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Um von einem Land ins andere zu gelangen, braucht es nicht immer ein Flugzeug. Oft reicht eine Brücke, eine kurze Fährfahrt oder ein paar Stationen mit dem Zug. Manchmal sind es sogar nur wenige Schritte. Und doch verändert sich in diesem Moment vieles, zum Beispiel die Sprache, die Küche oder sogar die Stimmung eines Ortes. Was eben noch vertraut war, wirkt plötzlich neu. Genau diese kleinen Übergänge sind es, die Reisen besonders machen. Rund um den Globus gibt es Orte, an denen ein kleiner Grenzübertritt zum großen Reisegefühl wird. Das sind die acht spektakulärsten Grenzerlebnisse.

Victoriafälle: Die nasseste Grenze der Welt

Eine einzige Brücke überspannt die Schlucht, in die der Sambesi seit Jahrtausenden fällt, und sie ist gleichzeitig der einzige Weg von einer Seite der beiden Länder zur anderen. Wer von Simbabwe nach Sambia will, läuft einfach drüber: Stempel rein, zwanzig Minuten zu Fuß, Stempel raus. Wer beide Seiten sehen will, braucht entweder ein Doppeleinreisevisum oder das Kaza Univisa, das dreißig Tage lang beliebige Grenzübertritte zwischen beiden Ländern erlaubt. Auf simbabwischer Seite öffnet sich das große Panorama: die Fallwand, der Nebel und das Dröhnen. Auf sambischer Seite steht man so nah am Wasser, dass die Gischt die Kleidung durchtränkt, bevor man an Zurücktreten auch nur denkt. Ein Wasserfall als Grenzerlebnis.

Victoria-Wasserfälle in Sambia

Foto: e2dan/Shutterstock.com

Basel: Die kürzeste Europareise der Welt

In Basel liegen Frankreich, Deutschland und die Schweiz so dicht beieinander, dass Besucher nach Wunsch jede Mahlzeit des Tages in einem anderen Land einnehmen könnten.

Junge Menschen sitzen am Rhein in Basel

Foto: Claudio Schwarz

Wer einen freien Tag gut nutzt, frühstückt elsässisch auf einer Caféterrasse in Huningue (Frankreich), wechselt zum Mittagessen über den Rhein nach Weil am Rhein (Deutschland), wo auch das berühmte Vitra-Museum liegt und lässt den Abend in der Basler Altstadt mit einem Käsefondue ausklingen. Und dazu ist noch nicht einmal ein Taxi nötig. Nur ein guter Plan und die Bereitschaft, sich dreimal auf eine andere Sprache einzustellen. Wer abends nicht weiß, in welchem Land er eingeschlafen ist, hat den Tag richtig verbracht.

Istanbul: Ein Kontinentwechsel in 15 Minuten

Der wohl schnellste Kontinentwechsel der Welt: Europa im Rücken, Asien vor sich, und dazwischen nur der Bosporus. In Istanbul gehört dieser Wechsel zum Alltag.

Frau auf Schiff am Bosporus

Foto: Mert Kahveci

Die eleganteste Art hinüberzukommen ist die städtische Fähre. Diese legt zum Beispiel von Eminönü aus ab, hier verweilst du eine Viertelstunde lang zwischen den Kontinenten. Bestenfalls mit einem Glas starken Schwarztee in der Hand, das europäische Ufer im Rücken, das asiatische vor sich. Kadıköy auf der anderen Seite (Asien) gehört den Istanbulern. Die Gassen sind enger, die Abende länger, das Publikum nicht ganz so touristsich. Wer die Kontinente nicht gemächlich mit der Fähre wechseln möchte, nimmt die Marmaray-Linie. Sie fährt in ein paar Minuten unter dem Bosporus hindurch. Schneller, aber deutlich weniger filmreif.

Dreiländereck im Norden: Drei Länder, ein Schritt

Wo kann man in weniger als einer Minute Finnland, Norwegen und Schweden besuchen? Mitten in einem See im nordwestlichsten Zipfel Finnlands steckt ein gelb angestrichener Betonklotz im Wasser. Zugegeben: kein spektakulärer Anblick. Aber wer auf dem Holzsteg drum herumläuft, betritt in einer Minute drei Länder gleichzeitig, und steht dabei am nördlichsten Dreiländereck der Welt.

Grenzerlebnisse weltweit: Finnland, Norwegen und Schweden treffen sich mitten im Nirgendwo

Foto: Millionstock/Shutterstock.com

Einfach ist der Weg nicht. Wer bereit ist, etwa 50 Euro zu zahlen, kann ein gutes Stück mit dem Boot M/S Malla über den See fahren. Doch die letzten drei Kilometer muss man dann laufen. Wer lieber gleich zu Fuß geht, wandert vom finnischen Ort Kilpisjärvi aus elf Kilometer durch das streng geschützte Malla-Naturschutzgebiet, in dem weder gezeltet noch Pilze und Beeren gepflückt werden dürfen. Beides passt zu einem Ort, der so tut, als wolle er nicht gefunden werden, und genau deswegen unvergesslich ist, wenn man ihn findet.

