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Der Karneval in Rio de Janeiro gilt als größtes Straßenfest der Welt – und ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Damit zwischen Sambaparade und Straßenparty nichts schiefgeht, lohnt sich gute Vorbereitung. Die wichtigsten Tipps für den Karneval in Rio auf einen Blick.

Zunächst einmal: Der Karneval in Rio de Janeiro, oder wie man in Brasilien sagt, der »carnaval do Rio« oder »carnaval carioca«, wird ein wenig anders gefeiert als bei uns. Denn anders als hierzulande geht es nicht darum, sich als Jeck in möglichst aufwendige Hingucker-Kostüme zu werfen. Zwar sieht man während des Karnevals in Rio den einen oder anderen äußerst sexy und bunt bekleidet; eine ungeschriebene Pflicht zum Verkleidetsein beim Feiern, wie es etwa unter den Jecken im Rheinland der Fall ist, gibt es in Brasilien nicht.

Junge Brasilianer beim Feiern

Foto: Vergani Fotografia/Shutterstock.com

In Rio de Janeiro dreht sich beim offiziellen Karneval viel mehr alles um Samba. Und das wiederum – fast so lang wie bei uns ganze fünf Tage lang. Vier Tage vor Aschermittwoch, und damit einen Tag später als hierzulande, beginnt der Straßenkarneval. Während bei uns Prinz Karneval am Altweiberdonnerstag das Zepter in die Hand nimmt, wird in Rio mit der symbolischen Übergabe des Stadtschlüssels an »König Momo« die offizielle Phase des Karnevals eingeläutet.

Von da an schlängeln sich die Paraden durch die Stadt, und unzählbare Partys werden gefeiert. Große und kleine, organsierte und spontane. In der Stadt gibt es dann kein Halten mehr – beziehungsweise vor allem eines: Tanz, nackte Haut, laute Musik und eine ordentliche Menge an Alkohol. Anders als gemeinhin vermutet, trinken die Brasilianer im Karneval nicht einen Caipirinha nach dem anderen, sondern vor allem eiskaltes Bier aus der Dose. Das wird an jeder Straßenecke von fliegenden Händlern für wenig Geld unters Partyvolk gebracht. Freilich manchmal auch von Partygästen in Form von Bierduschen …

Person hält Plastikbecher Bier in der Hand

Foto: Wendel Silva

Karneval in Rio de Janeiro: Party überall

Über eines sollte man sich im Klaren sein: Wer Menschenmassen gegenüber grundsätzlich abgeneigt ist, sollte man von einem Rio-Abenteuer zum Karneval besser Abstand nehmen. Ein Entkommen vom lauten Treiben ist in der Stadt kaum möglich. Neben lustig wird es in den Straßen vor allem eines: eng, voll und schweißtreibend. Wer »nur« unter leichter Platzangst leidet, sollte sich vor den Hauptpartybereichen fernhalten und sich das Spektakel aus der Distanz anschauen.

Denn bei einem Straßenparty-Besuch kann man rasch die Orientierung verlieren. Deswegen sollte man sich von Beginn an auf die Epizentren in Ipanema oder Copacabana beschränken – auch, wenn man dann ziemlich im Mainstream unterwegs ist, weil sich hier vor allem Touristen aus aller Welt tummeln. Wer Bekanntschaft mit Brasilianern geschlossen hat, kann sich natürlich glücklich schätzen, wenn diese einem den Karneval außerhalb der Hotspots zeigen.

Auch gut zu wissen: Die Teilnahme an sämtlichen Straßenkarnevalsfeierlichkeiten ist kostenfrei. Die Stadt Rio hatte 2013 noch einmal klargestellt, dass der Verkauf von Eintrittskarten oder jede andere Art der Einschränkung oder Abgrenzung privater Bereiche während der Straßenparaden in der Stadt verboten ist. So soll sichergestellt sein, dass der Straßenkarneval in Rio ein Fest bleibt, das kostenlos ist und an dem Menschen aus allen sozialen Schichten teilnehmen können.

