reisen EXCLUSIV Audio - Höre Dir diesen Artikel an
0:00
0:00

Der Chiemsee gehört zu den meistbesuchten Seen Bayerns – und genau deshalb lohnt es sich, früh im Jahr hinzufahren. Im Frühling ist das Ufer nämlich noch nicht überlaufen, die Schifffahrt zu den Inseln nimmt gerade wieder richtig Fahrt auf, und die Temperaturen erlauben lange Spaziergänge und ausgedehnte Radtouren, ohne dass man sich durch Tagestouristen kämpfen muss. Lust? Hier sind unsere Tipps, um den Chiemsee im Frühling zu erleben. 

Was du im Frühling auf dem Wasser erleben kannst

Die Chiemsee-Schifffahrt (Website) verkehrt ganzjährig zwischen Prien-Stock und Gstadt sowie den beiden Inseln Fraueninsel und Herreninsel. Im Frühjahr gilt noch der Übergangsfahrplan mit meist stündlichen Abfahrten; der volle Sommerbetrieb startet erst Mitte Mai. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, doch wer an Deck steht und den Blick nach Süden richtet, versteht sofort, warum dieser See Maler und Könige fasziniert hat. Das Panorama der Chiemgauer Alpen, noch mit Schnee auf den oberen Hängen, spiegelt sich im Vorfrühlingswasser.

Ausflugsschiff tuckert über den Chiemsee

Foto: FooTToo/Shutterstock.com

Auf der Herreninsel wartet Schloss Herrenchiemsee, König Ludwigs II. unvollendetes Versailles-Werk. Im Frühjahr ist die Stimmung dort ganz anders als im Hochsommer: weniger Publikum, mehr Stille, und in den langen Alleen der parkähnlichen Anlage liegt noch etwas von der winterlichen Zurückhaltung, die dem Ort gut steht. Die Gartenanlagen erwachen gerade erst, was paradoxerweise besonders schön ist: Man sieht das Gerippe des Ortes, bevor der Sommer alles üppig zuwachsen lässt.

Die Fraueninsel dagegen ist kleiner, von einer Klostermauer umschlossen und von Fischerhäusern geprägt. Das Benediktinerinnenkloster Frauenwörth existiert seit dem 8. Jahrhundert. Im Frühling kann man der Insel buchstäblich bei der Auferstehung zusehen: Wenn die Fischer ihre Boote wieder ins Wasser lassen und in den Klostergärten die ersten Tulpen erscheinen.

Welches sind die schönsten Wanderwege am Chiemsee?

Wer nicht sofort auf die Schiffe will, dem empfiehlt sich der Rundweg am Seeufer zwischen Prien und Gstadt. Der Weg führt durch Schilfzonen, über Holzstege und an kleinen Häfen vorbei, die um diese Jahreszeit noch verschlafen wirken. Das ist kein alpines Spektakel, aber genau das macht es interessant: Es ist eine Landschaft im Zwischenzustand, noch nicht vollständig grün, aber schon in Bewegung.

In den Feuchtwiesen rund um die Priener Bucht beobachten Vogelkundler im Frühjahr Zug- und Brutvögel, die den Chiemsee als Station oder Heimat nutzen. Der Weißstorch ist hier regelmäßig zu sehen, ebenso Kiebitze und – mit etwas Geduld – der Eisvogel entlang der kleinen Bachläufe. Wer frühmorgens kommt (kurz nach Sonnenaufgang), erlebt den See in einem magischen Zustand: Nebelschwaden über dem Wasser, Silhouetten von Enten, absolute Stille bis auf die ersten Rufe.

Lachmöwe am Chiemsee

Foto: 1stGallery/Shutterstock.com

Wo ist Radfahren am Chiemsee am schönsten?

