Die kroatische Adriaküste ist bekannt für ihr klares, türkisfarbenes Wasser, endlose Strände und eine spektakuläre Insellandschaft. Perfekt für Auszeiten am Meer. Dafür gibt’s von uns allerdings nur die halbe Punktzahl. Denn für die besondere Magie der Küste sorgen die Altstädte wie die Kulturmetropole Split, in denen der Begriff Altstadt wirklich Programm ist. Doch keine Sorge, Split ist kein bisschen verstaubt. Sondern äußerst stilvoll in die Jahre gekommen. Und versprüht gleichzeitig unprätentiöse Modernität und unbändige mediterrane Lebensfreude.
Text: Kirsten Bungart
Aus dem geöffneten Fenster im vierten Stock einer alten Villa im historischen Zentrum der Altstadt Splits dringt Schumanns Träumerei. Die Klaviermusik hallt in der schmalen Gasse vor dem »Hotel Cornaro« an der Nordseite des Diokletianpalastes wider, auf deren Kopfsteinpflaster langsam der Alltag erwacht: Bäckereien öffnen ihre Pforten, die Cafés spannen ihre Sonnenschirme auf, Schüler eilen zum Unterricht. Das Leben macht sich breit in der traumhaften Kulisse aus imposanten Kulturdenkmälern, die das Treiben der Stadt seit Jahrhunderten mit Gelassenheit hinnehmen.

Foto: Spencer Davis
Wir ziehen los mit den ersten Sonnenstrahlen, die in die engen Gassen fallen, und lassen uns von genau diesen besonderen Vibes aus Gegenwart und Grandezza tragen, die die Faszination Splits ausmachen. Baukunst aus allen Epochen – von der Antike über Gotik und Renaissance bis zu Barock – verschmilzt wie selbstverständlich mit modernem Stadtleben. In dem Designläden, Eisdielen, Restaurants und ein Gewirr aus Stimmen aus aller Welt den Takt angeben und das sich eingerichtet hat in den Mauern der antiken römischen Festung, die Kaiser Diokletian Ende des dritten Jahrhunderts als seinen Altersruhesitz bauen ließ.
Diokletianpalast: Unesco-Weltkulturerbe aus der Römerzeit
Auf dem Weg dorthin können Besucher noch immer durch die vier erhaltenen Tore schlendern, die einst auf jeder Seite Zugang gewährten. Die rund 18 Meter hohen Außenmauern dagegen haben sich zu großen Teilen aufgelöst. In den Gebäuden des historischen Stadtkerns, der sich unaufhaltsam in den Palast ausgedehnt und ihn in ein lebendiges Denkmal verwandelt hat. Der Diokletianpalast sowie der historische Kern Splits zählen zu den am besten erhaltenen Zeugnissen aus der römischen Zeit in Europa und wurden deshalb von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Foto: Kirsten Bungart
Erobern lässt sich Splits geschichtsträchtiger Kern am besten zu Fuß. Selbst wer sich ohne Plan einfach treiben lässt, benötigt nicht mehr als einen Tag, um die Stadt in allen Facetten zu erleben. Perfekte Zeit ist der Frühling oder Herbst, perfekter Ausgangspunkt die Südfassade des Diokletianpalastes am Hafen. Hier nehmen wir den schmalen Durchgang, der von der Uferpromenade mitten durch das beeindruckende Untergeschoss des ehemaligen Wohnhauses des Kaisers auf den Platz Peristyl führt. In nur wenigen Sekunden aus dem trubeligen Hier und Jetzt mitten in die Antike. Auf einen der vermutlich schönsten Plätze der kroatischen Adriaküste mit antikem Säulenhof, Vestibül, einer rund 3.500 Jahre alten ägyptischen Sphinx und der Kathedrale des Heiligen Domnius, die zu den ältesten bis heute genutzten Kathedralen Europas zählt. Wer die Stufen ihres Glockenturms bis auf die Aussichtsplattform in 57 Metern Höhe steigt, wird mit einem einmaligen Ausblick auf die Stadt belohnt.
Atmosphäre genießen im Café Luxor
Unten ziehen derweil Tourgruppen zielstrebig über den Platz, im Eiltempo vorbei an den monumentalen stillen Zeitzeugen. Der wirkliche Zauber des dieses Ortes offenbart sich allerdings nicht, wenn er nur von der Must-see-Liste abgehakt wird, ohne zu verweilen. Die Atmosphäre wirklich aufsaugen lässt sich am besten vom »Café Luxor« aus. Wir setzten uns auf die steinernen Stufen und bestellen einen Coffee Lvxor, einen Kaffee mit dalmatinischem Maraschino, und beobachten die Szenerie des Platzes, die sich wie ein Schauspiel auf der Bühne vor uns entfaltet.

