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Hundert Jahre Promidichte auf zwei Quadratkilometern, drei Häuserzeilen über einem halbmondförmigen Hafen, ein Ortskern von der Größe eines Stadtteils. Portofino bleibt der dichteste Mythos der ligurischen Küste. Was den Ort heute trägt, sind Lage, Farben und ein präzise inszeniertes Hafenbild, nicht mehr nur die Liste der Gäste.

Manchmal genügt einem kleinen Ort ein einziger bekannter Besucher, und schon entdeckt ihn die Weltöffentlichkeit. Genau so erging es Portofino. Mit dem britischen Konsul Montague Yeats-Brown und Sektbaron Alfons von Mumm nahm der Jetset seinen Lauf. Es folgten Industrielle, Schriftsteller und Filmschauspieler. Humphrey Bogart, Sophia Loren und Grace Kelly flanierten durch das Fischerdörfchen und machten den Hafen zur globalen Piazzetta.

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urvenreiche Küstenstraße bei Portofino mit gelben Villen, dichtem Grün und einem Radfahrer, im Hintergrund das Mittelmeer.

Foto: Peter Thomas

Später hielten Königin Rania von Jordanien oder Bill Gates den Ort im Licht der Öffentlichkeit, zuletzt mit der Schlagzeile um den Schlosskauf bei Portofino im Oktober 2023. Aus dem hübschen Seefahrerdorf mit seinen heute 355 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) wurde selbst eine Berühmtheit. Mit einem bitteren Beigeschmack: Zur Hochsaison schiebt sich der Verkehr im Schneckentempo Richtung Hafen.

Stop-and-Stay statt Stop-and-Go

Die letzten Kilometer der Küstenstraße sind die langsamsten. Im Dörfchen Paraggi informiert eine Anzeigentafel die Wartenden, wie lange es noch bis Portofino dauert: 30 Minuten für zwei Kilometer. Genügend Zeit für die Lektüre der Hausordnung. Portofino verfügt nur über wenige Parkplätze, und die örtliche Polizei reguliert die Zufahrt aktiv. Wer mit dem Auto kommt, parkt in den Parkhäusern am Ortsrand und läuft die letzten Meter. Wer entspannt ankommen möchte, lässt das Auto in Santa Margherita Ligure und nimmt von dort Bus, Taxi oder Fähre. Ebenfalls in Santa Margherita Ligure befindet sich der nächstgelegene Bahnhof, an der Bahnstrecke Genua-La Spezia. Von Rapallo und Camogli aus verkehren zudem Fähren, mit Anschluss nach San Fruttuoso.

SERVICE

Anreise. Flughafen Genua (Genova Cristoforo Colombo), von dort per Zug oder Auto rund 40 Kilometer Richtung Osten. Mit der Bahn nach Santa Margherita Ligure, weiter per Bus, Taxi oder Fähre. Mit dem Auto über die A12, Abfahrt Rapallo. Parken nur in den Parkhäusern am Ortsrand.

Fähre. Linien verkehren von Rapallo, Santa Margherita Ligure, Camogli und San Fruttuoso. Anbieter: Servizio Marittimo del Tigullio (Tel. +39 (0)185 284670), Trasporti Marittimi Turistici Golfo Paradiso (Tel. +39 (0)185 772091).

Beste Besuchszeit. Mai, Juni, September und Anfang Oktober. Juli und August sind heiß und überlaufen.

Dauer. Drei bis vier Stunden für Hafen, Piazzetta, Castello Brown und Leuchtturm. Mit Bootsausflug nach San Fruttuoso ein voller Tag.

Info. Italienische Zentrale für Tourismus ENIT Deutschland, Schaumainkai 87, 60596 Frankfurt am Main, Tel. +49 (0)69 686047.

 

Ein Hafen wie ein Legoturm aus dem Kinderzimmer

In Portofino selbst wird schnell klar: Was die Anreisenden in den Stau zieht, hat nicht allein mit dem Promifaktor zu tun. Der pittoreske Zwerghafen leuchtet in Ocker, Rot und Umbra, dazu zartes Lindgrün und kräftiges Blau an den Fassaden. Die Häuser stapeln sich teils übereinander wie knallfarbene Legotürme aus dem Kinderzimmer. Umrahmt von immergrünen Berghängen, die einen scharfen Kontrast zum Blau der Bucht bilden, sieht Portofino so idyllisch aus, dass die Stauzeit schnell vergessen ist.

PORTOFINO ODER CINQUE TERRE?

Beide liegen an der ligurischen Küste, beide leben von bunten Häusern am Wasser, beide gelten als Postkartenmotive Italiens. Trotzdem sind es zwei unterschiedliche Reiseerlebnisse.

Lage.

Portofino liegt rund 35 Kilometer östlich von Genua im Golf von Tigullio. Die Cinque Terre folgen weiter südöstlich, zwischen Levanto und La Spezia, auf rund zwölf Kilometern Steilküste.


Charakter.

Portofino ist ein einzelner Hafen, klein, exklusiv, geprägt von Yachten und Luxusboutiquen. Die Cinque Terre bestehen aus fünf Dörfern (Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola, Riomaggiore), die sich an den Klippen festkrallen, ohne große Häfen, ohne Promi-Aura.


Anreise.

Portofino über Santa Margherita Ligure, weiter per Bus, Taxi oder Fähre. Die Cinque Terre sind autofrei und werden über die Regionalbahn La Spezia–Levanto erschlossen, die jedes Dorf alle 15 bis 30 Minuten anfährt.


Aufenthaltsdauer.

