Helsinki ist eine Stadt mit Hoffnung und Happiness, mit Gesicht und Geschichte, mit Gesichtern und Geschichten. Eine dieser hoffnungsvollen Geschichten erzählt vom Designer und Architekten Alvar Aalto und der wohl berühmtesten Vase der Welt. Wetten, du kennst die Vase!
Ich will nicht sagen, dass alles mit der Aalto-Vase begann, dennoch ist es ein guter Startpunkt, um die Geschichte der Stadt, des finnischen Designs und der Zukunftshoffnungen der Finnen zu erzählen.
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Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥Die Ursprünge der Aalto-Vase
Werfen wir also einen Blick zurück ins Jahr 1936, als die Glashütte Karhula-Iittala einen Wettbewerb für die in 1937 anstehende Weltausstellung in Paris auslobte. Inspiriert von der Form der traditionellen Kleidung der indigenen Sami – was eventuell den Arbeitstitel »Die Lederhose einer Eskimofrau« erklärt – und von den organisch geschwungenen Formen der finnischen Seenlandschaft mit ihren Wellen- und Wasserbewegungen, entwarf Alvar Aalto mit seiner Frau Aino eine mundgeblasene Kristallvase, die im krassen Gegensatz zum maschinengefertigten Denken der damaligen Zeit stand.
Er bewarb sich und die Rechnung ging auf. Die Aaltos gewannen die Ausschreibung. Noch bevor die ungewöhnliche Vase in Paris zum Star wurde, strahlte sie bereits am 3. Juni 1937 zur Eröffnung des Savoy-Restaurants in Helsinki und zierte die Tische der noblen Dinner-Location. Wo sie übrigens kürzlich den 89. Geburtstag feierte, jedoch ohne großes Aufsehen, einfach nur mit der ihr eigenen Unverwechselbarkeit.
- Foto: Simone Sever
- Foto: Simone Sever
Aalto pur in der Finlandia Hall
Aaltos Spirit, der Hang zu besonderen Formen und zu skandinavischer Geradlinigkeit gleichermaßen, zieht sich wie ein roter Faden durch die nordische Hauptstadt. Wer auf den Spuren des Designers wandeln mag, der findet etwa die Finlandia-Halle, eines der bedeutendsten architektonischen Wahrzeichen Finnlands am Ostufer der malerischen Bucht Töölönlahti, nur wenige Gehminuten vom Helsinki-Hauptbahnhof entfernt. Einst mit weißem Carrara-Marmor als elegantem Kontrast zu den häufig dunklen nordischen Lichtverhältnissen konzipiert und erbaut, zeigte sich schnell nach der Fertigstellung, dass das lokale Klima für die italienischen Platten einfach deutlich zu rau war. Inzwischen strahlt die Fassade im Südtiroler Lasa-Marmor-Look. Immer noch weiß, nur deutlich widerstandsfähiger gegenüber den extremen Wetterverhältnissen.
Im Innern der Finlandia-Halle erfreuen sich Aalto-Anhänger und andere Interessierte in der permanenten Ausstellung »The Visions of Aalto« über all die Geschichten, die das Leben der Aaltos erzählen. Und wer den Aalto-Vibe so richtig fühlen möchte, der kann sich in einem von zwei Appartements an der Nordseite der Finlandia-Halle direkt in die originale Designwelt der Aaltos einmieten. Die Appartements tragen die Namen der Ehefrauen.
Parteizentrale und Haus der Kulturen
Ein weiteres sehenswertes Gebäude ist die ehemalige Parteizentrale der Kommunistischen Partei, die ab 1958 als kulturelles Zentrum genutzt wurde. Das Haus der Kulturen »Kultuuritalo« in Helsinki gilt als Meisterwerk aus Alvar Aaltos berühmter roter Backstein-Periode. Für den Bau des geschwungenen fensterlosen Konzertsaals ließ Aalto eigens keilförmige Backsteine anfertigen, um so die komplexe geometrische Krümmung perfekt umzusetzen. Die sogenannte »freie Form« war eine präzise akustische Notwendigkeit für ein Konzerthaus dieser Größe.
Aaltos Konzept ging auf, die Liste der Künstler, die im Haus der Kulturen auftraten, spricht für sich: Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Frank Zappa, Queen, Iggy Pop … Aalto-Affine erfreuen sich aber wohl eher an den zahlreichen Details, also unbedingt auf die Türbeschläge, die Messinggriffe und natürlich die Leuchten achten!
Architektur & Design Museum
Seit dem 5. Juni 2026 lädt das Architektur- und Designmuseum zur Ausstellung »Aalto Design – Shapes of Wellbeing«. Hier ist deutlich erkennbar wie Alvar Aalto zusammen mit seiner ersten Frau Aino – und später mit seiner zweiten Frau Elissa – das ganzheitliche menschliche Wohlbefinden stets in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte. Denn neben der omnipräsenten Vase erlaubt die Ausstellung detaillierte Einblicke in die Welt seiner Arbeiten für das Paimio-Sanatorium in Südwestfinnland.
