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13 Geheimtipps für Japanreisende: So vermeidest du Touristenmassen, schonst die Reisekasse, umgehst Fettnäpfchen, erweiterst den kulinarischen Horizont und erlebst ein ruhiges, authentisches Japan.

Text: Peter Pfänder 

1. Japans Ramen-Hauptstadt heißt Kitakata

Nudeln für Genießer: Kitakata Ramen gilt als eine der drei wichtigsten Ramen-Versionen Japans, neben Sapporo Ramen von der Insel Hokkaido und Hakata Ramen aus Fukuoka. Wichtig und typisch für die Nudeln aus der Stadt Kitakata sind die flachen, breiten und gewellten Nudeln und eine Brühe aus dem Mark von Schweineknochen und getrockneten Babysardellen. Auf Kitakatas 46.000 Bewohner kommen sage und schreibe 91 Rame-Restaurants. Für jede Art von Ramen gilt: Man schlürft sie genüsslich, damit sich mit der inhalierten Luft der Geschmack verstärkt, weil der Duft von Brühe und Nudeln direkt über die Riechzellen strömt.

300 km nördlich von Tokio

Diese Foodtipps für Japan von unserem Redaktionskoch Davide machen deinen Urlaub in Japan zum absoluten Food-Himmel.

Kitakata Ramen in Japan

Foto: Peter Pfänder

2. Japans schönste Samurai-Burg steht in Matsumoto

Mächtige Holzsäulen, steile Treppen und von den Socken Zigtausender Besucher hochglanzpolierte, knarzende Holzdielen prägen die Burg. Ja, richtig gelesen: Vor dem Gang durch Matsumoto-jo ziehen Besucher die Schuhe aus. Eine Schlange beeindruckter Besucher trippelt tuschelnd durch die Räume der Samurai-Burg und bewundert Flinten und Samurai-Rüstungen. Die ikonische Burg mit Wassergraben, sechsgeschossigem Donjon und vier Türmen wurde 1594 fertiggestellt. Die fast komplett aus Holz errichtete Matsumoto-jo ist eine von zwölf Burgen Japans, die im Original erhalten geblieben sind.

230 km nördlich von Tokio

Matsumoto Castle in Japan

Foto: Visit Matumoto

3. How to…. Knigge für Tempel und Schreine

Vor dem Eingangstor eine Verbeugung und nach dem Betreten des heiligen Bezirks reinigt man sich: Dabei wird die linke Hand mit Wasser aus der Kelle gesäubert, dann die rechte. Mit frischem Wasser in der linken Hand spült man sich den Mund. Das Wasser nicht in das Becken zurückspucken und die Kelle nicht an die Lippen führen. Wurde die linke Hand ein weiteres Mal gereinigt, ist das Ritual, das als o-mairi bekannt ist, abgeschlossen. O-mairi wird sowohl vor buddhistischen Tempeln als auch shintoistischen Schreinen praktiziert. Bei der Andacht vor dem Heiligtum erfolgt zuerst eine zweifache kurze Verbeugung, gefolgt von zweimaligem Klatschen in die Hände. Dann verbeugt man sich tief. Zum Abschluss wird noch einmal in die Hände geklatscht und eine Verbeugung vollzogen.

Weitere Etikette-Tipps für das Verhalten in Japan findest du hier.

Detail am Schrein in Fukushima City

Foto: Peter Pfänder

4. Es gibt in Japan große Sand-Dünen

Fast 50 Meter hoch ist die langgezogene »Pferderücken«-Düne Umanose, die berühmteste von Tottori. Das Dünenmeer erstreckt sich auf 16 Kilometern Länge und zwei Kilometern Breite. Touristisch erschlossen – mit Fatbike-Touren, Sandboarding und Kamelausflügen – ist nur ein kleiner Bereich. Auf Feldern, die an die unter Naturschutz stehenden Dünen angrenzen, wird Landwirtschaft betrieben.