Foto: mana5280
Danach heißt es: Sich treiben lassen. Durch die Gassen, über denen Wäsche flattert, durch Torbögen, entlang der Säulen aus römischem Marmor, Reliefs mit abgegriffenen Göttergesichtern, Steinen mit Inschriften, die kaum noch zu entziffern sind. Und über Plätze, auf denen die Fassaden mehr aus Patina als aus Putz bestehen. Etwa den Voćni trg westlich des Diokletianpalastes, auf dem früher Obst verkauft wurde. Und wo sich heute Locals in schicken Cafés auf einen Espresso oder ein Gelato treffen. Um in der Sonne, die zwischen den Fassaden auf dem hellen Stein ein Schauspiel aus Licht und Schatten inszeniert, entspannt den Tag dahinschmelzen zu lassen.
Unbedingt treiben lassen in der Altstadt von Split in Kroatien
Besuchenswert ist der achteckige venezianische Turm und der prunkvolle Palast der Familie Milesi aus dem 17. Jahrhundert mit seiner imposanten Barockfassade. Nicht weit entfernt ist sehen und gesehen werden angesagt, auf dem Platz Narodni trg, nur Pjaca genannt. Vor Jahrhunderten tagten dort die Stadthäupter im alten gotischen Rathaus. In den Palästen residierten einst die Adeligen der Stadt, Familien mit italienisch-venezianisch oder kroatisch klingenden Namen wie Cambi, Ciprianis, Pavlović, Nakić und Karepić. Sehenswert ist auch die Stadtuhr aus dem 15. Jahrhundert, deren Zeiger nicht nur über zwölf, sondern über 24 Ziffern laufen.

Foto: Kirsten Bungart
Auf den Plätzen Splits pulsiert der Alltag. Doch wer das Herz der Stadt schlagen hören will, sollte auf keinen Fall den Fischmarkt links liegen lassen. Der Peškarija ist Denkmal und Markt zugleich. Früh morgens um sechs Uhr erwacht das Treiben unter dem Dach kleinen Halle zum Leben. Täglich offerieren die lokalen Fischer bis mittags auf langen, eisbedeckten Tischen an, was das Meer der Adria bietet: Sardinen und Makrelen, Blaufisch, Drachenkopf, Brasse, Dorade und Wolfsbarsch, Langusten, Hummer und Muscheln.
Besuch auf dem Fischmarkt
Wir schieben uns durch das laute Stimmengewirr und Gedränge, in dem Händler und Käufer neben dem Geschäft entspannt über Gott und die Welt schwatzen. Der Weg durch die engen Gänge nach draußen ist ein Hindernislauf. Die einzige Tür in und aus der Halle das reinste Nadelöhr. Doch eine Verlegung des Peškarija an einen anderen Ort kommt für niemanden hier wirklich in Frage – der Markt ist einfach eine Institution.