Thailand und Laos: Zwei Länder, zwei Rhythmen

Die Friendship Bridge überspannt den Mekong auf 1,2 Kilometern und verbindet zwei Länder, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Auf thailändischer Seite: Nong Khai, eine Stadt, die geschäftig, laut, und mit Tuk-Tuks gespickte ist, die sich durch den Berufsverkehr drängeln. Dann der Fluss, der breit, braun und träge daherfliesst. Und auf der anderen Seite: das laotische Vientiane, eine der ruhigsten Hauptstädte Asiens, wo die Straßen staubig und während der Mittagszeit wie leergefegt scheinen.

Grenzerlebnisse weltweit. Die Friendship Bridge verbindet Laos und Thailand

Foto: Gungun Photographers/Shutterstock.com

Zu Fuß dürfen Menschen die Brücke nicht überqueren. Stattdessen verkehren alle paar Minuten Shuttle-Busse, die in zehn Minuten auf der anderen Seite sind. Wer lieber mit dem Zug reist, nimmt einen der zwei täglichen Züge, die die Brücke überqueren und in Thanleng Station ankommen.

Iguazú-Wasserfälle: Ein Naturwunder, doppelt beeindruckend

Es gibt Naturschauspiele, die man gerne fotografiert. Und dann gibt es die Iguazú-Fälle, bei denen die meisten Besucher irgendwann aufhören, das Handy zu heben, weil kein Bild das Spektakel wirklich einfängt. Die Fälle liegen auf der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien und bilden das größte Wasserfallsystem der Welt. Der größte Teil liegt auf argentinischer Seite, Brasilien bekommt dafür den besseren Weitblick.

Iguazu-Wasserfälle in Brasilien

Foto: sharptoyou/ Shutterstock.com

Auf argentinischer Seite gelangen Besucher mit einem Dschungelzug zur Garganta del Diablo, wo das Wasser 82 Meter in die Tiefe stürzt. Ein 1,1 Kilometer langer erhöhter Steg führt direkt über den Fluss bis zur Aussichtsplattform am Rand. Je näher man kommt, desto lauter wird das Rauschen, bis es jedes Gespräch unmöglich macht.

Die brasilianische Seite zeigt das Ganze aus der Distanz. Ein 1,2 Kilometer langer Weg führt am Rand des Canyons entlang bis zu einer Plattform, von der aus sich das gesamte hufeisenförmige Panorama der Wasserfälle auf einmal überblicken lässt. Beide Seiten dieses Grenzerlenisses sind unverzichtbar beeindruckend!

Øresund: Die spektakulärste Pendelstrecke Europas

Wer glaubt, dass der Weg von Dänemark nach Schweden eine einfache Überquerung ist, hat den Øresund noch nicht erlebt. Denn hier verläuft die Grenze nicht einfach über eine Brücke. Sie ist ein Zusammenspiel aus Konstruktionen: acht Kilometer über dem Wasser, vier Kilometer unter dem Meer, dazwischen die künstliche Insel Peberholm, die beide Teile miteinander verbindet.

Die Verbindung zwischen Dänemark und Schweden durch die Øresund ist ein technisches Meisterwerk.

Foto: Julian Hochgesang

Im Zug von dänischen Kopenhagen aus fühlt sich das wie ein kleiner Szenenwechsel an. Erst offenes Wasser, dann plötzlich Dunkelheit, schließlich wieder Licht. Züge fahren tagsüber im Viertelstundentakt, nach 35 bis 40 Minuten ist das schwedische Malmö erreicht. Ein Grenzerlebnis, das technisch beeindruckt, und sich gleichzeitig fast mühelos anfühlt.

Von Straßburg nach Kehl: Die beiläufigste Grenze Europa

Straßburg (Frankreich) und Kehl (Deutschland) liegen sich über den Rhein hinweg seit Jahrhunderten gegenüber, lange durch Krieg und Geschichte getrennt, heute durch einen kurzen Schienenweg verbunden. Die Straßburger Linie D ist eine von weltweit nur vier Straßenbahnen, die eine internationale Grenze überqueren. Dafür wurde eigens eine 300 Meter lange Rheinbrücke gebaut, die seit April 2017 beide Städte verbindet.

Das Besondere ist die Beiläufigkeit. Einsteigen am Homme de Fer mitten in der Straßburger Innenstadt, 25 Minuten fahren, aussteigen vor dem deutschen Rathaus in Kehl.

Grenzerlebnisse weltweit: Die Linie D verbindet Straßburg mit Kehl. Zwei Länder, nur ein Tram-Ticket

Foto: Olrat/Shutterstock.com

Keine Passkontrolle, kein Umsteigen, nur dass die Straßenschilder gerade die Sprache gewechselt haben. Tagsüber fährt die Tram alle fünf bis sechs Minuten.