180 km südwestlich von Osaka

Tipps für Japan wie ein Local: Düne am Meer in Tottori

Foto: Tottori Prefectural Photo Studio

5. »Bad der Götter«: Der größte Freiluft-Onsen für Männer und Frauen

Das größte Freiluft-Thermalbecken Japans für Männer und Frauen wartet in Tamatsukuri Onsen. Dort empfängt seit 1868 der Ryokan „Chorakuen“ entspannungsbedürftige Gäste. Das über 400 Quadratmeter große Freiluftbecken ist für Männer und Frauen gleichzeitig zugänglich, was in Japan eher selten ist. Man lässt die Hüllen nicht ganz fallen, sondern trägt Einmal-Badekleidung. Tamatsukuri gilt als „Bad der Götter und der Schönheit“, ist einer der ältesten Onsen Japans und findet schon in über 1.250 Jahre alten Chroniken Erwähnung. Sein Thermalwasser ist stark alkalisch und sulfathaltig, macht die Haut sehr weich und versorgt sie mit Feuchtigkeit.

170 km nördlich von Hiroshima

Japan wie ein Local: Das Tamatsukuri Onsen

Foto: Peter Pfänder

6. »Klein-Kyoto« Kurashiki ist auch Japans Jeans-Hauptstadt

Kaiserliches Edo-Flair prägt die Gassen von Kurashikis Altstadtbezirk Bikan. Dort stehen über 230 bestens erhaltene, teils 400 Jahre alte Lagerhäuser und Kaufmannsresidenzen. Typisch sind die schwarzen Fassaden mit dicken weißen Fugen, Japaner nennen sie »Seegurken«-Wand. Alte Kura-Häuser haben oft Yakisugi-Fassaden aus angekohlten Holzbohlen. Zu den Höhenpunkten zählt die Residenz der Familie Ohara mit stilvoller Architektur und kunstvollen Gärten. Kurashiki ist auch Japans Jeans-Hauptstadt. Hier reiht sich ein Denim-Shop an den nächsten. Die Leidenschaft für den blauen Stoff geht so weit, dass es Denim-Softeis und jeansblaue Burger gibt.

200 km westlich von Osaka

Touristen in Kurashiki in Japan

Foto: Peter Pfänder

7. Deutsche benötigen für Mietwagen eine Führerschein-Übersetzung

Deutsche und Österreicher bekommen mit dem Internationalen Führerschein keinen Mietwagen in Japan ausgehändigt. Sie müssen den nationalen Führerschein und eine zertifizierte Übersetzung etwa vom ADAC vorlegen, die kostet 65 Euro.

Tipps: mit dem Mietwagen durch Japan

Foto: Peter Pfänder

8. Alle Häuser der Business-Hotelkette »Dormy Inn« haben einen Onsen

Bei der Hotelbuchung auch einen Blick auf die oft günstigeren japanischen Hotelketten werfen. Sie servieren meist sehr gutes Frühstück und bieten tolle Extras: „Dormy Inn“ hat in jedem seiner über 90 Hotels in Japan ein eigenes Onsen-Bad mit Sauna an und ist in allen öffentlichen Bereichen zweisprachig. „Dormy Inn“ ist bei japanischen Business-Leuten wegen der verlässlichen Sauberkeit und der Onsen beliebt. Weitere Services: Manga-Bibliothek, Massagesessel sowie Waschsalon mit Waschmaschinen und Wäschetrocknern, das ist ideal für Langzeitreisende.

Hier kommst du zur Website der »Dormy Hotels«.

Onsen im Dormy Inn Matsuyama

Foto: Dormy Inn

9. Tonkatsu: Japaner lieben Schnitzel

Für das sogenannte »Tonkatsu« wird Schweinefleisch paniert und frittiert. Die beliebte Kette »Katsuya« hat 400 Filialen in Japan und ist bekannt für das abwechslungsreiche und günstige Tonkatsu-Angebot. Hier geht es zur Website von »Katsuya«.

Japan wie ein Local: das Schnitzel Tonkatsu

Foto: Peter Pfänder

10. Fukuoka, Japans Streetfood-Paradies

Yatai heißen Fukuokas mobile Garküchen, sie sind einzigartig in ganz Japan. Zwischen 18 Uhr und Mitternacht hat man die Wahl unter lokalen Spezialitäten: Hakata Ramen mit Brühe aus Schweineknochen, Motsunabe-Eintopf mit Kutteln, Knoblauch und Shiitake, Yakisoba (gebratenen Nudeln), Mizutaki (in Brühe gekochtes Hühnchen mit Gemüse und Ponzu-Soße)  oder Takoyaki, Teigbällchen mit Oktopus.  Man drängt sich an drei Seiten auf Hockern um die Karren, dahinter kocht, brät oder grillt ein kleines Team in Windeseile das Bestellte.