Foto: Donna Spearman
Das gilt auch für den Obst-, Gemüse- und Blumenmarkt Pazar, der nur ein paar Schritte entfernt an der Ostseite des Diokletianpalastes liegt. Wir bummeln entlang endloser Tische mit Blumen, Obst und Gemüse, Stricksocken und anderen handgemachten regionalen Produkten. An den festen Ständen gibt’s regionale Wurstspezialitäten wie die Dalmatinska kobasica oder Panceta. Beides findet sich auch auf dem Teller, wenn im Restaurant die typisch dalmatinische Wurstplatte »Plata dalmatinskih suhomesnathih proizvoda« bestellt wird. Unbedingt probieren: Die traditionellen Käse aus der Region. Wie den ikonischen Schafskäse Lećevački sir aus dem Hinterland von Split. Oder den Sir iz mišine, ein Käse, der in der Schafhaut reift, definitiv nichts für Zartbesaitete!
Platz Prokurative: Venedig lässt grüßen
Pause ist angesagt, und dafür steuern wir den Platz Prokurative an, Splits großes Wohnzimmer. Am schnellsten erreicht man ihn über die lebhafte Fußgängerzone, in der sich schicke Modeboutiquen, Parfümerien, Schmuckläden und Geschäfte mit lokalen Labels aneinanderreihen. Die Architektur des Platzes wurde von der Venezianischen Neorenaissance inspiriert, die Kulisse ähnelt stark dem Markusplatz in Venedig. Auf drei Seiten prahlen rote und ockerfarbene Fassaden und Loggien, Säulen und Laubengänge. Im Süden öffnet sich die Szene Richtung Meer. Einen Logenblick auf die malerische Kulisse bietet ein Tisch unter den schattigen Arkaden in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants. In denen sich die kleine Auszeit bei einem Espresso, der typisch kroatischen Kräuterlimonade Cockta oder einem kühlen Pošip, dem beliebten Weißwein aus der Region, stilvoll genießen lässt.

Foto: Here-Now/Shutterstock.com
Nur ein paar Treppenstufen vom Platz Prokurative hinab geht’s zurück auf die Uferpromenade Riva an der Südseite des Palastes. Splits Flaniermeile entlang der Adria. Tagsüber ist sie das gemütliche Wohnzimmer der Stadt, am Abend wird die Riva zur großen Bühne. Unter Palmen schlendert ganz Split zum Sonnenuntergang entlang der gemütlichen Cafés, schicken Bars und gediegenen Restaurants, die frischen Fisch und gegrilltes Fleisch mit Meerblick servieren.
Wer es lieber etwas rustikaler mag, der taucht erneut in die Gassen der Altstadt ein. Dort wird in den traditionellen Konobas, den typisch kroatischen Tavernen, zwischen Steinwänden und Weinregalen authentische dalmatinische Hausmannskost serviert. Wie beispielsweise das Fischgericht Peka, der Schmortopf Pašticada mit Njoki, das typisch dalmatinische schwarze Risotto Crni rižot oder Mangoldkuchen Soparnik. Wir schlendern durch die sanft beleuchteten, jetzt stillen Gassen zurück zum Hotel Cornaro. Nur um in der Rooftop Bar den traumhaften Blick über Split bei Nacht nochmal zu genießen, bei einem Glas Wein und entspannter Klaviermusik.

Foto: Avery Meeker
Mehr Infos zur Altstadt in Split in Kroatien
Anreise: Croatia Airlines und Lufthansa fliegen täglich von Frankfurt und München nach Split, Hin- und Rückflug ab ca. 160 Euro. Flugzeit: 1,5 Stunden ab München, 2 Stunden ab Frankfurt.
Übernachten: Das Fünf-Sterne-Haus »Hotel Cornaro« liegt direkt in der Altstadt, alle Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar. Spektakulärer Blick von der Rooftop-Bar auf die Stadt. Pool, Spa, À-la-carte-Restaurant. Alle Zimmer und Suiten sind mit Klimaanlage ausgestattet. Doppelzimmer ab 190 Euro, unfassbar gutes Frühstück inklusive. Hier geht es zur Website des »Hotel Cornaro«.
Hier findest du unsere Reise-Tipps für Split.
Tipps für die Altstadt von Split:
- Einen der spektakulärsten Blicke auf Split, den Hafen und die vorgelagerten Inseln bietet Splits Hausberg Marjan. Er ist die grüne Lunge der Stadt. Der Berg liegt am westlichen Rand der Altstadt und ist von der westlichen Riva vom Platz Sv. Frane aus über Treppen und moderat steile Wege erreichbar.
- Fans der berühmten Fernsehserie »Game of Thrones« sollten das Game of Thrones Museum besuchen. Adresse: Bosanska ul. 9, 21000 Split. Öffnungszeiten: täglich von 09:00–22:00 Uhr.
- Inselhüpfen – morgens los, abends wieder zurück. Von der Riva in Split starten Fähren, Katamarane und Speedboote zu den Inseln Brač, Šolta, Vis oder Hvar

Foto: Raoul du Plessis
