Im Naturreservat Dana in Jordanien führen charmante Beduinen willige Wanderer durch ihre zerklüfteten Berge und Täler. Neben Teepause und Brotbacken sollte man jedoch trotz Hitzewallungen den Blick nicht für die karge Schönheit verlieren. Text: Andreas Dauerer

»Asir Limun Bin Nana« – so heißt das Zauberwort, um den leckeren Saft zu bekommen, der hier überall gereicht wird. Nur das »mit wenig Zucker« konnte ich mir nicht merken. Doch diese Limonen-Zitronen-Erfrischung ist selbst überzuckert noch derart gut, dass ich mich tatsächlich hineinlegen könnte. Und zwar im engeren Wortsinn. Draußen nämlich klettert das Thermometer gerade über die 35-Grad-Marke – Plus, wohlgemerkt –, da käme ein kühles Bad in Limonadenlauge hier im Naturreservat Dana in Jordanien doch recht gelegen.

Sieben Stunden lange Wanderung

Die Sonne hoch oben am graublauen Himmel aber hat wenig Erbarmen mit allem, was gerade unter ihr vorgeht. Sie hätte sich wohl auch nicht anders entschieden, wenn sie gewusst hätte, dass wir heute das Wadi Dana durchschreiten werden. Denn genau das ist unser Plan. Sieben Stunden, fast ausschließlich bergab. Da es auf der Strecke so gut wie keinen Schatten gibt, sind Wasser und Sonnenschutz gerade das Einzige, woran ich denken kann. Mohammed, unser Guide für die nächsten zwei Tage, scheint weder das eine noch das andere etwas anhaben zu können. Zwar reicht er jedem Wanderer noch eine Flasche Wasser, sich selbst spart der Mann mit dem spitzbübischen Grinsen und dem gewickelten rotweißen Tuch auf dem Kopf aber aus. Ein Beduine eben, denke ich bei mir, ein echter Beduine braucht auch bei einer ausgedehnten Wanderung einfach nichts zu trinken.

Blick auf Naturreservat Dana in Jordanien

Case60/Shutterstock.com

Von Dana hinunter nach Feynan zur gleichnamigen Eco Lodge, so lautet die einfache Marschrichtung. Das Gepäck für die nächsten zwei Tage haben wir auf den Schultern. Autos kommen über die Berge nach Dana, aber hinunter ins heiße Wadi Araba, das schaffen sie nicht. Dazu muss man dann über Schotter- und Sandpisten von der anderen Seite kommen. Auf 1200 Metern schmiegt sich das kleine Dorf in den kargen Bergrücken. Dana gehört zu den wenigen noch ursprünglichen Siedlungen im wasserarmen Jordanien. Viel ist hier oben jedoch nicht los.

Der Wind und die Sonne haben den Häusern aus Sandstein mitunter recht stark zugesetzt. Außer dem Guesthouse für Touristen, die hier Rast machen, hat der Ort eigentlich nichts zu bieten. Außer natürlich diesen grandiosen Blick in das Biosphärenreservat mit seinen rauen Felsen, zerklüfteten Schluchten und grünen Farbtupfern, die von renitenten Pflanzen herrühren, die mit letzter Kraft noch eine Wasserader erwischen konnten. Jetzt um die Mittagszeit liegt über dem Tal ein lähmender Hitzeschleier. Nach und nach verschwinden die Häuser, und allmählich verstummen auch die Gespräche. Nur das rhythmische Knirschen der eigenen Schritte auf dem Trampelpfad begleitet uns auf dem Weg.

Tiere? Weit und breit nicht zu sehen

Mohammed erzählt anfangs noch ein klein wenig über die Flora und Fauna, aber bald schon ist jeder mit sich und der Natur beschäftigt. Die Landschaft verzaubert, obwohl oder eben gerade weil sie so karg ist. Fast scheint es so, als hätte jemand in Photoshop am Regler für die Sättigung gespielt, so farblos eskortiert uns die Natur hinab. Es rührt sich nichts, nur der Wind meint es manchmal gut. Aber statt einer kühlen Brise saust wärmere Luft von unten an unseren Ohren vorbei.

Guide im Naturreservat Dana in Jordanien

Andreas Dauerer

Mehr als 700 Arten von Wildpflanzen und 250 Vogelarten sollen hier im Naturreservat heimisch sein. Dazu verschiedene Säugetiere und Reptilien, die jetzt aber irgendwo in schattigen Felsenhöhlen ihren wohlverdienten Mittagsschlaf halten. Von Steinbock, Wildkatze oder Falke jedenfalls fehlt auch bis zum Ende der Tour jede Spur. Dafür eröffnen sich beinahe nach jeder kleinen Wegbiegung neue Blicke auf das Tal und seine eigenwilligen Felsformationen. Eigentlich bräuchten wir keinen Guide. Der alte staubige Pfad ist die einzige Möglichkeit, hinunter zu gelangen, und obwohl er nicht markiert ist, kann man ihn nicht verfehlen. Wohl deshalb ist Mohammed ganz unbemerkt ein wenig schneller hinunter gelaufen als wir. Vielleicht auch, weil wir ihm nicht richtig zuhören konnten bei seinen Ausführungen, zu beschäftigt ist man mit sich selbst. Dafür hat er jetzt aber vorgesorgt.

