmel und Rauch über der Stadt aufsteigen.

Foto: miss.cabul/Shutterstock.com
Die venezolanische Regierung widerspricht diesen Aussagen deutlich. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sprach von einem schweren Angriff auf das Land und forderte Beweise für Trumps Behauptungen. Was genau geschehen ist, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig sagen. Klar ist jedoch: In Venezuela bewegt sich politisch sehr viel. Sollte es zu einem Machtwechsel kommen, könnte das Land seine lange Isolation überwinden und sich damit auch wieder stärker für Besucher aus aller Welt öffnen.
Venezuelas Tourismus: Vom Boom zum Kollaps
Noch zu Beginn der 2010er-Jahre galt Venezuela als eines der spannendsten Reiseziele Südamerikas. Im Jahr 2013 verzeichnete das Land über eine Million internationale Ankünfte. Strände, Regenwälder, die Anden, der Salto Ángel und karibische Inseln zogen Backpacker, Ökotouristen und Strandurlauber gleichermaßen an.
Doch die politische und wirtschaftliche Krise führte zu einem dramatischen Einbruch. Hyperinflation, Versorgungsengpässe, hohe Kriminalität und internationale Sanktionen ließen den Tourismus fast zusammenbrechen. 2017 sank die Zahl der internationalen Besucher auf rund 429.000. Das war weniger als die Hälfte des Niveaus von vier Jahren zuvor.

Foto: Carina Furlanetto/Shutterstock.com
In den frühen 2020er-Jahren begann eine vorsichtige Erholung. Nach Angaben venezolanischer Behörden stieg die Zahl der ausländischen Besucher 2022 auf rund 656.000. 2023 folgte ein starker Zuwachs auf etwa 1,25 Millionen, angetrieben vor allem durch Besucher aus Russland, der Türkei, Iran, Lateinamerika und einzelnen europäischen Ländern. Für 2024 plante die Regierung eine weitere Steigerung der Touristenzahl, unter anderem durch neue Flugverbindungen und bilaterale Abkommen mit verbündeten Staaten.
Dennoch blieb der Tourismus weit unter seinem eigentlichen Potenzial. Viele Regionen litten und leiden weiterhin unter schlechter Infrastruktur, nicht wirklich funktionierenden Dienstleistungen und Sicherheitsproblemen. Viele potentiell Interessierte sahen deshalb von einer Reise in das Land ab. Sollte es nun zu einer politischen Neuordnung und zu einer Aufhebung von Sanktionen kommen, könnte Venezuela innerhalb weniger Jahre wieder zu einem der wichtigen Reiseziel Südamerikas aufsteigen.
Attraktionen in Venezuela, die wieder zum Leben erwachen könnten
Angel Falls (Salto Ángel): Herz des Landes
Mit 979 Metern ist der Salto Ángel der höchste Wasserfall der Erde. Er stürzt vom Tafelberg Auyán-tepui in den Dschungel des Canaima-Nationalparks und ist eines der bemerkenswertesten Naturwunder Südamerikas. Der Weg dorthin, per Kleinflugzeug und Boot durch Regenwald und Flüsse, gehört selbst schon zum Abenteuer. Bei verbesserter Infrastruktur und stabiler Sicherheit könnte der Angel Falls wieder zu einem internationalen Symbol für den Ökotourismus des Landes werden.

Foto: Vadim Petrakov/Shutterstock.com
Canaima-Nationalpark: Eine andere Welt
Der riesige Nationalpark im Südosten des Landes wirkt wie aus einer prähistorischen Zeit: gewaltige Tepuis (Tafelberge), schwarze Flüsse, Wasserfälle, Nebelwälder und indigene Dörfer. Trekkingtouren, Bootsexpeditionen und Begegnungen mit den Pemón-Gemeinschaften machen Canaima zu einem der außergewöhnlichsten Reiseziele Lateinamerikas. Eine Wiederöffnung für den internationalen Markt würde Venezuela sofort wieder auf die Weltkarte der Abenteuerreisen setzen.

Foto: Photo Spirit/Shutterstock.com
Los Roques: Karibik ohne Massentourismus
Der Los-Roques-Archipel gilt als eines der schönsten Inselparadiese der Karibik: flache türkisfarbene Lagunen, weiße Sandbänke, intakte Korallenriffe und kaum Bebauung. Ideal für Taucher, Kitesurfer und Ruhesuchende. In stabileren Zeiten könnte Los Roques zur nachhaltigen Luxusdestination werden – vergleichbar mit den Malediven oder den Bahamas, aber mit lateinamerikanischem Flair.
Isla Margarita: Venezuelas klassische Ferieninsel
Vor der Küste gelegen, bietet Isla Margarita Strände, Tauchreviere, koloniale Städtchen und Resorts. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren war sie eines der beliebtesten Reiseziele der Karibik für Südamerikaner und Europäer. Mit Investitionen und stabilen Flugverbindungen könnte die Insel erneut zum touristischen Aushängeschild Venezuelas werden.

Foto: Authentic travel/Shutterstock.com
Orinoco-Delta: Südamerikas Amazonas-Alternative
Das weitverzweigte Flussdelta im Osten des Landes ist ein Paradies für Naturbeobachter: Mangroven, Sümpfe, Affen, Delfine, Papageien und indigene Warao-Gemeinschaften. Öko-Lodges und Flussboote ermöglichen intensive Naturerlebnisse, die in ganz Südamerika ihresgleichen suchen. Bei verbesserter Sicherheit könnte das Orinoco-Delta ein Highlight für nachhaltigen Tourismus werden.
Anden rund um Mérida: Bergabenteuer in den Tropen
Im Westen Venezuelas erheben sich die Anden mit schneebedeckten Gipfeln, alpinen Dörfern und Nebelwäldern. Mérida ist bekannt für Seilbahnen, Wanderwege, Paragliding und Hochlandkultur. Die Region bietet ein völlig anderes Venezuela als die Karibik oder der Regenwald. Das ist ein Kontrast, der das Land für Reisende besonders attraktiv macht.

Foto: Douglas Olivares/Shutterstock.com
Caracas: Kultur zwischen Chaos und Kreativität
Die Hauptstadt war einst eines der kulturellen Zentren Südamerikas. Theater, Galerien, koloniale Architektur, moderne Architektur (u. a. von Carlos Raúl Villanueva) und eine lebendige Musik- und Kunstszene könnten bei sinkenden Sicherheitsrisiken wieder internationale Besucher anziehen, insbesondere Kultur- und Städtereisende sowie Nachtlebenliebhaber.
