Ein Film endet, der Abspann läuft und im Kopf taucht die Frage auf: Wo genau war das denn jetzt eigentlich? Baden-Württemberg liefert auf diese Frage nicht nur mit der Schwarzwaldklinik die Antwort. Burgen, Altstädte, dunkle Wälder, hier gibt es so einige Landschaften, die schon oft Leinwand waren.
Baden-Württemberg (hier gehts zu unserem Baden-Württemberg-Archiv) ist nicht das Erste, was uns einfällt, wenn von Filmregionen in Deutschland die Rede ist. Wir denken da an Bayern mit seinen Seen und Bergen, an Berlin mit seinem rauen Großstadtflair oder an Hamburg als ewiger Krimi-Schauplatz fürs maritime Gemüt. Der Südwesten Deutschlands taucht in dieser Aufzählung eher selten auf. Dabei haben Produktionsteams aus aller Welt die Region längst für sich entdeckt. Völlig zu Recht, denn hier gibt es alles, was es für Romantik, Spannung oder Historiendrama braucht.
Heidelberg und der Norden: Schloss und Starrummel
Heidelberg ist die Stadt, die eigentlich immer so aussieht, als hätte sie sich eigens für einen Imagefilm aufgehübscht. Stimmt natürlich nicht, Heidelberg sieht einfach immer so aus. Und das hat sich herumgesprochen. Sean Connery streifte hier für »Der Name der Rose« durch die mittelalterlichen Gassen, Franka Potente sorgte im Film »Anatomie« für so mancherlei schlaflose Nächte und Katja Riemann verabreichte in »Die Apothekerin« die ein oder andere unbekömmliche Tinktur. Die Netflix-Rom-Com »Isi & Ossi« hat die Stadt schließlich gegen Mannheim ausgespielt und dabei beide nicht besonders gut wegkommen lassen. Das haben beide Städte aber offenbar klaglos ertragen und geschadet hat es auch niemandem.
Wer aber Heidelberg zu offensichtlich findet, dem sei Schwäbisch Hall empfohlen. Die Stadt punktet ebenfalls mit einer mittelalterlichen Altstadt, steilen Treppengassen, aber weniger Touristenrummel. Heinz Rühmann wusste das schon, als er für »Die Feuerzangenbowle« durch die Gassen stapfte und die internationale Produktion »Die Päpstin« tat es ihm gleich.
Und dann ist da noch Öhringen-Michelbach (Öhr… was? Ja, genau.), die Stadt, die mit der Formel-1-Biografie »Rush« über James Hunt und Niki Lauda eher unfreiwillig zur internationalen Filmlocation wurde. Und das vermutlich selbst noch nicht ganz realisiert hat.
Schwarzwald: Heimatfilm und Horrorcamp
Der Schwarzwald führt seit Jahrzehnten ein filmisches Doppelleben. Vom »Schwarzwaldmädel« bis zur »Schwarzwaldklinik« war das Image lange sehr gepflegt und ein wenig bieder. Aber dann kam das verlassene Schlosshotel Waldlust in Freudenstadt und zog Horror-Produktionen wie »Bela Kiss« und »Haunted« an, als hätte es hier nie etwas anderes gegeben. Die Serie »Biohackers« hat Freiburg für ihre dystopische Handlung vereinnahmt und Lars Eidinger und Bjarne Mädel sind für die Dramedy »25 km/h« einmal durch die Wälder getourt.
In Karlsruhe, übrigens bekannt als Geburtsort des Bambi (also des Filmpreises, nicht des mutterlosen Rehkitz), haben Weltstar Joaquin Phoenix und die deutsch-österreichische Schauspielerin Senta Berger unabhängig voneinander gedreht, ohne dass die Stadt groß Aufhebens darum gemacht hätte. Wer auf Spurensuche gehen möchte, findet eine ausgeschilderte Fahrradtour durch die Drehorte und kann danach in Deutschlands erstem Kinohotel schlafen. Cinetastisch konsequenter geht es kaum.
Bodensee: Kommissare und kosmische Pfahlbauten
Der Bodensee sieht so friedlich aus, dass es schon fast provokant ist. Gleich drei TV-Ermittler-Teams kreisen deshalb regelmäßig um ihn herum, denn hier ist krimitechnisch einiges los. Der Tatort aus Konstanz, die »WaPo Bodensee« und »Die Toten vom Bodensee« liefern hier eine gehörige Portion Spannung ins Idyll.
Etwas weiter westlich stehen die Unteruhldinger Pfahlbauten, die als jahrtausendealte UNESCO-Stätte eigentlich ganz gut ohne Filmteams auskommen, 2020 aber trotzdem als Kulisse für die Science-Fiction-Trilogie »Foundation« herhalten mussten. Und was sollen wir sagen? Das hat funktioniert.
