Jahrelang gehörte das Umfüllen in Mini-Fläschchen zum nervigsten Ritual vor jeder Flugreise. Shampoo, Duschgel, Sonnencreme – alles musste in winzige Behälter passen, der Plastikbeutel war Pflicht, und an der Sicherheitskontrolle hieß es oft: raus damit, vorzeigen, weitergehen. Doch an immer mehr Flughäfen ändert sich das gerade und die Regeln für Flüssigkeiten im Handgepäck werden entspannter. Neue Scanner-Technik macht das möglich. Hier erfährst, du wo das schon funktioniert, wo weiterhin umgefüllt werden muss und worauf du dich vor dem nächsten Abflug einstellen solltest.
Gute Nachrichten für alle, die beim Packen lieber an Reiseplanung als an Mini-Duschgel-Logistik denken: Am Flughafen London-Heathrow dürfen Passagiere seit Anfang des Jahres wieder deutlich mehr Flüssigkeit im Handgepäck mitnehmen. Statt der seit mehr als 20 Jahren bekannten 100-ml-Regel können Reisende dort nun Behälter bis zu zwei Litern im Handgepäck behalten – ganz ohne sie vorher in kleine Fläschchen umzupacken oder sie einzeln im Plastik-Beutel zu verstauen. Das Ganze funktioniert dank moderner CT-Scanner, die die Gegenstände in der Tasche dreidimensional durchleuchten und so Flüssigkeiten sicherer erkennen als herkömmliche Röntgensysteme.

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Das bedeutet konkret: Du kannst deine große Wasserflasche oder dein großes Shampoo im Handgepäck lassen und durch die Sicherheitskontrolle bringen. Laptops, Tablets und andere Geräte müssen ebenfalls nicht mehr aus der Tasche genommen werden, weil die CT-Scanner ihre Inhalte präzise analysieren. Das spart Zeit, reduziert Stress und macht den Sicherheitscheck für viele Reisende deutlich angenehmer.
Flüssigkeit im Handgepäck: Nicht nur Heathrow lockert
Heathrow ist zwar der größte Airport, aber nicht der einzige britische Flughafen, der die Regeln geändert hat. Auch Flughäfen wie Gatwick, Edinburgh oder Birmingham haben inzwischen Scanner-Technologie eingeführt, die ebenfalls die Grenze von 100 ml auf bis zu zwei Liter pro Behälter anhebt. Allerdings gilt das nur, wenn die entsprechende Technik auch an der jeweiligen Kontrollspur im Einsatz ist. An manchen kleineren Flughäfen in Großbritannien oder bei bestimmten Sicherheitskontrollen kann die alte Regel weiterhin gelten – und genau deshalb kommt es immer wieder zu Verwirrungen.
Uneinheitliches Bild in Europa
Auch anderenorts in Europa zeigt sich beim Handgepäck derzeit ein uneinheitliches Bild. Zwar hat die Europäische Union technische Voraussetzungen geschaffen, damit die klassische 100-Milliliter-Regel dort entfällt, wo moderne CT-Scanner installiert sind. Doch bislang gilt die alte Flüssigkeitsbeschränkung an den meisten großen Flughäfen weiterhin. An vielen Sicherheitskontrollen müssen Reisende nach wie vor Flüssigkeiten in Behältern von maximal 100 ml in einem durchsichtigen-Beutel verpacken. So, wie es seit Jahren üblich ist.

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Deutschland: Das gilt in Frankfurt und München
In Deutschland müssen Passagiere aktuell in der Regel noch nach den klassischen Vorgaben packen, weil die neue Scannertechnik dort noch nicht flächendeckend auf allen Kontrollspuren zur Anwendung kommt.
»Am Flughafen Frankfurt sind derzeit rund 40 CT-Scanner an den stark frequentierten Kontrollstellen im Einsatz, weitere sollen in den kommenden Monaten folgen. An diesen Geräten entfällt das Auspacken von Flüssigkeiten und elektronischen Geräten vollständig«,
sagt Maria Linden vom Frankfurter Flughafen. Da Passagiere jedoch nicht wissen, an welcher Kontrollspur sie landen, gilt vorerst weiterhin die 100-ml-Regel im Handgepäck. Mit der Eröffnung des neuen Terminals 3 soll es einfacher werden: Dort kommen von Beginn an ausschließlich CT-Scanner zum Einsatz – ohne 100-ml-Beschränkung.

