Auf der einen Insel brettert man mit 80 Sachen über den Strand, auf der Zweiten pflegt man Barfußluxus. Action und Erholung auf Fraser und Lady Elliot Island. Text: Andreas Dauerer

»Peter, lass mich auch mal fahren.«

Hoppla, da ist es mir doch tatsächlich rausgerutscht. Und ich bereue es fast schon wieder. Denn ich möchte den bulligen Bus-Truck gar nicht steuern, der aussieht wie eine Mischung aus Unimog und Minibus und immerhin 16 Leutchen im Fond bequem Platz bietet. Aber irgendwie möchte ich es halt doch. Wann komme ich schon mal wieder hierher? Auf Fraser Island, der weltgrößten Sandinsel im Süden des australischen Staates Queensland? Wann kann ich schon mal am Strand richtig Gas geben, als wäre ich auf einer Autobahn? Eben, selten. Oder nie. Peter lacht nur und murmelt irgendwas von Versicherungsschutz.

Fraser Island mit dem Allradwagen

joaohcouto/Shutterstock.com

So sind sie halt auch, diese Australier. Nicht alles ist immer nur »no worries«, vieles ist derart reglementiert, dass einem dieses Wort zwar immer mal wieder entgegengeschleudert wird, aber man gar nicht genau weiß, warum. Aber ich möchte nun mal fahren auf der 124 Kilometer langen und durchschnittlich 15 Kilometer breiten Sandinsel, wo der Regenwald dank einer Symbiose von Pilzen und Pflanzen trotzdem wunderbar gedeiht. Vor 20 Minuten wollte ich das nicht, da war es nur ein ständiges Hoch und Runter auf einer buckligen und irgendwie viel zu schmalen Sandpiste. Nachdem wir einen kleinen Zwischenstopp bei den mächtigen Wanderdünen eingelegt haben, befahren wir jetzt allerdings die Autobahn, die auch unasphaltiert ihren Namen verdient, aber eigentlich 75-Mile-Beach heißt. Immerhin 80 Kilometer die Stunde sind hier erlaubt, so steht’s nämlich auf dem Straßen-, Pardon, Sandschild. Aber keine Chance, Parkranger Peter Meyer in seiner typischen Khaki-Safari-Uniform lässt mich nicht ran.

Raus aus dem Truck und hinein ins Wasser

Vielleicht ist das auch besser. Vielleicht würde ich ja das Gaspedal doch weiter durchdrücken als erlaubt, was mir dann sogar ein Knöllchen einbringen könnte. Denn die Fraser-Island-Polizei führt hier tatsächlich Geschwindigkeitskontrollen durch. Zu viele sind schon auf der Sandpiste in Unfälle verwickelt gewesen, und das wirkt sich nicht nur negativ auf das Inselimage aus, sondern vor allem auf die Gesundheit aller Beteiligten. Erlaubt sind nur 4-wheel-drives, und die brauchen eine offizielle Erlaubnis für den seit 1992 zum Unesco-Weltnaturerbe gehörenden Nationalpark.

Bei einem der zahlreichen Verleiher in Hervey Bay ist man auf der sicheren Seite. Die haben natürlich diesen Schein, und von dort setzt man praktischerweise auch mit der Fähre über auf Fraser. Für uns heißt es aber erst einmal: raus aus dem Truck und hinein ins Wasser. Nicht ins Meer, das sieht auch schön aus, ist aber viel zu rau, sondern in einen der unzähligen Süßwasserflüsse, die sich eng und verschlungen ihren Weg ins Meer suchen. »Maybe a bit chilly«, meint Peter noch vor dem ersten Untertauchen. Das »Vielleicht« hätte er sich sparen können.

Mir bleibt erst einmal die Luft weg. Sicherlich nicht mehr als 17 Grad, das ist verdammt wenig, wenn man bedenkt, dass die Sonne mit angenehmen 30 Grad vom Himmel brennt. Aber es ist eine willkommene Abkühlung, und anschließend gibt der Bus-Truck auch ein paar Leckereien aus seinem Bauch preis: Tee, Kaffee, Kekse und Kaltgetränke warten schon auf dem Campingtisch. Als wir wieder einsteigen, frage ich Peter ein letztes Mal. Vergeblich. Es geht zurück auf der Autobahn zum Maheno-Wrack, ein altes Kreuzfahrtschiff, das 1935 an der Ostküste auf Grund lief und jetzt eine Art Wahrzeichen geworden ist. Unfreiwillig, sollte es doch gar nicht mehr hier in den tosenden Wellen liegen.

