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Als das Washington Hilton an einem Frühlingstag im März 1965 eröffnete, war es ein Versprechen: 1.107 Zimmer, der größte säulenlose Ballsaal der Stadt, eine Fassade, die selbst aus der Luft zu erkennen war. Niemand ahnte damals, dass dieses Haus gleich zweimal in die Geschichte zweier US-Präsidenten eingreifen würde. Zuletzt am vergangenen Wochenende, als es ein versuchtes Attentat auf US-Präsident Trump gab.

Was geschah am 25. April 2026?

Am Samstagabend saßen rund 2.600 Gäste beim White House Correspondents Dinner gerade vor ihrer Burrata mit jungen Erbsen, als gegen 20:36 Uhr Schüsse durch das Foyer hallten. Ein 31-jähriger Lehrer aus Kalifornien hatte sich als Hotelgast eingebucht – dadurch den äußeren Sicherheitsring ohne Kontrolle passiert – und mit mehreren Waffen die innere Kontrolle vor dem großen Ballsaal gestürmt. Ein Secret-Service-Beamter wurde getroffen, überlebte dank Weste. Donald und Melania Trump kamen unverletzt davon, der Saal duckte sich unter die Tische, der Täter wurde festgenommen.

Schon wieder das Hilton, dachten in dieser Nacht viele in Washington. Denn dieses Haus an der Connecticut Avenue hat eine Beziehung zur amerikanischen Geschichte, die man sich nicht aussuchen würde – und die es trotzdem hat.

Wie wurde aus einem Konferenzhotel eine politische Bühne?

Eröffnet wurde das Washington Hilton am 25. März 1965, persönlich konzipiert von Conrad Hilton, geplant von William B. Tabler. Tabler entwarf jene doppelt geschwungene Fassade, die bis heute das Erkennungszeichen des Hauses ist – eine architektonische Geste der Sechziger, gebaut auf dem Gelände des ehemaligen Oak-Lawn-Anwesens. 1.107 Zimmer, dazu der damals größte säulenlose Ballsaal der Stadt mit rund 3.600 Quadratmetern: Das Hotel war von Anfang an als Bühne gedacht, nicht nur als Übernachtungsadresse.

Donald Trump beim National Prayer Breakfast im Washington Hilton, wo später im Jahr ein Attentatsversuch auf ihn stattfand.

Foto: Robert V Schwemmer/Shutterstock.com

Die Bühne wurde gut bespielt. The Doors traten 1967 im Ballsaal auf, Jimi Hendrix folgte 1968. 1972 stellte hier die erste International Conference on Computer Communications der Welt das ARPANET vor – jenes Netzwerk, aus dem später das Internet werden sollte. Jahrzehntelang fanden im Haus die Annual Dinners der White House Correspondents Association, des Black Caucus und der Radio and Television Correspondents Association statt, dazu das National Prayer Breakfast.

Warum nennen manche es bis heute »Hinckley Hilton«?

Es gibt noch dieses andere Datum, das niemand vergisst: 30. März 1981. Vor einem der Seitenausgänge schoss John Hinckley Jr. auf Präsident Ronald Reagan. Reagan hatte das Hilton nach einer Rede vor einer Gewerkschaftsveranstaltung verlassen, als Hinckley aus der Menge heraus sechs Schüsse abgab. Die fünfte Kugel prallte von der gepanzerten Präsidentenlimousine ab und drang Reagan in die linke Seite, wo sie seinen Lungenflügel durchbohrte und nur knapp das Herz verfehlte.

Zunächst hielt man den Präsidenten für unverletzt – die Einschusswunde war so klein, dass sie beinahe übersehen wurde. Erst der Secret-Service-Agent Jerry Parr bemerkte unterwegs, dass Reagan blutete, und ließ die Limousine ins George Washington University Hospital umlenken, wo Reagan aus eigener Kraft in die Notaufnahme ging. Die Operation dauerte rund zwei Stunden. Schon am nächsten Tag unterzeichnete er ein Gesetz aus dem Krankenbett, am 11. April kehrte er ins Weiße Haus zurück.

Auffahrt Washington Hilton

Foto: Benita Fyne

Reagan überlebte, der Spitzname blieb. »Hinckley Hilton« nennen manche das Haus bis heute – ein dunkler Witz unter Washingtonern, von dem man nicht weiß, ob er nach diesem Wochenende noch funktioniert.

Wie sieht das Hotel heute aus?

2007 kaufte eine Investmentfirma unter Beteiligung von Magic Johnson das Hotel. 2009 und 2010 folgte eine Renovierung für 150 Millionen Dollar, 2017 dann eine Lobby im Stil der Sechziger mit geometrischen Formen – ein Versuch, die Ursprungsästhetik zurückzuholen, ohne in Nostalgie zu kippen.

Sollten normale Reisende hier absteigen?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, wofür man zahlt. Die Lage spricht klar fürs Haus. Connecticut Avenue, im Schnittpunkt von Dupont Circle, Adams Morgan und Kalorama, etwa zwei Kilometer vom Weißen Haus entfernt– Restaurants, Bars und Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar.

Auf Tripadvisor steht das Hotel bei 3,8 von 5 Sternen, Hotels.com vergibt 8,2 von 10. Sauberkeit, Bettenkomfort und Servicefreundlichkeit kommen durchgehend gut weg. Es gibt einen saisonalen Außenpool, ein Fitnesscenter, zwei Restaurants und eine Lounge-Bar.

Portier am Wahsington Hilton

Foto: Benity Fyne

Die Schwächen sind allerdings hartnäckig. Standard-Doppelzimmer und Bäder gelten vielen Gästen als zu klein, manche Toiletten sitzen zur Platzersparnis halb unter dem Waschbecken. Ausstattungsdetails wirken in die Jahre gekommen, beschädigte Kühlschränke und sichtbarer Renovierungsbedarf werden in Bewertungen regelmäßig erwähnt.

Dazu kommen die Zusatzkosten, die in Washington ohnehin niemanden mehr überraschen, hier aber besonders ins Gewicht fallen: teures Parken, eine tägliche »Mandatory Destination Charge«, happige Preise an der Bar, ein Frühstück, das für eine vierköpfige Familie schnell hundert Dollar kostet. Wer ein Zimmer zum Innenhof erwischt, kennt außerdem die Klimaanlage als nächtlichen Mitbewohner, und während großer Konferenzen wird der Aufzug zur Geduldsprobe.

Für wen lohnt sich das Hilton trotzdem?

Das Washington Hilton ist ein klassisches Konferenz- und Business-Hotel mit erstklassiger Lage und einer Geschichte, die in jedem Korridor mitläuft. Wer auf Kongressreise ist oder das Haus seiner Geschichte wegen sehen will, ist hier richtig. Wer ein paar Urlaubstage in Washington verbringt und dafür ein zeitgemäßes, geräumiges Zimmer mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, findet in Dupont Circle und Adams Morgan kleinere Häuser, die mehr für ihr Geld liefern.

Eines bleibt aber: Wer im Washington Hilton übernachtet, schläft in einem Haus, das die Vereinigten Staaten regelmäßig im Großen und Ganzen abbildet – im Glanz und im Schrecken. Nach dem 25. April 2026 etwas mehr im Schrecken als zuvor.