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Manche Orte auf der Welt sind einmalig. Die Atacama-Wüste in den Anden ist einer davon. Findet auch unsere Chefredakteurin Jenny, die sich im Norden Chiles selbst ein Bild von dem Naturwunder machen konnte. Spoiler: Die Wüste ist weitaus lebendiger als gedacht.

Die Atacama-Wüste, übrigens die trockenste Wüste der Welt (in manchen Regionen wurden über Jahrzehnte keine Niederschläge registriert), liegt eingeklemmt zwischen den Anden im Osten und dem Pazifik im Westen. 1.200 Kilometer lang, 160 Kilometer breit. Die Ränder der Wüste reichen bis nach Bolivien und Peru, doch ihr Herz schlägt in Chiles Norden.

Jenny sind auf dem Flug nach Chile auch einige Gedanken zum Thema »Alleinreisen« gekommen.

Luftbild der Atacama-Wüste in Chile; nur die Bergkuppen der Anden werden von der Morgensonne rot angestrahlt, der Rest der kargen Landschaft liegt im Schatten.

Foto: Mike Thomas Photos/Shutterstock.com

Angekommen in der Atacama-Wüste

Ich erreiche die Hippie-Stadt San Pedro de Atacama am frühen Nachmittag, als die Sonne die Wüste in ein warmes Licht taucht. Über der Stadt thront der Vulkan Licancabur, majestätisch und still, fast 6.000 Meter hoch. Seine Spitze glüht im Abendrot, als würde sie die letzten Geheimnisse dieser kargen Landschaft bewahren.

Etwa 5.000 Menschen leben heute hier, dazu kommen rund 50.000 Touristinnen und Touristen im Jahr. Ein erstaunliches Verhältnis für einen Ort, in dem es kaum regnet und dessen Straßen noch immer aus festgetretenem Staub bestehen. Die Lehmhäuser wirken, als hätten sie dem Wind seit Jahrhunderten getrotzt; die weiße Kirche erzählt Geschichten aus längst vergessenen Zeiten, und der kleine Markt erinnert mit seinen Waren und der Atmosphäre stark an Ibiza.

 

Unter uralten Pfefferbäumen stehen Frauen mit bunten Tüchern, Kinder jagen Hunde (davon gibt es hier viele, und sie werden sehr gut behandelt) über die Gassen, und irgendwo läutet eine kleine Glocke zur Abendmesse. Eins steht fest: San Pedro ist ein Touristenmagnet. Die Einheimischen sprechen kaum noch Cunza, die Sprache ihrer Vorfahren. Aber ihre Achtung vor der Natur ist geblieben. In jedem Blick steckt Ehrfurcht vor den Bergen, vor dem Wasser, das hier so rar ist, dass jeder Tropfen fast heilig wirkt.

Vor einem Hauseingang aus roten Vulkanstein sitzt ein kleiner Hund auf einer Fußmatte.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Ich lerne, dass die Berge hier nicht einfach Berge sind. Sie sind Beschützer, manchmal auch Richter. Pacha Mama, Mutter Erde, wacht über alles. Über das, was wächst, über das, was verschwindet. Doch selbst hier bleibt die Moderne nicht draußen. Wo früher nur Sternenlicht den Weg beleuchtete, surren heute Generatoren und treiben Straßenlaternen an. Aus alten Häusern wurden Hostels, aus Wohnzimmern Restaurants mit rustikalem Charme und erstaunlich guter Küche. Jede zweite Tür führt zu einem Tourenbüro, das Ausflüge in die Täler und über die Grenze nach Bolivien anbietet. Wer mich fragt, ob man in dieser Stadt mal gewesen sein muss? Ich würde sagen: Nein! Aber die Gegend drum herum ist zum Niederknien schön.

