Grandios grüne Berglandschaften, traumhafte Surferspots, freundliche, musikalische Einheimische – all das wollte reisen-Exclusiv-Autor Harald Braun auf Mauritius erkunden. Nun, irgendwie hat das nicht so richtig hingehauen. Aber das ist eher eine gute Nachricht …

Ich kann ganz schlecht NEIN! sagen, wenn ich eingeladen werde, nicht mal ein schüchternes »Och nöö, lass ma« kommt mir so leicht über die Lippen. Deshalb stehe ich jetzt vor dem Eingang des »Shangri-La Le Touessrok Resort & Spa« auf Mauritius bei sonnigen 25 Grad mit einem grünen Hibiskustee in der Hand, statt mich in Deutschland an den saisonal bedingten Minusgraden zu erfreuen, und lasse mir zur Begrüßung erklären, was in den nächsten 72 Stunden auf mich zukommt.

Überwiegend anstrengende Recherche, fürchte ich: Die »Shangri-La«-Company mit Sitz in Hongkong hat mal wieder ein neues Hotel eröffnet, seine Nummer 94 weltweit. Das soll nun mit einer kleinen Feier im Kreise der engsten 600 Freunde des Hauses und des mauritianischen Premierministers gefeiert werden, einem Herrn im fortgeschrittenen Alter, der ein wenig so aussieht wie eine Echse.

Das Hotel steht dort, wo Mauritius am schönsten ist, an der Ostküste in der Trou d’Eau Douce Bay. (Wobei neu eröffnet nicht ganz richtig ist: Bis vor ein paar Monaten segelte das »La Le Touessrok Resort & Spa« noch unter anderer Flagge, bevor »Shangri-La« das Haus standesgemäß in einen veritablen Fünf-Sterne-Palast verwandelte.)

In welchen Pool im neuen Shangri-La auf Mauritius soll es zuerst gehen?

Shangri-La

Auch Reisejournalisten müssen Kompromisse eingehen

Mit der Party allein ist meine Arbeit allerdings längst nicht getan: So eine exklusive Neueröffnung muss schließlich auf Herz und Nieren geprüft werden. Ich möchte ja gutgläubige Honeymooner, die man bekanntlich besonders gerne auf Mauritius empfängt, nicht ins offene Messer rennen lassen. Aus diesem Grund gibt es Menschen wie mich; – Reisejournalisten, die weder elf Stunden Flug aus Deutschland noch die Qualen einer dreistündigen Zeitverschiebung (Mauritius: + drei) scheuen, um vor Ort der ungeschminkten Wahrheit auf den Grund zu gehen. Es ist kein leichter Job, aber es muss Leute geben, die ihn tun.

Natürlich haben wir Digestif… ähem … Investigativ-Journalisten gelernt, mit Enttäuschungen zu leben. Ich werde in eine von 82 schicken Junior Suites (etwa 70 m2) einquartiert, deren Panoramafenster direkt auf den Indischen Ozean weisen. Das schicke Gewässer kann man auf diese Weise auch vom Bett aus wunderbar beobachten. Ein passabler Leichtathlet könnte zudem vom eigenen Balkon locker ins leuchtend türkise Wasser springen. (Vorausgesetzt, er käme an der Palme vorbei, die vor dem Haus steht …)

Mir leuchtet nicht ganz ein, warum ich nicht in einer der sechs Deluxe Suites (126 m2) oder gleich der Shangri-La-Suite (320 m2) untergebracht worden bin, auch in eine der drei Beach Villas (423 m2) mit Butler und eigenen Köchen hätte ich mich klaglos einweisen lassen, aber gut: Man muss Kompromisse eingehen. Und der eisgekühlte Champagner, der auf dem Zimmer bereits zur Begrüßung auf mich wartet, bringt mich schnell auf andere Gedanken.

Vom Balkon direkt ins türkise Wasser im Shangri-La auf Mauritius

Shangri-La

Wäre ja auch schade drum: Mauritius, die im Indischen Ozean von La Réunion im Westen und den Seychellen im Norden eingerahmte Insel, gehört schließlich zu den Traumzielen auf der ganzen Welt. Da darf man keine trüben Gedanken hegen. Zudem will ich ja bei der Ausübung meiner Profession viel erleben.

Neugierig bin ich vor allem auf die Einwohner Mauritius’: Die ehemalige Pirateninsel war immer schon ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen. Hier lebten und leben Christen, Hindus, Tamilen, Buddhisten, Juden und Moslems weitgehend friedlich zusammen. Die verschiedenen Einflüsse der portugiesischen, holländischen, französischen und englischen Besatzer haben über Jahrhunderte hinweg ein kurioses, fröhliches Inselvölkchen entstehen lassen, unter dem sich prima leben lässt, so heißt es. Sie kennen ja sicher auch das Zitat des Schriftstellers Mark Twain, der gesagt hat, dass Mauritius das Modell Gottes fürs Paradies gewesen sein muss.

“Ich bin wild entschlossen, Land und Leute kennenzulernen.”

Abends, nachdem das Party-Feuerwerk über der fein geschwungenen Bay des Resorts erloschen ist und in den diversen Beach Bars des Resorts internationale Livebands das Essen musizierend begleiten, frage ich Sami aus dem Fitnesscenter, ob das für ihn so einigermaßen hinkommt mit dem Paradies. Der einheimische Turnbruder, der mir vor zwei Stunden noch all die modernen Geräte erklärt hat, mit denen man sich im hauseigenen Gym mit Blick auf den »Silent Pool« quälen kann (es gibt auch noch einen Familienpool im Resort), lässt sich nicht lange bitten: »Mauritius hat alles, Strände, Musik, Lebensfreude. Und diese wunderbaren Landschaften, die aufgeschossenen Berge, die Nationalparks …«

Ich unterbreche seine Elogen. Was er mir denn konkret empfehlen könne, will ich wissen. Schließlich möchte ich meine Tage nicht ausschließlich im Hotel verbringen. Ich bin wild entschlossen, Land und Leute kennenzulernen, wo ich schon mal hier bin.

