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Magda stößt einen spitzen Schrei aus. »Wir sind im Prinzessinnentraum gelandet!« Ich grinse schräg. Unser viktorianisch angehauchtes Hotelzimmer erinnert wirklich an ein Prinzessinnengemach, und das ist eigentlich gar nicht meins. Aber im Walt Disney World Resort in Florida gehört ein bisschen Kitsch wohl dazu. Unsere Erfahrung im Walt Disney World Resort Florida.

Text: Laura Geyer

Dass Magda und ich eher unterschiedliche Geschmäcker haben, ist uns nicht neu. Wir sind seit über 20 Jahren befreundet. Nach dem Studium zogen wir in unterschiedliche Städte, bekamen Kinder. Die letzten Jahre waren wir froh, wenn wir uns ab und zu mal für ein Wochenende sahen. Jetzt haben wir vier gemeinsame Tage in Florida vor uns – einen für jeden Park. Die Kinder haben wir zu Hause gelassen. Magda ist überzeugt: Disney World ist nicht nur was für Familien, sondern auch was für einen Freundinnen-Trip. Sie hat sich und ihr inneres Kind schon auf eins der Betten mit den blauen samtenen Kopfteilen geworfen. Ich hadere noch mit meiner inneren Zynikerin. Aber, so viel kann ich verraten, die Disney-Magie wird mich bald packen.

Autorin Laura und Freundin Magda in Florida

Foto: Laura Geyer

Magische Nächte im Magic Kingdom

Nach der ersten Nacht muss ich zugeben: Unsere riesigen Prinzessinnenbetten sind – entschuldigt die unroyale Formulierung – saubequem. Als wir im Magic Kingdom ankommen, fühle ich mich trotzdem wie in einem Fiebertraum. Überall Seifenblasen, Familien mit lustigen Gruppenshirts, kleine Prinzessinnen. Mittendrin eine Frauengruppe, deren T-Shirts »I’m done adulting. Let’s go to Disney« verkünden.

Überall läuft instrumentale Feel-Good-Musik. Nicht nur in den Innenräumen, sondern auch draußen vor dem riesigen Schloss, dem Cinderella Castle. Magda und ich schauen uns mit großen Augen an. Ich weiß nicht, ob es am surreal schönen Schloss liegt, an der Beschallung oder am Jetlag, aber ich spüre, wie etwas in mir passiert … Kriege ich jetzt wirklich Fieber? Oder erwacht gerade mein inneres Kind?!

Hotelzimmer im Walt Disney World Resort Florida

Foto: Laura Geyer

Ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken, denn schon geht es zum ersten Ride: »Tiana’s Bayou Adventure«, eine wunderschön gestaltete Wasserbahn – mit einem steilen 15-Meter-Drop. Magda und ich halten uns fest an den Händen. Doch der Adrenalinrausch packt uns schnell. Wir tingeln von Schlange zu Schlange, von Ride zu Ride und kriegen kaum etwas von den verschiedenen Themenwelten und der Disney-Magie mit.

Doch dann beginnt die abendliche Show am Cinderella Castle: Das Schloss erstrahlt in hellem Licht, Feuerwerkskörper zauber die schönsten Farben und Muster an den dunklen Himmel. Das alles untermalt von Disney-Musik, die ich zwar nicht direkt einem Film zuordnen kann, die mir aber trotzdem total vertraut vorkommt. Die Show »Happily Ever After« ist angeblich Walt Disneys Gutenachtkuss für die Besucher des Parks, so wie er seinen Töchtern jeden Abend einen Gutenachtkuss gegeben haben soll. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber ist das so wichtig? Ein wohlig-warmes Gefühl breitet sich in mir aus. Ich glaube, das Disney-Virus hat mich erwischt.