Hinter einem flachen See liegen die Hügelkuppen einer Steinwüste; im Hintergrund ragt im Dunst ein Vulkan auf.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Zu Gast im Explora

Am Stadtrand, verborgen hinter hohen Mauern, liegt das Explora – eine Oase in der Oase. Das Hotel gilt als Vorreiter des »Experiential Luxury« oder auf Deutsch »Luxus und Erlebnisse«. Seit 1998 residieren hier Reisende, die nicht einfach ankommen, sondern verstehen wollen. Verstehen, was die Wüste bedeutet, wie sie atmet, wie man in ihr lebt.

Das Explora gleicht einer riesigen Hacienda, puristisch entworfen vom chilenischen Architekten Germán del Sol, der die alten Wege und Bauformen der Urbevölkerung klug in seine Vision einfließen ließ. Hinter der umlaufenden Terrasse öffnet sich ein Hof, dahinter reihen sich Zimmer und Suiten im Landhausstil. Ich ahne, dass dieses Konzept zur Zeit der Eröffnung wegweisend war – heute allerdings hat der Komfort ein wenig Patina angesetzt. Das gilt sowohl für die Zimmer als auch für das Restaurant, das in seiner Nüchternheit eher an eine Kantine erinnert als an ein Refugium.

Zu einem flachen Bungalow mit mehreren bodentiefen, breiten Fenstern führt eine Treppe über zwei Ebenen einer roten Lehmterasse hinauf.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Abseits davon ist die Anlage bezaubernd. Der Garten ist durchzogen von Schilfgräsern, die sich sanft im Wind wiegen. Dahinter breitet sich das Wohlfühlterrain aus, mit Pools und Jacuzzis, die ich allerdings ungenutzt lasse. Es ist Winter, und mir ist mehr nach Decke als nach Bad. In der Ferne recken sich die Berge in den Himmel, fast 6.000 Meter hohe Gipfel, greifbar nah und doch unerreichbar fern.

Ausflüge ohne Ende

Ich setze mich auf die Terrasse, gleich nach meiner Ankunft. Das ist die schönste Tageszeit im Explora – der Mittag, wenn der Himmel klar ist und der Magen sich nach der unglaublich köstlichen chilenischen Küche sehnt. Das Hotel arbeitet nach dem All-inclusive-Konzept, aber wer hier ausschweifende Partys oder Limbo-Tänze erwartet, liegt falsch. Ja, Wein fließt, doch meist bleibt es bei zwei Gläsern des feinen chilenischen Tropfens.

Das Mittagessen ist ein Ereignis für sich: ein Buffet mit Salaten und kalten Speisen, dazu warme Gerichte à la carte, klug portioniert, leicht und voller Geschmack. Ich bestelle eine Suppe und ein Ceviche – perfekt austariert, beides frisch und regional. Während ich esse, schweift mein Blick über die Landschaft bis hin zum Licancabur, dem heiligen Vulkan. Ein perfekter Kegel, so symmetrisch, dass er fast unwirklich scheint.

Zum All-inclusive-Konzept des Explora gehören auch Ausflüge. Zwei pro Tag, sorgfältig geführt und kuratiert. Die Liste der Möglichkeiten ist beeindruckend, 50 sind es an der Zahl: Vulkantouren, Wüstenwanderungen, Mountainbike-Routen durch die Täler. Viele davon sind für mich allerdings etwas zu sportlich. Wer Adrenalin und Abenteuer in einem Atemzug sagt, kann hier garantiert Erinnerungen fürs Leben sammeln. Ich gehe es lieber bildgewaltig an und entscheide mich an meinem ersten Tag für einen Besuch bei den Flamingos.

Flamingos beobachten in der Atacama-Wüste

Da stehen sie, ein Bein angewinkelt, im glitzernden Salzwasser und picken winzige Flohkrebse, die übrigens der Grund für ihr zartes Rosa sind. In den Salzseen der Atacama leben gleich drei Arten Flamingos. Mein Guide Alejandro erklärt mir geduldig die Unterschiede, während ich versuche, mit dem Fernglas herauszufinden, welcher Vogel in der Laguna Chaxa nun zu den Andenflamingos gehört. Die haben gelbe Beine und schwarze Federn am Schwanz.

