Möglicherweise gibt es ja elegantere Hotels in Thailand als das »Banyan Tree« in Phuket und geschmacksicherere Rückzugsnischen als eine »Double Pool Villa« auf dem weiträumigen Gelände des Luxus-Resorts. Sehr wahrscheinlich ist es nicht, zumal sich die Gäste des Hauses schnell mal wie Filmstars fühlen … Text: Harald Braun

Filmreifer Urlaub

Als ich neulich die Augen aufschlug, war ich plötzlich der Hauptdarsteller im neuen »James Bond«. Ich lag in einem nach Rosenblättern duftenden Bett, eingehüllt von feinsten Leinentüchern, über mir ein seidener Baldachin. Die bis auf den Boden reichenden Panoramafenster gaben den Blick frei auf einen blau schimmernden Pool, der sich elegant um meine feine Bettinsel schmiegte.

Zwei Schritte bloß und etwas mehr Willenskraft, schon hätte ich mir die morgendliche Brause sparen können. Wie bei Bond üblich, lag neben mir eine spärlich bedeckte Dame, und als dann auch noch der Butler an die Tür klopfte und fragte, ob er so frei sein dürfe, uns ein Frühstück im »Living Room« anzubieten, war ich schon Eins a mit meiner neuen Persönlichkeit verwachsen: »Nee, Meister, mach erst ma’ einen Wodka-Martini. Aber geschüttelt, nicht gerührt!«  Leider hatte die Frau neben mir auch eine Sprechrolle ergattert: »Sag mal, spinnst du? Sag Ronny, wir sind in einer halben Stunde fertig zum Frühstücken. Und hör damit auf, dich wie der Sultan von Brunei aufzuführen.«

Frauen. Können einem wirklich jeden Spaß verderben

Zumal, wenn es sich um die eigene handelt, die sich bereits seit zwei Tagen mit den blümeranten Tagträumen ihres Gatten herumschlagen muss. Sie hat ja recht. Ich sollte mir diese James-Bond-Attitüden wirklich abgewöhnen. Aber daran ist allein dieser Hotelpalast schuld. Wer sonst als ein Filmstar passte in solch eine Umgebung? Allein die Ankunft vor der offenen, weitläufigen, mit exquisiten Hölzern gearbeiteten Rezeption: Der hauseigene »Banyan Tree« auf dem Vorplatz glitzerte, als feierte er seinen Junggesellenabschied. Im Begrüßungscocktail – alkoholfrei – schwammen frische Früchte im Gegenwert eines Kois, und der akurate Empfang der aufgereihten Hotelfachkräfte hätte auch bei Daniel Craig nicht herzlicher ausfallen können.

Klar, vielleicht kann man das erwarten von einem Haus wie dem Banyan Tree in Phuket, das gewiss in ganz Thailand zu den ersten Adressen zählt. Es fühlt sich trotzdem grandios an. Zumal man nach den gängigen Begrüßungsritualen von einem jungen Mann auf einer Golfkarre vorbei an den hauseigenen Fairways mit Blick auf eine kleine Seenlandschaft zum »Zimmer« geleitet wird und dort feststellen darf, dass bereits ein goldenes Schild neben der Eingangstür prangt. Auf dem steht: Villa Braun. Ohne Witz. VILLA BRAUN.

Die Ausstattung? Pompös.

Ich logiere in der Regel nicht in Villen, selbst meine angeheiratete Betreuerin zeigt erstmals einen leichten Wirkungstreffer: »Wo haben die bloß die Kamera versteckt!« Gute Frage. Dann der Einzug in die »Double Pool Villa« … Es handelt sich um eines der wenigen, erst 2008 fertiggestellten Gebäude, die von Weitem aussehen wie Tempel einer finanziell besser gestellten Religionsgemeinschaft. Ein Eindruck, der sich auch nach einem Blick auf die ambitionierte Inneneinrichtung der Villa nicht wirklich verflüchtigt.

Allein auf dem Weg von der Eingangstüre bis zur riesigen Glasfront mit Blick auf den charmant angestrahlten und ganz privaten Infinity-Pool hätte man locker das Sportabzeichen absolvieren können. Und auch der persönliche Nassbereich übertrifft sowohl von seinen Ausmaßen als auch von der raffinierten Ausstattung her so ziemlich alles, was ein gemeiner Hotelgast von einem Wellnessparadies erwartet. Mit einem Knopfdruck lässt sich zum Beispiel die Indoor-Dusche zum Dampfbad umfunktionieren, und damit das nicht zu anstrengend wird, kann man sich dort auch gleich auf einem Sitz aus Edelfliesen niederlassen. Aber das Beste habe ich noch gar nicht erwähnt. Zur Ausstattung einer »Double Pool Villa« gehören nicht nur die ausgelobten Privatgewässer, ein Living-Room mit Beleuchtungsraffinessen, die eine mittelstädtische Disco beschämen würden, oder ein weitläufiger Outdoorbereich (insgesamt 1.300 Quadtratmeter Gesamtfläche für jede Double Pool Villa!) mit Tagesbetten und Polsterparadiesen, sondern auch tja … ein … Butler.

Ronny, ein Butler für alle Fälle

Unseren haben sie ja schon kennengelernt: Ronny. Der Mann, der James Bond weckte. Drei Tage haben wir so unsere Probleme mit dem Umstand, dass der gutmütige Ronny im »Banyan Tree« nur auf der Welt zu sein scheint, um uns rund um die Uhr Gutes zu tun. Wir Kleinbürger sind es halt einfach nicht gewohnt, bei aufkommenden Gelüsten nur kurz mit dem Finger zu schnippen. Ronny kümmerte sich um Getränke, schleppte Busladungen von frischem Obst in die »Villa«, dirigierte uns rechtzeitig in das vielfach preisgekrönte Spa des Resorts, wo wir ein stundenlanges »Treatment« genossen, was uns, im Vertrauen gesagt, schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf einen freien Vormittag im himmlischen Reich bescherte.

Jeden Nachmittag führte Ronny einen jungen Mann zur Teezeremonie auf unsere Terrasse, und am Abend setzte er mit unserer Hilfe einen schwimmenden Kerzenkorb auf den illuminierten See vor der Villa, um uns symbolisch von allen Sorgen zu befreien. Ronny war das perfekte Accessoire der Premium-Hotellerie, der charmante Vollzugsbeamte der »Banyan Tree«-Eleganz. Ein kongenialer Partner James Bonds mit Stil und Geschmack. Und er musste auch nur ein einziges Mal deutlich werden. Das war am Abreisetag, als er uns zwei Stunden nach dem offiziellen Check-out  mit der Golfkarre in der »Villa Braun« abholte und uns bedauernd mitteilte: »Sie müssen jetzt wirklich gehen!«

Banyan Tree Phuket. 33, 33/27 Moo 4, Srisoonthorn Road, Phuket; +66 76 324374. Buchungen über die Homepage oder kostenfrei und in deutscher Sprache per Telefon unter der Rufnummer 00800 300 200 00

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