Nach dem Nachweis des Nipah-Virus bei zwei Mitarbeitern eines Privatkrankenhauses im Osten Indiens haben mehrere asiatische Staaten ihre Gesundheitskontrollen an Grenzen und Flughäfen verschärft. Reisende mit Symptomen wie Fieber oder Atembeschwerden müssen sich je nach Zielland auf zusätzliche Maßnahmen einstellen. In einzelnen Fällen kann dies auch die Einreise verzögern oder verhindern.
Das Nipah-Virus wird durch Fledermäuse übertragen und gilt als selten, aber potenziell schwerwiegend. Ein zugelassenes Medikament oder eine Impfung existiert bislang nicht. Die indischen Behörden reagierten rasch und stellten sämtliche bekannten Kontaktpersonen der Infizierten unter Quarantäne. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden alle Kontakte negativ getestet, eine weitere Ausbreitung gilt derzeit als unwahrscheinlich.
Trotzdem reagieren zahlreiche Länder in Süd- und Südostasien vorsorglich mit verschärften Kontrollen. Hintergrund ist auch das bevorstehende chinesische Neujahrsfest, das traditionell mit hohem Reiseaufkommen verbunden ist.

Foto: Shutterstock.com
Diese Länder haben Gesundheitskontrollen eingeführt
Thailand
Reisende aus definierten Risikogebieten müssen ein Gesundheitsformular ausfüllen. Bei Symptomen wie Fieber kann vorab ein ärztliches »fit-to-fly«-Zertifikat verlangt werden. An den Flughäfen Bangkok und Phuket kommen Temperaturmessungen und Wärmebildkameras zum Einsatz.
Nepal
An mehreren Grenzübergängen zu Indien wurden erhöhte Gesundheitskontrollen eingerichtet. Betroffen sind vor allem Übergänge im Westen des Landes.
Pakistan
An allen Grenzübergängen zu Indien finden Gesundheitskontrollen statt. Zusätzlich wird ein Reiseverlauf der vergangenen 21 Tage abgefragt.
Singapur
Gesundheitskontrollen betreffen vor allem Arbeitsmigranten nach Aufenthalten in Westbengalen. Am Flughafen Singapur erfolgen Kontrollen nur bei ausgewählten Flügen aus Risikoregionen.
Hongkong
Am Flughafen Hongkong gibt es stichprobenartige Gesundheitschecks für Reisende aus Indien.
Kambodscha
Keine konkreten Maßnahmen an Flughäfen, jedoch eine landesweite Gesundheitsdirektive mit Fokus auf Hygiene und frühzeitige Meldung von Symptomen.
Vietnam
Am Flughafen Ho-Chi-Minh-Stadt finden Gesundheitskontrollen für Reisende aus Risikogebieten statt. Zusätzlich gibt es zufällige Temperaturmessungen.
Indonesien
Am Flughafen Bali werden Temperaturkontrollen für nationale und internationale Ankünfte durchgeführt.
Myanmar
Am Flughafen Rangun wurden Gesundheitskontrollen eingeführt. Informationsmaterial weist auf Hygieneregeln und den Umgang mit Symptomen hin.
Als Risikogebiet gilt derzeit Kolkata und das umliegende Gebiet im indischen Bundesstaat Westbengalen.

S.O/shutterstock.com
Wie groß ist das Risiko für Reisende?
Das Nipah-Virus ist seit 1999 bekannt. Die Übertragung erfolgt ursprünglich über den Speichel fruchtfressender Flughunde. Eine Weitergabe zwischen Menschen ist über engen Kontakt und Tröpfcheninfektion möglich, gilt jedoch als selten. Die Inkubationszeit liegt zwischen vier und vierzehn Tagen. Zu den Symptomen zählen Fieber, Kopfschmerzen, Atemprobleme und in schweren Fällen neurologische Störungen.
Krisenfrühwarnexperten sehen aktuell keine akute Gefahr für den internationalen Reiseverkehr. Die Reaktionen der Staaten folgen einem präventiven Ansatz. Ein erhöhtes Hygienebewusstsein und eine ärztliche Abklärung bei Symptomen gelten als zentrale Vorsichtsmaßnahmen.
Für Reisende heißt das vor allem: Wer krank antritt oder mit Fieber unterwegs ist, sollte mit zusätzlichen Kontrollen rechnen. Je nach Zielland kann das auch Auswirkungen auf die Einreise haben.