Maheno-Wrack auf Fraser Island

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Aber alle Vorhaben, das Schiff von der Insel zu schaffen, scheiterten. Jetzt ist es ein beliebtes Fotomotiv, auch aus der Luft. Auf einem Abschnitt ist der Strand nämlich auch noch Lande- und Startbahn für eine kleine Propellermaschine. Unglaublich schneidig kommen sie daher, die australischen Inselpiloten in ihren kurzen blauen Shorts. Sogar die Kniestrümpfe sitzen makellos, und die schwarzen Slipper glänzen unter der australischen Sonne.

Wunderbar bizarr sieht es hier aus

»We take you on a little ride«, krächzt Pilot Dave im feinsten Queensländer-Dialekt. Und das tut er dann auch. Von oben sieht hier alles noch weicher aus. Der Sand, das Meer, das Wrack, der Tropenwald und die vielen Unterbrechungen seines grünen Daches in Form von Seen, Flüssen oder Dünen. Wunderschön bizarr sieht die Welt hier aus, ein Gesamtkunstwerk der besonderen Art, das man später am Lake McKenzie noch einmal durchleben kann. Der größte See der Insel schimmert türkisblau, und das Wasser ist klar und warm. Zumindest wärmer als im Fluss. Auf Dingos treffen wir nicht. Den Wildhunden ist der Trubel hier wohl zu viel, aber theoretisch kann man ihnen überall auf der Insel begegnen.

»Richtig gefährlich sind sie nicht, eher scheu«, sagt Peter.

Aber wenn sie hungrig sind, können sie schon ein kleines Ärgernis darstellen. Deshalb sind die Essensbereiche auf den Campingplätzen eingezäunt.

Wer etwas Zeit mitbringt, sollte sich in jedem Falle auf Wanderschaft begeben. Der »Great Walk« misst 90 Kilometer und führt an allen Highlights vorbei, aber meistens auf Abschnitten, wo man mit dem Auto nicht hinkommt. Und was gibt es Schöneres, als den Sonnenuntergang auf Fraser Island von einer Sanddüne aus mit seinen Mitstreitern in aller Ruhe zu genießen? »Vielleicht den von den von Lady Elliot Island«, werden manche sagen.

Lady Elliot Island

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Das kleine Eiland, rund 80 Kilometer von der Nordspitze Fraser Islands entfernt, wird selten in einem Atemzug mit der berühmten Sandinsel genannt, worüber man eigentlich froh sein sollte. Denn das südlichste Tor zu Australiens größtem Naturparadies, dem Great Barrier Reef, ist ein wahres Juwel. Von der kleinen Koralleninsel aus beginnt das 2.000 Kilometer lange Riff, das jeder gesehen haben muss, der einmal auf den roten Kontinent gekommen ist. Mit einem kleinen Sportflieger kommt man von Hervey Bay oder Bundaberg aus auf die etwas über einen halben Quadratkilometer große Lady, deren Namensgeberin keine Piratenbraut war, sondern das Schiff ihres Entdeckers.

Mit Aussteigertum hat Robert Thomas’ Job nur wenig zu tun

Hier herrscht Kontrastprogramm. Kein Auto, kein Handyempfang, keine Hektik. Dafür jede Menge Natur, ein Leuchtturm, ein kleines Hotel, ein Tauchladen, eine Solaranlage und mittendrin der grüne Airstrip. Kein Wunder, dass das Inselleben hier seinem ganz eigenen Tempo zu folgen scheint, dem man sich aber nur zu gerne unterwirft. Robert Thomas ist der Chef der Insel. Der 30-jährige Hotel- und Inselmanager mit den wilden Locken kommt ursprünglich aus Neuseeland und ist hier irgendwie hängen geblieben. Baseballmütze, lässiges Hemd, bunte Boardshort, Flipflops, so sieht seine Arbeitskleidung aus. Mit Aussteigertum hat sein Job jedoch wenig zu tun. Im Gegenteil, Robert kümmert sich um alles, was hier anfällt. Muss jemand nach einer Verletzung versorgt werden, leistet er Erste Hilfe.

»Wir haben keinen Arzt auf der Insel«, erzählt er. »Stattdessen den riesigen Sanitätskoffer von den Flying Doctors.«

Und der hat auf engstem Raum alles, was man zur Erstversorgung braucht. In akuten Notfällen heißt es dann für Robert: Hilfe leisten nach Zahlen.

