Warum reisen wir eigentlich? Klar, um andere Kulturen kennezulernen, neues Essen auszuprobieren und atemberaubende Landschaften zu entdecken. Aber so ganz im Kern? Ist Reisen da nicht einfach ein Ausdruck von Freiheit? Das hat auch Chefredakteurin Jenny sich gefragt.
In dieser Kolumne von Chefredakteurin Jennifer Latuperisa-Andresen wird nichts beschönigt, dafür viel beobachtet, ausprobiert und eingeordnet. Persönlich, pointiert und mit einem Augenzwinkern. Hier kommst du zu ihrem Instagram-Account.
Freiheit ist das Einzige, was zählt. So Westernhagen. Doch wieso fühlt sich das Reisen an, als würden wir einen Happen Freiheit probieren? Hast du schon mal von der Sensation-Seeking-Theorie gehört? Da geht es darum, dass Menschen, die gerne reisen, eine höhere Risikobereitschaft haben. Und vermutlich auch die Bereitschaft in sich tragen, andere Risiken einzugehen. Wie beispielsweise Drogenkonsum oder Extremsport. Zumindest lautet so die Theorie in der Psychologie.
Durch neue Reize, wie beispielsweise auf Reisen, beziehen Menschen mit eben entsprechender Persönlichkeitsstruktur einen Teil ihrer Lebenszufriedenheit. Zum einen sind sie laut der Theorie des US-Psychologen Marvin Zuckerman stets auf der Suche nach neuen, komplexen und intensiven Empfindungen; zum anderen sind sie bereit, dafür gewisse – zum Beispiel finanzielle und soziale – Risiken einzugehen.
Raus aus dem Alltag
Ich würde sagen, auf meinen Freundeskreis trifft dies zu 100 Prozent zu. Doch warum fühlen wir uns beim Reisen frei? Psychologe Jürgen Kagelmann fasste es einmal so zusammen: »Im Prinzip ist das Grundmotiv der Reise, eine ins Ungleichgewicht geratene Befindlichkeit durch ein temporäres Weggehen wieder in Ordnung zu bringen!« Verlassen der Alltagsstrukturen also. Zumindest auf Zeit. Das können wir alle gebrauchen.
Als Reisemagazin haben wir das Glück, diesem Drang professionell nachzugehen. Frei fühlen in der Wildnis beispielsweise. Abgelegen und abenteuerlich in Alaska. Eventuell Auge in Auge mit einem Bären. Oder paddelnd und saunierend in Schweden. Oder aber auf verschlungenen Wegen durch Sri Lanka. Ein Elefant hier. Ein Tempel da. Und eine Tasse Tee. Ganz wie einem beliebt. Und dann wären da noch die Hotels, die Komfort versprechen. Und Service. Kein Bettenmachen. Kein Putzen. Frei sein. Einfach sein. Alles, was wir tun müssen? Die Sensation suchen. Und zwar nicht nur in der Theorie.

