reisen EXCLUSIV Audio - Höre Dir diesen Artikel an
0:00
0:00

Ich saß nichtsahnend auf dem Sofa, CNN lief nebenbei. Es ist einer dieser Abende, an denen die Nachrichten eher Hintergrundrauschen sind als bewusste Information. Dann kam dieser Beitrag. Bilder von einem alten Grandhotel, düstere Musik, Stimmen, die leiser wurden. Und plötzlich dieses Gefühl, das sich kalt den Rücken hochschiebt. So ein Moment, in dem sogar das Glas Wasser auf dem Couchtisch kurz verdächtig wirkt.

Das Thema: eines der angeblich meist heimgesuchten Hotels der USA.

Der Ort: Baltimore, Maryland.

Der Name: Lord Baltimore Hotel.

Ein Grandhotel mit Geschichte

Rein sachlich betrachtet gehört das Lord Baltimore Hotel zu den großen Klassikern der amerikanischen Hotelgeschichte. Es liegt mitten in Downtown Baltimore und wurde von William Lee Stoddart entworfen, einem der bekanntesten Hotelarchitekten seiner Zeit. Eröffnung war am 30. Dezember 1928. French Renaissance Style, kupfernes Mansarddach, 22 Stockwerke hoch. Damals eines der höchsten Gebäude in ganz Maryland.

Eingang des Lord Baltimore Hotels in Maryland

Foto: ella Verlag und Medien GmbH I Gemini

Das Haus war gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt. Hier logierten Amelia Earhart und Baseball-Legende Babe Ruth. Martin Luther King Jr. hielt hier später sogar eine Pressekonferenz ab. Seit 1982 steht das Gebäude im National Register of Historic Places. Architektonisch ein Statement. Historisch ein Schwergewicht.

Und dann gibt es da noch diese andere Geschichte.

Warum dieses Hotel als »spooky« gilt

Das Lord Baltimore taucht regelmäßig auf Listen der »most haunted hotels« der USA auf. Ghost-Touren führen das Gebäude als festen Programmpunkt. Gäste berichten von kalten Luftzügen, flackernden Lichtern, Fahrstühlen mit Eigenleben. Mitarbeitende erzählen von Fluren, die sich plötzlich… bewohnt anfühlen.

Kronleuchter im Lord Baltimore Hotel in Maryland

Foto: ella Verlag und Medien GmbH / Gemini

Besonders häufig fällt dabei die 19. Etage. Und der Ballsaal. Orte, an denen sich Blicke im Nichts zu verlieren scheinen. Paranormale Ermittler haben das Hotel mehrfach untersucht. Zum National Ghost Hunting Day gab es sogar organisierte Ghost Hunts.

Die Legende von 1929

Der Kern der Spukgeschichte führt zurück ins Jahr 1929, in die Zeit kurz nach der Eröffnung. Der Überlieferung nach soll sich während der Weltwirtschaftskrise eine Familie aus Verzweiflung vom Dach des Hotels in den Tod gestürzt haben. Zurückgeblieben sei eine Erscheinung.

Geist in der Eingangshalle des Lord Baltimore Hotel in Maryland

Foto: ella Verlag und Medien GmbH / Gemini

Ein kleines Mädchen. Sieben oder acht Jahre alt. Altmodisches Kleid. Oft wird sie »Molly« oder »Mollie« genannt. Angeblich mit einem roten Ball, der manchmal durch Flure rollt, obwohl niemand da ist. Gäste berichten von Kinderlachen, von einer kleinen Hand, die kurz an den Fingern zieht. Mal wirkt sie verspielt, mal traurig. Gelegentlich, so heißt es, tauchen auch schemenhafte Gestalten auf, die ihre Eltern sein sollen.

Das klingt nach Horrorfilm. Und genau deshalb bleibt etwas hängen.

Legende und belegbare Geschichte

So gruselig die Erzählung ist, historisch belegen lässt sie sich nicht. In offiziellen Hotelchroniken, zeitgenössischen Zeitungen oder Archiven findet sich kein eindeutiger Nachweis für einen dokumentierten Familiensuizid im Jahr 1929. Namen, Details und Abläufe variieren je nach Quelle. Historiker und Lokalblogs gehen deshalb eher von einer urbanen Legende aus, die sich aus der Atmosphäre der Great Depression speist.

Ein prächtiges Hotel. Eine wirtschaftlich düstere Zeit. Viele menschliche Schicksale. Daraus entsteht leicht eine Geschichte, die weitergetragen wird. Von Generation zu Generation. Von Ghost-Tour zu Ghost-Tour.

Und was bleibt?

Das Lord Baltimore Hotel ist vieles. Ein architektonisches Wahrzeichen. Ein Zeitzeuge amerikanischer Geschichte. Ein Ort, an dem große Namen übernachtet haben und große Umbrüche spürbar waren.

Zimmerkarten im Lord Baltimore Hotel in Maryland

Foto: ella Verlag und Medien GmbH / Gemini

Ob es dort wirklich spukt, bleibt Ansichtssache. Sicher ist nur: Wer hier eincheckt (am besten zu Halloween), schläft nicht in einem beliebigen Stadthotel. Sondern in einem Haus mit Atmosphäre, Vergangenheit und einer Geschichte, die sich leise ins Unterbewusstsein schiebt. Vielleicht genau deshalb hat mich dieser CNN-Beitrag so kalt erwischt.

War neugierig geworden ist, kommt hier zur Webseite von CNN mit dem Beitrag.

Hier kommst du zur Webseite des Lord Baltimore Hotels.