Eine weite Wüstenlandschaft, in der sich ein flacher, breiter See gebildet hat. Inmitten des Sees steht ein einzelner Flamingo. Im Hintergrund sind die Spitzen der Anden in der Atacama-Wüste zu sehen.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Wie auf ein geheimes Signal hin heben zwei, dann drei Vögel ab. Ich bin kein ausgesprochener Vogelfan, aber die anmutige Eleganz eines fliegenden Flamingos ist etwas, das selbst den Skeptischsten verzaubert. Die Landschaft tut ihr Übriges: hinter mir die braunen, sanft geschichteten Berge, vor mir die gelblich schimmernden Salzseen, darin rosafarbene Tupfer. Ein Bild, so perfekt komponiert, es könnte aus einem Wes-Anderson-Film stammen, nur in Pastell.

Die Flamingos ziehen elegante Kreise und landen schließlich im Becken hinter uns. Alejandro hebt wieder das Fernglas, als könnte er sie gar nicht oft genug betrachten. Unerwartet viel Leben in einer Landschaft, die doch so lebensfeindlich wirkt. Und über allem liegt eine fast überirdische Stille. Als würde das Salz jedes Geräusch aufsaugen. Alejandro flüstert: »Ich bin hier fast jeden Tag. Es ist still, es ist bezaubernd, und dieser Ort ist für mich noch immer magisch.« Ich nicke. Ich weiß ganz genau, was er meint.

Mit Geduld ins Tal des Mondes

Es kann aber auch stürmisch werden. Vor meiner Reise hatte ich diesen Satz gelesen: Wer die Atacama bereist, muss sich selten vor Sandstürmen schützen. Tja, selten bedeutet nicht nie. Mich hat dieses Glück ereilt. Mehr als einmal wurde ich nervös, als der Wind die Wüste aufwirbelte und die Straße vor lauter Staub verschwand. Laut Alejandro halten diese Stürme meist drei Tage. Drei Tage, die mir prompt den Zugang zu der wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit der Atacama verwehrten: dem Valle de la Luna.

Das Mondtal. Allein der Name klingt nach einem Ort jenseits der Erde. Wind und Zeit haben hier aus Ton und Gips bizarre Skulpturen geformt, Schluchten, Dünen und Kämme aus Salz. Wenn die Sonne sinkt, färbt sich der Boden, so erklärt Alejandro, von Ocker zu Rot, dann zu Violett. Ich bin traurig. So weit gereist, und das Highlight bleibt mir verwehrt. Und als wäre das nicht genug, sorge ich mich auch um das geplante Stargazing am Abend.

Eine Landschaft in einer roten Steinwüste; der Boden ist übersäht von zackigen Felsformationen, die an die Mondoberfläche erinnern.

Foto: Yggdrasill/Shutterstock.com

Doch in der Atacama-Wüste lernt man schnell: Geduld zahlt sich aus. Der Himmel über dieser Wüste ist einer der klarsten der Welt, und das aus guten Gründen. Zum einen ist es hier so trocken, dass es kaum Wolken gibt. Kein Dunst, keine Feuchtigkeit, die das Licht der Sterne trübt. Zum anderen gibt es nahezu keine Lichtverschmutzung: keine Städte, keine Industrie, nur Dunkelheit. Und schließlich liegt die Wüste hoch in den Anden, eben über weiten Teilen der Atmosphäre, die anderswo das Funkeln dämpft. Wenn die Sonne untergeht, kühlt die Luft rasch ab. Der Wind legt sich, der Staub sinkt zu Boden, und die Wüste hält den Atem an. Dann, plötzlich, öffnet sich über einem ein Universum aus funkelnden Lichtern.

Sterne beobachten in der Atacama-Wüste

Das Explora besitzt eine kleine Sternwarte. Dort wartet Christopher, der Guide für die Nacht. Geduldig richtet er das Teleskop aus, erklärt Sternbilder, Planeten, Galaxien. Wir sehen den Saturn, gestochen scharf, mit Ringen, die aussehen, als hätte jemand sie mit Zirkel und Lineal gezogen. Und als wäre das Erlebnis nicht surreal genug, bekommen wir die Teleskopaufnahmen später aufs Handy geschickt, als Beweis, dass dieser Himmel wirklich so existiert und wir ihn so rein erleben durften.

