Kreuzfahrtschiffe gelten als Dreckschleudern – doch es tut sich was bei den Reedereien. Aida hat schon auf Flüssiggas umgestellt, andere folgen. Und Hurtigruten geht einen ganz eigenen Weg, um eine nachhaltige Kreuzfahrt zu ermöglichen. Text: Verena Wolff

Das Kreuzfahrtschiff tuckert gemächlich durch beeindruckende Landschaften – die Arktis, die Karibik oder die arabische Halbinsel. Rundherum zu sehen ist nur einzigartige Landschaft. Bei mancher Reederei gibt es an den besonders idyllischen Orten gleich noch Erläuterungen zu dem, was der Passagier vom Deck oder dem Balkon aus sieht. Wer auf einem der oberen Decks steht, sieht aber auch: schwarzen Dampf, der aus den riesigen Schornsteinen in die oft kristallklare Luft geblasen wird.

Viele Reedereien arbeiten daran, Kreuzfahrten nachhaltiger zu gestalten.

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Die Kreuzfahrtindustrie boomt wie kaum ein anderer Bereich im Tourismus – und sie bringt Umweltschützer immer wieder auf die Barrikaden. Weil die Schiffe mit dem schmutzigen Schweröl betrieben werden. Und sie mehr Ruß ausstoßen als Diesel-Autos im Stau. Und weil das Verreisen mit einem schwimmenden Hotel, das zwischen 2.000 und 6.000 Passagiere fasst, einen riesigen CO2-Fußabdruck hinterlässt. 1.500 Kilogramm Kohlendioxid verbraucht jeder Kreuzfahrer laut Stiftung Warentest und der Organisation Atmosfair, der eine Woche lang auf den Weltmeeren schippert. Wer klimaverträglich leben will, hat ein »Budget« von 2.300 Kilogramm Emissionen. Im Jahr.

Viele Reedereien arbeiten daran, Kreuzfahrten nachhaltiger zu gestalten.

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Pläne der Reedereien für eine nachhaltige Kreuzfahrt

Doch: Die Reedereien sind sich des Problems bewusst. Und sie reagieren. LNG heißt der neue Treibstoff, der für weniger Dreck sorgen soll. »Liquified Natural Gas«, flüssiges Erdgas also. Aida war mit einer »nova« der Vorreiter bei diesen Schiffen. Im vergangenen Winter startete sie auf die Kanaren und später ins Mittelmeer, als erstes Kreuzfahrtschiff der Welt, das so angetrieben wird. Auch 2020 und 2021 wird die Nova diese Routen beibehalten – im Winter die Kanarischen Inseln, im Sommer das westliche Mittelmeer. Und das hat wohl auch einen Grund – denn die Versorgung mit LNG ist noch schwierig. Tankschiffe liefern den Stoff aus Lagern an, die es in Barcelona und Teneriffa gibt.

Viele Reedereien arbeiten daran, Kreuzfahrten nachhaltiger zu gestalten.

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Doch Aida ist nicht der einzige Anbieter, der seine Schiffe mit LNG betreiben will und eine nachhaltige Kreuzfahrt anstrebt. Die Muttergesellschaft, die amerikanische Carnival Corporation, hat für ihre Marken fast ein Dutzend Schiff mit dem umweltfreundlicheren Antrieb bestellt. Bis 2025 sollen diese Schiffe bei Aida, Princess, P&O, Carnival und Costa in Dienst gestellt werden – die »Costa Smeralda« von Costa Crociere wird als nächstes vom Stapel laufen.

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LNG-Schiffe auch in der Zukunft von Tui Cruises

Auch Tui Cruises hat zwei Flüssiggas-Schiffe in Auftrag gegeben. Sie sollen von 2024 und 2026 an auf Reisen gehen. In der italienischen Fincantieri-Werft werden die beiden Schiffe mit LNG-Antrieb gebaut. Zuvor wird noch die neue »Mein Schiff 7« in die Meere stechen – voraussichtlich ist es im Jahr 2023 so weit. Doch auch wenn dieser Neubau noch konventionell ist, verfügt TUI Cruises nach eigenen Angaben bereits über eine der modernsten und umweltfreundlichsten Kreuzfahrtflotten weltweit. Denn die Neubauten zeichnen sich durch ihre Energie-Effizienz aus und verbrauchen rund 30 Prozent weniger Treibstoff als Schiffe vergleichbarer Größe. Zudem sind sie mit einem »Scrubber« ausgestattet, der die Abgase wäscht und mit Katalysatoren, die den Ausstoß von Emissionen stark verringern.

Viele Reedereien arbeiten daran, Kreuzfahrten nachhaltiger zu gestalten.

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Royal Carribean hat gleich eine ganz neue Klasse für seine Flüssiggas-Schiffe eingerichtet, die »Icon Class«. Drei neue Schiffe mit einer Kapazität von jeweils rund 5.000 Passagieren soll es geben, alle werden in der Meyer-Werft im finnischen Turku gebaut. 2022, 2024 und 2025 sollen die Schiffe mit der sauberen Technologie die Flotte ergänzen. »Wir glauben, dass innovativer Schiffbau unseren CO2-Fußabdruck verringern und die Energieeffizienz steigern kann, um zu einer saubereren Zukunft beizutragen«, sagt Richard Fain, Chairman und CEO, Royal Caribbean Cruises Ltd.

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Von der Natur angetrieben

Noch einen anderen Weg geht die norwegische Reederei Hurtigruten, die seit 1893 in den besonders entlegenen Gewässern der Erde unterwegs ist. Nicht nur hat sie mit der MS Roald Amudsen das erste Hybrid-Schiff ins Polarmeer geschickt, das auch auf Batteriebetrieb umgeschaltet werden kann. Weitere Schiffe dieser Bauart sollen folgen, um nachhaltige Kreuzfahrt zu ermöglichen.

Viele Reedereien arbeiten daran, Kreuzfahrten nachhaltiger zu gestalten.

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Aber das ist noch nicht alles: Hurtigruten bekommt künftig klimaneutrales flüssiges Biogas (LBG) vom norwegischen Unternehmen Biokraft – das aus totem Fisch und anderen organischen Abfällen hergestellt wird. CEO Daniel Skjeldam nennt das einen »großen und wichtigen Schritt für grüne Lösungen in der globalen Schifffahrt – und vor allem für die Umwelt«. Die Reederei will bis 2021 mindestens bei sechs Schiffen den konventionellen Antrieb durch gasbetriebene Motoren und Batteriepacks ersetzen. Die Hybridschiffe von Hurtigruten fahren dann mit einer Kombination aus sauberem Strom, LNG und LBG.

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