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Seit 15 Jahren habe ich keine Skier mehr an den Füßen gehabt. Nicht aus Zeitmangel, nicht aus Desinteresse – nein, aus Angst. Diese Angst, die plötzlich mit mir die roten Pisten hinabwedelte und gerne in vertrauter Zweisamkeit mit mir den Berg hinaufgondelte. Ganz vorne dabei auf der Panikskala: meine Höhenangst. So ein Sessellift wackelt aber auch wirklich manchmal arg im Wind. Und müssen wir tatsächlich schon den Bügel hochklappen? Es sind doch noch ein paar Meter bis zum Ausstieg? Die Angst vorm Skifahren.

In dieser Kolumne von Chefredakteurin Jennifer Latuperisa-Andresen wird nichts beschönigt, dafür viel beobachtet, ausprobiert und eingeordnet. Persönlich, pointiert und mit einem Augenzwinkern.

 

 

 

 

Doch dann war da dieser eine Tag. Der Schnee – sagen wir’s, wie es ist – hatte bereits bessere Tage gesehen. Es war dieser fiese Spätwinterschnee, der morgens wie eine spiegelglatte Eisbahn glänzt und ab elf Uhr in zähen, schwer zu navigierenden Sulz übergeht. Eine Mischung aus optischer Schönheit und gefühltem Kleister. Nicht ideal. Für niemanden. Schon gar nicht für mich – mit leicht angerostetem Gleichgewichtssinn und Knien, die Geräusche machen, wenn ich bloß das Wort »Kurve« denke.

Trotzdem: Ich habe mich überwunden. Habe mich in die Bindung geklickt wie ein Profi. Bin mit anfänglichem Zittern und viel innerem Drama gen Tal gefoan (wie sie in Österreich sagen). Und siehe da: Es lief. Kein Sturz, keine Panik, kein Helikoptereinsatz. Das Knie war belastet wie lange nicht, und am Ende wollte sich meine Hüfte auch nicht mehr so richtig in Richtung Talski drehen. Doch als ich die geliehene Ausrüstung abgab, konnte ich stolz verkünden: Skifahren ist wie Fahrradfahren. Wenn auch in meinem Alter mit mehr Schweiß, Zittern und Selbstgesprächen.

zwei Menschen mit Skiern auf einem Lift in den Bergen

Foto: Isabel Langdale/Shutterstock.com

Daheim in der feschen Ferienvilla wollte ich die müden Knochen dann wach duschen. Dabei drehe ich den falschen Knopf. Und dann passiert es. Zisch. Rums. Die elegante Handbrause – ein schweres Biest aus Chrom und Keramik – hebt ab. Mit Anlauf. Und landet punktgenau auf meinem zweiten Zeh. Der, den ich jetzt liebevoll »Zeigezeh« nenne.

Es knackt. Ich schreie. Der Zeh verwandelt sich in eine dicke Pflaume, auch farbtechnisch, wohlgemerkt. Ab sofort passe ich in keinen Skischuh mehr. Oder überhaupt in irgendeinen Schuh. Also marschiere ich am nächsten Morgen humpelnd in den Ortskern und kaufe mir ein Paar plüschige Fellpantoffeln. Der einzige Fußschutz, in den der »Zeigezeh« hineinwill.

Man sagt ja immer so schön: »Hals- und Beinbruch!« – und meint es als Glückwunsch. Im Theater, beim Sport, sogar im Berufsleben. Ich sag: »Vorsicht bei den alltäglichen Dingen!« Denn wie wir wissen: Die meisten Unfälle passieren im eigenen Haushalt. Oder in edlen Ferienvillen.

Na dann: Hals- und Zehenbruch!

SnowTrex liefert auf seiner Webseite hilfreiche Tipps, die Angst vorm Skifahren zu überwinden.