»Ich muss dann einen der Doktoren auf dem Festland anrufen, ihm erzählen, was der Patient genau hat, und mir wird dann gesagt, welche Paketnummer ich aus dem Koffer ziehen muss, um die Erstversorgung zu gewährleisten.« Eine halbe Stunde später sollte dann der eingeflogene Arzt den Part übernehmen. »Aber keine Bange, das kommt so gut wie nie vor«, lacht Robert. Meistens kümmert er sich also um profanere Dinge wie Gästebuchungen oder die Lebensmittelversorgung. 150 Hotelgäste können hier im Ökoresort beherbergt werden. Die Unterkünfte sind einfach, und man kann von der Eco Cabin bis hin zur 2 Bedroom Island Suite je nach Preislage und Anspruch buchen. Letztere ist das Topend auf Lady Elliot, und man hat nicht nur einen eigenen Balkon, sondern von der klimatisierten Lounge auch einen herrlichen Blick aufs Meer und kann dort in der Saison den Buckelwalen bei ihrer Wanderung zuschauen. Allen Unterkunftsarten gemein ist aber ihre Sauberkeit, und bei einer Insel, die man in einer halben Stunde zu Fuß umrundet, sind permanente Meerblicke nicht lebensnotwendig. Hier spricht man dann gerne vom Barfußluxus.

In der Hauptrolle: Flora und Fauna

Tatsächlich spielen nicht die Unterkunft, sondern die Flora und Fauna die Hauptrolle. Das fragile Ökosystem ist hier erstaunlich intakt. Wieder intakt muss man sagen, denn durch die Folgen des Guano-Abbaus im 19. Jahrhundert hatte die Insel zwischenzeitlich einen Meter an Höhe verloren und erholt sich durch diverse Aufforstungsprogramme seit 1966 langsam vom Raubbau. Mittlerweile sind auch die heimischen Vögel zurückgekehrt, sodass man verschiedene Schwalbenarten, Rotschwanz-Tropikvögel oder Weißkappennoddies beobachten kann. Aber auch unter Wasser ist einiges los. Schnorchler können die Korallengärten vor der Haustür erkunden, Taucher stoßen regelmäßig auf Haie und Mantas, und auch eine beträchtliche Schildkrötenpopulation lebt auf der Koralleninsel. Begegnungen im Wasser sind hier die Regel, und die neugierigen Panzertiere kommen so nah an die Schnorchler oder Taucher heran, dass man schon mal über den Panzer streicht.

Schildkröte am Riff von lady Elliot Island

Michael Smith ITWP/Shutterstock.com

Am späten Nachmittag wird es schlagartig ruhiger auf der Insel. Die Tagesgäste sind ausgeflogen, und die, die geblieben sind, erzählen bei einem kühlen Vorabendbier von ihren Erlebnissen des Tages. Das kann man natürlich auch im Stubby-Holder mit an den Strand nehmen und dabei der Sonne beim Untergehen zugucken. Alleine ist man dabei nicht. Unzählige Vögel kehren von ihrer Jagd zurück und scheinen sich vor dem Schlafengehen noch ein wenig auspowern zu müssen. Ein ganz besonderes Schauspiel ihrer Flugkünste bieten sie minutenlang ihren Zuschauern, ehe es pünktlich mit dem Verschwinden des Lichts wieder still wird. Höchste Zeit also, den Abend am Buffet mit all den weiteren Inselgängern ausklingen zu lassen und ein paar Geschichten zu lauschen. Ich bin seltsam beseelt vom Tag. Wohl aber auch, weil ich nicht zu Fuß zurückgehen musste. Ich hatte Robert kurz beschwatzt, ob er mich nicht ans Steuer lassen könne. Zwar nur im Caddy, aber immerhin. Ich durfte fahren.

Anreise. Qantas fliegt täglich im Codeshare mit Emirates ab Frankfurt a. M., München, Düsseldorf und Hamburg via Dubai nach Brisbane. www.qantas.com

Reisezeit. Fraser und Lady Elliot Island können das ganze Jahr über besucht werden. Während es im Norden Queenslands im Sommer unerträglich heiß werden kann, herrscht vergleichsweise mildes Klima
an der südlichen Küste.

Unterkünfte. Auf Fraser Island schläft man komfortabel im Kingfisher Bay Resort.  www.kingfisherbay.com. Wer mit seinem eigenen Auto übersetzt und campen möchte, kann bequem online buchen: www.nprsr.qld.gov.au

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