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Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Doch steigende Meerestemperaturen, Klimawandel und andere Belastungen setzen ihnen weltweit zu. Besonders oft ist dabei von Korallenbleiche die Rede. Aber was ist Korallenbleiche genau, warum kommt sie vor und was bedeutet sie für Reisende, Taucher und ganze Küstenregionen? Hier erklären wir verständlich, was hinter dem Phänomen steckt und wie sich Korallenriffe schützen lassen.

Was sind Korallen – Tiere, Pflanzen oder Steine?

Auch wenn wir die bunte Welt, die wir beim Schnorcheln entdecken können, gerne als Korallengarten bezeichnen – diese Benennung ist irreführend. In Wahrheit ist das komplexe Ökosystem, das dort von und mit den Meeresbewohnern geschaffen wird, selbst ein Tier, das vorrangig aus Kalk besteht. Wie jetzt? Ja, die verschiedenen Korallenarten – Weich- und Steinkorallen – ernähren sich von Algen, die auf ihnen wachsen. Je nach Farbe der Pflanzen, von denen sie sich ernähren, variiert auch die Farbe der Koralle selbst! Korallen sind also keine Pflanzen, sondern Nesseltiere, die in enger Symbiose mit Algen leben und so ganze Riffe aufbauen können.

Das Great Barrier Reef in Australien ist leider von einer starken Korallenbleiche betroffen.

The Len/Shutterstock.com

Korallen sind wärmeliebende Lebewesen: Tropische Korallen können nur ab einer konstanten Meerestemperatur von über 20 Grad Celsius überleben – was erklärt, warum besonders auf den Breitengraden rund um den Äquator Korallen vorkommen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Wird die Temperatur zu hoch, zum Beispiel über 30 Grad Celsius, sterben wiederum die Algen, von denen sich die Korallen ernähren. Manche Algen produzieren bei diesen Temperaturen auch Stoffe, die für Korallen schädlich sind. Deshalb stoßen die Korallen die Algen als Stressreaktion ab – und verlieren dabei auch ihre schöne, bunte Farbe. Die Korallenbleiche tritt ein.

Was ist Korallenbleiche und sind gebleichte Korallen tot?

Sind denn geblichene Korallen tot? Klare Antwort: Nein! Wie oben beschrieben, stoßen Korallen in gewissen Umständen, zum Beispiel wenn die Wassertemperatur zu hoch ist, die Algen, von denen sie sich ernähren, ab. Dann bleichen sie. Zunächst können sie auch ohne die Algen überleben. Sinkt die Temperatur zum Beispiel in wenigen Monaten wieder, können sich Algen erneut ansetzen und die Korallen überleben. Manche Korallenarten durchlaufen diesen Prozess jeden Sommer – das ist ganz natürlich.

Doch: Über einen langen Zeitraum anhaltende extrem hohe Wassertemperaturen verursachen eine unnatürliche Korallenbleiche. Im schlimmsten Fall kann eine solche Massenbleiche dazu führen, dass sich große Teile des Riffs nicht mehr erholen können und es zum Korallensterben kommt.

Erwärmt sich die Temperatur der Meere langfristig, sterben Korallen ab.

Nattapon Ponbumrungwong/Shutterstock.com

Das Great Barrier Reef in Australien gilt als eines der bekanntesten Beispiele für großflächige Korallenbleiche. In den vergangenen Jahren kam es dort wiederholt zu Massenbleichen. Das zeigt, wie stark Korallenriffe auf anhaltend hohe Wassertemperaturen reagieren. Auch wenn sich einzelne Riffabschnitte erholen können, wächst mit jeder schweren Bleiche das Risiko dauerhafter Schäden.

Das Great Barrier Reef in Australien ist das größte Korallenriff der Welt.

Edward Haylan/Shutterstock.com

Korallenbleiche kann übrigens am besten mit Luftaufnahmen überprüft werden. Bei Ebbe, langsamer Geschwindigkeit und geringer Flughöhe können die Korallen gut vermessen und gleichzeitig deren Verfärbung erkennt werden.

Warum sterben Korallenriffe außer durch Korallenbleiche?

Der größte Faktor für das Absterben von Korallen ist die Korallenbleiche. Der Temperaturanstieg in den Meeren ist vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen. Zum einen steigt die Temperatur generell – und somit auch die der Ozeane –, aber auch andere Faktoren wie das zunehmende Wetterphänomen El Nino tragen zu einem Temperaturanstieg des Wassers bei. Neben der Temperatur ist auch wichtig, wie viel Stickstoff oder Kohlendioxid im Wasser enthalten ist. »Versauern« die Ozeane, kann die Symbiose zwischen den Algen und Korallen nicht mehr funktionieren.

Anker können Korallenriffe nachhaltig zerstören.

Kristina Vackova/Shutterstock.com

Neben der Korallenbleiche können die Riffe auch auf andere Weise zerstört werden. Berühren unachtsame Taucher oder Schnorchler die Korallen, können sie diese durch ihre Bakterien zerstören. Auch das Ankern von (Segel-)Schiffen hinterlässt gravierende Schäden an den Riffen. Für Reisende bedeutet das: Schon kleine Verhaltensfehler beim Schnorcheln, Tauchen oder auf Bootsausflügen können empfindliche Riffe zusätzlich belasten.

Warum ist das Sterben der Korallenriffe so gefährlich?

