Für viele ist der Hund mehr als ein Haustier – er ist Familienmitglied, bester Freund und Reisebegleiter auf vier Pfoten. Doch wer mit ihm abhebt, erlebt schnell die Grenzen der Zuneigung im Luftverkehr. Während kleine Fellnasen kuschelig unter dem Vordersitz mitfliegen dürfen, müssen größere Hunde in den kalten Bauch des Flugzeugs. Da klingt der Gedanke an einen Privatjet fast verlockend. Doch so einfach ist das leider nicht. Wir klären auf, Reisende mit Hund beim Fliegen beachten müssen.
Ein neues Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat für alle, die mit Hund in den Urlaub fliegen, erhebliche Bedeutung. Geklagt hatte eine Reisende, deren Hund auf einem Flug von Buenos Aires nach Barcelona im Frachtraum verschwunden war. Die Besitzerin verlangte Schadensersatz, doch der EuGH entschied: Tiere, die im Frachtraum transportiert werden, gelten juristisch als Reisegepäck.

Foto: Jaromir Chalabala/Shutterstock.com
Das bedeutet: Wenn ein Hund verloren geht oder verletzt wird, haftet die Airline nur begrenzt, ähnlich wie bei einem Koffer. Nur wer vorab ein »besonderes Interesse« anmeldet und extra zahlt, kann im Schadensfall mehr verlangen. Ein Urteil, das für Tierfreunde schmerzhaft nüchtern klingt, aber Klarheit schafft.
Große Unterschiede zwischen Airlines
Beim Fliegen mit Hund gibt es kein einheitliches Regelwerk. Jede Fluggesellschaft hat ihre eigenen Bestimmungen – und die Unterschiede sind teils erheblich.
| Airline | Hund in Kabine | Maximalgewicht inkl. Box | Hund im Frachtraum |
| Lufthansa | Ja | 8 kg | Ja, bis ca. 75 kg |
| Swiss | Ja | 8 kg | Ja, ab 8 kg |
| Austrian Airlines | Ja | 8 kg | Ja, ab 8 kg |
| KLM | Ja | 8 kg | Ja, bis zu 3 Tiere |
| Air France | Ja | 8 kg | Ja, bis ca. 75 kg |
| Condor | Ja | 8 kg | Ja, ab 8 kg |
| Eurowings | Ja (nur Kurz-/Mittelstrecke) | 8 kg | Nein |
| SunExpress | Ja | 8 kg | Ja, ab 8 kg |
| TUIfly | Ja | 8 kg | Ja, ab 8 kg |
| Iberia | Ja | 8 kg | Ja (keine Kampfhunde) |
| Turkish Airlines | Ja | 8 kg | Ja, ab 8 kg |
| Vueling | Ja | 10 kg | Nein |
| British Airways | Nein | — | Ja, über IAG Cargo |
| Emirates | Nein | — | Nur Fracht, Sondergenehmigung |
| Easyjet, Ryanair, WizzAir | Nein / Nur Assistenzhunde | — | Nein |
Kleine Hunde bis etwa acht Kilogramm dürfen meist in einer Transporttasche in der Kabine mitreisen, vorausgesetzt, sie passen unter den Vordersitz. Lufthansa, Swiss und Austrian erlauben beispielsweise Maße von 55 × 40 × 23 cm. Schwerere Hunde müssen in den Frachtraum. Dort gelten strenge Vorgaben für stabile Boxen, Luftzufuhr und Sicherheit.
Vorsicht bei Zielwahl: Nicht überall willkommen
Auch beim Reiseziel gibt es große Unterschiede. Innerhalb der EU sind Mikrochip, Tollwutimpfung und EU-Heimtierausweis Pflicht. Wer diese Dokumente nicht vollständig hat, riskiert Quarantäne oder die kostenpflichtige Rücksendung des Tiers.

Foto: Nataliia Suietska/Shutterstock.com
Australien und Island gelten als nahezu unbereisbar für Hunde, da lange Quarantänen vorgeschrieben sind. In islamisch geprägten Ländern wie den Malediven, in Teilen der Vereinigten Arabischen Emirate oder in Saudi-Arabien sind Haustiere oft komplett verboten. Selbst mit Sondergenehmigung dürfen dort meist nur Diensthunde einreisen.
Auch innerhalb Europas gibt es Tücken: In Italien herrscht Maulkorbpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, manche Hotels oder Restaurants schließen Hunde aus. Frankreich und Dänemark führen Rasselisten, bestimmte Hunderassen sind dort gar nicht erlaubt.
Vorbereitung ist alles
Wer mit Hund fliegen will, sollte den Trip gründlicher planen als jede Fernreise. Dazu gehört:
- Frühzeitig anmelden: Viele Airlines lassen nur eine begrenzte Zahl an Tieren pro Flug zu.
- Dokumente checken: Impfungen, Chipnummer und Heimtierausweis müssen aktuell sein.
- Transportbox prüfen: Sie muss stabil, sicher verschließbar und belüftet sein.
- Einreisebestimmungen kennen: Jedes Land hat eigene Regeln – besonders außerhalb der EU.
- Reiseziel realistisch wählen: Tropeninseln oder Wüstenstaaten sind für Hunde meist ungeeignet.
- Versicherung abschließen: Eine Tiertransportversicherung kann im Ernstfall viel Ärger sparen.
Zwischen Familienmitglied und Gepäckstück
Das EuGH-Urteil mag juristisch korrekt sein, doch emotional bleibt ein bitterer Beigeschmack. Für viele Reisende ist der Hund kein Gepäckstück, sondern ein Familienmitglied. Umso wichtiger ist es, Verantwortung zu übernehmen und jede Reise mit Sorgfalt vorzubereiten.
Wer gut informiert ist, kann seinen Vierbeiner sicher und stressfrei mit auf Reisen nehmen – und vermeidet böse Überraschungen am Check-in oder bei der Einreise.

Foto: nimito/Shutterstock.com
