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Zwischen Wüste, Nebelwald und Hochanden befindet sich ein archäologisches Erbe, das zum Teil Jahrtausende weiter zurückreicht als die bekannte Ruine Macchu Picchu. Fünf Orte in Peru, die vielen völlig unbekannt sind. 

Macchu Picchu ist großartig, das streitet niemand ab. Aber es ist auch das, was passiert, wenn ein ganzes Land eben auf einen einzigen Ort reduziert wird. Der Rest verschwindet hinter Instagram-Stories und Postkartenmotiven der Ruinenstadt. Dabei ist Peru so viel mehr und Macchu Picchu global gesehen fast noch ein Kleinkind, also gerade mal 600 Jahre alt. Welche architektonischen Schätze es Jahrtausende davor gab, in Küstenwüsten, Nebelwäldern und Hochgebirgstälern, ist mindestens genauso spektakulär.

Luftbildaufnahme vom wolkenverhangenen Macchu Picchu

Foto: nick115/Shutterstock.com

1. Die Festung Kuélap

Wer in den Norden Perus fährt, erwartet Dschungel und Feuchtigkeit. Korrekt, aber nicht nur. Denn was dann auch auftaucht, sind 20 Meter hohe Steinmauern, die eher nach Mittelerde aussehen als nach Südamerika. Kuélap, erbaut von der Chachapoya-Kultur zwischen 800 und 1470 nach Christus, sitzt auf einem Bergrücken in der Region Amazonas und nimmt sich architektonisch absolut keine Bescheidenheit heraus.

Über 400 kreisrunde Gebäude, teils mit ornamentalen Steinfriesen. Der einzige Eingang: ein sich nach oben verjüngender Korridor, der Angreifer buchstäblich ausbremsen sollte. Ausgebremst wird hier heute aber keiner mehr, es gibt eine Gondel. Und trotzdem hat Kuélap eine leicht unheimliche Stille behalten, die solche Orte erst wirklich interessant macht.

Luftbildaufnahme von der Archäologlischen Zone von Kuelap, Peru, imitten der hohen Berge

Foto: Christian Declercq / Shutterstock.com

2. Choquequirao: Lohnt sich der mehrtägige Trek?

Ehrliche Antwort: ja. Sogar mit Ausrufezeichen! Aber nur, wenn Blasen an den Versen kein Ausschlusskriterium sind. Denn Choquequirao in der Region Cusco ist ausschließlich zu Fuß erreichbar – und die Wanderung dauert mehrere Tage.

Dafür ist die weitläufige Inka-Anlage dann aber auch nahezu menschenleer. Ein Zustand, von dem Machu Picchu seit Jahrzehnten nur noch träumt. Bislang ist nur ein Bruchteil des Komplexes freigelegt, was der Sache eine sehr angenehm unfertige Qualität gibt. Und ein bisschen Indiana-Jones-Vibes. Die Terrassen mit eingemeiselten Lama-Reliefs sind trotz der Leere schon berühmt. Und mit der Stille dazu ein echtes Highlight.

Mann in Wanderkleidung blickt über die hohen Berge auf die tiefen Täler Perus.

Foto: Beto Santillan/Shutterstock.com

3. Die unterirdischen Gänge von Chavín de Huántar

3.000 Jahre alt, tief in den Anden, und offenbar war schon hier damals klar, dass Architektur eine beachtliche Wirkung erzeugen kann. Das Zeremonialzentrum Chavín de Huántar in der Region Áncash verfügt über ein Labyrinth unterirdischer Gänge, das Archäologen für ein ausgeklügeltes Inszenierungswerkzeug halten.

Warum? Na, da ist Licht, das an bestimmten Stellen einfällt, gefolgt von Schatten, die es wieder schlucken und für die nötige Atmosphäre sorgt das dumpfe Dröhnen von Wasser in verborgenen Kanälen. Wer damals dort eintrat, sollte ganz offensichtlich beeindruckt werden. Im Zentrum steht der »Lanzón«, eine fünf Meter hohe Monolith-Skulptur tief im Tempelinneren und unsichtbar von außen. Und das ist alles so beeindruckend geheimnisvoll, das es auf jeden Fall mehr nachhallt, als ein Lama-Selfie mit Ruinen im Hintergrund.

Blick auf die Ruinen von Chavin-de-Huantar, im Hintergrund mit hohen Bergen und blauem Himmel.