Korallenriffe sind neben dem Regenwald der artenreichste Lebensraum der Erde. Ganze Ökosysteme und Nahrungsketten könnten beim Absterben der Korallen zusammenbrechen. Nicht nur verschwinden Korallenarten und mit ihnen unzählige Fische, auch haben es Fischer und Tauchtourismus schwer. Küsten sind nun auch nicht mehr geschützt und können einer Erosion zum Opfer fallen. Auch wenn sich manche Riffe von Korallenbleiche und anderen Schäden erholen können, dauert das lange – mindestens Jahre, meistens Jahrzehnte.

Ausflugsboote können zur Korallenbleiche beitragen.

Andrea Izzotti/Shutterstock.com

Wie können Reisende und Urlauber Korallenriffe schützen?

Der Klimawandel ist nach wie vor die größte Gefahr für das Riff – und eine gigantische Herausforderung zugleich! Es ist unersetzlich, weltweit eine Emissionsreduzierung zu erzielen und lokale Maßnahmen durchzuführen.

  • Korallen beim Schnorcheln oder Tauchen niemals berühren.
  • Nur mit lizenzierten und verantwortungsvoll arbeitenden Anbietern aufs Wasser gehen.
  • Beim Bootsausflug darauf achten, dass feste Bojen statt Anker genutzt werden.
  • Keinen Müll im Meer hinterlassen und sensible Meeresräume respektieren.
  • Angebote unterstützen, die Naturschutz, Forschung und Umweltbildung fördern

Doch auch bei anderen Maßnahmen kommt es auf jeden Einzelnen an. So ist es zum Beispiel wichtig, mit lizensierten Bootsunternehmen eine Tour zur Unterwasserwelt zu unternehmen, wenn man ein Riff besuchen möchte. Beim Great Barrier Reef, dem am besten geschützten Riff der Welt, benötigen Ausflugsboote eine »Reef Permit«. Vom Tourpreis kommen sieben Dollar der Great Barrier Reef Authority (GBRMPA) zugute, die sich für Bildung, Forschung und Schutz rund um die Riffe einsetzen.

Beim Eye on the Reef Programm können Urlauber selbst zu Meeresschützern werden.

R Beeden

 

Beim »Eye on the Reef«-Projekt können sich Urlauber im größten Riff der Welt sogar als Meeresforscher betätigen. Auf der Tour werden die Touristen von Experten begleitet, alle Funde an den Korallen werden fotografiert und in eine Datenbank eingepflegt, die Aufschluss über die Gesundheit des fragilen Ökosystems geben. Mehr Infos gibt’s hier.

Auch der Besuch einer Forschungsstation klärt auf. Hier werden neben den Korallen auch andere Meeresbewohner untersucht. Die von Universitäten und Vereinigungen geleiteten Stationen am Great Barrier Reef findet ihr auf folgenden Inseln: Heron Island, North Stradbroke Island und Lady Elliot Island (University of Queensland), auf Orpheus Island (James Cook University) und Lizard Island (Australian Museum). Die jeweiligen Forschungsstationen freuen sich über Besuch von Interessierten!

Auf Heron Island lernt man in der Forschungsstation viel über die Korallenbleiche der Meere.

Tourism and Events Queensland

Neue Methoden zur Rettung des Great Barrier Reef

Dass Klimaschutz definitiv innovativ und kreativ ist, zeigt dieser Ansatz zur Rettung des größten Korallenriffs der Welt: Wissenschaftler haben Wolken »aufgehellt«, um so das Meerwasser am Korallenriff zu kühlen. Dafür wurden die Wolken über dem Riff durch die Infusion von Meersalzkristallen künstlich erhellt, sodass die Sonnenstrahlen besser ins All reflektieren können. Das Salz gewannen die Wissenschaftler aus dem Meer. Mit einer umgebauten Turbine schossen sie Milliarden feiner Salzwassertropfen vom Schiff in die Luft. Mehr Infos zu diesem spannenden Projekt findet ihr hier.

Eine weitere Plage macht dem Riff zu schaffen: Dornenkronseesterne vermehren sich rasant und zerstören die Korallen, auf denen sie sich festsetzen. Während man auf den Philippinen beispielsweise der Plage versucht Herr zu werden, indem man den Fischern für einen vollen Sack der Seesterne einen Sack Reis anbietet, ist man in Australien auf eine ganz andere Idee gekommen: Die GBRMPA hat einen Mini-Roboter entwickelt, der wie eine Art Mini-U-Boot durch die Korallenriffe navigiert, dort die Seesterne aufspürt und sie mit einer tödlichen Injektion aus Essig oder Gallensalz vernichtet, ohne dass das Riff zu Schaden kommt.

 

HÄUFIGE FRAGEN

Was ist Korallenbleiche in einfachen Worten?

Korallenbleiche entsteht, wenn Korallen unter Stress, meist durch zu hohe Wassertemperaturen, die Algen abstoßen, mit denen sie zusammenleben. Dadurch verlieren sie ihre Farbe und wirken weiß.

Sind gebleichte Korallen sofort tot?

Nein. Gebleichte Korallen sind nicht automatisch tot. Verbessern sich die Bedingungen schnell, können sie sich erholen. Hält der Stress lange an, sterben viele Korallen ab.

Warum ist Korallenbleiche ein Problem für Reisende?

Korallenriffe sind wichtige Lebensräume, schützen Küsten und machen viele Reiseziele für Taucher und Schnorchler überhaupt erst attraktiv. Sterben Riffe, leidet nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch der Tourismus vor Ort.

Was können Urlauber zum Schutz von Korallenriffen tun?

Korallen nicht berühren, auf Abstand bleiben, verantwortungsvolle Touranbieter wählen und Naturschutzprojekte vor Ort unterstützen. Schon umsichtiges Verhalten im Wasser hilft, zusätzliche Schäden zu vermeiden.