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Luang Prabang in Laos war alles, was ich mir erhofft hatte: freundlich, wunderschön, kulinarisch abenteuerlustig. Was ich nicht eingeplant hatte, war Essen, bei dem mein Magen beschloss, die Reise auf seine ganz eigene Weise zu interpretieren. Zwischen Street Food, Mekong und viel Badezimmerzeit lernte ich das Land intensiver kennen als gedacht.

Als leidenschaftlicher Streetfood-Fan findet man mich grundsätzlich in den Garküchen der Welt, mit leuchtenden Augen und einem neugierigen Magenkribbeln voller Vorfreude. Je unbekannter, desto besser. Was verwunderlich ist, denn als Kind war ich eine unfassbar schlechte Esserin. Was ich nicht kannte, probierte ich nicht – und das mit aller Hartnäckigkeit, die ein Kind so innehaben kann. Nicht selten bekam man nur trockenes Brot in mich rein. Und dann öffnete sich die Welt für mich und mit ihr kam die unbändige Lust auf unbekannte Leckereien. Am liebsten halt auf irgendwelchen Märkten oder direkt am Straßenrand. Wobei – das sei erwähnt – ich bin absolut kein Fan von den klassischen Touristensnacks in Bangkoks Straßen in Form von Skorpionen, Maden oder sonstigen Käfern. Wer das noch für ein Highlight hält, hat das Reisen nicht verstanden.

Liebe auf den ersten Blick – mit Buffet

Aber, ich drifte ab. Es ist ein paar Jahre her und trotzdem ist die Erinnerung noch da. Mit allen Gefühlen und Gedanken. Ich war in Laos, genauer in Luang Prabang. Wie ich dort hingekommen bin, habe ich schon in meiner Geschichte von der Mekong-Schiffstour des Grauens erzählt (hier geht’s zur Geschichte). Nach diesem Überfahrts-Martyrium berauschte ich mich erstmal an der Schönheit der Stadt. Luang Prabang hatte mich in der ersten Minute in seinen Bann gezogen. So schön, so angenehm, fast schon relaxt und die Umgebung zwischen sanften Bergen und dem großen Mekong – all das verhieß eine schöne Zeit. Ich war schon ein paar Wochen in Südostasien unterwegs und die Zeit in Luang Prabang tat mir einfach gut. Hier konnte ich zur Ruhe kommen und ein bisschen durchatmen.

Grafik von einer Frau, die vor einem vegetarischen Buffet in Laos steht und sich freut.

Illustration: ChatGPT

Tagsüber besuchte ich staunend die Tempelanlagen der Stadt, am Abend schlenderte ich über den wunderschönen Nightmarket, bevor der Hunger mich in den Food-Teil des Marktes trieb. Vegetarisches, laotisches Buffet (all you can eat) mit Getränk für umgerechnet ca. drei Euro. Alles klar, ich bin dabei! Und es schmeckte so lecker, wie es aussah. Mein Streetfood-Herz war voll.

Der Anfang vom Ende

Ich weiß heute nicht mehr, an welchem Abend genau sich die kleinen Bakterien ins Essen gemischt hatten. Ich weiß nur, dass ich am nächsten Tag eine kleine Tour auf den Mount Phou Si geplant hatte, Luang Prabangs Hausberg. Der ist mit 100 bis 130 Metern Höhe jetzt kein Marsch durch die Todeszone, aber mit ungefähr 350 Stufen, die manchmal auch etwas steiler ausfallen nun auch kein Hügelchen, das sich gemütlich erschlendern lässt. Ich machte mich also an den Aufstieg, vorbei an etlichen Buddha-Statuen und kleinen Tempelanlagen. Auf dem Gipfel steht eine große goldene Stupa und drum herum: das schönste 360 Grad-Panorama über die Stadt. Ich kam oben an, holte tief Luft und genoss den Anblick… als ein lautes Geräusch aus meinem Magen die fast schon andächtige Stille förmlich zerriss. Ja, das ist möglicherweise ein wenig ausgeschmückt, aber ich schwöre, es war schon ziemlich deutlich zu hören. Mit einem leicht unguten Gefühl im Bauch (doppeldeutig gemeint) beschloss ich, das einfach zu ignorieren.

Illustration einer Frau, die sich den Bauch hält, weil sie sich den Magen verdorben hat. Im Hintergrund der Blick auf Luang Prabang und den Mekong im Abendlicht.

Illustration: ChatGPT

Nun ja, was soll ich sagen? Turns out: Hat nicht geklappt. Also das Ignorieren. Das Grummeln wurde lauter, der Darm begann zu quengeln und ich? Ich stand auf dem Berg. Ganz oben. Mit schon ein bisschen kalten Schweiß auf der Stirn. Ob der nun von dem kam, was mir bevorstehen sollte oder ob das einfach sich sammelnder Stress aufgrund der doch relativ ausbaufähigen Toilettensituation um mich herum war, kann ich nicht mehr sagen. Wahrscheinlich beides, höchstwahrscheinlich zu dem Zeitpunkt aber mehr Stress.

Es half nichts, ich musste so schnell wie möglich in den Schutz meiner Unterkunft, wenn ich in der Stadt nicht zu zweifelhaftem Ruf kommen wollte. Rückblickend betrachtet kann ich sagen, ich bin noch nie so schnell von irgendeinem Berg heruntergekommen.

Illustration einer Frau, die mit grünem Gesicht krank im Bett liegt, neben ihr stehen Tee und Tabletten, im Fenster sieht man einen Tempel in Laos.

Illustration: ChatGPT

In meine Unterkunft schaffte ich es mit knapper Not, bevor es mich in den nächsten zwei Tagen förmlich zerreißen sollte. Nichts blieb drin, bis mir der herbeigeholte Kinderarzt von gegenüber Tabletten gab. Erst dann erholten sich Magen und Darm langsam und zumindest der Tee blieb drin und tat ein wenig zur Hydration dazu.

Nichts gelernt, aber satt geworden

Ich schaffte es in den nächsten Tagen ab und an mal auf die Terrasse meiner Unterkunft und irgendwann sogar wieder an den Mekong, um das wunderschöne Panorama zu genießen. Kleine Spaziergänge wurden wieder möglich und der Geruch von Garküchen oder Restaurants im Vorbeigehen ließen mich nicht mehr schaudern. Und ganz langsam begann ich, wieder vom laotischen Buffet auf dem Nightmarket zu träumen.

Tja, was soll ich sagen? Wäre ich auf Reisen lernfähiger, könnte ich hier viel weniger zu den Reise-Fails beitragen. Natürlich stand ich nach der überstandenen Lebensmittelvergiftung wieder am Buffet. Freudestrahlend. Wenig dazugelernt, aber lecker war es auf jeden Fall.

Illustration einer Frau, die einen Teller asiatisches Essen isst, im Hintergrund Luang Prabang.

Illustration: ChatGPT

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