Niemand reist nach Neuseeland, um ausschließlich dort zu tauchen. Wer aber taucht, nach down under kommt und nicht zur Pressluftflasche greift, der verpasst so viel! Denn das Land ist »below zero« genauso spektakulär wie an der Oberfläche. Vor allem rund um die Poor Knights Islands. Text: Sibylle Gerlinger

Kiwis nennen sich die Neuseeländer selbst und machen es sich und anderen gerne leicht. »Easy peasy lemon squeezy« ist nicht nur eine Redewendung in Aotearoa, sondern gelebte Weisheit im Land der großen weißen Wolke. Alles so unkompliziert, wie eine Zitrone auszupressen eben.

On the road gen Norden

Das alles-easy-Konzept funktioniert selbst beim Autofahren im Linksverkehr. Hier hat es niemand eilig und für einen Stinkefinger sind die Kiwis viel zu höflich. Stattdessen gibt es »high-five« für die Straßenarbeiter und ihren »awesome job« am Gemeinwohl. Schließlich sind sie diejenigen, die nach einem der zahlreichen Erdbeben den Teer reparieren. Standesdünkel kennt man nicht.

Und überhaupt ist hier alles »awesome«, »amazing« oder zumindest »sweet«. Uns freut’s, ziehen doch auf unserem Weg Richtung Norden Landschaften wie aus Tolkins Auenland vorbei. Saftig grüne Hügel mit und ohne Schafe, Kauriwälder, Baumfarne und Obstpantagen bei subtropischem Klima. Obendrüber schweben weiße Wölkchen am knackblauen Himmel. Wellington und Auckland sind hippe Großstädte, während die ordentlichen kleinen Ortschaften dazwischen noch den britischen Charme ihrer Gründerzeit verstrahlen.

»Arme Ritter« – reiche Inseln

Tutukaka ist ein beschauliches Nest – aber das Tor zu den Poor Knights Islands.

Sibylle Gerlinger Neuseeland

Gerald Nowak

Es ist auch die Heimat von Jeroen Jongejans und Kate Malcolm, die mit »dive!tutukaka« eine wirklich »amazing« Tauchbasis führen. Im kleinen Yachthafen dümpelt ihre Flotte mit sechs Booten, bereit für die täglichen Ausfahrten. Gleich nebenan hat das Paar für Gäste eine gemütliche Boutique Lodge samt Pool errichtet.

Für viele Taucher der »Alten Welt« ist es ein Lebenstraum, an den sagenumwobenen Poor Knights Islands einmal den Kopf unter Wasser zu stecken.

Poor Knights Islands

Gerald Nowak

Ihren skurrilen Namen verdanken sie der Fantasie ihres Entdeckers. James Cook lag mit der berühmten Endeavour dort vor Anker und genoss gerade sein Frühstück, als er die Vulkaninseln benennen wollte. Er blickte auf seinen French Toast, auch bekannt als »arme Ritter«, und trug diesen Namen in seine Seekarte ein. Soweit die Historie. Als Jeroen das Gebiet vor vielen Jahren für sich entdeckte, waren die Poor Knights ziemlich heruntergekommen und von Freizeitanglern fast leergefischt.

Seinen Bemühungen um totalen Schutz ist es zu verdanken, dass die Inseln nun auf der Warteliste der Unesco stehen, als Welterbe für ihre einzigartige und reiche Unterwasserwelt. Längst tummeln sich hier Fische scharenweise im schnapsklaren Pazifik. Betreten ist zum Schutz der Brutvögel und seltenen Tuatara-Echsen allerdings verboten.

Läuft wie am Schnürchen

Das morgendliche Einchecken auf der Tauchbasis, das Sicherheitsbriefing an Bord der »Bright Arrow« und die Fahrt zu den 23 Kilometern entfernten Poor Knights Islands läuft wie am Schnürchen. Die Teams sind eingespielt und haben allesamt Spass bei der Arbeit.

Tauchboot in Poor Knights Islands

Gerald Nowak

Delfine eskortieren unser Boot, als wir uns den hochaufragenden Felsen nähern. Es ist Dezember, Sommer auf der Südhalbkugel, und die Pohutukawa-Bäume beginnen zu blühen.

Ein zarter kirschroter Schatten überzieht die Inselkronen bereits. Wir ankern in einer Bucht unterhalb einer der hohen Steinbögen, von denen es hier mehrere gibt. Die »Arches« reichen bis weit unter die Oberfläche hinab und bilden Strömungskanäle, durch die die Nährstoffe des Pazifiks gedrückt werden. Es sind somit die spannendsten Plätze, denn die Biodiversität und das Fischaufkommen sind dort am größten. Jetzt hält es uns kaum noch an Bord. Der Sprung ins Wasser ist wie ein Befreiungsschlag auf den wir jahrelang gewartet haben. Was sich unter der Oberfläche verbirgt, gehört zum Besten, das dieser Planet an subtropischen Tauchrevieren zu bieten hat.

Fisch Neuseeland

Gerald Nowak

Mit dem Strom kommt das Leben

Dichter Ecklonia Kelp krallt sich mit harten Füßchen ins Gestein, um der Wasserbewegung standhalten zu können. Unter seinen Wedeln finden die zahllosen Drachenköpfe einen sicheren Unterschlupf. In Spalten und Unterständen entdeckt man die auf dem Speisezettel hier so beliebten Rocklobster ebenso wie unterschiedliche Muränenarten.

Erstaunlich große und vor allem bunte Nacktschneckenarten sind auf dem grauen Untergrund viel besser auszumachen, als in den Tropen. Pink Maomao, die rosaroten Langflossenfahnenbarsche, erreichen bis zu einem halben Meter Länge. In großen Schwärmen ziehen sie durch die Arches, als wüßten sie, wie gut sie vor dem knallblauen Pazifik zur Geltung kommen.

Ab Dezember bringt das warme Wasser des Ostaustralstromes massenhaft paarungsbereite Stachelrochen an die Inseln. Häufig folgen ihnen Schildkröten, Pilotwale, Hochseehaie, Schwertwale und sogar Mantas in die gemäßigten Zonen. Viele tropische Arten erreichen Neuseeland im Larvenstadium oder als Jungtiere. Einige bleiben, während andere die kalten Wintermonate nicht überleben. Wir genießen jeden Augenblick im Kelp, das sich in der Dünung wiegt. Ein letzter Blick durch den Torbogen und wir müssen zurück an Bord. Nur gut, dass der Tag zwei Tauchgänge hat. Und morgen? Da geht’s wieder raus zu den Armen Rittern und ihrer reichen Unterwasserwelt.

Tauchbasis zu den Poor Knights Islands: Dive!Tutukaka, Tauchtag mit 2 TG, Boot, Guide, Flasche, Blei, Snacks 239 NZ$, Übernachtung in Lodge) ab 300 NZ$ für 2 Personen.

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