Foto: RobNaw/Shutterstock.com

4. Caral, Amerikas älteste Stadt

Vier Autostunden von Lima entfernt, mitten in einer Wüste, die aussieht, als hätte sie noch nie etwas Interessantes gesehen, liegt Caral. Mehr als 5.000 Jahre alt, gebaut ohne Keramik, ohne Metallwerkzeuge. Eigentlich ohne irgendetwas, das heutige Archäologen damals für unverzichtbar hielten. Und trotzdem mit urbaner Struktur von bemerkenswerter Präzision.

Die abgesenkten Rundplätze in Caral haben bis heute eine merkwürdige Akustik, was entweder Zufall ist oder darauf hindeutet, dass die Erbauer eben deutlich mehr drauf hatten, als die karge Umgebung vermuten lässt. Zivilisation in Amerika begann jedenfalls früher als gedacht. Deutlich früher. Die Schulbücher hinken da noch ein bisschen hinterher.

Die Archäologische Zone von Caral in Peru, Ruinen aus Stein inmitten einer Steinwüste, im Vordergrund ein hoher länglicher Stein mit einer runden Umrandung aus kleinen Steinen.

Foto: Sandro Sandoval/Shutterstock.com

5. El Brujo und die »Señora de Cao«

An der Nordküste, in der Region Lambayeque, leuchten Wandmalereien der Moche-Kultur nach Jahrhunderten in der Erde immer noch so satt und lebendig in Rot, Gelb und Blau, dass es einem kurz den Atem verschlägt. Die Stätte El Brujo wäre allein wegen dieser Fresken eine Reise wert. Aber da gibt es noch ein weiteres Highlight.

2006 gruben Archäologen die »Señora de Cao« aus — eine Frau, begraben mit Zeremonialstab, Kriegstrophäen und Gold. Also mit allem, was in der Moche-Gesellschaft Macht bedeutete. Keine Begleiterin, keine Priesterin, keine Fußnote, sondern eine Herrscherin. Die Forschung brauchte einen Moment, um das zu verdauen — und revidierte danach still und leise ein paar Annahmen, die bis dahin als gesetzt galten. Das angeschlossene Museum erzählt ihre Geschichte nun so, wie sie es verdient.

Wandmalereien und Mosaike in den Ruinen von Trujillo in Peru

Foto: Beto Santillan/Shutterstock.com

Peru hat kein Angebotsproblem. Es hat ein Aufmerksamkeitsproblem. Dabei liegt der Rest nicht versteckt, er wartet nur. Auf Leute, die neugieriger sind als ihr Reiseführer. Und die bereit sind, dafür auch mal einen mehrtägigen Trek, eine Wüste oder einen Nebelwald in Kauf zu nehmen. Der Aufwand lohnt sich. Versprochen

Weitere Informationen unter www.peru.travel/de

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit für Peru?

Die Küste ist ganzjährig gut zu bereisen, die Anden ist es von Mai bis Oktober am angenehmsten also in der Trockenzeit. Wer im Regenzeit-Fenster von November bis April reist, erlebt ein satteres Grün, weniger Touristen, aber gelegentlich unpassierbare Straßen.

Brauche ich für Peru besondere Impfungen?

Für die Standardziele, also Lima, Cusco und Machu Picchu  sind keine Pflichtimpfungen vorgesehen, aber der übliche Reisemedizin-Check vor Abflug ist keine schlechte Idee. Wer in den Amazonas oder tiefere Dschungelregionen möchte, sollte sich um eine Vorsorge gegen Gelbfieber und um eine Malaria-Prophylaxe kümmern. Am besten vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt zum Tropeninstitut.

Macht die Höhe in Peru wirklich so viel aus?

Cusco liegt auf fast 3.400 Metern, das ist eine ganz schön große Herausforderung für den Körper. Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und das Gefühl, beim Treppensteigen einen Marathon zu laufen, sind völlig normal. Unbedingt mindestens ein bis zwei Tage Akklimatisierung einplanen, Alkohol die ersten Tage meiden und Coca-Tee trinken. Das ist kein Klischee, es hilft tatsächlich.

Ist Peru sicher für Reisende?

Für die meisten Touristenziele gilt: ja, aber immer mit gesundem Menschenverstand. Taschendiebstahl in Städten wie Lima oder Cusco ist nicht selten, nächtliche Überlandfahrten in bestimmten Regionen weniger empfehlenswert. Wer nicht mit offiziell lizenzierten Taxis fährt und das Handy auf dem Markt demonstrativ in der Luft hält, macht es Langfingern unnötig leicht. Ansonsten ist Peru gastfreundlich, unkompliziert und bereist sich gut.