Schloss Sigmaringen wurde schließlich für »Die Königin und der Leibarzt« mit Mads Mikkelsen in der Liste der beeindruckenden Filmlocations verewigt und für den Märchenfilm »Die drei Königskinder« gleich noch eimal. Und so thront es nun mit der ruhigen Selbstverständlichkeit eines Ortes, der weiß, dass er noch öfter gefragt werden wird über der Donau. Zu Recht.
Stuttgart: Superhelden und schlechte Kopien
Stuttgart ist eine Stadt mit solidem Selbstbewusstsein und einem leichten Trauma, was Hollywood angeht. Der Showdown in »The Avengers« sollte in Stuttgart stattfinden, aber gedreht wurde er in einem Nachbau in Cleveland, Ohio, der ziemlich erkennbar von jemandem entworfen wurde, der Stuttgart nur aus der ganz weiten Ferne kannte. Für einheimische Zuschauer ist das bis heute eine verlässliche Quelle stiller Belustigung.
Im deutschen Fernsehen dagegen läuft Stuttgart entspannter: »Tatort«, »SOKO Stuttgart« und »4 Blocks« haben die Stadt als Serienkulisse etabliert, ohne dass dabei jemand etwas nachbauen musste. Und geben ihr dabei auch noch einen recht coolen, krimimäßigen Touch. Für die Kinodramen »Freier Fall« und «Novemberkind« zogen die Filmcres in die Umgebung nach Ludwigsburg und Kornwestheim. Eine unaufgeregte Wahl, aber genau richtig.
Schwäbische Alb: Burgen und böse Feen
Die Schwäbische Alb hat das Glück, so auszusehen, als wäre sie eigens für Fantasy-Produktionen erschaffen worden, hat aber dabei das leidige Pech, dass deshalb auch ständig jemand anklopft. Der amerikanische Filmregisseur Gore Verbinski (»Fluch der Karibik«) brachte 2015 sein Team für »A Cure for Wellness« in die Burg Hohenzollern. Mitsamt einem Tross an Fans, die das Gelände belagerten. Die Burg hat das aber mit der Würde eines Ortes hingenommen, dem das nicht zum ersten Mal passiert.
Hannelore Elsner gab auf Schloss Lichtenstein die böse Fee in einer Neuverfilmung von »Dornröschen«und im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck entstanden für Otfried Preußlers »Krabat« mit David Kross und Daniel Brühl Szenen, für die andernorts Millionen in einen Kulissenbau geflossen wären.
Wer also das nächste Mal den Abspann liest und sich fragt, wo das gedreht wurde, die Antwort lautet öfter als erwartet: irgendwo zwischen Neckar und Bodensee – wie diese Drehorte in Baden-Württemberg beweisen.
Drehorte in Baden-Württemberg – die schnellen Fakten
Die berühmtesten Drehorte in Baden-Württemberg
Welche bekannten Filme wurden in Heidelberg gedreht?
»Der Name der Rose« mit Sean Connery, »Anatomie« mit Franka Potente und »Die Apothekerin« mit Katja Riemann. Auch Schwäbisch Hall (»Die Feuerzangenbowle«, »Die Päpstin«) und das unscheinbare Öhringen-Michelbach (»Rush«) haben Filmgeschichte geschrieben.
Warum war Joaquin Phoenix schonmal im Schwarzwald?
Er drehte in Karlsruhe – einer Stadt, die das mit bemerkenswerter Gelassenheit zur Kenntnis nahm. Senta Berger war übrigens ebenfalls dort, unabhängig voneinander.
In welchem Film stellen die Pfahlbauten von Unteruhldingen das Weltall dar?
In der Serie »Foundation« (2020). Die jahrtausendealten UNESCO-Pfahlbauten fügten sich erstaunlich überzeugend ins Science-Fiction-Setting.
Was wurde alles am Bodensee gedreht?
Gleich drei Krimiserien kreisen regelmäßig um den See: »Tatort« Konstanz, »WaPo Bodensee« und »Die Toten vom Bodensee«. Schloss Sigmaringen war außerdem Kulisse für »Die Königin und der Leibarzt« mit Mads Mikkelsen und den Märchenfilm »Die drei Königskinder«.
Hat Stuttgart wirklich mal als Hollywood-Kulisse gedient?
Fast – der Avengers-Showdown sollte in Stuttgart spielen, wurde aber in einem Nachbau in Cleveland gedreht. Für echte Stuttgarter bis heute eine verlässliche Quelle stiller Belustigung.
Welche Burgen der Schwäbischen Alb waren Drehort für große Hollywoodproduktionen?
Die Burg Hohenzollern: Gore Verbinski drehte dort 2015 »A Cure for Wellness«. Schloss Lichtenstein war Kulisse für »Dornröschen«, und im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck entstand »Krabat« mit David Kross und Daniel Brühl.







