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Redakteurin Marie Tysiak war schon oft auf Bali und dachte, sie hätte dort alles gesehen. Doch mit ihrem Besuch im Buahan, a Banyan Tree Escape im Herzen der Insel wird sie völlig überrascht. Ein Escape der anderen Art ist eine tiefe Einladung, runterzukommen und sich wieder zu erden.

Es gibt Hotels, die Seele haben. Davon bin ich überzeugt. Mit dieser Seele fühlen sich Gäste bis ans Lebensende verbunden. Und hier bitte keine Esoterik reinlesen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand beim Besuch des Buahan, a Banyan Tree Escape auf Bali unberührt bleibt. Denn dieser Ort hat definitiv eine Seele. Wo fange ich an?

Pool im Hotel Buahan, a Banyan Tree Escape

Foto: Banyan Group

Am Abend war ich erst spät angereist. Es war stockfinster, als das Auto vom kleinen Dorf Buahan am beleuchteten Resort-Schild einbog und ich vom klackernden, dunklen Dschungel empfangen wurde. Nach einer Stärkung ging es schließlich zu meinem Bale – das balinesische Wort für Haus. All dies geschah in der bei mir oft nach einem Langstreckenflug einsetzenden Dumpfheit, die irgendwo zwischen Müdigkeit und Raum-Zeit-Verwirrung seine Ursache findet.

Einchecken im Bale: Luxus ohne Wände

In jedem Fall erwache ich nun in ebendiesem Haus. Wobei die Übersetzung sehr irreführend sein kann. Denn: Dieses Bale hat keine Wände. Und keine Türen. Nur ein Dach, das auf Stelzen steht. Das mag jetzt einfach klingen, doch alles im Bale versprüht Luxus. Jedes Detail ist hochwertig und passt perfekt in diese Dschungelszenerie. Doch im Endeffekt ist diese Villa eben ein komplett offener Bau, nur Dusche und Toilette umrahmt zumindest zur Hälfte eine richtige Wand. Moskitonetze schirmen mich vom Rest des »Hauses« ab, das wiederum nur mit einem dünnen Vorhang vom Dschungel um mich herum getrennt ist. Und nun hat mich das Vogelgezwitscher, das punktgenau um sechs Uhr mit der Dämmerung eingesetzt hat, geweckt. Durch den Vorhang scheint Licht. Verschlafen tapse ich aus dem Bett und schiebe ihn beiseite. Und kann meinen Augen kaum trauen.

Zimmer im Buahan, a Banyan Tree Escape, einem Luxushotel in Bali

Die Bales im Buahan, a Banyan Tree Escape haben keine Wände und Fenster I Foto: Banyan Group

Ich bin mitten im Paradies. Vor mir erstreckt sich zunächst meine hübsche Veranda, dahinter ein Infinitypool, der jedes Fotografenherz höherschlagen lässt und auf ein wildes, grünes Tal blickt. Unten rauschen zwei Flüsse und ein Wasserfall, die ich nur höre. Am gegenüberliegenden Hang grasen Kühe zwischen Reisterrassen und Palmen, Berge thronen am Horizont – und just in diesem Moment fällt das erste Sonnenlicht des Tages majestätisch in einzelnen Strahlen in das Tal. Noch halb im Schlaf bewege ich mich Richtung Wasser, streife unterwegs alle Kleidung ab und gleite in das dampfende, angenehm warme Wasser. Dieser Blick, diese Geräuschkulisse aus Quaken, Zwitschern und allem, was der Dschungel so von sich gibt, dazu die wohlige Umarmung des warmen privaten Pools. Wenn ich lange genug still bleibe, gesellen sich kleine schwarze Dajaldrosseln zu mir. Bis zu 30 der filigranen Vögel reihen sich auf die Poolkante und trinken. Jede winzige Bewegung lässt sie ruckartig davonfliegen.

Der Blick ins Paradies

Ich genieße dieses erste Aufwachen in der Villa so sehr, schlüpfe in den hübschen Kimono, brühe frischen balinesischen Kaffee von der eigenen Plantage auf und lese in der Morgensonne im gemütlichen Sessel. Auch die kommenden Dämmerungen werde ich von den Vögeln geweckt und verbringe meine Zeit in genau dieser friedvollen Kulisse.