1.140 km südlich von Tokio

Japan wie ein Local: Garküche in Fukuoka

Foto: Peter Pfänder

11. Takachiho: Japans mystischste Schlucht

Die bis zu 100 Meter hohen Felswände der Takachiho-Schlucht auf der Insel Kyushu bestehen aus vulkanischen Basaltsäulen. Der Stein bildet faszinierende Strukturen, mal verdreht, gekippt, mal gefaltet. Der 17 Meter hohe Minainotaki-Wasserfall ist zusammen mit dem Smaragdblau des Wassers, dem dichten Grün und dem Dunkelgrau der Felswände ein Hingucker. Im Schrein Takachiho-jinja unter fast 40 Meter hohen und bis zu 1.000 Jahre alten Sugi-Zedern findet jeden Abend um acht eine Kagura-Vorführung statt. Die Szenen sind tief in der japanischen Mythologie verwurzelt. Die musikalische Untermalung kommt von großen Taiko-Trommeln, Bambusflöten und einem Glockenstab.

1.325  km südlich von Tokio

Takachiho Schlucht in Japan auf Kyushu

Foto: Peter Pfänder

12. Hashima aka Gunship Island: Japans Geisterinsel

1887 begann der Großkonzern Mitsubishi mit dem Abbau der extrem hochwertigen Kohle, nicht unter Tage, sondern tief unter dem Meer. 1.000 Meter unter dem Meeresboden wurden bis zu sechs Kilometer lange Stollen durch das Gestein getrieben. Der Abbau endete 84 Jahre später, die Kohlevorräte waren erschöpft. Zu Spitzenzeiten lebten über 3.300 Männer und Frauen sowie 2.000 Kinder auf der Insel. Damit war Hashima mit 84.127 Bewohnern pro Quadratkilometer der am dichtesten besiedelte Ort der Welt. Hashima wurde 1974 fast über Nacht aufgegeben, da die Kohlevorräte zur Neige gegangen waren. Die Bewohner verließen die Insel binnen weniger Tage, das letzte Boot legte am 20. April 1974 ab.

Bis 2009 war das Betreten der »Geister-Insel« vor der Stadt Nagasaki verboten. Dann wurde das touristische Potenzial des Trends »Lost Places« erkannt und die Insel für Touristen geöffnet. Diese dürfen auf geführten Touren aus sicherer Entfernung einen Blick auf die Ruinen werfen.

1.300 km südlich von Tokio

Guide Kinoshita Minoru bei einer Tour durch die Gunship Island in Japan bei Kyushu

Foto: Peter Pfänder

13. Futaba: Streetart in Sichtweite der Fukushima-Reaktoren

Die Küstenstadt Futaba, rund 90 Kilometer von Fukushima-Stadt entfernt, beherbergt das Gedenkmuseum zum Großen Ostjapanischen Erdbeben vom 11. März 2011 und zur Nuklearkatastrophe. Und zwar in dirketer Nähe der Ruinen des Reaktors Fukushima Daiichi. Das Futaba Art District liegt vier Kilometer von den Reaktorruinen entfernt, und zeigt 13 Wandgemälde. Das erste Graffito ist 250 Meter vom Museum entfernt zu sehen: ein 40 Meter langes Mammutwerk, gewidmet dem berühmten Samurai-Festival Soma Nomaoi, das in Fukushima seit über 1.000 Jahren gefeiert wird. Insgesamt 13 Wandgemälde des Tokioter Street-Art-Kollektivs Overalls schmücken Fassaden von Ruinen und Neubauten in Futaba. Ist Reisen durch Fukushima nicht gesundheitsgefährlich? Nein. Wer 24 Stunden in Futaba verbringt, nimmt eine Strahlendosis von 1,45 bis maximal 3 Mikrosievert auf. Das ist harmlos: Ein 13-stündiger Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Tokio setzt den Körper durch kosmische Strahlung einer Dosis von 100 bis 120 Mikrosievert aus.

260 km nördlich von Tokio

Graffiti in Fukushima in Japan

Foto: Peter Pfänder