So zeigt etwa das Bett, das für das Sanatorium und die dort behandelten Tuberkulosekranken entworfen wurde, deutlich die Aalto-Handschrift. Eine immersive Videoinstallation nimmt den Besucher an die Hand direkt hinein ins Paimio-Sanatorium. Es ist beinahe so als könne man die harzige Waldluft einatmen, die den Kranken Heilung schenkte. Ein besonderer Hingucker der Ausstellung ist sicherlich auch der ikonische Servierwagen »900«. Er zeichnet sich durch seinen Rahmen aus gebogenem Birkenholz aus. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Januar 2027 zu sehen.
- Foto: ADM Helsinki
- Foto: Jasa Poikonen/Paimio Sanatorium Foundation
Abstecher zur Kela-Zentrale
Ein weiteres Highlight des Aalto-Designs ist in der Rentenversicherungsanstalt Kela zu finden. Neben Leuchten, die speziell für die Räumlichkeiten designt wurden und nirgendwo sonst zu finden sind, lässt die Mitarbeiter-Kantine Designherzen höherschlagen: Formen, Farben, Fliesen. Fabelhaft. In der eigens von Aalto konzipierten Bibliothek mag man stundenlang verweilen. Leider nur ist das Kela-Gebäude nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Was passiert in der Zukunft?
Und die Zukunft hat einiges vor in Helsinki. So bereitet die Stadt eine Ausschreibung zur Umgestaltung des ehemaligen Hansaari-Kraftwerksgeländes vor. Im Herbst 2026 startet der Ideenwettbewerb zur zukünftigen sozialen und kulturellen Nutzung des Areals. Am Finnischen Nationalmuseum wiederum scheint ein Ufo aus der Zukunft direkt neben dem historischen Gebäude gelandet zu sein. Das angesagte finnische Architektenteam JKMM Architects hat ein Gebäude ganz im Sinn finnischen Designs gezaubert: Formschönheit, Farbgebung und Funktionalität. Die Eröffnung ist für 2027 geplant.
Noch mehr Unesco-Welterbe in Helsinki?
Naja und dann – und vor allem – steht da die Nominierung des Alvar-Aalto-Werks für das Unesco-Welterbe im finnischen Raum. Die Chancen, dass im Juli 2026 im südkoreanischen Busan entschieden wird, das Aalto-Werk als achtes Unesco-Welterbe in Finnland aufzunehmen, stehen übrigens recht gut. Denn ein Expertenrat hat die Nominierung bereits positiv bewertet. Dann wären fünf Aalto-Gebäudeensembles in Helsinki und acht weitere in Finnland auf der Liste. Es würde die Finnen, die bereits neunmal hintereinander vom World Happiness Report zum glücklichsten Volk der Welt eingestuft wurden, wohl noch glücklicher machen.
Mehr über die finnische Hauptstadt und Helsinkis Moderne Zeiten gibt’s hier. Außerdem Reise-Tipps für Helsinki. Und warum Finnland immer wieder zum glücklichsten Land der Welt gewählt wird, wissen wir auch. Mehr Informationen zu Reisen nach Finnland gibts auf www.visitfinland.com.
Häufige Fragen zum Städtetrip nach Helsinki
Wie reist man am besten nach Helsinki?
Am einfachsten ist die Anreise mit dem Flugzeug von deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt. Eine spannende Alternative ist die Fährreise, etwa von Travemünde mit Finnlines.
Wann ist die beste Reisezeit für Helsinki?
Die beste Zeit ist von Juni bis August. Dann sind die Temperaturen angenehm bei etwa 20 Grad und die Tage extrem lang, da die Nächte kaum dunkel werden.
Was macht Helsinki als Reiseziel besonders attraktiv?
Die Stadt verbindet moderne Architektur mit maritimem Flair, grünen Inseln und einer starken Designszene. Dazu kommen eine einzigartige Saunakultur, reiche Natur und nordische Kulinarik.
Welche Sehenswürdigkeiten sollte man in Helsinki besuchen?
Zu den Highlights gehören der Dom von Helsinki, die Uspenski-Kathedrale, die Festungsinsel Suomenlinna, das Designviertel und der Sibelius Park. Auch ein Sauna-Besuch ist für viele Teil der Reise.
Wie lange sollte man für einen Städtetrip nach Helsinki einplanen?
Für einen intensiven Städtetrip empfehlen sich mindestens zwei volle Tage in der Stadt. Wer Ausflüge in die Umgebung plant, reserviert besser drei Tage oder mehr.









