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Kärnten gilt als Hotspot für Radler. Wer einmal durch das Rosental bis an den Klopeiner See gerollt ist, weiß warum. Während der Premiere des Radevents Velovista war Redakteur Frank Störbrauck mittendrin.

Als ich an diesem Morgen an der Draubrücke in Villach stehe, hängt der Himmel wie ein graues Tuch über der Stadt. Rund 18 Grad, feuchte Luft, es riecht nach Fluss und nassem Asphalt. Am Ufer der Drau haben sich mehrere Hundert Radfahrerinnen und Radfahrer versammelt, ein Meer aus Helmen, Fleecejacken und aufgeregten Blicken – die 500 Teilnehmerplätze für Velovista 2025 in Kärnten, die Premiere dieses neuen Rad-Genuss-Events, waren restlos vergeben. Ich stehe ziemlich weit hinten, im letzten Drittel des Feldes. Von hier bis zur Start-Bühne sind es nur etwa hundert Meter; aber dennoch zu weit, um die Reden der Honoratioren wirklich zu verstehen. Ab und zu weht ein Wort herüber: »Kärnten«, »Schönheit«, »Velovista«. Applaus brandet auf, verebbt wieder.

Ungeduld liegt in der Luft. Viele klicken schon nervös in ihre Pedale, rollen ein paar Meter vor und zurück. Ich auch. Andere nutzen die Gelegenheit, um noch ein paar Schnappschüsse zu machen. Eigentlich drehe ich daheim immer mit einem normalen City-Bike meine Runden, aber für die heutige Tour habe ich mich für ein E-Bike entschieden. 80 Kilometer geht es bis zum Klopeiner See. Klingt nicht nur viel, ist auch viel, habe ich mir gedacht. Die Sorge, mit einem normalen Fahrrad auf halber Strecke mangels Kondition schlapp zu machen, saß mir im Nacken wie ein schlecht gepackter Rucksack.

Velovista: Einmal entlang der Seen in Kärnten

Schließlich ist das hier nicht irgendeine Sonntagsrunde, sondern die Premiere von Velovista 2025, ein neues Rad-Genuss-Events, mit dem Kärnten sich als Seen- und Radland in Szene setzen will. Fünf Tage lang geht es über mehrere Etappen entlang des östlichen Teils der Kärntner Seen-Schleife: von Villach zum Klopeiner See, weiter nach Klagenfurt, an den Wörthersee, zurück über den Ossiacher See – größtenteils auf dem Drauradweg, Seenradwegen und eigens gesperrten Straßen, begleitet von Kulinarik, Musik und regionaler Kultur. Schirmherr des Events ist Skilegende Franz Klammer, der die ersten beiden Etappen sogar selbst mitradelt. Nüchtern betrachtet ist es ein touristisches Großprojekt, emotional betrachtet eine Liebeserklärung an ein Bundesland, das mit seinen Seen und Radwegen wie geschaffen ist für so ein Event.

Velovista-Teilnehmer fahren entlang der Drau in Villach, Kärnten

Foto: PSB Media/Kärnten Werbung/Velovista

Dann ist es endlich so weit: Das Startsignal ertönt, ein Ruck und plötzlich setzt sich die Masse in Bewegung. Ein leises Surren aus hunderten E-Motoren mischt sich mit dem Klacken der Schaltungen. Wir rollen los, erst langsam, dann immer flüssiger, hinaus aus Villach, vorbei an Schrebergärten und alten Industriebauten, hinein in grüne Korridore aus Radwegen. Bald liegt die Stadt weit hinter uns, und vor uns öffnet sich das Rosental: sanfte Hügel, breite Wiesen, auf denen Kühe wie hingetupft wirken, und immer wieder die Drau, die träge neben uns fließt.

Das Teilnehmerfeld ist erstaunlich homogen: graue Haare unter bunten Helmen, kaum jemand unter 30. Die meisten sind über 50 Jahre alt, ein Mix aus Österreichern und Deutschen. Wir passieren kleine Orte mit Zwiebelturmkirchen, gepflegte Dörfer, in denen Menschen an Gartenzäunen stehen und winken, während wir vorbeiziehen wie ein Volksfest auf zwei Rädern.

Landschaft, Bewegung und gemeinsames Unterwegssein

Als wir uns in Richtung Jauntal vorarbeiten, denke ich an das, was Event-Koordinator Peter »Paco« Wrolich sagte: »Wir haben in Kärnten viele Radevents, aber für die Genussradler gab es bisher nichts. Die waren immer individuell unterwegs – und genau diese Lücke schließt Velovista.« Wenn man sich umschaut, versteht man sofort, was er meint. Hier geht es nicht um Wattzahlen oder Bestzeiten, sondern um Landschaft, Bewegung und gemeinsames Unterwegssein.

Nach wenigen Kilometern höre ich neben mir ein nervöses Klacken. Eine Mitfahrerin verzieht das Gesicht. »Irgendwas stimmt nicht mit der Pedale.« Wie auf Bestellung taucht ein Scout auf, einer jener rund 20 Helfer, die das Event begleiten, mit Werkzeug und Ersatzteilen am Rad. Er schaut, schraubt, schüttelt den Kopf. Das Geräusch bleibt. Die Frau lacht. »Dann klack ich halt bis zum See.« Und fährt weiter.

