Unzählige Restaurants auf der ganzen Welt tragen seinen Namen: Portofino. Seit hundert Jahren zieht es zahlreiche Prominente in den Ort an der ligurischen Küste. Doch wie kommt es, dass ein einfaches Fischerdörfchen im Golf von Tigullio zum Treffpunkt der Reichen und Berühmten wurde? Text: Ulrike Klaas

Manchmal reicht einem kleinen Ort ein einziger bekannter Besucher, und er ist von der Weltöffentlichkeit entdeckt. Genau so erging es Portofino. Mit dem britischen Konsul Montague Yeats-Brown und Sektbaron Alfons von Mumm nahm der Jetset seinen Lauf. Ihm folgten Industrielle, Schriftsteller und Filmschauspieler. Humphrey Bogart, Sophia Loren und Grace Kelly flanierten durch das Fischerdörfchen und machten den Hafen zur globalen Piazzetta.

Dann waren es Königin Rania von Jordanien oder Bill Gates, die Portofino immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit rückten. Und so wurde aus dem hübschen Seefahrerdorf mit seinen heute 417 Einwohnern selbst eine Berühmtheit. Mit einem kleinen, aber bitteren Beigeschmack. Zur Hochsaison schieben sich die Autos Stoßstange an Stoßstange im Schneckentempo in Richtung Portofino.

Straßenschild nach Portofino

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»Das ist kein Stop-and-Go, sondern ein Stop-and-Stay«, denke ich. Im Dörfchen Paraggi informiert eine Anzeigentafel die Wartenden, wie lange man noch bis Portofino im Stau stehen muss: 30 Minuten für zwei Kilometer. Genügend Zeit, um sich im Reiseführer Wissenswertes anzueignen. »In Portofino herrscht Parkhauspflicht. Die Stadt selbst ist autofreie Zone«, steht dort geschrieben. Und »gelegentlich staut es sich etwas«. Vorher lesen macht klug. Das nächste Mal ist Bootfahren angesagt!

Alles so schön gelb, rot und grün

In Portofino angekommen, wird klar: Das, was Urlauber dazu bringt, stundenlang im Stau zu stehen, hat nicht allein mit dem Promifaktor zu tun. Der pittoreske Zwerghafen erstrahlt in schillernden Farben. Gelb-, Rot- und Umbratöne, aber auch ein zartes Lindgrün und ein kräftiges Blau finden sich an den Fassaden der Häuser, die teilweise aufeinander gestapelt an knallfarbene Legotürme aus Kinderzimmern erinnern. Eingebettet in immergrüne Berghänge, die einen auffallend schönen Kontrast zum Blau in der Bucht darstellen, sieht Portofino so idyllisch und farbenfroh aus, dass die Stauzeit schnell vergessen ist.

Hafen von Portofino

Ricardo Gomez Angel

Ich setze mich an den Hafen. Ein Mann steht mit Reiseführer bewaffnet an der Mole und trägt seiner gelangweilt guckenden Frau daraus vor. »Früher lebten hier nur Fischer, und die Häuser waren alle weiß, bis die Fischer dann irgendwann reicher wurden und ihre Häuser bunt strichen.«

»Noch bevor ich mich nach dem Grund für den bunten Anstrich fragen kann, ergänzt der Mann seine Ausführungen. »Wenn die Seefahrer nach einem Jahr auf See den Heimathafen ansteuerten, wollten sie ihr Haus schon von Weitem sehen«. Aha! Und die Einwohner konkurrierten mit ihren Nachbarn, wer den schönsten Anstrich hatte, ergänze ich im Kopf.

Die Piazza Martiri dell’ Olivetta bildet das Zentrum

Ich bummle weiter, vorbei an bunten schmalen Häusern, in denen sich Boutiquen, Galerien und Cafés verstecken, verbunden durch kleine verwinkelte Gässchen.

Hausfassade in Portofino

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Die Piazza Martiri dell’ Olivetta, das Herz der Stadt, fällt zum Meer ab und gibt den Blick auf die Luxusyachten frei, die neben bunt bemalten Holzbooten schaukeln. Ich bestelle die bisher teuerste Cola meines Lebens und lasse den Trubel im Hafen auf mich wirken. O sole mio – denn die Sonne, das Panorama sowie den Blick auf die Promis und ihre Yachten gibt es umsonst in Portofino.

Anreise. Entweder mit dem Auto oder dem Boot. Die Fähren steuern Portofino von La Spezia, Rapallo oder Comogli aus an. Trasporti Marittimi Turistici Golfo Paradiso, Tel. 0185.772091, Servizio Marittimo del Tigullio, Tel. 0185.284670.

Info. Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Neue Mainzer Straße 26, 60311 Frankfurt, Tel. 069 237434.

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