»Ganz klar«, antwortet er sofort, »das wäre der Botanische Garten von Pamplemousses. Ein Spaziergang durch diesen Garten mit seinen Riesenschildkröten und dem Lotusteich ist wirklich beeindruckend. Dort gibt es sogar ein richtiges Kaffeehaus.« Was stimmt: Mitten im Botanischen Garten zu Pamplemousses steht mit dem Café Valse de Vienne ein Beisl nach Wiener Vorbild. Klingt interessant, wird notiert. Und was mit diesem berühmten Spot für Surfer sei, von dem ich gelesen habe? Auch da hilft Sami gern: »Sie meinen bestimmt The Lagoon in Le Morne. Das ist eine Stelle für echte Könner, eine der schönsten Wellenreiter-Plätze auf der ganzen Welt.« Nun, werde ich mir mal ansehen – ob ich da selbst aufs Brett steige, ist aber zweifelhaft. Man soll’s ja nicht übertreiben mit der Recherche.

Kulinarisches Überangebot: keine Zeit für Spa

In den nächsten Tagen bringe ich erst mal meine berufliche Mission zu Ende und erkunde die Angebote des Resorts. Ich spiele Tennis auf der hoteleigenen Anlage und muss weder Schläger noch Bälle mitbringen – wird alles gestellt. Niemand ist sauer, dass ich den Ball ins angrenzende Tiergehege schlage, wo sich Riesenschildkröten von biblischem Alter in den Rabatten aalen.

Natürlich gibt es wie immer in Etablissements wie diesen Probleme bei der Wahl der angemessenen Futterkrippe: Im von hellem Holz und weißen Wänden dominierten »Le Bazar« wird recht informell Asiatisch-Internationales gereicht, am Strand lockt der »Republik Beach Club & Grill« mit vorzüglich gegrillten Fleischspeisen (und diversen Rumvarianten), beim Japaner »Kushi”« arbeiten sich die Fachkräfte an obszön leckerem Sushi ab, und für ein Mahl beim Edel-Inder »Safran« unter einer Art Luxuszelt-Überdachung reisen auch Gäste an, die gar nicht im »Le Touessrok« wohnen.

Freiluft-Kinoabende im Shangri-La auf Mauritius

Shangri-La

Es ist zum Verzweifeln. Wer soll das alles essen? Ich gebe mein Bestes, muss danach allerdings meine Anwendungen im »Chi«, dem Spa des Resorts, wieder canceln. Wäre bei vollem Magen viel zu unkommod, das verstehen Sie sicher. Dabei hörte ich von außergewöhnlichen Angeboten, die im »Chi« mithilfe von ayurvedischen Wellness-Doktoren entwickelt worden seien: spezielle Yoga-Kurse, kuriose Anwendungen zu Trommelrhythmen, Massagen mit hartem Zuckerrohr – hätte ich alles gerne gemacht, allein das kulinarische Überangebot im »Shangri-La« verhinderte das.

Immerhin konnte ich mich noch zu einer Runde »Stand-up Paddling« durchringen. Auch das ein Angebot, das am hauseigenen Strand unter der Anleitung diverser Fachkräfte in Anspruch genommen werden darf: neben Kayaking, Wakeboarding, Segeln, Schnorcheln und Windsurfing natürlich, selbst Hochseefischen und Tauchen sind auf lockeren Zuruf machbar, die »Shangri-La«-Dienstleister aus der Abteilung »Recreation« geben ihr Bestes.

Resort verlassen? Fehlanzeige

Meine Verzweiflung wächst von Tag zu Tag. Dieses Hotel mit seinen freundlichen Hilfskräften und den unverschämt verlockenden Rundum-Angeboten lässt mich einfach nicht aus seinen Fängen. Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach: Am letzten Tag auf Mauritius werde ich mit einem kleinen Bötchen vom Steg neben dem Hotel auf die resorteigene kleine Insel »Ilot Mangenie« überführt (Transfer alle 20 Minuten), wo bereits Liegen unter Palmen an einem Traumstrand auf mich warten, flaniert von dienstbaren Geistern, die ununterbrochen wissen wollen, ob es mir an Handtüchern, Erfrischungen oder Sonnencreme mangelt.

Auch dieser infame Versuch, mich nicht aus den Fängen des »Shangri-La«-Universums entkommen zu lassen, gelingt. Ich fühle mich wie ein Gefangener im Paradies, als ich gegen 12 Uhr mittags den in einer Strandküche zubereiteten Lunch verspeise und dazu prickeliger Schaumwein gereicht wird.

Heute Abend geht es schon zurück! Wie soll ich meiner Redaktion erklären, dass ich es innerhalb von drei Tagen nicht einmal geschafft habe, dieses verdammte Resort zu verlassen? Vielleicht zeige ich den Bürohockern einfach ein paar Fotos aus dem »Le Touessrok«. Und biete ihnen an, noch mal hinzufahren, um Versäumtes nachzuholen. Was tut man nicht alles im Dienste der Wahrheitsfindung.

Preise. Suite Deluxe Ocean View (einfachste Kategorie, 65 m²) ab 443 € pro Person

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