Marie Tysiak am Pool im Buahan, a Banyan Tree Escape

Morgenstimmung am eigenen Infinity-Pool I Foto: Marie Tysiak

Doch für ein Hotel zu behaupten, es habe eine Seele, braucht es mehr als ein richtig gutes Morgenritual. Es braucht Herz. Und das hat das Buahan, a Banyan Tree Escape. Gleich am ersten Tag mache ich mich mit dem charmanten Chefkoch Sheandy Satria auf ins Dorf zum Bauern Ajik Agung Bagus, genannt Archie. Archie ist 45 Jahre alt und in siebter Familiengeneration Bauer auf diesem Land. Er ist einer der vielen Zulieferer des eigenen Restaurants, das alle – ja alle – seine Zutaten aus einem Radius von einer Stunde um das Hotel bezieht und gleichzeitig dank des Zero-Waste-Konzepts kaum Lebensmittelabfall produziert. Die balinesische Philosophie von Balance und Nachhaltigkeit liegt hier jedem Gericht zugrunde.

Deshalb ist die Küche zu 80 Prozent pflanzenbasiert. Archie führt mich vorbei an den Reisterrassen, die so saftgrün leuchten, als wären sie mit einem Filter belegt. An den Bäumen wachsen pralle Papayas, frische Honigwaben tropfen golden, und es surrt fleißig. Junge Kokosnüsse stapeln sich an jeder Ecke, Archies Schwägerin Juna schneidet unter einem Bambuspavillon exotische Sternenfrüchte, die Litschi-ähnlichen Rambutan, Jackfruit und Mango auf und zeigt mir frische Vanille und Kakao. Die Natur scheint hier nur so vor Lebenslust zu sprühen und die Menschen mit allem Wichtigen zu versorgen. Tatsächlich heißt »Buahan« auf Balinesisch »Früchte«, passender Name also für das Dorf. Dazu diese Herzlichkeit von Archie samt Familie und Chefkoch Sheandy, der mit einer Engelsgeduld alles übersetzt und genau erklärt.

Koch Sheandy (links) und Bauer Archie (rechts) sind ein kleiner Teil des Teams, die im Dorf Buahan für die Kulinarik im Resort verantwortlich sind

Koch Sheandy (links) und Bauer Archie (rechts) sind ein kleiner Teil des Teams, die im Dorf Buahan für die Kulinarik im Resort verantwortlich sind I Fotos: Marie Tysiak

Die balinesische Lebensphilosophie Tri Hita Karana

Hier höre ich zum ersten Mal von der Dreifaltigkeit der balinesischen Lebensphilosophie Tri Hita Karana, die ich während meiner Zeit im Buahan, a Banyan Tree Escape noch besser verstehen lernen werde. Die Harmonie mit der Natur ist eine der drei geglaubten Ursachen des menschlichen Wohlbefindens. Und ja – nach diesem Morgen und zwischen all diesem Grün und den natürlichen Leckereien, die daraus entspringen, spüre ich diesen Einklang mit der Natur sehr.

Die zweite Beziehung, die laut Tri Hita Karana intakt sein muss, ist die zu Gott. Mein Glaube an einen Gott ist mir im Laufe meines Lebens abhandengekommen. Doch ich bin auf Bali, einem der spirituellsten Orte der Welt, und so stehe ich an einem meiner Nachmittage mit Wayan Wardika vor dem Eingang zum Tempel Pura Agung Gunung Raung im kleinen Dorf Taro. Wayan ist in Taro aufgewachsen, eines der aktivsten Dorfmitglieder und Teil der Banyan Tree Community – verschiedene Akteure der Dorfgemeinschaften, die eng mit dem Hotel zusammenarbeiten. Er führt die Gäste des Resorts gerne in den hiesigen Tempel, das merkt man sofort. Doch bevor es reingeht, müssen einige Regeln beachtet werden. Und so werde ich in Windeseile in einen Sarong samt gelbem Tuch gewickelt, darüber eine weiße Bluse aus Blumenstickereien. Ob ich meine Periode habe? Nein, okay, dann darf ich mit.

