Wo sich Schauspieler Peter Sellers und Beatle George Harrison einst ihre Urlaubsresidenz bauen ließen, steht heute das vielleicht exklusivste Resort auf den Seychellen: Privatvillen mit eigenem Strandzugang, ein Dschungel- Spa und der »meistfotografierte« Infinity-Pool der Welt. Text: Christoph Karrasch

Zugegeben: Es gibt nicht viele Musiker von den Seychellen, deren Namen mir auf Anhieb einfallen würden. Ehrlich gesagt nicht einen einzigen. Was nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Hier auf diesen grün wuchernden Tupfen, die sich aus dem seichten Wasser des Indischen Ozeans heben, braucht man kein MTV oder YouTube, um berühmt zu werden. Jean Ally ist das beste Beispiel. Seine gemütliche Ausstrahlung, die Hingabe, die offensichtliche Liebe zu den Seychellen: All das machte ihn zu einem der bekanntesten Exportschlager des kleinen Inselreichs. »1970 durfte ich als musikalischer Botschafter zur Expo nach Japan reisen«, erzählt der 63-Jährige stolz. Außerdem zupfte er seine Gitarre bereits beim Montreux Jazz Festival – und als im November 1991 der erste Condor-Flieger auf den Seychellen ankam, begrüßte er die deutschen Gäste mit seinem Song »Welcome To The Seychelles«.

La Isla Bonita

Dasselbe Lied spielt Jean Ally auch, als ich mich gerade im »Au Jardin d’Epices« zwischen einem saftigen Sirloin-Steak und dem exklusiven Seafood-Angebot aus Hummer und Jakobsmuscheln entscheiden muss (was für eine Zwickmühle!). Der kleine Mann mit Schnurrbart sorgt im schummrigen Restaurantlicht des Banyan Tree Resort regelmäßig für die musikalische Live-Unterhaltung. Nur ganz dezent im Hintergrund, so als würde er die lautstarken Wellen, die in der weiten Bucht Anse Intendance fast bis an die offene Hotelfassade schwappen, nicht stören wollen. Er weiß genau: Sie sind an diesem Ort die Hauptdarsteller. Die Natur der Seychellen, ihre abgeschiedene Einzigartigkeit, gehört zum Konzept des Sechs-Sterne-Dorfes.

Der Auftrag der Luxushotelkette Banyan Tree lautete beim Bau Anfang des Jahrtausends: die 60 Privatvillen möglichst unauffällig in den prächtig wuchernden Uferhain einpflegen. Je unsichtbarer das Gelände von außen, desto mehr natürliche Umgebung – und desto privater die Einkehr der wohlhabenden Gäste. Die Villen dekorieren Gemälde von der Coco de Mer – die größte Kokosnuss der Welt, die ausschließlich auf den Seychellen wächst. Und die Kabinen des exklusiven Spa-Village im oberen Teil der Anlage sind zu großen Teilen aus Glas gebaut, damit der Verwöhnte in jeder Körperposition den Blick auf das Wesentliche, das Grüne, genießen kann. Die Macher haben verstanden, dem optischen Ensemble durch architektonische Raffinesse die richtigen i-Tüpfelchen zu verpassen. Sie nennen ihren Infinity Pool, der im 90- Grad-Winkel auf den weiten Ozean hinausragt, den meistfotografierten der Welt – und man versteht genau, warum.

Mit Blick auf den Ozean. Und das ist nur der Anfang …

Beim Betreten meines Privatanwesens auf Zeit komme ich aus dem Staunen kaum heraus: Alle Beachfront-Villas sind – von außen nahezu uneinsehbar – mit großer Terrasse und Pavillon, Outdoor-Jacuzzi und Pool ausgestattet. Die Dusche lässt sich auf Knopfdruck zum Dampfbad umfunktionieren. Und wer drinnen nicht duschen mag, nutzt einfach die erfrischende Garden Shower. Der eigentliche Clou aber: Jede der Villen bietet über einen schmalen Pfad durchs Grün einen eigenen Zugang zum blendend weißen Strand der Anse Intendance.

Was für ein Luxus! Dass die Bucht zu den schönsten der Welt gehört, ist keine neue Erkenntnis. Bereits 1974 hatten sich an derselben Stelle, an der heute das Banyan Tree thront, der britische Schauspieler Peter Sellers und Beatles-Gitarrist George Harrison ihre Urlaubsresidenz bauen lassen. Jean Ally erzählt gerne davon, schließlich gehörte dieses Stück Land einem weltberühmten Musiker. »Ich habe Mister Harrison selbst leider nie kennengelernt, aber Madame Suzanne hat oft von ihm erzählt.« Die alte Dame war einst Haushälterin von Sellers und Harrison und half dem Banyan Tree, den ursprünglichen Zustand der Promi-Residenz beim Bau des Resorts wiederherzustellen. Heute ist Madame Suzanne längst im Ruhestand, doch gerade kürzlich haben zwei ihrer Enkelinnen als Angestellte im Banyan Tree Resort angefangen – und so werden die alten Geschichten wohl noch lange weiterleben.

Inzwischen gleitet mein Messer durch das feine Rindfleisch im »Au Jardin d’Epices« und macht das Erlebnis der Sinne komplett: Das Sirloin zergeht auf der Zunge, während der warme Abendwind auf der Haut kitzelt, mein Blick aus dem schummrig-kolonialen Restaurant Richtung Horizont schweift, der lebendige Duft des Dschungels in die Nase zieht und meine Ohren ein Zusammenspiel aus Wellen und leisem Gitarrezupfen vernehmen. Jean Ally spielt gerade »Proud To Be A Seychellois« – und ich verstehe genau, warum.

Banyan Tree Seychelles. Anse Intendance, Mahé, Seychellen, Tel.: +248 (0) 438 3500, www.banyantree.com/en/seychelles

Preis. Eine Hillside Pool Villa mit Blick auf die Bucht gibt es in der Nebensaison ab € 869, als Frühbucher für € 695 pro Nacht. Die Beachfront Pool Villas mit  direktem Strandzugang kosten ab € 1169, Frühbucher bekommen sie für € 935. Auch buchbar über den Veranstalter RTC Rose Travel Consulting. 7 Nächte ab € 2707 p. P. inkl. Flug mit Emirates von Frankfurt a. M. oder München via Dubai nach Mahé, inklusive Frühstück und Transfers. www.rosetravel.de (Preise sind gültig bei Buchung bis 45 Tage vor Anreise).

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