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Ein Zwei-Sterne-Menü zum Nulltarif, jeden Werktag im Juni, für alle unter 30: Der Salzburger Spitzenkoch Andreas Senn reserviert in seinem Restaurant SENNS täglich einen Tisch für junge Gäste. »SENNS First Taste« heißt die Aktion, und sie zielt auf eine Generation, die Spitzenküche bisher kaum von innen kennt.

Im Salzburger Gusswerk wurden bis 2003 Glocken gegossen, die größten Europas, über 400 Jahre lang. Heute hängt eine davon frei im Gastraum, und die alte Halle aus Ziegel und Stahl beherbergt eine offene Küche. Dort steht Andreas Senn und kocht auf Zwei-Sterne-Niveau. Genau hierhin lädt er im Juni eine Generation, die solche Räume sonst eher von außen kennt.

Gastraum des Senns Restaurant im Gusswerk mit runden Tischen, ringförmigen Designerleuchten und Bergpanorama-Wand

Foto: Lukas Jahn

Ein Tisch pro Werktag, für Gäste unter 30

Senn stellt im Juni eine Frage, über die die österreichische Spitzengastronomie gerade diskutiert: Wie blickt eine neue Generation auf Fine Dining? Statt zu spekulieren, lädt er sie an seinen Tisch. An jedem Öffnungstag unter der Woche bleibt ein Platz für Gäste unter 30 frei. Das Menü kostet sie nichts, eine Begleitung dürfen sie mitbringen.

Die Bewerbung läuft über Instagram. Ein Kommentar unter dem passenden Posting auf dem Kanal des Restaurants (@senns.restaurant) genügt. Für jeden Werktag zieht das Team aus allen Kommentaren eine Gewinnerin oder einen Gewinner.

Gourmet-Gericht „First Taste" auf strukturiertem Teller, serviert im Rahmen des Salzburger-Festspiele-Menüs

Foto: Dietmar Körbler

Was auf den Teller kommt

Das Menü heißt »Die 5 Geschmackssinne« und öffnet mit einem Steamed Bun, gefüllt mit Mangalitza-Schwein und Hoisin. Es folgen Kalmar mit Palmherz und Amalfi-Zitrone, dann Jakobsmuschel mit Spargel und grüner Erdbeere. Senns Signature sitzt mittendrin: schwarzer Seehecht mit Hefe, Erbse und grünem Apfel. Danach Rehrücken mit Entenleber und fermentiertem Pfeffer, Kagoshima-Beef gegen Aufpreis, Balfegó-Toro vom Thunfischbauch mit Myoga und Gartenkresse. Zum Abschluss Rhabarber mit Dill und Mandel, passend zum Juni. Die Karte wechselt monatlich, asiatische Akzente wie Yuzu Kosho und Hoisin ziehen sich durch.

Andreas Senn und Christian Geisler beim gemeinsamen Anrichten eines Gerichts an einer Marmortheke

Foto: Laboora

»Dass Fine Dining tot ist, sehe ich nicht«

Hinter der Geste steckt eine bewusste Debatte. »Dass Fine Dining tot ist, wie manche behaupten, sehe ich überhaupt nicht«, sagt Senn. »Aber wir müssen uns als Gastronomie immer wieder neu erfinden.« Nach dem Aktionsmonat folgt eine Befragung der jungen Gäste. Senn will wissen, wie Spitzenküche aus ihrer Sicht heute funktionieren muss.

Elf Jahre, zwei Sterne

Das Haus, in das die Aktion einlädt, gehört zu den höchstdekorierten Österreichs. Bei der jüngsten Verleihung erhielt das Team um Senn und Küchenchef Christian Geisler zum elften Mal in Folge zwei Michelin-Sterne. Dazu kommen 18,5 Punkte im Gault&Millau und fünf Kochlöffel im Schlemmer Atlas. Hier einmal zu speisen, ist schon allein ein Grund nach Salzburg zu reisen.

Feines Gericht auf weißem Teller mit klarer Sauce, angerichtet im Senns Restaurant

Foto: Phil Lihotzky

Der günstige Weg an dieselbe Küche

Wer den Gratistisch nicht ergattert, kommt trotzdem vergleichsweise günstig an die Küche. 2025 eröffnete Senn die SENNS.Bar: 20 Plätze im Industrial-Design, Original-Gerichte aus dem Restaurant à la carte. Die Steamed Buns mit Mangalitza-Schweinebauch, Hoisin und Kimchi kosten neun Euro, die Ochsenmarkknödel mit Hefe, Karfiol und weißem Alba-Trüffel 28. So preiswert isst man derzeit in keinem anderen Zwei-Sterne-Haus des Landes.

Hier kommt geht es zur Webseite des Restaurants: www.senns.restaurant/de/

Industrieller Gastraum des Senns Restaurant im Gusswerk mit großer Glocke, Backsteinwänden und Loungebereich

Foto: Lukas Jahn