Die etwa 55 bis 60 Kilometer lange Umrundung des Chiemsees gehört zu den beliebtesten Radtouren Bayerns, und im Frühjahr hat sie einen besonderen Reiz: Die Wege sind noch nicht überfüllt, die Temperaturen liegen tagsüber oft zwischen 12 und 18 Grad, und die Gasthäuser entlang der Strecke öffnen frisch aus der Winterpause. In Seebruck am Nordende lohnt sich eine kurze Pause: Das Römermuseum Bedaium zeigt Funde aus der keltisch-römischen Zeit, denn hier verlief einst die Via Claudia Augusta.

Mehrere Fahrräder stehen auf einer Wiese am Chiemsee, im Hintergrund ein Schiff

Foto: starryvoyage/Shutterstock.com

Der Reiz der Chiemgauer Berge

Wer die Berge sucht, ist im Chiemgau ebenfalls richtig. Der Kampenwand, mit 1.669 Metern einer der markantesten Gipfel der Region, ist per Seilbahn aus Aschau erreichbar, die ab April wieder in Betrieb geht. Oben trifft Frühlingssonne auf Schneereste, die Sicht reicht bei klarem Wetter bis nach Salzburg. Zu Fuß ist der Aufstieg über den Weg vom Samerberg eine Alternative für Geübte, die sich den Frühlingswald mit Lärchen und Fichten einmal ganz ohne Gondel erschließen möchten.

Wandern auf der Kampenwand am Chiemsee genießt Aussicht auf Alpen

Foto: Pusteflower9024/Shutterstock.com

Essen und Einkehren: Was die Region zum Frühjahr serviert

Der Chiemsee ist noch immer ein Fischersee, auch wenn die Bestände nicht mehr so üppig sind wie einst. Renke, der lokale Edelmaräne, steht auf vielen Speisekarten und ist im Frühling besonders zu empfehlen: leicht gebraten, mit Kartoffeln und Meerrettich, in einem der alten Wirtshäuser direkt am Wasser.

Das Restaurant im Kloster Frauenwörth (Website) darf man dabei nicht übersehen, wenn es wieder geöffnet hat; der Biergarten mit Seeblick funktioniert auch an kühlen Frühlingstagen, wenn man sich einfach in die Sonne setzt. Wer abends nach Prien zurückkehrt, findet in der Altstadt einige gute Adressen. Die Priener Gastronomie hat sich in den letzten Jahren spürbar entwickelt, ohne dabei das Bodenständige zu verlieren, das viele Gäste hier suchen.

Auf der Website der Region Chiemsee Alpenland gibt es viele weitere Tipps für einen Urlaub in der Region.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit für den Chiemsee im Frühling?

Mitte März bis Ende Mai, mit dem April als Höhepunkt: Zugvögel, blühende Obstbäume und noch moderate Besucherzahlen locken dann.

Fahren die Schiffe zu den Inseln schon im Frühjahr?

Ja, die Chiemsee-Schifffahrt verkehrt ganzjährig. Im Frühjahr gilt der Übergangsfahrplan mit meist stündlichen Abfahrten. Der volle Sommerbetrieb startet erst Mitte Mai.

Ist Schloss Herrenchiemsee im Frühjahr geöffnet?

Ja, grundsätzlich ganzjährig. Im Frühjahr sind die Besucherzahlen deutlich niedriger als im Sommer, was Führungen angenehmer macht.

Wie lang ist die Radtour rund um den Chiemsee?

Etwa 60 Kilometer, bei gemächlichem Tempo gut an einem langen Tag zu schaffen. Im Frühjahr sind die Wege noch wenig frequentiert.

Wie kommt man am besten zum Chiemsee?

Mit dem Zug ab München in etwa einer Stunde bis Prien am Chiemsee. Mit dem Auto über die A8, Ausfahrt Bernau oder Prien.

Gibt es Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung?

Ja, besonders in den Feuchtwiesen rund um die Priener Bucht. Im Frühjahr sind Weißstörche, Kiebitze und Eisvögel zu beobachten, am besten kurz nach Sonnenaufgang.