Radfahrer fahren beim Velovista-Event 2025 in Kärnten entlang eines Sees

Foto: PSB Media/Kärnten Werbung/Velovista

Nicht alles spielt sich auf Radwegen ab. Immer wieder führt die Route auf Straßen, die eigens für Velovista gesperrt wurden: durch Obstgärten, entlang von Maisfeldern, vorbei an verstreuten Höfen. Autos warten geduldig, während wir wie ein bunter Lindwurm durch die Landschaft ziehen. Nach rund 20 Kilometern gibt es die dann erste Pause. Bananen, Wasser, ein paar Dehnübungen.

Mittags erreichen wir Ferlach, eingebettet zwischen Hügeln und den Ausläufern der Karawanken. Beim Gasthof Plasch ist für 90 Minuten Rast angesagt. Die meisten Teilnehmer sitzen draußen auf der Terrasse, Wolken über ihnen, gute Laune an den Tischen. Teller klappern, Gläser klingen. Neben mir sitzt eine Teilnehmerin aus Niederösterreich, im Trikot, die Sonnenbrille auf die Stirn geschoben. Sie wischt sich den Schweiß von der Stirn und sagt lachend: »Ich bin eigentlich keine E-Bike-Fahrerin, aber bei so einer Strecke ist es einfach herrlich, wenn man die Landschaft genießen kann, ohne ständig darauf achten zu müssen, ob man wohl noch genug Puste hat.« Viele nicken. Genau darum sind sie hier.

Highlight während der Tour: St. Kanzian und der Klopeiner See

Am Nachmittag geht es weiter Richtung Süden. Die Landschaft wird weiter, offener, die Hügel flacher. Wegweiser kündigen St. Kanzian und den Klopeiner See an – kleine Versprechen am Straßenrand.

Als wir am späten Nachmittag ankommen, reißt der Himmel auf. Plötzlich blau, plötzlich 25 Grad. Im und vor dem Veranstaltungszentrum K3 in St. Kanzian spielt eine Musikkapelle, Aperol sprudelt in Gläsern, Sektkorken knallen, Bier wird gezapft.

Musikkapelle und Teilnehmer während Velovista 2025 in St. Kanzian, Kärnten

Foto: PSB Media/Kärnten Werbung/Velovista

Höhepunkt des Abends ist die multimediale Wassershow »Klopeiner See in Bewegung« die den See in buntes Licht taucht. Drinnen im K3 bieten Locals Essig, Honig, Wurst und andere regionale Spezialitäten an. Wer noch auf der Suche nach einem Mitbringsel für die Daheimgeblieben ist, wird hier fündig. Draußen auf der Terrasse ist die Stimmung ausgelassen. Man lässt den Tag Revue passieren, erzählt sich vom Gegenwind im Rosental, von klackernden Pedalen und den besten Plätzen beim Mittagessen in Ferlach.

Später checke ich im Hotel Birkenhof ein. Eine ziemlich rustikale Herberge, ein bisschen wie aus der Zeit gefallen – aber genau deshalb so charmant. Ich habe Glück: In der Bike-Garage ist gerade noch eine Lücke zu finden. Das Bike abstellen, den Akku aufladen und ab aufs überraschend große Zimmer. Das Schönste wartet aber draußen: die Hotel-Sauna direkt am See. Als ich auf dem warmen Holz sitze und auf Wasser schaue, denke ich noch einmal an Paco Wrolich und seinen Blick nach vorn: »Wir werden an dem Konzept festhalten, aber an ein paar Schrauben drehen. Viele wollen hier einfach Rad fahren, chillen und am See sitzen – und genau darauf werden wir noch stärker Rücksicht nehmen.«

Vielleicht ist genau das das Geheimnis von Velovista: nicht schneller, nicht weiter, sondern bewusster durch eines der schönsten Radregionen Österreichs zu fahren. Und am Ende einfach nur am See zu sitzen – bevor es am nächsten Tag in die nächste Etappe geht.

Blick auf den Klopeiner See in Kärnten

Foto: Nives Brelih/Shutterstock.com

Velovista 2026: Noch mehr Touren

Velovista in Kärnten geht in diesem Jahr in die zweite Runde: Vom 25. April bis 3. Mai 2026 lädt Kärnten erneut zum mehrtägigen Rad- und Genussfestival ein. In diesem Jahr geht es auf einer Etappe sogar durch drei Länder (Österreich, Italien, Slowenien). Velovista wird als organisiertes Reisepaket mit Übernachtung, Frühstück, Gepäcktransfer und Guiding angeboten. Preisbeispiel: 9 Tage/8 Nächte ab ca. € 719 pro Person im Doppelzimmer mit 3-Sterne- und ab ca. € 879 pro Person im Doppelzimmer im 4-Sterne Hotel. Weitere Informationen auf der Website von Velovista.