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266 Dreitausender, Wasserfälle, Bergseen und kaum Trubel: Osttirol ist die Art von Alpenziel, die viele suchen und doch fast immer übersehen. Wir stellen die Region genauer vor.

Kein Après-Ski-Getöse, keine Instagram-Spots mit Warteschlangen, keine Gondelbahn, die stündlich Menschenmassen auf den nächsten Aussichtspunkt kippt. Osttirol überzeugt leise. Hier gibt es Almwiesen, Zirbenwälder und Orte, an denen der einzige Lärm vom Wasser kommt, das über Steine fließt. Die Region südlich des Alpenhauptkamms ist das, was Reisende meinen, wenn sie sagen, sie suchen »das ursprüngliche Österreich«.  Und dann doch wieder in Hallstatt landen. Zeit, das zu ändern!

Zwei Wanderer in den Bergen: Sie stehen auf einem Fels und rufen mit an den Mund geführten Händen etwas in die Landschaft, um ein Echo zu erzeugen. Unter ihnen liegt der Geigensee, im Hintergrund ist ein beeindruckendes Bergpanorama.

Foto: Anna Lena Duschl/TVB Osttirol

Klettern in den Lienzer Dolomiten

Die Lienzer Dolomiten sind nicht das bekannteste Klettergebiet der Alpen, was sie aber für alle, die sie kennen, nur umso wertvoller macht. Der Steig »Verborgene Welt« führt durch markante Felsformationen, vorbei an Großer Sandspitze, Spitzkofel und Hochstadel. Hier gibt es grandiose Ausblicke, die sich immer dann auftun, wenn gerade kein Griff die volle Aufmerksamkeit verlangt. Mit jedem Meter rückt der Alltag weiter in den Hintergrund, bis schließlich nur noch Atem, Griff und der nächste Tritt zählen.

Klettern ist die einzige Aktivität, bei der das Gehirn keine Wahl hat, als endlich mal die Klappe zu halten. Und zwar weil der Fels das eben so entscheidet. Wer oben angekommen ist, schaut auf die Berge und fragt sich kurz, warum das eigentlich nicht öfter passiert.

Zwei Frauen auf einem Klettersteig in Osttirol im Sommer. Die Frau im Vordergrund hakt sich gerade in die Sicherung ein, die andere ist schon in der Wand. Die Berge umringen beide, zu sehen sind viele grüne Bäume.

Foto: Anna Lena Duschl/TVB Osttirol

Unterwegs auf dem Schlaitner Panorama- und Erlebnisweg

Oberhalb des Iseltals folgt der Schlaitner Panorama- und Erlebnisweg sanft den Hängen, vorbei an Wiesen und Wäldern, mit immer wieder weit aufgehenden Blicken über das Tal. Der Weg ist zwar nicht spektakulär, aber er ist angenehm. Und das ist hier ganz klar das bessere Lob.

Nach einer Weile gleichmäßigen Gehens ist der Daberer Wasserfall schon von weitem zu hören. Das Tosen übertönt jeden Gedanken, der gerade noch wichtig schien. Den Termin, eine vergessene E-Mail oder das Gespräch von gestern. Temporäre Amnesie, gratis und unbeabsichtigt. Wer das als Entspannungsmethode bisher unterschätzt hat, wird hier eines Besseren belehrt.

Wohin im Defereggental, wenn alle anderen zum Gletscher fahren?

Im Defereggental führt eine Mountainbikestrecke vom Talboden langsam durch Almwiesen und Zirbenwälder bergauf. Das Tempo ist bewusst, also kein Rennkurs. Sondern eine Route, die nebenbei daran erinnert, dass Radfahren ursprünglich mal eine entspannte Angelegenheit war. Die letzten Meter werden zu Fuß zurückgelegt, das Rad bleibt unten. Bike & Hike, quasi.

Nach einem kurzen Anstieg öffnet sich der Blick auf den Geigensee. Ein kleiner Hochgebirgssee mit dunklem Wasserspiegel, rundherum Zirben. Das ist ein Bild, das jeder nun wahrscheinlich sogar riechen kann, oder? Hier gibt es kein Schild, das in drei Sprachen erklärt, dass hier Erholung stattfindet, keinen Kiosk und kein QR-Code zum Audioguide über die Aussicht. Nur Wasser und Wind. Und das Gefühl, dass die Welt da unten gerade sehr weit weg ist.

Zwei Männer beim Wandern im Defereggental: Im Vordergrund ist ein Bach mit vielen Steinen, über den die beiden Männer gerade gehen. Im Hintergrund ist das Tal und die Berge zu sehen.

