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Gelbe Kürbisse mit schwarzen Punkten. Räume, in denen sich Licht unendlich spiegelt. Muster, die Wände, Böden und Körper überziehen. Kaum eine Künstlerin hat eine so unverwechselbare Bildsprache geschaffen wie Yayoi Kusama – die mit fast 100 Jahren heute noch künstlerisch aktiv ist! Ihre Werke wirken verspielt, manchmal fast surreal – und besitzen zugleich eine erstaunliche Tiefe. Zum Start der Yayoi-Kusama-Ausstellung in Köln am 14. März 2026 verraten wir dir alles, was du über die japanische Künstlerin wissen musst – und wo du ihre Kunst bestaunen kannst.

Die Frau hinter dem Werk

Yayoi Kusama wurde 1929 in Matsumoto in Japan geboren. Sie wuchs in einem strengen Elternhaus auf, das wenig Raum für künstlerische Ambitionen ließ. Vor allem ihre Mutter stand der Leidenschaft der Tochter skeptisch gegenüber und versuchte immer wieder, sie vom Zeichnen abzuhalten. Kusama suchte trotzdem Zuflucht in der Kunst.

Schon früh begann sie, intensive visuelle Halluzinationen zu erleben. Diese  Punkte, Netze oder Muster breiteten sich in ihrer Wahrnehmung über die Umgebung aus. Möbel, Wände oder ganze Landschaften schienen von ihnen überzogen zu sein. Kusama beschrieb später, wie sich diese Punkte auch über ihren eigenen Körper legten und sie sich darin beinahe auflöste. Diese Erfahrungen begleiten sie bis heute. Kusama leidet unter psychischen Erkrankungen, unter anderem Zwangsstörungen und Angstzuständen.

Portrait von Yayoi Kusama mit typischen Punkten

Foto: agustin.photo/Shutterstock.com

Anstatt diese Visionen zu verdrängen, begann sie, diese aufzuzeichnen. Die berühmten Punkte – heute ihr Markenzeichen – sind also weit mehr als dekorative Muster. Sie spiegeln eine persönliche Wahrnehmung der Welt wider, die Kusama seit ihrer Kindheit begleitet. Kusama sagt selbst häufig, dass Kunst für sie eine Form der Selbsttherapie ist. Durch das Malen und Wiederholen von Mustern kann sie ihre Halluzinationen und inneren Bilder in etwas Greifbares verwandeln.

Aufbruch nach New York

In den 1950er-Jahren traf Kusama eine Entscheidung, die ihr Leben grundlegend veränderte: Sie wollte Japan verlassen und in die USA gehen, um als Künstlerin zu arbeiten. Ihre Familie reagierte enttäuscht auf diesen Plan. Zwar gaben die Eltern ihr schließlich Geld für das Flugticket nach New York, doch sie verbanden die Unterstützung mit einer drastischen Botschaft: Sie solle gehen – und nicht zurückkehren.

1958 kam Kusama in New York an. Dort tauchte sie in eine Kunstszene ein, die gerade von Pop Art und Minimalismus geprägt wurde. Sie entwickelte jedoch ihren ganz eigenen Ansatz. Große Leinwände mit scheinbar endlosen Netzstrukturen, avantgardistische Performances, raumfüllende Installationen – Kusama experimentierte mit Formen, Wiederholungen und räumlichen Erfahrungen.

Mensch in einer Ausstellung von Yayoi Kusama

Foto: Neon Wang

Der internationale Durchbruch kam nach und nach. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart und als international erfolgreichste Künstlerin Japans.

Ein besonderer Aspekt von Kusamas Biografie betrifft ihr Leben in Tokio. Seit den 1970er-Jahren lebt sie freiwillig in einer psychiatrischen Klinik. Die Entscheidung traf sie selbst, um mit ihren psychischen Erkrankungen besser umgehen zu können.

Ihr Atelier liegt nur wenige Schritte entfernt. Dort arbeitet sie bis heute fast täglich an neuen Gemälden, Skulpturen und Installationen. Selbst im hohen Alter gehört sie zu den produktivsten Künstlerinnen der internationalen Kunstszene.

Punkte, Spiegel und Kürbisse

Wer an Kusama denkt, denkt meist zuerst an ihre Punkte. Diese sogenannten »Polka Dots« ziehen sich durch nahezu alle Werkgruppen. Sie erscheinen auf Gemälden, Skulpturen, Installationen oder sogar auf Kleidung. Für Kusama symbolisieren sie die Auflösung des Individuums in einem größeren kosmischen Zusammenhang.

Yayoi Kusamas Werk mit Kugeln in einem Gebäude

Foto: Rach Teo

Ebenso bekannt sind ihre Infinity Mirror Rooms. In diesen begehbaren Installationen stehen Besucher in einem Raum aus Spiegeln und Lichtpunkten, die sich unendlich reflektieren. Die Grenzen des Raums scheinen sich aufzulösen, und der Eindruck entsteht, mitten in einem grenzenlosen Universum zu stehen.

Ein weiteres ikonisches Motiv sind Kürbisse. Kusama verbindet mit ihnen Kindheitserinnerungen an japanische Gemüsefelder. In ihren Skulpturen wachsen sie zu überdimensionalen Formen heran, häufig gelb oder rot und übersät mit schwarzen Punkten. Heute zählen diese Kürbisse zu den bekanntesten Kunstwerken der Gegenwart.

Infinity Mirror von Yayoi Kusama

Foto: Danny Lines

Wo du Kusamas Werke erleben kannst

Kusamas Kunst ist längst rund um den Globus zu finden – im Museum ebenso wie im öffentlichen Raum.

Wichtige Museen mit Kusama-Werken:

»Yayoi Kusama Museum« in Tokio – das einzige Museum, das ausschließlich ihrem Werk gewidmet ist.
»Tate Modern« in London – zeigt regelmäßig ihre berühmten Spiegelräume.
»Museum of Modern Art« (MoMA) in New York – besitzt bedeutende Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen.
»Hirshhorn Museum« in Washington D.C. – bekannt für mehrere Infinity‑Room‑Installationen.
• Das »Louisiana Museum« bei Kopenhagen hat einen Mirror Room – sowieso ist das ganze Museum einen Besuch wert!

Werk von Yayoi Kusama im Museum

Foto: nelo2309/Shutterstock.com

Werke im öffentlichen Raum:

»Red Pumpkin« auf der Insel Naoshima in Japan – eine der bekanntesten Außenskulpturen der Künstlerin.
»The Hymn of Life: Tulips« im Beverly Gardens Park in Los Angeles.
»Tulipes de Shangri‑La« in Lille in Frankreich.

Werk von Yayoi Kusama

Foto: Raquel Moss

Yayoi Kusama in Köln: 14. März bis 2. August 2026

Ab dem 14. März bis zum 2. August 2026 widmet das »Museum Ludwig« in Köln der japanischen Künstlerin eine große Ausstellung. Rund 300 Werke aus sieben Jahrzehnten zeigen die enorme Bandbreite ihres Schaffens – von frühen Zeichnungen über Skulpturen bis hin zu raumfüllenden Installationen. Hier kommst du zur Website des »Museum Ludwig«.


Mehr farbenfrohe Kunst findest du in diesem Artikel.