In Zell am See-Kaprun lässt sich Abkühlung in Höhenmetern messen. Ein Drei-Tage-Urlaub von 750 auf 3.029 Meter, immer dem Wasser nach.

33 Grad in der Stadt. Der Asphalt flirrt, die Klimaanlage rattert und der Ventilator schiebt warme Luft von links nach rechts. Spätestens jetzt brauchen viele ein Gegenprogramm. Coolcation heißt das Reisewort des Sommers. Es beschreibt, was immer mehr Menschen tun. Sie fahren gezielt dorthin, wo es kühl wird. Bewusst, messbar. Stellt sich nur die Frage: Wo gibt es echte Abkühlung?

Blick von oben auf den Zeller See.

Ein Bad im Zeller See ist erfrischend. Wer in die Wanderschuhe schlüpft, findet in der Region aber noch kühlere Orte.
Foto: EXPA/JFK

Wer jetzt an einen See denkt, denkt zu klein. In Zell am See-Kaprun zieht sich ein Element wie eine vertikale Linie durch die gesamte Region: Wasser. Unten lieblich und erfrischend. In der Mitte laut und wild. Oben gefroren und kristallin. Drei Tage, drei Erlebnisse, eine Richtung: nach oben.

Tag 1

750 Meter Seehöhe: Baden im Zeller See

Morgens gehört der Zeller See noch den Frühaufstehern. Der See liegt still. Kein Wind, keine Welle, nur das Bergpanorama, das sich auf der Oberfläche spiegelt wie auf einer Glasplatte. Am SUP-Center von Günther Maier stehen die Boards schon im Wasser. Wer hinauspaddelt, schaut nicht nur auf die Berge. Sondern durch den See hindurch. Das Wasser ist so klar, dass man vom Brett aus jeden Stein am Grund zählen könnte. Der Zeller See ist kein eisiger Bergsee. Sein Wasser ist frisch, aber nicht abweisend. Noch ist der See ruhig genug für SUP-Yoga. Auf dem Brett das Gleichgewicht halten, jeden Muskel spüren. Wer fällt, fällt weich.

Vier Frauen machen auf dem Zeller See Yoga auf SUPs.

Tiiiiiiiief durchatmen: Was gibt’s Entspannenderes als SUP-Yoga am Morgen?
Foto: Zell am See-Kaprun Tourismus

Der Nachmittag gehört dem Strandbad Thumersbach. Die Westlage hält die Sonne bis in den frühen Abend, das Licht wird weicher, die Schatten der Berge kriechen langsam übers Wasser. Noch einmal aufs Wasser? Das Nostalgieschiff Libelle, Baujahr 1947, fährt eine Route, die sich seit Jahrzehnten nicht verändert hat. Alternativ gleitet das neue E-Schiff lautlos über den See. Im Juli und August laden Abend-Rundfahrten zum perfekten Tagesabschluss ein.

Tag 2

750–2.040 Meter Seehöhe: Klamm, Kneipp und Stauseen

Wer am Vortag noch entspannt auf dem See gepaddelt hat, merkt heute schnell: Das war ein anderes Wasser. Die Sigmund Thun Klamm bei Kaprun ist eng, laut und feucht. Die Gischt hängt in der Luft, noch bevor man den ersten Steg betritt. Der Fluss hat sich über Jahrtausende unaufhaltsam in den Fels gearbeitet. Die Tour beginnt harmlos, ein Holzsteg, ein paar Stufen. Dann verengt sich der Fels. Die Wände rücken näher zusammen, das Wasser schießt durch den Spalt.

Die Sigmund-Thun-Klamm.

Die Gischt der Sigmund Thun Klamm ist im Sommer eine willkommene Abkühlung.
Foto: Zell am See-Kaprun Tourismus

Man riecht den Stein. Man spürt die Kälte, die aus der Schlucht steigt. Stellenweise fällt das Licht nur noch von schräg oben ein. Am Ende der Schlucht wartet der Klammsee. Türkisfarben und still, fast unwirklich nach dem Lärm der Schlucht. Highlight für heiße Füße ist die natürliche Kneippanlage im seichten Zufluss. Klares Gebirgswasser, kniehoch, kalt genug, um müde Beine aufzuwecken.