Der Höhepunkt: Der Karneval im Sambódromo

Das Herz des Karnevals in Rio in Janeiro ist und bleibt das Sambódromo, offiziell »Sambódromo da Marquês de Sapucaí«. Das vom weltberühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfene Stadion gilt heute als eines der bedeutendsten Symbole des Karnevals im Land.

Luftaufnahme Sambódromo in Rio de Janeiro

Foto: Caio Pederneiras/Shutterstock.com

Während es beim Straßenkarneval ums ausgelassene Feiern und Tanzen geht, werden dort die Hüften um die Wette geschwungen. Dabei geht es hinter den lustigen und bunten Kulissen knallhart zu. Alljährlich findet dort nämlich der Wettkampf der Sambaschulen Rios statt. Das wird nicht nur mehrere Tage lang von Zehntausenden Besuchern im Stadion frenetisch begleitet, sondern auch von Millionen Zuschauern vor dem Bildschirm mit Spannung verfolgt. Es geht um Geld, Einfluss, Reputation und – wir sind schließlich in Brasilien – ganz viel Eitelkeit.

In den Sambaschulen kann man übrigens überhaupt keinen Tanzunterricht nehmen. Sie haben lediglich den Zweck, den Karneval zu organisieren und den Wettkampf-Geist aufrechtzuerhalten.

Der Kampf um den Titel: So läuft es ab

Das Treiben im Sambódromo wird häufig mit Fußball verglichen. Nicht ohne Grund. Denn auch im Stadion geht es darum, in die nächsthöhere Liga aufzusteigen. Insgesamt gibt es davon vier, wobei die besten Teams in der »Grupo Especial« gegeneinander tanzen. Unter den zwölf Teams dieser Liga der Crème de la Crème entscheidet sich, wer am Ende als Sambameister aus dem bunten Treiben hervorgeht.

In den Nächten zum Karnevalsmontag und -dienstag geht es dabei um die Wurst. Die Jury bewertet die Top-Teams nach Kreativität, Qualität, Kostüme, der gelungenen Umsetzung des Themas. Auch spielt die Harmonie innerhalb der Gruppe eine große Rolle. Die Shows sind nicht nur spektakuläre Tanzeinlagen, sondern jede Gruppe erzählt binnen eines Liedes eine Geschichte.

Gruppe Unidos de Padre Miguel im Sambodromo

Foto: Celso Pupo/Shutterstock.com

So kommt man ins Sambódromo

Wer sich das nicht entgehen lassen will, sollte schnell sein: Die Tickets für die Sambódromo-Nächte sind heiß begehrt. Unter Touristen sind vor allem die Plätze im neunten Sektor oder in den umliegenden Bereichen beliebt. In diesen Sektionen hat man nämlich die beste Sicht auf das Geschehen. Gönnt man sich ein Ticket für mehrere hundert Euro, sollte man am besten gleich noch einen Shuttle zum Sambódromo buchen. Wichtig dabei: Dieser sollte – anders als Taxis und private Transfers – Zugang zum abgesperrten Bereich haben. Das ist nicht nur deutlich entspannter, sondern auch sicherer.

Ab 17 Uhr öffnet das Stadion seine Pforten für die Gäste. Vier Stunden später beginnt die Show, begleitet von Trommeln und tosendem Publikum. Die Brasilianer beweisen dabei echtes Durchhaltevermögen: Nicht selten dauern die Veranstaltungen bis in die frühen Morgenstunden. Es ist völlig normal, dass die letzten Sambagruppen erst bei Sonnenaufgang an den Start gehen. Statt also nach deutscher Art überpünktlich um 17 Uhr vor Ort zu sein, sollte man lieber noch ein Nickerchen am Nachmittag einlegen. Denn eines ist sicher: Die Nächte während des Karnevals in Rio de Janeiro sind verdammt lang!