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Seit dem 15. September 2025 dürfen am Flughafen München an allen Spuren mit CT-Technik – das sind derzeit 15 Kontrollspuren im Terminal 2 und fünf Spuren im Terminal 1 – Flüssigkeiten mit einer maximalen Größe des einzelnen Behältnisses von bis zu zwei Litern wieder mitgeführt werden, berichtet Wolfgang Rupp von der zuständigen Regierung von Oberbayern.
Deutschland: Düsseldorf und Berlin rüsten Stück für Stück um
Ähnlich die Situation an den Flughäfen Düsseldorf und Berlin: In Düsseldorf sind an der Sicherheitskontrolle im Flugsteig A zwei CT-Geräte in Betrieb und im Flugsteig B (in der unteren Ebene) weitere fünf. An Kontrollstellen, die nicht mit den entsprechenden Geräten ausgestattet sind, gilt weiterhin die bisherige Regelung, dass Flüssigkeiten, Gels und Sprays nur in Behältnissen mit einem Volumen von bis zu 100 ml mitgeführt werden dürfen, verpackt in einem wiederverschließbaren 1-Liter-Kunststoffbeutel. »Wir bitten um Verständnis, dass es in der Einführungsphase vereinzelt zu Irritationen kommen kann«, sagt Heike Gräf-Cmok von der Bundespolizeiinspektion am Flughafen Düsseldorf.
Rund 40 Kilometer weiter südlich, am Flughafen Köln-Bonn, werden aktuell die Sicherheitskontrollen vollständig mit CT-Technik ausgestattet. »Voraussichtlich Mitte des Jahres« seien die Arbeiten abgeschlossen, so Lukas Weinberger vom Airport Köln-Bonn.

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Am Flughafen Berlin-Brandenburg sind an 24 der Sicherheitskontrollstellen bereits neue CT-Scanner in Betrieb. Mit diesen Geräten dürfen bis zu 2 Liter Flüssigkeiten mitgenommen werden. An den Kontrollspuren im mittleren Bereich der Haupthalle im Terminal 1 ist dagegen weiterhin herkömmliche Technologie im Einsatz. »Da viele Passagiere im Voraus nicht wissen, welchen Kontrollpunkt sie passieren werden, empfehlen wir
weiterhin, sich an die allgemeine Regel zu halten: maximal 100 ml pro Behälter in einem 1-Liter-Beutel, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten«, erklärt Sabine Deckwerth vom Flughafen BER.
Diese Flughäfen in Europa haben bereits umgerüstet
Und anderenorts in Europa? In Italien gehören mehrere große Airports wie Rom-Fiumicino, Mailand-Linate, Mailand-Malpensa Terminal 1 und weitere große Flughäfen wie Bologna oder Turin zu den Standorten, an denen an entsprechend ausgestatteten Kontrollpunkten Flüssigkeiten in Behältern von bis zu zwei Litern zugelassen werden können.
In Spanien hat das Terminal 1 von Barcelona-El Prat und Teile von Madrid-Barajas schon Scanner installiert, die diese neue Zwei-Liter-Regel erlauben. Im Baltikum haben Flughäfen wie Vilnius und Kaunas die 100-ml-Beschränkung für Passagiere an bestimmten Scannerlinien aufgehoben, und in Polen ist der in Krakau einer der ersten Airports, der die alte Regel komplett gestrichen hat. In Irland hat der Dublin Airport angekündigt, die 100-ml-Begrenzung zu kippen und erlaubt dort ebenfalls bis zu zwei Liter Flüssigkeit im Handgepäck dank neuer C3-Scanner.
Praktische Tipps für Reisende mit Flüssigkeiten im Handgepäck
Damit du bestens vorbereitet bist, hier einige Handgepäck-Packtipps für Flüssigkeiten in 2026:
- Immer vorab die aktuellen Handgepäck-Bestimmungen deines Abflug- und Ankunftsflughafens prüfen. Nicht jeder Airport hebt die Flüssigkeitsregel auf – und selbst innerhalb eines Flughafens kann es unterschiedliche Kontrollspuren geben.
- Dokumente und wertvolle Elektronik weiterhin griffbereit packen. Auch wenn das Auspacken nicht mehr zwingend ist, kann es je nach Flughafen nötige zusätzliche Kontrollen geben.
- Große, aufgefüllte Flasche Wasser bei Zweifeln trotzdem mitnehmen. Gegebenenfalls musst du sie vor der Sicherheitskontrolle leeren oder wegwerfen. Wenn du sie trotzdem mitnehmen darfst, hast du etwas Geld gespart, denn die Preise für Wasserflaschen sind an vielen Airports astronomisch.
