Kantabrien mit seiner Hauptstadt Santander gehört zu den vielseitigsten Regionen Spaniens: schroffe Atlantikküsten wechseln sich mit grünen Tälern und den Gipfeln der Picos de Europa ab. Wer diese landschaftliche und kulturelle Vielfalt erleben möchte, sollte sie mit dem Auto erkunden. Es empfiehlt sich eine Route, die die schönsten Dörfer Kantabriens miteinander verbindet. Die Reise beginnt in Nordspanien an der Küste, führt durch mittelalterliche Städte und endet im Hochgebirge. Die Stationen: San Vicente de la Barquera, Comillas, Santillana del Mar, Carmona und Potes.
1. San Vicente de la Barquera: Malerisch am Meer
San Vicente de la Barquera zählt zu den fotogensten Orten an der kantabrischen Küste und ist der perfekte Startpunkt für deine Reise. Das Dorf liegt auf einer kleinen Halbinsel, die von der Mündung des Flusses Escudo und dem Kantabrischen Meer umgeben ist. Über allem erhebt sich das mittelalterliche Castillo del Rey, dessen massive Mauern noch heute von der einstigen strategischen Bedeutung des Ortes zeugen. Gleich daneben thront die Kirche Santa María de los Ángeles. Das ist ein gotisches Bauwerk, das nicht nur architektonisch beeindruckt, sondern auch einen großartigen Blick über Hafen, Meer und Marschlandschaften bietet.

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Die maritime Seele des Ortes ist überall spürbar: Im Hafen schaukeln bunte Fischerboote, Möwen kreisen über den Anlegestellen, und in den kleinen Bars werden fangfrische Meeresfrüchte serviert. Die Altstadt mit ihren schmalen Gassen, Steinhäusern und kleinen Plätzen wirkt authentisch und lebendig zugleich. Besonders reizvoll ist ein Spaziergang über die lange Steinbrücke. Sie verbindet den historischen Stadtkern mit dem Festland. Von hier aus eröffnet sich ein Panorama, das Meer, Berge und Stadt in einem Bild vereint.
San Vicente ist aber nicht nur ein historischer Ort, sondern auch ein Paradies für Naturliebhaber. Die umliegenden Strände wie Playa de Merón oder Playa de Oyambre gehören zu den schönsten der Region und bieten eine spektakuläre Kulisse mit Blick auf die Picos de Europa im Hintergrund. Diese einzigartige Verbindung von Meer, Bergen und Kultur macht San Vicente de la Barquera zu einem idealen Auftakt der Reise.
Entfernung zum nächsten Ort (Comillas): ca. 15 km, etwa 20 Minuten Fahrt entlang der Küste.
2. Comillas: Moderne Kunst und aristokratische Eleganz am Meer
Nur eine kurze Fahrt westlich liegt Comillas – ein Ort, der wie kaum ein anderer in Kantabrien Kultur, Architektur und Küstenlandschaft vereint. Berühmt wurde Comillas vor allem durch »El Capricho«, eines der wenigen Werke von Antoni Gaudí außerhalb Kataloniens. Dieses fantasievolle Gebäude mit seinen bunten Keramiken, geschwungenen Formen und floralen Motiven wirkt wie ein Märchenschloss und zieht Architekturbegeisterte aus aller Welt an.

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Doch Comillas hat weit mehr zu bieten. Der Palacio de Sobrellano, ein neugotischer Palast aus dem 19. Jahrhundert, erinnert an die Zeit, als der Ort ein Treffpunkt der spanischen Aristokratie war. Direkt daneben erhebt sich die ehemalige Päpstliche Universität, ein monumentaler Bau, der über dem Ort thront und das Stadtbild prägt. Von hier aus hat man einen beeindruckenden Blick über Dächer, Strände und das offene Meer.
Neben dieser kulturellen Fülle ist Comillas auch ein Ort zum Genießen. Die Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, kleinen Boutiquen und Cafés lädt zum Bummeln ein, während der Strand perfekt für Spaziergänge oder ein Bad im Atlantik ist. Das Zusammenspiel aus historischer Architektur, avantgardistischer Kunst und maritimer Leichtigkeit verleiht Comillas eine ganz besondere Atmosphäre.
Entfernung zum nächsten Ort (Santillana del Mar): ca. 17 km, etwa 25 Minuten Fahrt.
3. Santillana del Mar: Eine Reise ins spanische Mittelalter
Santillana del Mar gilt als eines der schönsten und besterhaltenen mittelalterlichen Dörfer Spaniens. Schon beim Betreten der Altstadt fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Kopfsteinpflaster, prächtige Steinhäuser mit hölzernen Balkonen und kleine Plätze prägen das Bild.