mit dem Oldtimer in den Tempel von Taro

Mit Oldtimer-Cabrios geht es zum Ausflug in den Tempel von Taro I Foto: Marie Tysiak

Zu Besuch im Tempel in Taro

Taro ist eines der traditionsreichsten Dörfer Balis, und auch der hiesige Tempel ist für die Einheimischen bedeutungsschwer, denn er wurde von einem der wichtigsten Hindu-Priester namens Rsi Markandeya errichtet, der den hinduistischen Glauben auf die Insel brachte. Doch vorm Eintreten sollen wir noch alles Negative von uns lassen. »Eine der wichtigsten Regeln im balinesischen Hinduismus ist es, positiv und gut zu sein als Mensch. Das manifestiert sich in guten Gedanken, positiver Sprache und wohlwollenden Handlungen. Wenn wir dies befolgen, haben wir ein gutes Karma, was uns in unserem nächsten Leben zugutekommt und unserer Seele schließlich die Tür zum Himmel öffnen wird«, erklärt uns Wayan beim Betreten der weitläufigen Tempelanlage. Im Gegensatz dazu bringt dem Glauben nach jeder negative Gedanke, jedes schlechte Wort und jede schlechte Handlung die Menschen näher an die Hölle.

Tempelbesuch in Bali

Mit Wayan in den Tempel in Taro I Fotos: Marie Tysiak

Doch der Tempel ist mehr als ein Ort der Spiritualität. Er ist Treffpunkt für das Dorf. Hier werden alle wichtigen Entscheidungen der Gemeinschaft von den (verheirateten männlichen) Mitgliedern beschlossen, neuer Straßenbau, das nächste Fest oder die Strafe, die ein Hühnerdieb bekommen soll. Fast alle der traditionellen Dörfer verwalten so viele Dorfangelegenheiten. Ein Glockenläuten, und das Dorf findet sich im Hauptpavillon des Tempels ein. Und wenn jemand nicht kommt? »Dann haben wir zur Not noch WhatsApp«, fügt Wayan mit einem Lachen hinzu.

Tiefe Einblicke in die Spiritualität der Balinesen

Ich kann mich kaum loslösen von all den eindrucksvollen Statuen, Schreinen und kunstvollen Bögen – Filmen und Fotografieren ist hier ausdrücklich erlaubt. Jeder Schrein verkörpert eine andere göttliche Macht, die den Menschen daran erinnern soll, dankbar und gut zu sein. Die genau festgelegte Anordnung der vier Eingänge des Tempels in alle Himmelsrichtungen und die verschiedenen Achsen, die von oben gesehen eine Mandala-Struktur ergeben und den Tempel in seine vier verschiedenen Bereiche teilt, habe ich tatsächlich zum zentralen Thema meines Ethnologie-Studiums gemacht.

Zeremonie am Wasserfall im Buahan, a Banyan Tree Escape

Foto: Marie Tysiak

Und so bin ich fasziniert von wörtlich jedem Stein hier. Ich weiß, dass alle traditionellen Dörfer auf Bali mindestens drei solcher Tempelanlagen haben, eine für jeden der drei wichtigsten hinduistischen Götter: Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Beschützer) und Shiva (der Zerstörer und Erneuerer). In Bali wurde der hinduistische Glaube in den lokalen Animismus integriert. So lebt für hinduistische Balinesen Gott in jedem Baum, jedem Straßenhund, ja wahrlich in jedem Stein. Zum Abschluss des Tempelbesuchs lädt Wayan meine Gruppe zu einem Gebet ein. Das Wichtigste dabei: »Du musst offen sein und daran glauben, dass wir alle eins sind. Eins mit der Natur, eins mit den anderen Menschen – und du musst dankbar und im Reinen mit den Göttern sein. Mit dieser Dreieinigkeit kannst du wahrliche Klarheit erreichen.« Ich nehme diese Einladung an!

