Weihrauchstraße, Gewürzmärkte, wilde Gebirge und Wüsten – an all das denkt man beim Sultanat Oman. Taucher denken allerdings schlicht und ergreifend ans Tauchen, denn das ist im Persischen Golf besonders bunt und fischreich.

Die gelbe »Dhow« liegt eingequetscht zwischen anderen Booten im Hafen von Dibba. Das typisch omanische Holzschiff mit dem hohen Aufbau und dem weiß-gelben Anstrich heißt »Queen of Musandam«. Aber irgendwie will der Name nicht so recht zur Optik passen.

Tauchsafari im Oman: Queen of Musandam

Sibylle Gerlinger

Durch sein gedrechseltes Holzgeländer und die gedrungene Bauweise bewegt sich das eher übersichtliche Boot stilistisch irgendwo zwischen Alibaba und deutscher Kleingartenromantik. Nun gut. Wir haben eine lange Nachtfahrt vom Airport Dubai nach Musandam hinter uns, sind müde und die Wüstensonne hat bereits ihre harte Strahlkraft ausgefahren. Erst mal ausruhen und dann sieht die Welt schon anders aus.

Unterwegs auf der Straße von Hormuz

Als wir kurz darauf mit der »Queen« aus der Bucht tuckern, der Fahrtwind die Hitze mildert und der blaue Golf von Oman vor uns liegt, fühle ich mich bereits wohl an Bord. Musandam ist eine karge Exklave. Die Emirate Sharjah und Fujairah trennen die bergige Halbinsel vom Hauptteil des Sultanats Oman. Weite Teile dieses Felsgebirges sind unzugänglich und lediglich von einigen Ziegen bewohnt.

Ziege in der Bergwald des Oman

Sibylle Gerlinger

Und wäre da nicht die strategische Anbindung an die Straße von Hormuz, hätte dieser Landesteil wohl kaum einen Wert. Musandam ragt aber weit hinein und bildet dadurch das Nadelöhr, das der internationale Schifffahrtsverkehr nehmen muss auf dem Weg vom Irak, dem Iran und sämtlichen Emiraten hinaus in die Welt. Die Lage sichert dem Oman den Zugang zu dieser wichtigen Seestraße, an dessen nördlichem Rand wir jetzt cruisen.

Vorbei an der unwirklich scheinenden Natur

Wir gleiten auf fast spiegelglatter See an faszinierenden Felsformationen vorüber. Die Bewegungen der Erdkruste sind deutlich zu erkennen, langsam aber stetig schiebt sich die arabische Platte unter die eurasische. Ein Mekka für Geologen. Immer wieder schneiden tiefe Fjorde lange Schneisen in die Küstenlinie, zu deren Seiten die Felsen des Hajar Gebirges wild und fast senkrecht ins Meer stürzen.

Auf der Queen unterwegs im Oman

Sibylle Gerlinger

Wechselnde Gesteinsfarben und Strukturen spielen mit meiner Fantasie. Blätterteig und Marmorkuchen kommen mir in den Sinn, während aus der kleinen Kombüse bereits betörende Düfte das Sonnendeck erobern. Aber erst einmal geht es endlich ins Wasser.

Artenreiche Planktonsuppe

»Wonder Wall« heißt der erste Tauchplatz und ich bin vom Artenreichtum des Golfes von Oman sofort überwältigt. Der Nahrungsreichtum offenbart sich in dichten Planktonwolken. Das fordert Zugeständnisse an die Sichtweite, bildet aber ein regelrechtes Schlaraffenland für Millionen von Fischen. Die Kleinstlebewesen verleihen dem Wasser einen zauberhaften Smaragdton, der im Flachwasser zu Türkis wechselt. Überall ist Fisch. Über uns ziehen Makrelen und Sardinenschwärme auf Nahrungssuche durch das Grünblau. Echten Hunger kennen sie sicher nicht. Noch staune ich über das kräftige Zitronengelb und Purpur hiesiger Peitschenkorallen.

gelbe Peitschenkoralle auf der Tauchsafari im Oman

Sibylle Gerlinger

An manchen Stellen stehen die Büsche so dicht und farblich auf einander abgestimmt, als wären sie Teil der Bundesgartenschau. Wir werden sie auf jedem Tauchgang in großer Zahl zu sehen bekommen. Ein Anblick, dessen ich nicht müde werde.

Gaumenschmaus auch für Veganer

Nach jedem Tauchgang kehren wir hungrig zurück an Bord und jedes Mal wartet dort ein neuer Gaumenschmaus. Die dreiköpfige indische Crew arbeitet harmonisch Hand in Hand und wird von Brian, unserem dauerhaft gut gelaunten, philippinischen Diveguide komplettiert. Der sanftmütige Koch Bibin zaubert täglich neue Köstlichkeiten in allen Geschmacksrichtungen. Da die indische Küche reich an veganen und vegetarischen Gerichten ist, gehen hier weder Carnivoren noch Pflanzenkostler leer aus. Täglich steht neues frisches Obst zur Verfügung und Bibins dunkle Rehaugen strahlen vor Freude über unser Lob. Und spätestens nach dem ersten Lunch habe ich mich in die Queen of Musandam restlos verliebt.

Das Norwegen Arabiens

Tiefe Fjorde ziehen sich in die zerklüftete Gebirgswelt von Musandam hinein. Sie bieten uns ruhige Ankerplätze und ich fühle mich unendlich weit weg in der Stille der Natur. Nur das Meckern einiger Ziegen hallt von den Felsen wider, hier im Norwegen Arabiens. Den Fjorden vorgelagert liegen einige felsige Inseln, an denen die Strömungen recht heftig werden können. Walhaie und Mondfische kann man dort treffen.

Roch im Oman auf Tauchsafari

Sibylle Gerlinger

Wir freuen aber auch über mehrere Mobulas und große Sandrochen, die neben uns durchs Blau ziehen. Wo auch immer wir ins Wasser springen, bietet sich ein Bild unglaublich dichten Bewuchses. Fast hundert verschiedene Arten Hartkorallen, Weichkorallen und Schwämme sitzen dicht an dicht. Sie sind auch das Versteck gigantisch großer Seepferdchen, sich mit ihren Schwänzen an die Korallenarme klammern. Die kleine gelbe Dhow ist im Laufe der Tage gewachsen. So beengt sie mir anfangs erschien, so geräumig wirkt sie auf mich am Ende der Tour. Als wir in den Hafen von Dibba einfahren, ist sie in unseren Augen sogar ein wenig königlich.

An Land gibt es Bier

Von Dibba aus erreicht man die Nachbaremirate Sharjah und Fujairah für Stippvisiten in wenigen Autominuten, das notwendige Visum organisiert die Tauchbasis. Wir lassen die Tage im Golden Tulip Hotel in Dibba ausklingen, das sogar eine Schanklizenz besitzt. Alkohol ist in den Emiraten generell ein schwieriges Thema, der Konsum nur in Hotels gestattet, in Sharjah hingegen komplett untersagt. Wir genießen also nach der Abstinenz an Bord unser erstes eiskaltes Bier zum Sonnenuntergang. Und mal ehrlich: Es geht runter wie Öl.

Tauchreisen auf der »Queen« im Oman sind buchbar bei Beluga Reisen.

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