Der Gardasee ist mehr als Badeurlaub: Auf asphaltierten Uferwegen, spektakulären Felspfaden und anspruchsvollen Trails rund um den Monte Baldo lässt sich die Region zu Fuß und per Rad ganz anders erleben.
Der Gardasee (hier geht es zu unserem Archiv) ist groß genug, um einen ganzen Sommer zu füllen und klein genug, um ihn mit dem Rad (hier gibt es dazu alle Infos) zu umrunden. Zumindest theoretisch, denn das durchgehende Radwegenetz, das Planern seit Jahren vorschwebt, ist leider noch nicht vollständig. Aber immerhin: Die Lücken werden kleiner, und was bereits existiert, reicht schon mal für eine ganze Saison. Hilfreich dabei ist, dass das Netzwerk Lago di Garda Camping (hier geht es zur Website), das 20 Campingplätze rund um den See vereint, sich für 2026 dem Thema Radreisen verschrieben hat. Und diese Campingplätze sind die idealen Ausgangspunkte für tolle Ausflugsmöglichkeiten. Von asphaltierten Uferwegen für Familien bis zu Abfahrten vom Monte Baldo, bei denen das Verhältnis von Aussicht zu Überlebenswillen eine ganz eigene Abwägung verlangt: Hier sind die schönsten Radstrecken!
Welcher Radweg hat die schönste Aussicht?
Limone sul Garda (hier geht es zur Website) hat eine dieser Routen, bei der gefühlt jeder zweite Radfahrer irgendwann anhält und die Kamera zückt. Der rund 2,5 Kilometer lange Rad- und Fußgängerweg verläuft teilweise buchstäblich in den Fels gehauen, denn er liegt hoch über dem Wasser. Der Blick geht weit über den See, im Westen die Felswände, gegenüber der Monte Baldo, das ist eine Kulisse, die selbst bei schlechtem Licht funktioniert und bei Abendsonne schon fast unfair schön ist. Der Anblick lässt sich auch ganz angenehm und in voller Puste genießen, denn der Weg ist flach und damit für alle Zielgruppen geeignet. Am Abend sogar mit Beleuchtung. Die Strecke ist Teil des Projekts »Garda By Bike« und funktioniert prima auch ohne großen sportlichen Ehrgeiz.
Welche Radroute führt durch Dörfer und Weinberge?
Etwas weiter südlich ändert sich der Charakter der Landschaft deutlich. Die 26 Kilometer lange Route durch die Valle dei Laghi (hier gibt es weitere Infos) führt vom nördlichen Gardasee entlang des Flusses Sarca über Arco bis zum Castel Toblino. Vorbei an Weinbergen und Olivenhainen, die hier nicht nur als Kulisse dienen, sondern tatsächlich bewirtschaftet werden.
Wer lieber Kultur mit Kulinarik verbindet, nimmt die Route entlang des Mincio (hier gibt es weitere Infos): Ab Peschiera del Garda geht es durch Borghetto sul Mincio, eines der bemerkenswert gut erhaltenen mittelalterlichen Dörfer Italiens, dann weiter nach Valeggio sul Mincio, das für seinen Parco Giardino Sigurtà bekannt ist. Und für handgemachte Tortellini, was manchen Radfahrern wahrscheinlich wichtiger sein dürfte. Die Gesamtstrecke bis Mantua misst 45 Kilometer; wer nicht zurückradeln möchte, nutzt den BiciBus, der Fahrräder per Anhänger zurück an den Gardasee transportiert. Nutzbar ist dieser recht komfortable Service von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen.
Welche Radwege sind für Familien mit Kindern geeignet?