Karneval in Rio de Janeiro: Wenn Fans Farbe zeigen

Ähnlich wie im Fußball hat auch jede der Sambaschulen ihre eigenen Team-Farben. Beija-Flor ist zum Beispiel blau und weiß, Mangueira pink und grün und Rio Grande schmückt sich in den Farben Rot, Grün und Weiß. Selbst als Tourist kann man sich in ein »Trikot« schmeißen. Kostüme werden an jeder Straßenecke verkauft. Oder man stellt sich selbst ein kunterbuntes Outfit zusammen. Gerne mit Glitzer und Federschmuck! Das ist nämlich nicht nur den Tanzenden vorbehalten.

Blick auf Karnevalsfeier und Umzug im Sambodromo, Rio de Janeiro

Foto: Photocarioca/Shutterstock.com

Über den Blocos, wie die Karnevalswagen genannt werden, brennt in der Regel die Sonne. Und das bei Tagestemperaturen von bis zu 31 Grad Celsius. Zusätzlich sorgt die tropische Luftfeuchtigkeit für den extra Sauna-Effekt. Deshalb sollte man unbedingt luftige Sommerkleidung vor Abflug in den Koffer packen und vor Ort eine Kopfbedeckung wie etwa eine Cappy drüberziehen.

Übernachtungen in Rio de Janeiro zum Karneval teuer wie nie

Hoteliers und Anbieter von AirBnB-Wohnungen sehen in der hohen Nachfrage rund um den Karneval in Rio de Janeiro die Chance des Jahres, ihre Einnahmen kräftig anzukurbeln – und das gelingt meist auch. Vor allem kurz vor Karnevalsbeginn ziehen die Preise für Zimmer und Ferienwohnungen teils drastisch an: Aufschläge von 200 bis 400 Prozent sind keine Seltenheit. Kostete ein Apartment oder Hotelzimmer wenige Tage zuvor noch schlappe 80 Euro pro Nacht, werden plötzlich umgerechnet rund 300 Euro verlangt.

Hinzu kommen häufig Mindestaufenthalte. Meist liegt die Grenze bei drei bis vier Nächten, wobei am Rosenmontag oft weder Check-in noch Check-out möglich ist. Wer es sich leisten kann, bucht am besten ein Balkon-Apartment in den angesagten Partyhochburgen Copacabana oder Ipanema. Das geht zwar ordentlich ins Geld, belohnt aber mit einem unbezahlbaren Blick auf die Paraden – ganz ohne sich ins Gedränge stürzen zu müssen.

Augen auf: Sicher durch Rios Straßen

Rio ist eine Stadt voller Gegensätze. Das gilt ganz besonders fürs Soziale. Während man auf der einen Seite einen unfassbaren Reichtum sieht, schlägt einem auf der anderen Seite das Elend der Favelas entgegen. Und so hat natürlich auch der Karneval in Rio de Janeiro seine Schattenseite: die Kriminalität. Man sollte sich deshalb über eins im Klaren sein: Feiernde und oftmals betrunkene Gringos (Ausländer) stellen für Kriminelle ein leichtes Ziel dar.

Musikgruppe an der Copacabana

Foto: Sergio Shumoff/Shutterstock.com

Rund um den Karneval kommt es in Rio de Janeiro vor allem zu Taschendiebstählen, vereinzelt aber auch zu körperlichen Übergriffen, Bedrohungen und Raubüberfällen – insbesondere in dicht gedrängten Menschenmengen, in der Nacht und in touristischen Hotspots. Wer plant, sich mit einem oder einer Einheimischen ins Hotel oder Apartment zurückzuziehen, sollte sich nicht wundern, wenn das Sicherheitspersonal der Unterkunft die Personalien der Begleitperson überprüft. In vielen Hotels und Apartmentanlagen ist es üblich, dass der Ausweis am Empfang für die Dauer des Besuchs hinterlegt wird oder zumindest registriert werden muss. Andere Unterkünfte erlauben gar keine Gäste. Der Grund liegt auf der Hand: In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass leichtgläubige Touristen in ihren Zimmern oder Ferienwohnungen bestohlen wurden. Die Maßnahme dient also in erster Linie dem Schutz der Gäste – auch wenn sie auf den ersten Blick ungewohnt wirken mag.

