Wegen steigender Dengue-Fälle auf den Malediven warnt der Krisenfrühwarnexperte A3M vor einer unterschätzten Gesundheitsgefahr bei Fernreisen. Auch in beliebten Urlaubsländern wie Thailand, Sri Lanka, Indonesien oder Brasilien nehmen mückenübertragene Krankheiten derzeit zu. Alle wichtigen Infos im Überblick.
Nach Angaben der maledivischen Gesundheitsbehörde HPA wurden in dem Land in Südasien zwischen Januar und April 2026 bereits mehr als 2.100 Dengue-Fälle registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 374 Fälle. Allein im Januar wurden rund 630 Infektionen gemeldet. Die Erkrankungen treten auf zahlreichen Atollen auf. Auch in Europa werden inzwischen vermehrt importierte Fälle nach Reisen auf die Malediven registriert.
»Die Lage auf den Malediven ist kein Grund zur Sorge, zeigt aber deutlich, dass Gesundheitsrisiken bei Fernreisen ernst genommen werden sollten«, sagt Samed Kizgin, Chief Content Officer bei A3M. Viele Reisende würden sich genau über Einreisebestimmungen, Wetter oder Sicherheitslage informieren. Krankheiten wie Dengue würden dagegen oft unterschätzt, so seine Beobachtung.
Auch in diesen Ländern steigen die Zahlen
Ähnliche Entwicklungen gibt es derzeit auch in anderen beliebten Reisezielen. In Sri Lanka wurden seit Jahresbeginn bereits viele Dengue-Fälle gemeldet. Besonders betroffen sind die Regionen Colombo, Gampaha und Galle, die auch bei Reisenden beliebt sind. Auch in Thailand steigen die Dengue-Zahlen seit 2025. Dazu gehören unter anderem die bei Touristen beliebten Regionen rund um Phuket, Krabi und Bangkok.

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In Indonesien, auch auf Bali, bleibt Dengue ebenfalls ein wichtiges Thema. Je nach Reiseroute können dort darüber hinaus Krankheiten wie Japanische Enzephalitis oder Malaria eine Rolle spielen. Auch in Vietnam sollten Reisende auf durch Mücken übertragene Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya achten.
Aber nicht nur Asien ist betroffen. Auch in der Karibik und in Lateinamerika werden weiterhin viele Dengue-Fälle registriert, zum Beispiel in Brasilien, Mexiko, Peru und Kolumbien. Zusätzlich rückt dort das Oropouche-Virus stärker in den Fokus, unter anderem in Brasilien, Kuba, Panama und Bolivien. Für Schwangere oder Paare mit Kinderwunsch bleibt außerdem das Zika-Virus in Teilen Lateinamerikas und der Karibik ein wichtiges Thema.
»Es reicht oft nicht aus, nur allgemein auf ein Land zu schauen«, sagt Kizgin. Das Risiko könne sehr unterschiedlich sein. Es mache einen Unterschied, ob jemand in einem Resort bleibt, eine Rundreise macht oder ländliche Regionen besucht. Auch Regenzeiten, lokale Ausbrüche und regionale Unterschiede beeinflussten die Situation.
So kannst du dich gegen Dengue schützen
Grund zur Panik ist die Ausbreitung des Dengue-Virus freilich nicht. Zum einen können sich Reisende schützen und somit dafür sorgen, erst gar nicht gestochen zu werden. Empfohlen werden vor allem die Anti-Mücken-Klassiker: körperbedeckende Kleidung und Mückenschutzmittel.
Auch ein imprägniertes Moskitonetz gehört zum Schutz. Das Einschalten der Klimaanlagen reduziert das Risiko eines Stichs ebenfalls deutlich. Impfungen sind zwar auch möglich, werden von Experten aber nur Personen empfohlen, die bereits eine von einem Labor bestätigte Dengueinfektion durchgemacht haben, schreibt das Robert-Koch-Institut.
