Der Dachverband der deutschen Fluggesellschaften IATA hat neue Leitlinien für Haustiere in der Flugzeugkabine veröffentlicht. Sie sollen Fluggesellschaften zu verständlicheren Informationen und einheitlicheren Abläufen anregen. Was sich dadurch tatsächlich ändert und worauf Reisende weiterhin achten müssen.

Wer mit Hund oder Katze fliegen möchte, kennt das Problem: Jede Fluggesellschaft hat eigene Regeln. Mal gelten andere Gewichtsgrenzen, mal unterscheiden sich die Maße der Transporttaschen, Buchungsfristen oder Gebühren. Die International Air Transport Association (IATA) hat nun erstmals detaillierte Leitlinien für den Transport von Haustieren in der Flugzeugkabine veröffentlicht.

Warum die IATA gerade jetzt aktiv wird, zeigt eine eigene Passagierbefragung aus dem Jahr 2025. Rund ein Viertel der Befragten gab an, bereits mit einem Haustier gereist zu sein oder dies zumindest in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig herrschte große Unsicherheit: 41 Prozent wussten nicht, ob ihr Tier überhaupt mitfliegen darf, 36 Prozent kannten die Regeln ihrer Fluggesellschaft nicht und 34 Prozent waren sich über den Ablauf einer Flugreise mit Haustier im Unklaren. Genau diese Informationslücken sollen die neuen Leitlinien schließen.

Für Reisende klingt das zunächst nach einer guten Nachricht. Wer jedoch auf einheitliche Regeln für alle Airlines hofft, wird enttäuscht: Die Leitlinien sind keine verbindlichen Vorschriften, sondern unverbindliche Empfehlungen. Ihr Ziel ist es auch nicht, neue Gewichtsgrenzen oder Taschenmaße festzulegen, sondern die bestehenden Regeln der Airlines verständlicher und transparenter zu machen.

Ein kleiner Hund sitzt in einer Transporttasche im Wartebereich eines Flughafens.

Foto: Masarik/Shutterstock.com

Vereinfacht gesagt: Die IATA sagt nicht: »Erlaubt Hunde und Katzen bis acht Kilogramm .« Sie sagt vielmehr: »Wenn eure Grenze acht Kilogramm beträgt, informiert frühzeitig, klar und verständlich darüber.«

Was möchte die IATA konkret?

Statt neue verbindliche Regeln vorzugeben, empfiehlt die IATA den Airlines vor allem eine deutlich bessere Kommunikation. Reisende sollen bereits bei der Flugsuche klar erkennen können:

  • welche Tiere die Airline in der Kabine akzeptiert,
  • welche Maße und Eigenschaften die Transporttasche haben muss,
  • welche Dokumente und Impfungen erforderlich sind,
  • welche Gebühren anfallen,
  • bis wann das Haustier angemeldet werden muss und
  • wie Check-in, Boarding und der Flug mit Tier genau ablaufen.

Ziel ist ein transparenterer und planbarerer Reiseprozess von der Buchung bis zur Ankunft. So sollen Passagiere die Regelungen verschiedener Airlines künftig leichter verstehen und vergleichen können.

Wer die neuen Leitlinien im Detail nachlesen möchte, findet sie auf der Website der IATA. Dort steht auch das vollständige Dokument als PDF zum Download bereit.

Was ändert sich für Reisende tatsächlich?

Kurz gesagt: vorerst wenig. Die Leitlinien verpflichten keine Airline dazu, ihre Beförderungsbedingungen anzupassen. Gewichtslimits, Gebühren und erlaubte Transporttaschen legt weiterhin jede Fluggesellschaft selbst fest. Die IATA hofft jedoch, dass sich ihre Empfehlungen langfristig als Branchenstandard etablieren und das Reisen mit Haustieren einfacher und einheitlicher wird.

Eine Katze sitzt in einer Transporttasche vor einem Passagierflugzeug auf dem Rollfeld.

Foto: MarinaTr/Shutterstock.com

Welche Airlines erlauben aktuell Haustiere in der Kabine?