Ich stehe lange still. Kein Wind, kein Laut. Nur ich und das unendliche Schwarz, durchzogen von Milliarden Lichtpunkten. Der Sand, der mich tagsüber fast wahnsinnig gemacht hat, liegt jetzt still. Und die Wüste schenkt mir das, was ich nicht erwartet habe und selten spüre: einen Moment vollkommener Ruhe.

Übrigens: Nicht nur die Atacama-Wüste ist bestens zum Star Gazing geeignet.

Eine kleine Sternwarte wird in der Nacht von roten Leuchten angestrahlt. Darüber sind zahlreiche Sterne am Nachthimmel erkennbar.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Unter uns, da ist was los

Ich habe auf dieser Reise schon so viele Superlative erlebt, dass ich kaum glauben kann, es ginge noch weiter – doch dann stehe ich am nächsten Tag vor El Tatio. Er ist kein Ort, er ist ein Wesen. Der drittgrößte Geysir der Welt, der größte der südlichen Hemisphäre, und doch wirkt er eher wie ein alter Mann, der tief durchatmet. Auf rund 4.320 Meter Höhe erhebt sich seine Bühne: ein Feld aus Dampf, brodelnden Quellen und steinernen Narben.

Die meisten Besucher kommen noch im Dunkeln, um das Schauspiel bei Sonnenaufgang zu sehen. Dann sind die Dampfsäulen am höchsten, der Kontrast zwischen Frost und Feuer am stärksten. Doch die Massen schrecken mich ab. Ich reise später, wenn El Tatio schon ruhiger atmet. Der Wind bläst kräftig, wir erinnern uns kurz an den Sandsturm und daran, dass er drei Tage andauert, und so zieht der Dampf schräg über den Boden.

In der Atacama-Wüste steigt aus zahlreichen Stellen im Boden weißer Rauch auf. Im Hintergrund geht die Sonne hinter einem Berg unter.

Foto: Raul Joseph/Shutterstock.com

Hier gibt es, auch ohne Sturm, keine meterhohen Explosionen wie in Island oder Yellowstone. El Tatio arbeitet leiser, subtiler. Aus tausend kleinen Öffnungen zischelt, gluckst und pfeift es. Manchmal klingt es, als würde er schimpfen, manchmal, als würde er lachen. Ich bleibe stehen, lausche und habe das Gefühl, er erzählt Geschichten, die niemand aufschreibt.

Exkursion in eine andere Welt

Der Name El Tatio bedeutet in der Sprache der Atacameños »der weinende Großvater«. Für die Menschen hier ist er mehr als eine Naturerscheinung. Er ist ein Geist. Einer, der mahnt und schützt, der mit Dampf spricht und in der Tiefe der Erde wohnt. Wissenschaftler hingegen hören in ihm andere Geschichten: von Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen überleben können, Lebensformen, die als Vorbild für das verstanden werden, was einst auf der Erde existierte oder vielleicht auf dem Mars existiert.

Rund um El Tatio breitet sich eine Landschaft aus, die wie ein Gemälde wirkt: hohe Vulkane, grüne Oasen, der Fluss Putana. Ich bleibe lange dort und sehe zu, wie der Dampf sich im Wind verliert. Und irgendwann glaube ich, dass der Großvater nicht weint. Er seufzt zufrieden. Nach El Tatio geht es weiter, nicht weit, aber in eine andere Welt. Die Exkursion zum »Volcán Blanco« klingt nach einem Vulkanausflug, doch in Wahrheit führt sie zu einem Fluss, der lebt. Kein Krater, kein Aufstieg auf einen Gipfel, sondern eine Wanderung durch eine Landschaft, die lebendig ist.