Tipps zur Sicherheit in Rio

Die gute Nachricht: Die Stadt setzt seit Jahren mehr Polizei ein, um für Sicherheit zu sorgen. Besonders an von Touristen häufig frequentierten Orten sieht man sie. Doch es gibt auch einige Vorsichtsmaßnahmen, die man selbst beherzigen sollte, um nicht Opfer von Kriminellen zu werden.

Zunächst einmal sollte man kaum Wertsachen mitnehmen. Das Nötigste an Bargeld sollte reichen. Profis verstecken einen Teil der Banknoten in den Schuhen. Sicher ist sicher. Bankkarten, teurer Schmuck oder hochwertige Kameras sollte man auf keinen Fall mit auf den Straßenkarneval nehmen. Wer nicht auf sein Handy angewiesen ist, etwa, weil man es unbedingt benötigt, um sich einen Uber-Wagen für den Rückweg zu besorgen, lässt das Mobilfunktelefon in der Wohnung oder im Hotelzimmer. Notfalls nimmt nur einer aus der Gruppe das Handy mit, um Uber zu bestellen.

Außerdem sollte man sich nicht abseits des Getümmels in einsamen Straßen aufhalten! Wer einfach einmal durchschnaufen möchte oder aufs stille Örtchen muss, läuft deshalb nicht in ruhige Gassen. In unbeleuchtete schon gar nicht. Diese sind in Brasilien besonders nach Einbruch der Dunkelheit gefährlich – und während der Karnevalsfeierlichkeiten sowieso. In der Öffentlichkeit sollte man sein Geschäft erst recht nicht erledigen. Obendrein drohen fürs Wildpinkeln empfindliche Strafzahlungen in Brasilien! Auf einen Touristen-Bonus darf man bei der Polizei nicht hoffen!

Vorsicht rund um den Sambódromo 2026

Auf der Plattform X gibt es mehrere aktuelle Posts aus den vergangenen Tagen, die von Überfällen und Diebstählen in der unmittelbaren Umgebung des Sambódromos berichten. Am 8. Februar 2026 etwa warnte  ein Nutzer vor »vielen Relatos de Assaltos und Arrastões« um den Sambódromo und riet, in Gruppen zu gehen und sich im Falle des Falles nicht zu wehren, um das eigene Leben zu schützen. Andere Nutzer warnen explizit vor Überfällen und Diebstählen bei der Dispersão (Auflösung) nach Ende der Veranstaltung im Sambódromo.

Einen prominenten Fall gab es auch: Der Funk-Sänger Puterrier wurde am 7. Februar 2026 im Sambódromo-Umfeld ausgeraubt. Ihm wurden zwei Halsketten, eine Brille und ein Handy gestohlen. Der Künstler bot eine Belohnung für Hinweise an, die zur Wiederbeschaffung der Halsketten führen, berichtet auf X »Baú do Rio OFC« in einem Posting.

Karneval piano: Tipps für die Zeit davor oder danach

Wem es mehr um die Show selbst als um die Party drumherum geht, sollte sich die Champions-Parade »Desfile des Campeãs« am Samstag nach den Karnevals-Festivitäten nicht entgehen lassen. Denn kehrt in der Stadt langsam wieder Ruhe ein, treten dann die sechs Gewinner-Schulen ein weiteres Mal im Samba-Olymp auf.

Und wer mit dem Gedanken spielt, bereits vor Beginn der offiziellen Feierlichkeiten ein bisschen Karnevalsluft in Rio zu schnuppern, soll und kann dies vielerorts in der Stadt tun. Seit ein paar Jahren nämlich ist der »Pré-Carnaval« sogar vom eigentlichen Ereignis nicht mehr zu unterscheiden, schreibt die Süddeutsche Zeitung auf ihrer Website.

Die Website Rio Carnaval liefert Infos zu Terminen, Ticket-Paketen, Sambódrome-Paraden und teilweise auch zu Straßenpartys. Auf der offiziellen Website des Sambódromo-Veranstaltungsortes gibt es Hintergrundinfos zur Arena und zum Aufbau des Events.

Samba-Tänzerinnen beim Karneval in Rio de Janeiro

Foto: PeopleImages.com – Yuri A/Shutterstock.com