Einmal Star sein in den Hollywood Studios

Während wir am nächsten Morgen Waffeln in Micky-Maus-Form futtern, erzählt Walt-Disney-Botschafterin Shannon Smith-Conrad, was uns heute erwartet: »In den Hollywood Studios werdet ihr selbst Teil der Show!« Tatsächlich – auf dem »Sunset Boulevard« fühle ich mich direkt ins Los Angeles der 1940er-Jahre versetzt. Ich liebe es: Swing-Musik klingt durch die Straßen, an den pastellfarbenen Fassaden blinken bunte Neonlichter. Eine Ampel schaltet mit einem durchdringenden Schrillen von »Stop« zu »Go« und wieder zurück. Kein Detail scheint dem Zufall überlassen.

Eingang Hollywood Studios in Disney World Florida

Foto: Laura Geyer

Im Souvenirshop »Beverly Sunset« kaufen Magda und ich Mickey-Ohren. Die Skeptikerin in mir protestiert noch, aber dann machen wir kichernd Selfies, und ich überlasse mich der Albernheit. Ich sehe es schon vor mir: Nächstes Jahr fahren wir wieder nach Florida, und zwar mit T-Shirts mit der Aufschrift »Ich bin fertig mit dem Erwachsensein, auf geht’s nach Disney World«.

Nach ein paar Rides, die ich schon viel mutiger angehe als gestern (Freefall Tower! Loopings!), ziehen wir weiter in die Star-Wars-Welt »Galaxy’s Edge«. Anstelle von Wohlfühlmusik ist hier ein seltsames Knarzen und Knirschen zu hören, die Farbpalette hat sich auf triste Erd- und Grautöne reduziert. Ihr merkt schon, ich bin nicht der größte Star-Wars-Fan. Magda aber. Ich lasse mich von ihrer Begeisterung anstecken, freue mich über die Stormtrooper, die mit metallischen Stimmen Kommandos über die Straße bellen, werde mit Magda zusammen Teil des »Widerstands« im wirklich cool gemachten Ride »Rise of the Resistance«. So tauchen wir nicht nur gemeinsam in andere Welten ein, sondern auch in die Welt der jeweils anderen.

Nachmittags machen wir eine Pause, knuspern süß-scharfes Popcorn und schlürfen würzigen Cold-Brew-Kaffee. »Ich mag die Star-Wars-Welt, die ist authentisch«, sagt Magda. »Die Mitarbeiter lächeln nicht ständig und winken fröhlich, als wäre alles toll. Nichts mit Happy Life hier.« Ich muss lachen. Wer ist jetzt die Zynikerin?

Tierischer Spaß im Animal Kingdom

Tag drei, Park drei: Mit dem Animal Kingdom betreten wir noch einmal eine ganz andere Welt. Beziehungsweise andere Welten: Im »DinoLand« gehen wir auf Zeitreise, in »Asia« auf Everest-Expedition. Richtig begeistert bin ich von »Africa«. Wir machen eine Safari (ja, echt!) durch das »Harambe Wildlife Reserve«, ein 44 Hektar großes Gebiet, das über 30 Tierarten beherbergt.

Danach schlendern wir durch das Dorf »Harambe«. Ich erfahre, dass die Entwickler der Disney-Themenwelten mehrere afrikanische Länder besucht und lokale Bauweisen, Farben und weitere Details dokumentiert haben, um ein authentisches Erlebnis zu schaffen. Wie gut das gelungen ist, kann ich nicht beurteilen, aber vieles erinnert mich an das wegen der Sklaverei stark afrikanisch geprägte Brasilien: die Farben, die handgeschriebenen Schilder, die oberirdisch verlaufenden, teils abenteuerlich befestigten Stromkabel.

Tianas Bayou Adventure in Disney World Florida

Foto: Laura Geyer

»Ob authentisch oder nicht, die Gestaltung ist auf jeden Fall beeindruckend«, sage ich später zu Magda. Wir haben uns in »Pandora«, der Welt von Avatar, auf einen sonnenwarmen Felsen gefläzt und lassen gemeinsam Eindrücke sacken. »Das ist aber auch eine krasse Verantwortung«, entgegnet sie. »Du setzt ja damit ein Bild bei den Leuten. Afrika sieht sicherlich nicht nur so aus, wie sie das hier darstellen.« Stimmt natürlich. Ich grinse und sage: »Wir werden morgen sehen, wie authentisch das deutsche Dorf ist.«