Bitte nicht ins Becken springen

Wir starten auf einer Hochebene in über 4.200 Meter Höhe. Der Wind ist auch mitgereist. Die Luft ist dünn und trocken, der Atem geht schwerer. Unter unseren Füßen dampft der Boden, kleine Risse zischen, als hätte die Erde eine wechselhafte Laune. Nach kurzer Zeit hören wir das leise Gluckern, der Río Blanco schlängelt sich zwischen grauen und gelblich schimmernden Steinen und Moosflechten, die weich und fedrig sind wie Trampoline, das Wasser ist milchig und warm.

Aus einer felsigen, roten Anhöhe fließt ein dunkelblauer, schmaler Fluss in Richtung des Betrachters.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Baden sollte man hier besser nicht. Der Fluss ist an vielen Stellen zu heiß, zu unberechenbar. Der Weg führt über schmale Pfade, manchmal muss ich mich an den Felswänden entlangtasten, um weiterzukommen. Das Gelände ist rau, aber wunderschön. Die Farben wechseln ständig. Rot, Grün, Weiß, als hätte jemand die Palette eines Malers verschüttet. Schließlich öffnet sich der Blick auf einen hellen Hügel: den »Volcán Blanco«, der gar kein Vulkan ist. Nur ein Berg aus mineralischem Gestein, weiß wie Kreide und faszinierend leuchtend im Sonnenlicht.

Teures Vergnügen

Am Wegesrand stehen Vicuñas. Dutzende. Sie grasen seelenruhig, heben kurz die Köpfe und mustern mich mit großen, dunklen Augen. Ihre kleinen Nasen schnaufen, als wollten sie mich fragen, was ich hier eigentlich tue. Ich bleibe stehen, atme, lächle. Es ist einer dieser Momente, in denen die Zeit kurz innehält.

Doch sind das eigentlich Lamas? Nein. Vicuñas sind ihre eleganten, wilden Verwandten – zart gebaut, wachsam und scheu. Sie gelten als die kleinste Kamelart der Welt und leben in den Hochanden auf über 4.000 Meter Höhe, wo die Luft dünn und die Witterung hart ist. Ihr Fell ist so fein, dass selbst Kaschmir daneben fast grob wirkt. Es ist die kostbarste Naturwolle der Welt, weich wie ein Hauch, warm wie ein Versprechen.

Auf einer mit gelben Stroh bewachsenen Anhöhe steht ein einzelnes Vicugna, dahinter strahlend blauer Himmel.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Und ja – ich habe kurz überlegt, mir einen Pullover zu gönnen. Nur kurz. Dann habe ich den Preis gesehen: rund 900 Euro für 100 Gramm reines Vicuña-Garn. Zum Vergleich: Kaschmir kostet etwa zehn bis 20 Euro, Alpaka vielleicht 25. Kein Wunder, denn von einem Tier lassen sich nur rund 250 Gramm Rohwolle gewinnen – und das nur alle zwei Jahre. Ich streichle also lieber mit den Augen über ihr Fell, während sie mich mit dieser unverschämten Mischung aus Neugier und Überheblichkeit mustern, die nur Tiere haben, die wissen, dass sie schön sind.

Wellness in der Atacama-Wüste

Und apropos Luxus der besonderen Art: Wer im Explora-Hotel eincheckt, bekommt zwei außergewöhnliche Zugaben. Eine davon sind die Termas de Puritama – natürliche Thermalquellen, verborgen in einem geschützten Canyon auf über 3.400 Meter Höhe. Acht Becken liegen dort hintereinander, verbunden durch Holzstege, umgeben von grünem Schilf und Felsen, aus denen ständig warmes Wasser sprudelt. Zwischen 28 und 33 Grad misst es, mineralreich und klar.

Das Wasser enthält Kalzium, Magnesium, Natrium und Bor. Ein Cocktail, der Muskeln löst, den Kreislauf anregt und angeblich sogar Rheuma lindert. Die Atacameños glaubten schon früher an die heilende Kraft dieser Quellen. Heute wird die Anlage von ihrer Gemeinschaft verwaltet, teilweise in Partnerschaft mit Explora, das für seine Gäste einen eigenen, ruhigeren und exklusiven Bereich reserviert hat, während die anderen Becken allen Tagesgästen offenstehen.