Eindrucksvolle Tage im Buahan, a Banyan Tree Escape

Der vorletzte Abend im Buahan ist angebrochen. Das Resort hat einen Sundowner am Pool organisiert. Zu leisen balinesischen Klängen wird ein Cocktail aus frischer Tangerine, Passionsfrucht aus dem Garten und eigens hergestelltem Likör kreiert. Währenddessen schwimmt ein Gast im wunderschön beleuchteten Pool, hinter den Bergen geht die Sonne unter und taucht den Himmel in ein Farbenmeer aus Rosa- und Orangetönen. Das Feuer knistert, und Uya, einer der Mitarbeiter, beginnt zu erzählen.

Von diesem Tal, von der Idee, hier dieses Resort in Zusammenarbeit mit dem Dorf zu errichten, von den Ritualen, die vorher durchgeführt wurden, um die Natur und die in ihr lebenden Götter um Erlaubnis zu bitten. »Ibu Marie«, spricht er mich an. Alle Gäste im Buahan, a Banyan Tree Escape Resort werden mit den typisch balinesischen Höflichkeitsfloskeln angesprochen. »Ibu, Marie, gefällt es Ihnen hier?«, fragt der junge, freundliche Mann, der mich schon vom Flughafen abgeholt hat und auch eine Fahrradtour mit E-Bikes zu den Reisterrassen hier im Dorf geleitet hat.

Spabereich im Buahan, a Banyan Tree Escape

Foto: Marie Tysiak

Ich denke an die letzten Tage zurück. An Yoga am Morgen und die Klangmeditation auf der schönen Plattform mit Dschungelblick. Und an den Bauern Archie, der mit seiner Familie das Stück Land seiner Vorfahren weiter pflegt. An Airie, der mir das alte balinesische Schriftsystem Aksara beigebracht hat. Und an Yanti, die mich mit einer balinesischen Massage im Spa verwöhnt hat. An all die Morgen mit frischem Kaffee und den Vögeln im Pool. Ich bin so überwältigt von allem, dass ich einfach nur nicken kann.

Zum krönenden Abschluss: Zeremonie am Wasserfall

Ja, ich weiß, die Geschichte könnte hier ein Ende finden. Tut sie auch gleich. Doch als ich glaube, es geht nicht noch tiefer, noch lebensbejahender, noch wirkungsvoller, fragt man mich, ob ich an einer Zeremonie mit einem Priester am resorteigenen Wasserfall teilnehmen mag.

Das tue ich am letzten Morgen. Ich stehe nass mit den anderen Menschen da. Der tosende Wasserfall, den ich zuvor durchschritten habe, in meinem Rücken, wo ich gerade hinter dem Strahl den lautesten Schrei meines Lebens gelassen habe. Noch sehr angeregt von all dem Wasserprasseln schaue ich meiner Frangipani-Blume nach, wie sie im Fluss davongleitet. Mit ihr habe ich mich bei Gott und der Natur bedankt. Alle meine Harmonien sind jetzt gerade in diesem Augenblick im Reinen. Und ich weiß in diesem Moment ganz sicher: Dieser Ort hat eine Seele. Ich war schon so oft auf der Insel. Aber hier im Buahan, a Banyan Tree Escape habe ich das Herz Balis gefunden. Und es hat mich so tief berührt.

Marie im Pool auf Bali

Foto: Marie Tysiak

Mehr Infos zum Buahan, a Banyan Tree Escape

Das Buahan, a Banyan Tree Escape lädt mit insgesamt 16 offenen Villen mit privatem Pool in den Dschungel im Herzen von Bali ein. Das Resort arbeitet eng mit dem Dorf Buahan zusammen und bietet einzigartige Erlebnisse in der Umgebung an. Unbedingt während der »Tri Hita Karana Experience« das traditionelle Leben auf Bali kennenlernen. Ebenso unvergesslich: Bei der »Soul Freedom Journey« werden Körper und Geist am hauseigenen Wasserfall zere- moniell mit einem Priester gereinigt. Ab etwa 860 Euro für zwei Personen pro Nacht. Auf der Webseite von Banyan Tree Escapes findest du mehr Infos.

Hier haben wir dir Tipps für deinen Tempelbesuch auf Bali zusammengestellt.