Nachmittags geht es höher. Deutlich höher. Die Hochgebirgsstauseen Mooserboden und Wasserfallboden liegen auf über 2.000 Metern. Man erreicht sie über Europas steilsten, offenen Schrägaufzug, den Lärchwand-Schrägaufzug. Die Seen sind kein Naturschauspiel. Sie sind Ingenieurskunst aus den Fünfzigerjahren, als Österreich Strom brauchte. Rund 165 Millionen Kubikmeter, gehalten von Staumauern, die über hundert Meter in den Himmel aufragen. Das Wasser, das hier gesammelt wird, treibt Turbinen an und erzeugt Strom für die Region. Wer über die Staumauer geht und in das Becken schaut, hört nichts und begreift trotzdem, welche Kraft hier gebändigt wird. Bei einer Führung lässt sich die Staumauer auch von innen besichtigen, Meter für Meter durch das Bauwerk, das diese Kraft in Schach hält.

Blick auf Hochgebirgsstauseen bei Zell am See-Kaprun.

Wow! Hier oben ist es nicht nur angenehm frisch, der Ausblick ist auch einfach atemberaubend.
Foto: Zell am See-Kaprun Tourismus/JFK

Tag 3

3.029 Meter Seehöhe: Gletschereis am Kitzsteinhorn

Am dritten Tag verschwindet das Wasser. Jedenfalls das flüssige. Auf dem Weg aufs Kitzsteinhorn überwinden die Seilbahnen eine Strecke von zwölf Kilometern, längste Seilbahnachse der Ostalpen. Vier Vegetationsstufen ziehen vorbei: Almwiesen, Latschen, nackter Fels, Schnee. Oben, auf 3.029 Metern, steht man auf der Aussichtsplattform TOP OF SALZBURG und schaut auf etwas, das es so nicht mehr oft gibt: einen Gletscher. Stille. Der Rundblick reicht über die Gipfel der Hohen Tauern bis zum Großglockner.

Direkt hinter dem Gipfel beginnt der Nationalpark Hohe Tauern, 1.856 Quadratkilometer geschützte Hochgebirgslandschaft, der größte Nationalpark der Alpen. Im Inneren des Bergs führt die National Park Gallery durch einen Stollen ins Eis. Interessierten stehen die Nationalpark Ranger zur Seite und erklären, wie die Kristalle im Fels entstehen, warum man hier mit Glück Steinadler oder Bartgeier sichten kann und was der Permafrost über den Zustand der Alpen verrät. Kalte Temperaturen, auch im Juli. Das Eis am Kitzsteinhorn ist alt. Tausende Jahre, verdichtet, Schicht für Schicht.

Am Morgen noch im See geschwommen, jetzt im Gletschereis stehen. Drei Tage, drei Höhenlagen. Erst baden, dann kneippen, dann staunen. Coolcation? Hier braucht niemand das Wort. Die Region lebt es längst.

Weitere Infos zu Zell am See-Kaprun

Häufige Fragen

Wie reise ich nach Zell am See-Kaprun?

Zell am See hat einen Bahnhof im Stadtzentrum. Direktverbindungen gibt es aus Salzburg (ca. 90 Minuten), Wien und München. Seit dem Fahrplanwechsel auch über die neuen ÖBB-Interregio-Linien durch das Brixental und den Pinzgau. Wer hier übernachtet, fährt dank dem Guest Mobility Ticket mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln im Bundesland Salzburg.

Reiseplanung, Unterkünfte und Tickets: zellamsee-kaprun.com

Hat der Zeller See Trinkwasserqualität?

Der Zeller See gehört zu den reinsten Badeseen Europas und hat offizielle Trinkwasserqualität. Im Sommer erreicht er eine durchschnittliche Wassertemperatur von rund 23 Grad.

Welche Wasser-Aktivitäten gibt es in Zell am See-Kaprun?

Die Region bietet Wasser-Erlebnisse auf allen Höhenstufen: Schwimmen, Bootsverleih, Surfen, Wasserski, SUP, SUP-Yoga, Segeln und SchiZfahrt am Zeller See, die Sigmund Thun Klamm mit Kneippanlage am Klammsee, die Hochgebirgsstauseen Mooserboden und Wasserfallboden auf über 2.000 Metern und TOP OF SALZBURG am Kitzsteinhorn mit der National Park Gallery, dem Cinema 3000 und zwei Panoramaplattformen.