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Was uns in der Redaktion alle vereint, ist die große Leidenschaft fürs Reisen. Dass es dabei nicht immer nach Plan läuft, gehört dazu. Im Wechsel stellen wir unsere größten Reise-Fails vor. Teil 15 kommt von Redakteurin Uli, die in Myanmar eine Nacht erlebte, die noch heute auf Reisen Auswirkungen hat.

Stell dir folgende Situation vor: Es ist mitten in der Nacht, du schreckst aus dem Schlaf hoch, schlägst die Augen auf und blickst direkt in zwei fremde Augenpaare, die dich aus nächster Nähe neugierig betrachten. Was würdest du tun?

Ich dachte immer, ich würde in solch einem Moment heldenhaft schreiend aus dem Bett springen, vielleicht noch einen Kampfschrei hinzufügen. Die Realität: komplette Schockstarre. Kein Schrei, keine Bewegung, nicht mal ein dramatisches Zucken. Nur meine Gedanken drehen sich mit der Geschwindigkeit einer überhitzten Festplatte: Träume ich? Bin ich wach? Und wer zum Teufel sind diese beiden Männer, die mitten in der Nacht neben meinem Bett stehen wie zwei schlecht gebuchte Weckdienste?

Illustration: Zwei fremde Männer stehen neben Bett von Frau in einem dunklen Hotelzimmer

Illustration: Gemini

Das Zimmer des Schreckens

Das Ganze liegt schon einige Jahre zurück. Ich war auf Rundreise durch Myanmar. Jede Nacht ein anderes Hotelzimmer, mal auf einem Schiff, mal in tiefster Abgeschiedenheit, mal in lauten, staubigen Städten. Morgens früh raus, abends spät ins Bett. Nirgends Handyempfang. Nach etwa einer Woche hatte mein Gehirn die Orientierung so vollständig aufgegeben, dass ich morgens kurz überlegen musste, wo ich mich eigentlich befinde, und was für ein Wochentag ist.

Zurück im Bett des Schreckens: Als mir dämmert, dass ich definitiv nicht träume, kommt endlich Bewegung in die Sache. Ich bitte die beiden Herren laut und unmissverständlich auf Englisch, mein Zimmer zu verlassen. Was sie, und dafür bin ich bis heute dankbar, tatsächlich sofort tun. Und zwar durch die Verbindungstür direkt gegenüber meinem Bett, die ich erst in dem Moment bemerke. Die Tür schließt sich. Ich atme aus. Problem gelöst.

Doch falsch gedacht: Es vergehen keine fünf Minuten, da öffnet sich die Tür erneut. Derselbe Mann, derselbe neugierige Blick, als würde er kurz nachschauen, ob ich noch da bin. Bin ich. Leider. Ich bitte ihn erneut, die Tür zu schließen. Er tut es. Ich schiebe demonstrativ einen Stuhl davor, eine Maßnahme mit etwa so viel praktischem Nutzen wie ein Regenschirm im Tornado, aber mich beruhigt es. Ich rufe mit klopfendem Herzen bei der Rezeption an.

Illustration: Stuhl vor Verbindungstür in Hotel in Myanmar

Illustration: Gemini

 Zimmerwechsel, und zwar schnell

Mein Wunsch ist denkbar einfach: Die Tür soll abgeschlossen werden. Doch das Hotel verfügt, bei geschätzten 400 Zimmern, über keinerlei Schlüssel für Verbindungstüren. Unglaublich, aber scheinbar wahr.

Während der Mitarbeiter mir das erklärt, wird die Klinke erneut nach unten gedrückt. Ich bitte ihn, mich in ein anderes Zimmer zu verlegen. Eines ohne Verbindungstür. Er reagiert mit der Begeisterung eines Menschen, den man um drei Uhr nachts bittet, die Möbel umzustellen, also: gar nicht. Nach einigem Überzeugungsaufwand schickt er schließlich doch jemanden hoch.

Illustration: Gelangweilter Rezeptionist in Hotel mit Verbindungstür in Myanmar

Illustration: Gemini

Schlafen werde ich in dieser Nacht trotzdem nicht mehr. Zu viel Adrenalin, zu viel Misstrauen gegenüber sämtlichen Türen in meinem Umkreis.

Schlaf? Nur noch mit Stuhl unter der Klinke

Was die beiden Herren wirklich wollten, weiß ich bis heute nicht. Sie sprachen schließlich auch kein Englisch. Verständigung war nicht möglich. Vielleicht war es pure Neugier. Ich werde es nie erfahren.

Was ich hingegen mit absoluter Sicherheit sagen kann: Ich bin heute eine Person, die im Hotel als erstes die Verbindungstür überprüft. Und das nicht nur einmal. Und die nachts einen Stuhl unter die Klinke schiebt.

Falls das Zimmer keinen Stuhl hat, nehme ich den Koffer.

Sicher ist sicher.