Viele europäische Fluggesellschaften erlauben kleine Hunde und Katzen in der Kabine. Voraussetzung ist fast immer, dass das Tier während des gesamten Fluges in einer geschlossenen Transporttasche unter dem Vordersitz bleibt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Lufthansa
  • Eurowings
  • KLM
  • Air France
  • Condor
  • Austrian Airlines
  • SWISS
  • Iberia
  • Vueling

Eine einheitliche Obergrenze gibt es nicht. Die meisten europäischen Airlines orientieren sich jedoch an acht Kilogramm – und zwar einschließlich der Transporttasche.

Anders sieht es bei einigen Billigfluggesellschaften aus. Ryanair, easyJet und Wizz Air befördern grundsätzlich keine Haustiere in der Flugzeugkabine. Ausnahmen gelten lediglich für anerkannte Assistenzhunde auf bestimmten Strecken. Die Airlines begründen dies unter anderem mit ihrem standardisierten Bordkonzept. Da sie überwiegend Kurzstrecken mit kurzen Bodenzeiten bedienen und möglichst einfache Abläufe an Bord anstreben, verzichten sie auf den Transport von Haustieren. Zudem sollen so zusätzliche Kontrollen beim Check-in und mögliche Konflikte mit anderen Passagieren vermieden werden.

Welche Dokumente sind innerhalb der EU nötig?

Wer mit Hund, Katze oder Frettchen innerhalb der Europäischen Union reist, benötigt grundsätzlich:

  • einen EU-Heimtierausweis,
  • einen Mikrochip zur eindeutigen Kennzeichnung,
  • eine gültige Tollwutimpfung.
Eine Frau plant gemeinsam mit ihrem Hund eine Reise auf einer Weltkarte. Daneben liegen ein Koffer und ein Modellflugzeug.

Foto: Viktorya Telminova / Shutterstock.com

Der Heimtierausweis wird von einem Tierarzt ausgestellt und gilt lebenslang, solange die Impfungen aktuell bleiben. Für Reisen aus Nicht-EU-Staaten können zusätzliche Gesundheitszeugnisse oder Einreisebestimmungen gelten.

Frühzeitig buchen lohnt sich

Unabhängig von den neuen Leitlinien gilt: Wer mit Hund oder Katze fliegen möchte, sollte das Tier möglichst früh anmelden. Viele Airlines erlauben nur eine begrenzte Zahl von Haustieren pro Flug. Ist das Kontingent ausgeschöpft, kann die Mitnahme trotz gültiger Buchung ausgeschlossen sein.

Vor der Reise lohnt sich deshalb immer ein Blick auf die aktuellen Bestimmungen der jeweiligen Fluggesellschaft.

Häufige Fragen

Darf ich mein Tier vor dem Flug beruhigen?

Davon raten die IATA sowie Tierärzte grundsätzlich ab, da Beruhigungsmittel Atmung, Kreislauf und Gleichgewichtssinn beeinträchtigen und das Risiko während des Fluges erhöhen können. Medikamente sollten daher nur nach ausdrücklicher tierärztlicher Empfehlung verabreicht werden.

Wie gewöhne ich mein Tier an die Transporttasche?

Das Training sollte mehrere Wochen vor der Reise beginnen: Die Tasche offen zu Hause stehen lassen, mit vertrauter Decke und Leckerlis ausstatten und das Tier schrittweise an längere Aufenthalte darin gewöhnen. Erst wenn es sich darin wohlfühlt, sollten kurze Ausflüge folgen.

Was kostet die Mitnahme eines Haustiers in der Flugzeugkabine?

Innerhalb Europas verlangen viele Airlines zwischen 40 und 80 Euro pro Flug, auf Langstrecken können 100 Euro oder mehr fällig werden. Da Gewicht, Taschengröße und Reiseziel ebenfalls eine Rolle spielen, lohnt sich vor der Buchung ein Blick auf die aktuellen Tarife der jeweiligen Airline.

Darf ich mein Tier während des Fluges aus der Transporttasche nehmen?

In der Regel nein. Die meisten Fluggesellschaften schreiben vor, dass Tiere während des gesamten Fluges in der geschlossenen Tasche unter dem Vordersitz bleiben. Wer dagegen verstößt, muss damit rechnen, dass die Besatzung das Tier zurück in die Tasche schickt.