Foto: Anna Lena Duschl/TVB Osttirol

Osttirol: Wanderrouten für Familien

Im Kristeinertal bei Anras verläuft ein schattiger Weg durch dichte Wälder und über kleine Holzbrücken zum Celar-Wasserfall. Stets begleitet vom gleichmäßigen Plätschern der Gebirgsbäche. Die Route ist so konzipiert, dass sie keine Heldentaten verlangt. Weder von Erwachsenen, noch von Kindern, die eigentlich lieber zuhause geblieben wären.

Das Gleichmäßige des Weges, das Plätschern und die kühle Luft unter den Bäumen macht, dass nach zwanzig Minuten niemand mehr auf die Uhr schaut. Auch nach vierzig fragt auch das Kind nicht mehr, wann »wir endlich da sind«. Kein Zeitplan, keine Zielvorgabe, einfach laufen, hören, ankommen.

Wo in den Hohen Tauern hat man das Gefühl, die Zeit läuft anders?

Das Froßnitztal bei Matrei liegt im Nationalpark Hohe Tauern und öffnet sich wie eine Bühne, mit der kaum jemand so gerechnet hat. Weite Almflächen, traditionelle Hütten, Kuhglocken in mittlerer Entfernung. Dazu ein Bach, der das eigene Schweigen kommentiert. Mehr braucht es doch nicht, oder?

On top gibt es zu allem noch eine Weite, die fast schon surreal wirkt. Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbands, nennt Stille »das größte Luxusgut unserer Zeit«. Das klingt zunächst nach Hochglanzprospekt, fühlt sich im Froßnitztal aber ziemlich verdächtig nach der Wahrheit an. Uhren werden hier zwar nicht überflüssig, aber sie verlieren vorübergehend ihre Dringlichkeit.

Eine Person geht über eine Hängebrücke auf dem Klettersteig in Osttirol. Das Foto ist von unten aufgenommen, man sieht Felswände und einen Wasserfall. Durch die grünen Bäume scheint die Sonne.

Foto: Daniel Kuber/TVB Osttirol

Warum lohnt sich Urlaub in Osttirol ganz generell?

Osttirol ist kein Geheimtipp, der sich selbst als solcher vermarktet. Es ist einfach ein Ort, der nicht erklärt, warum er schön ist, er lässt es einen herausfinden. Kein Rummel, keine Warteschlangen vor dem nächsten Naturwunder, keine Eintrittsgebühr für den Sonnenuntergang.

Wer einmal im Froßnitztal gestanden, am Geigensee gesessen oder sich in den Lienzer Dolomiten festgehalten hat, versteht, warum manche Reisenden wiederkommen, bevor sie überhaupt richtig abgereist sind.

Mehr Orte, Touren und Inspiration gibt es auf der Website www.osttirol.com.

Häufige Fragen zu Osttirol

Wann ist die beste Reisezeit für einen Wanderurlaub in Osttirol?

Die Hauptsaison für Wanderungen liegt zwischen Juni und September, wobei Juli und August die verlässlichsten Bedingungen für hochalpine Touren bringen. Wer die Almwiesen in voller Blüte sehen möchte, kommt am besten im Juni, dann ist der Andrang noch überschaubar und die Landschaft frisch. Der September hat seinen eigenen Reiz: Die Temperaturen sind angenehmer, die Tage noch lang genug und die meisten Sommergäste sind bereits abgereist. Wer winterliche Ruhe sucht, findet auch zwischen Dezember und März ein komplett anderes, aber ebenso stilles Osttirol.

Braucht es für Wanderungen in Osttirol eine besondere Ausrüstung?

Für leichte Talwanderungen wie das Kristeinertal oder den Schlaitner Weg reichen feste Wanderschuhe und wetterfeste Kleidung. Aber: Berge machen ihr eigenes Wetter, oft schneller als die App auf dem Handy mitkommt. Für hochalpine Touren und Klettersteige wie die »Verborgene Welt« in den Lienzer Dolomiten braucht es zusätzlich Klettersteigset, Helm und im Idealfall etwas Erfahrung im Umgang mit Fels. Eine gute Faustregel: je höher das Ziel, desto früher der Start. Gewitterfronten bauen sich im Hochgebirge typischerweise am frühen Nachmittag auf.

Wie kommt man nach Osttirol und braucht es dort ein Auto?

Osttirol ist eine der wenigen österreichischen Regionen, die weder über eine direkte Bahnverbindung noch über eine Autobahn an das nationale Netz angeschlossen ist. Was erklärt, warum es so ruhig geblieben ist. Lienz, die Hauptstadt der Region ist mit dem Auto über den Felbertauernpass aus dem Norden oder über Südtirol aus dem Süden zu erreichen. Mit der Bahn geht es über Innsbruck mit Umstieg nach Lienz, was je nach Startpunkt gut vier bis fünf Stunden dauert. Vor Ort ist ein Auto praktisch, aber nicht zwingend: Viele Talwanderungen starten direkt ab Lienz oder sind per Regionalbus erreichbar.