Immerhin Handy-Empfang – man weiß ja nie

Auf einem Felsvorsprung sitzend, hat der 30-jährige Beduine seine Flöte aus den Taschen gekramt und lässt eine alte Melodie durch die Öffnungen klingen. Ein Liebeslied, sagt er und grinst. Weil wir angetan sind und auch eine kleine Pause nach zwei Stunden gut tut, lässt er sich nicht lange für die Zugabe bitten. Wahrscheinlich war es ein weiteres Liebeslied, und das hat seine Frau geahnt, als sie ihn auf dem Handy anruft und der schnöde Nokia-Standardklingelton uns alle wieder in die Realität holt. Immerhin hat selbst ein Beduine hier Empfang.

Mittlerweile ist das Tal breiter geworden, und unten in der Senke begrüßen uns plötzlich wilde Oleanderbüsche mit herrlichen Blüten, sogar ein Pistazienbaum lädt mit seinem grünen Blätterdach zu einer erneuten Pause ein.

Oleander-Strauch

Andreas Dauerer

Auch die Farben kommen jetzt vermehrt zurück, das Licht wird weicher. Wenn man hier wandert, macht man nicht viel mehr. Man geht, nippt gelegentlich an den Wasservorräten, geht weiter, rastet, trinkt. Manche kommen dann ins Träumen und Nachdenken. 130 Personen dürfen pro Tag in das Reservat, andere Touristen sehen wir jedoch nicht. Dafür aber immer mal wieder Beduinen mit ihren Ziegenherden. Die gibt’s hier also tatsächlich noch. Auch Mohammed ist Beduine. Zumindest als Teilzeitkraft, wenn er nicht gerade Touristen durch das Wadi führt oder im Auftrag der Lodge den fremden Besuchern das Beduinenleben erklärt.

Der Fladen ist schnell gezaubert, ehrlich und erdig schmeckt es

Sein Zelt hat er mittlerweile durch ein steinernes Haus getauscht, aber natürlich hat er auch noch Ziegen. Die Wurzeln dürfe man nicht vergessen, sagt er. Zwei Stunden später sitzen wir bei ein paar Verwandten am Berghang, Mohammeds Tante kocht schwarzen Tee mit Beifuß und viel Zucker. Wer hier draußen in der rauen Natur Ziegen hütet, der braucht offenbar richtig viel davon.

Während alles noch vor sich hinköchelt und wir uns von ein paar Ziegen anstarren lassen, bekommen wir noch schnell eine Brotbackstunde à la Baduine: Wasser, Biomehl, ein bisschen Salz und Asche, schon ist der Fladen fertig. Ehrlich ist das, und erdig schmeckt es. Aber es ist warm, und irgendwie passt es einfach zum Tee und dem Hier und Jetzt. Hier erfährt man wieder ein wenig Ursprünglichkeit, die wir so gerne vergessen. Die Beduinen müssen nicht gastfreundlich sein, aber sie sind es. Weil sie es mit ihresgleichen so handhaben und es ohne nicht ginge. Eine kleine Lehrstunde, ohne eine sein zu wollen.

Fladenbrot in Jordanien

Andreas Dauerer

Auf der letzten Etappe geht es flach am imaginären Flusslauf entlang. Pinke Oleander begleiten uns, sogar eine kleine Schlange kreuzt den Weg, ehe wir auf die Vorboten des Dorfes treffen. Hier ein Zelt, da ein Zelt. Teilweise zerschlissen, teilweise geflickt. Kinder toben herum, um sich verschämt wegzudrehen, wenn man versucht, sie anzusprechen.

Die Sonne hat sich schon verabschiedet, die Lodge ist nicht mehr weit. Ein Meer flackernder Kerzenleuchten weisen die letzten Meter zur Öko-Lodge. Strom gibt es nur im Bad und in der Lobby, der Rest ist Kerzenlicht. Auf dem Zimmer steht ein dicker Tonkrug mit Wasser, das Bett samt Moskitonetz verströmt Romantik, und unten duftet schon das vegetarische Buffet. Mücken stören beim Essen, dann wird es wieder ruhig.

Nicht wirklich in der Zivilisation

Über unseren Köpfen leuchtet ein Sternenhimmel, der klarer nicht sein könnte. Vor lauter Sternschnuppen kommt man aus dem Wünschen nicht mehr heraus, und wenn man später auf dem Dach liegt, den Blick gerade nach oben auf die unzähligen Sterne gerichtet, dann fragt man sich einen kurzen Augenblick, ob man nicht doch öfter mit den Beduinen tauschen sollte. Nach sieben Stunden, einer Dusche und einem unvergleichlich leckeren Abendessen bin ich zwar irgendwie wieder in der Zivilisation gelandet. Aber doch auch ungemein weit von ihr entfernt. Das ist es, was einen Ausflug ins Wadi Dana ausmacht.

Anreise. Royal Jordanian fliegt täglich außer Dienstag von Frankfurt a. M., dreimal wöchentlich von Berlin und zweimal von München nach Amman. Täglich bedient auch die Lufthansa diese Strecke von Frankfurt a. M. aus.

Beduinentour. Der Reiseveranstalter Oft Reisen bietet eine 12-tägige Rundreise mit zwei Übernachtungen im Beduinenzelt in Wadi Rum im Naturreservat Dana in Jordanien an. Ab € 1796 p.P. im DZ inkl. Flug ab Stuttgart oder München.

Unterkunft. Feynan Ecolodge im Naturreservat Dana in Jordanien. DZ ab € 111 die Nacht inkl. Frühstück, Abendessen und Parkeintritt.

Info. Tourism Board Jordanien, Lieb Management & Beteiligungs GmbH, Hauptstr. 19a, 83135 Schechen.

Den reisen-EXCLUSIV-Guide finden Sie unter: www.reisenexclusiv.com/guide-jordanien

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