Portofino funktioniert als Tagesausflug von wenigen Stunden. Für die Cinque Terre lohnen mindestens zwei volle Tage, besser drei, um alle fünf Dörfer und Teile des Sentiero Azzurro zu erleben.


Für wen?

Portofino für alle, die ein dichtes Bühnenbild, gehobene Gastronomie und konzentrierten Glamour suchen. Die Cinque Terre für Wanderer, Bahnreisende und alle, die mehrere Tage in Dorfatmosphäre und Küstenpfaden verbringen wollen.

Am Hafen erzählt ein Mann mit Reiseführer in der Hand seiner Begleitung die Lokalsage: »Früher lebten hier nur Fischer, und die Häuser waren alle weiß, bis die Fischer reicher wurden und ihre Häuser bunt strichen.«

Die populäre Erklärung lautet: Heimkehrende Seefahrer wollten ihr Haus schon von Weitem erkennen, also strichen die Familien jede Fassade in einer anderen Farbe. Heute steht jeder Pinselstrich unter Denkmalschutz, vorgeschrieben sind ausschließlich erdige Naturtöne, die mit dem olivgrünen Hintergrund harmonieren.

Die teuerste Cola Italiens und kostenloser Panoramablick

Die schmalen Gassen führen vorbei an Boutiquen, Galerien und Cafés zur Piazza Martiri dell’Olivetta, dem Herz des Ortes. Der Platz fällt zum Meer hin ab und öffnet den Blick auf die Luxusyachten, die zwischen bunt bemalten Holzbooten schaukeln. Eine Cola auf der Piazza zählt zu den teuersten Italiens, ein Panorama dieser Dichte bekommt man dafür nirgendwo zum Nulltarif.

 Piazzetta von Portofino mit pastellfarbenen Fassaden, dem Glockenturm der Kirche San Martino und einem roten Holzboot im Vordergrund.

Foto: Tania Lyahnovich

Warum Portofino auch ohne Promis funktioniert

Promis sind das Marketing, nicht der Kern. Der Kern ist die Geografie: eine geschützte Bucht am Ende einer Landzunge, eingefasst vom Naturpark Portofino, dahinter das Meeresschutzgebiet Area Marina Protetta Portofino. Drei Häuserzeilen, ein Castello, ein Leuchtturm an der Spitze. Diese Konzentration macht den Ort fotografisch unschlagbar und touristisch verwundbar zugleich. Wer Portofino in seiner ruhigen Form erleben möchte, kommt morgens vor neun oder außerhalb der Monate Juni bis September. Am späten Nachmittag kehrt sich das Bild: Die Tagesgäste reisen ab, die Piazzetta wird wieder lesbar.

Blick durch ein geöffnetes Holzfenster mit Lamellenläden auf das Ligurische Meer und die Kirche San Giorgio von Portofino.

Foto: Björn Agerbeek

Für wen sich Portofino lohnt

Für alle, die sich auf einen halben Tag konzentrierter Atmosphäre einlassen wollen. Portofino ist kein Strandziel und keine Wanderbasis im klassischen Sinn, sondern ein Bühnenbild. Wer das akzeptiert, bekommt eine der dichtesten Hafenkulissen Italiens. Wer mehr Tage einplanen möchte, kombiniert mit Santa Margherita Ligure (Strand, Promenade, Restaurants), Camogli (ruhigerer Fischerort mit Schwesterprofil), San Fruttuoso (Abtei am unzugänglichen Strand, nur per Boot oder Wanderweg erreichbar) und Genua.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie teuer ist ein Tag in Portofino?

Eintritt kostet der Ort nichts, der Rest dafür umso mehr. Espresso auf der Piazzetta ab acht Euro, ein einfaches Mittagessen am Hafen selten unter sechzig Euro pro Person, Aperitivo mit Blick aufs Wasser ab fünfzehn Euro. Wer das Budget schonen will, isst in Santa Margherita Ligure und kommt für den Nachmittag nach Portofino.


Kann man in Portofino baden?

Im Ort selbst nicht. Die nächstgelegene Badebucht ist Paraggi, rund eineinhalb Kilometer vor Portofino, mit türkisem Wasser und feinem Kies. Im Sommer kostenpflichtige Strandabschnitte, ein kleiner freier Bereich existiert. San Fruttuoso bietet einen Strand vor der Abteikulisse, erreichbar nur per Boot oder über den Küstenwanderweg.


Welche Schuhe sind sinnvoll?

Flache, griffige Sohlen. Die Gassen sind teils gepflastert, der Weg hoch zum Castello Brown und zum Leuchtturm führt über Stufen und unebene Pfade. Wer die Wanderung nach San Fruttuoso plant, braucht echte Wanderschuhe, der Weg ist anspruchsvoll.


Was unterscheidet Portofino von Santa Margherita Ligure und Camogli?

Portofino ist Bühnenbild, Santa Margherita ist Aufenthaltsort, Camogli ist Alltag. Santa Margherita hat Strände, Promenade, Hotels in allen Preisklassen und gute Verkehrsanbindung. Camogli liegt auf der anderen Seite der Landzunge, ruhiger, mit hohen pastellfarbenen Häusern und einem Fischerhafen ohne Yacht-Folklore.


Gibt es Hotels in Portofino selbst?

Wenige, dafür mit prominenten Namen. Das Belmond Hotel Splendido oberhalb der Bucht und das Splendido Mare am Hafen sind die klassischen Adressen. Übernachtungen im dreistelligen bis vierstelligen Bereich pro Nacht. Wer moderater übernachten möchte, weicht nach Santa Margherita Ligure oder Camogli aus.