Zwischen Lazise und Garda verläuft ein Uferradweg, der genau das ist, was er verspricht: flach, asphaltiert, sicher und mit Badepausen kompatibel. Etwas nördlicher, am nordöstlichen Ufer zwischen Brenzone und Malcesine, verbindet ein rund 40 Kilometer langer Weg insgesamt ganze zehn Orte. Also hin und zurück gerechnet. Er ist vollständig befestigt und dabei angenehmerweise nahezu eben. Das Castello Scaligero in Malcesine ist einer der offensichtlichen Haltepunkte, die sich beim ersten Anblick schon erklären. Weniger bekannt ist das Seemuseum in Cassone, das den Aril ausstellt. Der Aril ist angeblich der kürzeste Fluss der Welt, was geografisch zumindest diskussionswürdig ist, als Kuriosum aber wunderbar funktioniert.
Welche Mountainbike-Trails gibt es am Gardasee?
Der Sentiero del Ponale (hier gibt es weitere Infos) zwischen Riva del Garda und dem Ledrotal ist technisch gesehen auch für Familien geeignet. Jedoch ist auf seinen 20 Kilometern entlang steiler Felswände und durch Tunnel ein gewisses Grundvertrauen ins eigene Fahrrad und die eigenen Nerven hilfreich. Erfahrene Biker fahren die Strecke mit Mountainbike oder E-Bike, wer aber den Anstieg scheut, kann einen Busservice nutzen, der Räder bergauf transportiert. Noch konsequenter ist der Ansatz des Walk & Bike Bus (hier geht es zur Website) rund um den Monte Baldo. Denn hier bringen Busse mit Fahrradträgern die Radler direkt zu den Ausgangspunkten in den Höhenlagen. Für alle, die sich die Abfahrt nicht nehmen lassen wollen, aber gerne auf den Anstieg verzichten möchten. Eine weitere Option dafür: die Seilbahn Malcesine–Monte Baldo, bei der das Fahrrad unter bestimmten Bedingungen in die Gondel darf. Runter gehts auf einer von drei Abfahrtsstrecken zurück nach Malcesine.
Gibt es bald einen durchgehenden Radweg rund um den Gardasee?
Seit März 2025 existiert ein weiterer Abschnitt der Ciclovia del Garda nördlich von Riva del Garda. Der ist aber ziemlich schnell vorbei, denn er beträgt nur rund einen Kilometer, geführt durch neu restaurierte Felstunnel, aber immerhin beleuchtet und natürlich mit Blick auf den See. Er ist zwar klein, aber strategisch schlau, denn der Abschnitt soll perspektivisch den Weg von Riva mit dem Radweg von Limone verbinden und damit (irgendwann) ein durchgehendes Netz rund um den See ermöglichen. Noch ist das Zukunftsmusik, aber die Richtung ist klar.
Unser Fazit: Wer einmal angefangen hat, die Region per Rad zu erkunden, wird feststellen, dass eine Woche knapp bemessen ist. Und zwei immer noch nicht reichen.
Gardasee – die Basics
Wann ist die beste Reisezeit am Gardasee?
Mai, Juni und September sind die angenehmsten Monate, warm genug zum Baden, nicht so voll wie im Hochsommer. Juli und August sind die beliebtesten Reisemonate, was sich an den Campingplätzen und Straßen deutlich bemerkbar macht. Wer Ruhe sucht, kommt im Frühjahr oder frühen Herbst auf seine Kosten.
Lohnt sich Camping am Gardasee?
Ja, und das nicht nur aus Kostengründen. Die Campingplätze rund um den See liegen oft direkt am Wasser oder in unmittelbarer Nähe zu Radwegen und Ortschaften. Wer morgens aus dem Zelt steigt und in zehn Minuten auf dem Rad sitzt, versteht schnell, warum Camping hier eine eigene Logik hat.
Wie groß ist der Gardasee eigentlich?
Mit rund 370 Quadratkilometern Fläche und 52 Kilometern Länge ist er der größte See Italiens, was erklärt, warum eine Woche für eine vollständige Erkundung per Rad knapp bemessen ist.
Geheimtipp: Was sollte ich nicht verpassen?
Den Aril in Cassone, angeblich der kürzeste Fluss der Welt. Er mündet nach wenigen Metern in den Gardasee und ist so unspektakulär, dass er auf den meisten Reiserouten schlicht übersehen wird. Genau deshalb lohnt der kurze Abstecher.