Galaktische Genüsse im Epcot

In den »Germany«-Pavillon schaff en wir es aber nicht. Am letzten Tag regnet es so stark, dass trotz unserer Regencapes und schicken Gummi-Überschuhe irgendwann alles nass ist. Zum Glück gibt es im Epcot nicht nur die Länder-Pavillons, sondern auch viele Indoor-Attraktionen. Ich bin inzwischen Achterbahnprofi , mit den »Guardians of the Galaxy« fahre ich gleich zweimal. Das beste Erlebnis ist aber das Mittagessen im »Space 220«. Während wir mit einem Aufzug ins All geschossen werden, können wir durch Sichtfenster oben und unten zuschauen, wie die Erde immer kleiner und die Sterne immer größer werden. In der Weltraumstation angekommen, blicken wir durch ein gigantisches Panoramafenster auf unseren aus der Ferne wunderschönen blauen Planeten.

Restaurant Epcot in Disney World

Foto: Disney

Auch das Essen ist fantastisch. Das gastronomische Angebot sei in den letzten Jahren enorm gewachsen, erzählt die kulinarische Leiterin von Disney World, Christine Weissman. Vom Foodtruck bis zum Sternerestaurant »The Dining Room at Victoria & Albert’s«, von der Mickey-Waffel bis zum von einer Rakete flambierten Thunfi sch, den ich im »Space 220« verspeise: »Auch beim Essen spielt das Storytelling immer eine Rolle«, sagt Weissman. Zugegeben, uns hat es nicht überall geschmeckt. Doch im Weltall stimmt die Qualität. Küchenchef Marc Kusche freut’s. »Hier ist alles frisch. Wir kriegen sechs, teilweise sieben Tage die Woche neue Ware rein.« Keine Selbstverständlichkeit in einem Restaurant, das an einem normalen Tag um die 1.500 Gäste bewirtet.

Am Abend bin ich völlig erschlagen. Fast so, als wäre ich in den letzten vier Tagen wirklich um die Welt gereist. Und irgendwie bin ich das ja auch. Disney-Botschafterin Shannon hat gesagt: »Jeder unserer vier Parks hat seine eigene Persönlichkeit. Disney World bietet also wirklich für jeden etwas.« Stimmt. Auch für zwei letzten Endes gar nicht so unterschiedliche Freundinnen.

Essen in der Avatar-Welt in Disney World Florida

Foto: Laura Geyer

Mehr Infos zu Walt Disney World Resort

Anreise: Discover Airlines (hier geht es zur Webseite) fliegt täglich von Frankfurt und dreimal die Woche von München direkt nach Orlando.

Übernachten: Das Walt Disney World Resort hat eine ganze Reihe eigener Unterkünfte, vom Campingplatz bis hin zu Luxusvillen. Das »Disney‘s Grand Floridian Resort & Spa« liegt gleich neben dem Magic Kingdom, DZ ab 880 Euro (wird noch bis voraussichtlich Mitte 2026 in Teilen renoviert, ist aber buchbar.) Sehr schön ist auch die »Animal Kingdom Lodge« mit ihrem afrikanischen Design und direktem Blick in die Savannenlandschaften des Animal Kingdom. Lohnt sich auch für das bombastische Frühstücksbuffet im Restaurant Boma. DZ ab 530 Euro, Frühstück 36 Euro.

Essen: Im »Space 220« schmeckt es nicht nur fantastisch, der Besuch in dem Restaurant im Epcot-Park ist ein echtes Erlebnis. Das Cítricos im Grand Floridian Resort & Spa vereint floridianische Eleganz mit mediterranen Aromen.

Mehr Infos über Disney World, alle Parks, Hotels, Restaurants und Aktivitäten unter: www.disneyworld.eu

Auf der Jagd nach Adrenalin? Hier findest du besten Rides im Walt Disney World Resort im Überblick.

Hier geben wir dir außerdem weitere praktische Tipp für deinen Disney-Besuch in Florida!

Feuerwerk am Cinderella Castle in Disney World Florida

Foto: Disney