Die andere gute Nachricht: Die meisten Infektionen verlaufen glimpflich. Zumindest dann, wenn es sich um eine Erstinfektion handelt. Symptome von Denguefieber können oft mild sein oder mit einem gewöhnlichen Infekt verwechselt werden. Meist erholen sich die Betroffenen innerhalb weniger Tage wieder von der Infektion.

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Bei Zweitinfektionen hingegen ist das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich erhöht. In solchen Fällen können starke Bauch-, Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber, blutende Schleimhäute, Bluterbrechen sowie Übelkeit auftreten. Sie können innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Wichtig ist in solchen Fällen, sich sofort in ärztliche Behandlung zu begeben. Bei frühzeitiger Diagnosestellung und adäquater klinischer Behandlung kann die Todesgefahr massiv gesenkt werden.
Ebenfalls wichtig zu wissen: Die Überträgermücke aus der Gattung Aedes ist tagaktiv. Oft sticht sie frühmorgens und abends vor Einbruch der Dunkelheit. Dann ist besondere Vorsicht angesagt. Die Mücke ist besonders in stark besiedelten Regionen unterwegs. Brutstätten der Mücken können selbst kleinste Ansammlungen von Wasser sein – egal ob in der Stadt oder auf dem Land.
Dengue-Fieber: Alles, was du wissen musst
Häufige Fragen zu Dengue-Fieber
Wie wird Dengue-Fieber übertragen?
Die Tigermücke (Aedes albopictus) und die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) können Dengue durch einen Stick übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Besonders tückisch: Diese Mückenarten stechen auch tagsüber, nicht nur in der Dämmerung oder nachts. Stehende Wasseransammlungen in der Nähe von Unterkünften gelten als bevorzugte Brutstätten.
Welche Symptome sind typisch für Dengue-Fieber?
Die Inkubationszeit beträgt vier bis sieben Tage nach dem Mückenstich. Typische Symptome sind plötzlich einsetzendes hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Schmerzen hinter den Augen sowie Übelkeit und Hautausschlag. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung ohne bleibende Schäden. Ein kleiner Teil der Fälle entwickelt sich jedoch zu schwerem Dengue mit inneren Blutungen, was eine stationäre Behandlung erfordert. Wer nach einer Tropenreise solche Symptome zeigt, sollte umgehend ärztliche Hilfe suchen und auf die Reise hinweisen.
Gibt es eine Impfung gegen Dengue?
Es gibt einen zugelassenen Dengue-Impfstoff, der jedoch nicht für alle Reisenden geeignet ist. Er wird in der Regel nur für Personen empfohlen, die bereits eine nachgewiesene Dengue-Infektion hatten, da eine Impfung ohne Vorerkrankung das Risiko eines schweren Verlaufs bei einer späteren Infektion erhöhen kann. Eine individuelle reisemedizinische Beratung vor Fernreisen ist daher unbedingt empfehlenswert.
Ist das Risiko in Resorts geringer als bei Rundreisen?
Das individuelle Risiko hängt stark von der Reiseart ab. Wer in einem klimatisierten Resort bleibt, ist weniger exponiert als jemand, der ländliche Regionen bereist oder eine Rundreise mit Übernachtungen in einfacheren Unterkünften unternimmt. Auch Regenzeiten und lokale Ausbrüche beeinflussen das Risiko erheblich. Ein pauschaler Blick auf das Reiseland reicht daher nicht aus, gefragt ist eine regionenbezogene Einschätzung.
Wo kann man sich vor der Reise medizinisch beraten lassen?
Reisemedizinische Beratungen bieten tropenmedizinische Zentren, reisemedizinisch qualifizierte Hausärzte sowie spezielle Impf- und Reisemedizinambulatorien an. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) führt auf ihrer Website eine Liste geprüfter Beratungsstellen. Eine Beratung sollten Reisende idealerweise vier bis sechs Wochen vor Urlaubsantritt in Anspruch nehmen, damit sie notwendige Impfungen noch rechtzeitig erhalten können.
