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Die Galerie d’Apollon im Pariser Louvre zählt zu den prachtvollsten Sälen des Museums. Berühmt ist sie nicht nur für ihre spektakuläre Architektur, sondern auch für die einzigartigen Kunstobjekte und historischen Juwelen, die hier präsentiert werden.

 

Nach dem spektakulären Diebstahl mehrerer Schmuckstücke im Oktober 2025 steht der Saal erneut im Rampenlicht. Maskierte Täter drangen an einem Sonntagmorgen in das Museum ein, brachen Vitrinen auf und entwendeten Schmuckstücke von unschätzbarem Wert – darunter ein Smaragd-Halsband und Ohrringe, die einst Kaiserin Marie-Louise gehörten, der zweiten Ehefrau Napoleons Bonaparte. Die Tat dauerte nur wenige Minuten, die Diebe flohen auf Mopeds. Das Museum wurde evakuiert und blieb für den Rest des Tages geschlossen.

Hier erfahrt ihr, was in der Galerie d’Apollon im Louvre zu sehen ist – und warum sie für Frankreich weit mehr bedeutet als ein einfacher Ausstellungsraum.

 

Architektur und Bedeutung der Galerie d’Apollon im Louvre

Im 17. Jahrhundert ließ Ludwig XIV. die beeindruckende Galerie d’Apollon errichten. Künstler und Architekten erweiterten und gestalteten sie in den folgenden Jahrhunderten immer wieder neu. Nach einer umfassenden Restaurierung öffnete die Galerie im Jahr 2020 erneut ihre Türen. Sie vereint herausragende Architektur mit einer der bedeutendsten Sammlungen französischer Königskunst.

Details an der Wand in der Galerie d'Apollon im Louvre, Paris

Foto: Isogood_patrick/Shutterstock.com

Als Inbegriff barocker Repräsentation verkörpert die Galerie die Kunst des französischen Absolutismus und erzählt eine Geschichte von Macht, Mythos und Handwerkskunst. Ihre Ausstattung macht sie zu einem Höhepunkt des Louvre, weit über ihre Rolle als Ausstellungsraum hinaus.

Kunsthandwerk und Edelsteingefäße

Ein Höhepunkt der Galerie ist die Sammlung kunstvoll gefertigter Gefäße aus Edel- und Hartgesteinen wie Achat, Amethyst, Lapislazuli, Jade und Bergkristall. Viele dieser Objekte stammen aus der Sammlung Ludwigs XIV., der für seine Leidenschaft für solche Materialien bekannt war. Zahlreiche Stücke sind in aufwändigen Fassungen aus Gold und Silber gearbeitet. Insgesamt sind mehrere hundert dieser meisterhaft gearbeiteten Objekte ausgestellt. Definitiv ein eindrucksvolles Zeugnis königlichen Kunsthandwerks.

Juwelen der französischen Krone

Die Galerie beherbergt Teile der französischen Kronjuwelen, darunter einige der berühmtesten Diamanten der Welt:

  • Der »Régent«, ein 140-karätiger Diamant, gilt als einer der prachtvollsten seiner Art.
  • Der »Sancy«, ein hellgelber Diamant mit bewegter Geschichte, war im Besitz mehrerer europäischer Dynastien.
  • Der »Hortensia«, ein rosafarbener Diamant mit 20 Karat, gehörte einst Ludwig XIV.

Darüber hinaus sind auch komplette Juwelensets zu sehen, etwa das prunkvolle Ensemble von Kaiserin Marie-Louise, das durch seine künstlerische Qualität und historische Bedeutung besticht.

Genau dieses Set wurde beim jüngsten Raub teilweise gestohlen. Unter den entwendeten Objekten befanden sich das Smaragd-Collier und die passenden Ohrringe der Kaiserin. Außerdem verschwand eine Brosche von Kaiserin Eugénie, der Ehefrau Napoleons III. Ihre Krone wurde zwar fallen gelassen, aber in der Nähe des Tatorts gefunden – mit 1.354 Diamanten und 56 Smaragden zählt sie zu den prachtvollsten Stücken des Museums.

Die Netflix-Serie Lupin als Vorbild?

Die französischen Behörden gehen davon aus, dass die Diebe mit einer mechanischen Leiter über ein Fenster im ersten Stock eindrangen. Zwei Täter bedrohten Sicherheitskräfte, während ihre Komplizen draußen warteten. Ein Museumsmitarbeiter konnte verhindern, dass die Diebe ihr Fluchtfahrzeug in Brand setzten. Niemand wurde verletzt.

nnenminister Laurent Nuñez bezeichnete die gestohlenen Stücke als »unbezahlbar« und von »unschätzbarem kulturellen und historischen Wert«. Experten vermuten, dass die Juwelen zerlegt und einzeln weiterverkauft werden sollen – im Gegensatz zu Kunstwerken, die zu bekannt sind, um leicht verkauft zu werden.

Das Krönungsschwert Joyeuse, obwohl Teil der Sammlung der Kroninsignien, ist nicht in der Galerie d’Apollon ausgestellt.

Deckengemälde und Wandgestaltung der Galerie d’Apollon im Louvre

Ein zentrales Kunstwerk der Galerie ist das monumentale Deckengemälde »Apollon besiegt die Schlange Python« von Eugène Delacroix. Es wurde im 19. Jahrhundert als Abschluss der künstlerischen Ausgestaltung geschaffen und misst etwa 8 Meter in der Höhe und 7,5 Meter in der Breite. Es zeigt Apollon im heroischen Kampf und gilt als Meisterwerk des französischen Romantizismus.

Bereits im 17. Jahrhundert hatte Charles Le Brun die Decke mit mythologischen Darstellungen gestaltet, in deren Zentrum der Sonnengott Apollon seinen Wagen über den Himmel zieht. Sie stellt eine Allegorie auf Zeit, Jahresverlauf und himmlische Ordnung dar.

Auch die Wandflächen der Galerie sind reich geschmückt: Sie zeigen eine Kombination aus Skulpturen, architektonischen Ornamenten, Wandmalereien und Tapisserien. Teil dieser Ausstattung sind auch Porträts bedeutender Herrscher und Künstler, die mit dem Ausbau des Louvre verbunden waren. Sie sind eingebettet in ein komplexes dekoratives Gesamtkonzept, das Malerei, Plastik und Raumgestaltung verbindet.

Nachklang des Raubs

Noch am selben Tag wurde der Louvre geschlossen, während Polizei und Ermittler den Tatort sicherten. Touristen mussten das Museum verlassen, viele erfuhren erst später, was geschehen war.

Ob die kostbaren Juwelen jemals wieder auftauchen, ist derzeit ungewiss. Die Ermittler prüfen Überwachungsvideos und Spuren am Tatort. Klar ist nur eines: Der Diebstahl hat der Galerie d’Apollon – ohnehin ein Symbol königlicher Pracht – ein weiteres Kapitel voller Dramatik hinzugefügt.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Louvre. Wer mehr über den Diebstahl im Louvre erfahren möchte und ausreichend französisch kann, kann sich im Live-Ticker der Tageszeitung »Le Figaro« über den aktuellen Stand informieren.