Doch ganz gleich, wo man badet: Das Wasser umspült die Haut, die Sonne glitzert auf der Oberfläche, und die riesigen Felswände ringsum leuchten in Rot und Ocker. Es ist einer jener Momente, an denen ich mich kurz piksen muss und dankbar auf dem Rücken schwimmend akzeptiere, dass mir dieses Glück zuteilwird.

Ritt durch die Ewigkeit

Bei der zweiten Explora-Besonderheit kommen mir immer wieder die Freudentränen. Ein Ausritt in die Atacama. Die Hotelgruppe besitzt ihre eigenen Pferde und nicht irgendwelche. In Chile hat sie eine eigene Rasse gezüchtet: die patagonischen Pferde von Explora. Sie stammen vom Gestüt der Familie Ibáñez, entstanden aus robusten Landrassen, gezielt gekreuzt für Ausdauer, Kraft und Geländegängigkeit.

Diese Tiere sind beeindruckend groß, muskulös, mit einem sanften, wachen Blick. Ihr Temperament ist ruhig, ihre Schritte sicher, selbst auf losem Gestein oder in tiefem Sand. Sie sind geschaffen für das Unvorhersehbare: für Pampa, Berge, Flüsse. Für diese Landschaft. Ich steige auf, der Sattel knarzt, das Tier bewegt sich weich und ruhig. Ich bin früher oft geritten, doch das hier ist anders. Die Luft ist trocken, der Wind trägt Staub und Hitze, und vor mir breitet sich diese unendliche Leere aus. Kein Baum, kein Laut, nur die rhythmischen Schritte des Pferdes und mein eigener Atem. Es ist ein stiller, erhabener Moment – einer, der alles zusammenfasst, was diese Reise für mich bedeutet.

Die Wüste lehrt mich, wie wenig der Mensch wirklich braucht. Ein bisschen Wasser. Ein bisschen Schatten. Und die Fähigkeit, in der Leere Schönheit zu sehen. Amen.

Auf einer Straße, die durch die Atacama-Wüste bis zum Horizont führt, steht eine einzelne Frau in gelber Jacke mit dem Rücken zum Betrachter und streckt die Hände zu zwei "Peace"-Zeichen zum Boden.

Foto: Jennifer Lautperisa-Andresen


Alles, was du zur Reise in die Atacama-Wüste wissen musst

  • Anreise: Mit Iberia über Madrid nach Santiago de Chile. Empfehlenswert ist eine Übernachtung in der Hauptstadt, um sich langsam an Klima und Höhe zu gewöhnen. Am nächsten Tag geht es mit LATAM Airlines weiter nach Calama. Von dort holt das Hotel seine Gäste ab – die Fahrt nach San Pedro de Atacama dauert etwa eine Stunde und führt bereits durch beeindruckende Wüstenlandschaften.
  • Unterkunft: Explora Atacama, Domingo Atienza s/n, 1410000 San Pedro de Atacama, Antofagasta, Chile. www.explora.com/lodge/atacama-lodge

Häufige Fragen

Wo liegt die Atacama-Wüste?

Die Atacama-Wüste streckt sich auf einer Distanz von etwa 1.200 Kilometern entlang der südamerikanischen Pazifikküste. Damit liegt sie auf dem Nationalgebiet von Chile, Peru und Bolivien.

Wann ist die beste Reisezeit in der Atacama-Wüste?

Als beste Reisezeit gilt der Sommer auf der Südhalbkugel, also die Zeit zwischen Oktober und Mai. Zwar ist die Atacama auch von Mai bis Oktober zugänglich. Dann aber werden die Nächte in der Wüste bitterkalt.

Welche Tiere leben in der Atacama-Wüste?

Neben den Flamingos und den Vicuñas leben auch Wüstenfüchse und Langschwanz-Klapperschlangen dort.