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Im Zentrum steht die Colegiata de Santa Juliana, eine romanische Stiftskirche von nationaler Bedeutung, deren schlichte Eleganz und kunstvolle Kapitelle zu den bedeutendsten Beispielen dieser Epoche zählen.
Das Dorf war einst ein wichtiges religiöses und wirtschaftliches Zentrum, was sich noch heute in den zahlreichen Adelshäusern widerspiegelt. Trotz seiner historischen Bedeutung wirkt Santillana nicht wie ein Museum, sondern wie ein lebendiger Ort, in dem Kunsthandwerker, kleine Galerien und traditionelle Restaurants das mittelalterliche Ambiente mit Leben füllen. Besonders am frühen Morgen oder in den Abendstunden, wenn die Tagesbesucher verschwunden sind, entfaltet das Dorf seinen ganz eigenen Zauber.
Santillana ist zudem ein idealer Ausgangspunkt, um die kulturelle Vielfalt Kantabriens zu entdecken. Ganz in der Nähe befinden sich nämlich die berühmten Höhlen von Altamira mit ihren prähistorischen Malereien. So verbindet dieser Ort auf besondere Weise die Geschichte der Menschheit mit dem Erbe des Mittelalters.
Entfernung zum nächsten Ort (Carmona): ca. 25 km, etwa 35 Minuten Fahrt durch grüne Hügel.
4. Carmona: Das vergessene Bergdorf mit zeitloser Seele
Als viertes Spot der Route durch die schönsten Dörfer in Kantabrien geht es nach Carmona. Es handelt sich um ein abgelegenes Dorf in den Hügeln Kantabriens, das den ursprünglichen Charakter der Region bewahrt hat. Carmona wirkt wie ein Ort, der der Zeit entglitten ist: steinerne Bauernhäuser, enge Gassen und eine ländliche Ruhe bestimmen das Bild. Von hier aus öffnen sich weite Blicke über Täler, Wälder und Berge, die besonders bei Sonnenuntergang spektakulär sind.

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Das Dorf war früher ein wichtiger Zwischenstopp für Händler und Pilger, die das kantabrische Hinterland durchquerten. Heute lebt Carmona vor allem von Landwirtschaft und sanftem Tourismus. Kleine Gasthäuser servieren deftige kantabrische Küche. Eintöpfe, Wildgerichte und lokale Käsesorten landen gern auf dem Tisch. Wer hier Halt macht, erlebt eine andere Seite Kantabriens: fernab der Küste und der bekannten Sehenswürdigkeiten, aber dafür umso authentischer.
Carmona ist der perfekte Übergang zwischen der kultivierten Küstenwelt und der rauen Schönheit des Hochgebirges. Die Fahrt von hier in die Picos de Europa zählt zu den landschaftlich schönsten der Region.
Entfernung zum nächsten Ort (Potes): ca. 40 km, etwa 1 Stunde Fahrt durch die Berge.
5. Potes: Das Tor zu den Picos de Europa
Den Abschluss dieser Route bildet Potes – die Hauptstadt der Region Liébana und einer der eindrucksvollsten Orte im Landesinneren Kantabriens. Umgeben von den majestätischen Gipfeln der Picos de Europa liegt Potes in einem fruchtbaren Tal, durch das der Fluss Deva fließt. Die mittelalterliche Brücke San Cayetano und der Torre del Infantado sind die bekanntesten Wahrzeichen des Ortes. Sie erinnern an die strategische und politische Bedeutung vergangener Zeiten.

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Potes verbindet auf interessante Weise Geschichte und Natur. In den engen Gassen der Altstadt reihen sich kleine Geschäfte, Bars und Werkstätten aneinander, während wenige Kilometer außerhalb einige der spektakulärsten Wanderwege Nordspaniens beginnen. Die Region ist zudem berühmt für ihren »Orujo«. Das ist ein traditioneller Tresterbrand, der hier seit Jahrhunderten hergestellt wird und fest zur lokalen Identität gehört.
Nach den Küstenorten und Bergdörfern wirkt Potes wie der perfekte Abschluss: lebendig, geschichtsträchtig und zugleich ein Tor zu einer der beeindruckendsten Naturlandschaften Spaniens. Wer hier ankommt, spürt, dass diese Reise nicht nur geografisch, sondern auch emotional ihren Höhepunkt erreicht.
Weitere Informationen über Kantabrien gibt es auf der Webseite von Spain.Info.
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