Abseits von Shibuya und Shinjuku warten Viertel in Tokio, die ihren eigenen Rhythmus haben und weniger Touristen. Wir sagen: Hier wird die Stadt richtig spannend.
Koenji: Tokios bunte Seitenstraße
Koenji ist Tokios lässiger Westside-Charmeur. In engen Gassen reihen sich Vintage-Boutiquen an schrullige Bars, Secondhand-Schätze warten neben hippen Cafés, und abends bebt die Szene in kleinen »Live Houses«, wo Nachwuchsbands genauso aufspielen wie Altpunks mit Kultstatus. In den 70er- und 80er-Jahren galt das Viertel als Brutstätte des Punk. Auch heute ist von diesem rebellischen Geist noch viel zu spüren. Wer durch das Viertel schlendert, stößt auf alles, was man nicht sucht, aber unbedingt haben will.

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An zwei Tagen im Jahr schlägt Koenji allerdings einen ganz anderen Takt an: Beim Festival Awa Odori ziehen über 10.000 Tänzerinnen und Tänzer durch die Straßen – begleitet von Trommeln, Shamisen, Flöten und rhythmischen Rufen. Gekleidet in bunte Yukata, mit Strohhüten auf dem Kopf bringen sie die Nachbarschaft zum Beben. Die Wurzeln dieses Spektakels reichen bis in die Edo-Zeit zurück, heute zählt das Festival in Koenji zu den größten der Stadt und zieht jährlich rund eine Million Besucher an.
Nicht verpassen: Das Awa Odori beginnt am späten Nachmittag: Wenn die Sonne über den Dächern versinkt, verwandelt sich Koenji in eine einzige Tanzfläche. Ein Sommerabend, den Tokio-Besucher so schnell nicht vergessen werden.
Shimokitazawa: Hurry to Curry
Wer in Shimokitazawa aus dem Bahnhof tritt, riecht es sofort: Irgendwo köchelt immer ein Curry. Das Viertel ist berühmt für seine winzigen, familiengeführten Curry-Läden, die von klassisch bis wild-experimentell alles Curryhafte auf den Teller bringen. Einmal im Jahr eskaliert die Liebe zum Gewürz richtig: Beim Shimokitazawa Curry Festival im Oktober locken über 100 Stände mit scharfen, süßen, ungewöhnlichen Variationen.

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Doch Shimokita – das ist der Kurzname, den die Locals meist nutzen – ist mehr als Curry: Es ist Tokios Boheme im Taschenformat. Kleine Theater, Off-Kinos, Secondhand-Boutiquen und Musikclubs füllen die engen, autofreien Straßen. Zwischen Retro-Schätzen und Indie-Läden liegen charmante Cafés und Bars, in denen die Nacht schnell länger wird als geplant.
Wir sagen: Am Nachmittag durch die Gassen streifen, ein Curry probieren und bleiben, bis die Lichter angehen. Dann erwacht nämlich die Musikszene, und Shimokita zeigt sein wahres Gesicht.
Akabane: Tokios Alltag mit Retro-Charme
Feierabend in Akabane: Schon ab dem späten Nachmittag strömen die Berufstätigen aus den Bahnhöfen in die engen Gassen, wo sich Izakaya an Izakaya (eine japanische Kneipe) reiht. Hier wirkt Tokio plötzlich klein und vertraut, fast wie ein Dorf. Die Einkaufsstraße Akabane Ichibangai und das benachbarte OK Yokocho sind das Herz des Viertels, voll mit familiengeführten Lokalen, in denen seit Jahrzehnten gelacht, getrunken und Karaoke gesungen wird. Wer zwischen den Laternen und niedrigen Hausfassaden unterwegs ist, fühlt sich wie in eine andere Ära zurückversetzt.

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Doch, Moment. Es geht idyllischer. Ein Spaziergang führt zum Asukayama-Park, der zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht zeigt: Kirschblüten im Frühling, Hortensien im Sommer, leuchtendes Herbstlaub und das Papiermuseum mittendrin. Ganz besonders magisch ist Silvester, wenn die »Kitsune-no-Gyoretsu«, die traditionelle Fuchsparade, zum nahe gelegenen Oji-Inari-Schrein zieht. Ein leuchtender Zug aus Laternen, Masken und Mythen.
Auch das noch: Und gleich um die Ecke überrascht der Kyu-Furukawa-Garten mit seiner Mischung aus englischer Villa, Rosengarten und japanischer Landschaftsidylle.

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