Brasilien steht für Samba, Caipirinha und Copacabana. Doch bei aller Lebensfreude legen die Menschen am Zuckerhut viel Wert auf gute Umgangsformen. Wir verraten, worauf es noch ankommt.

Ein gelungener Urlaub in einem fremden Land beginnt mit einer gründlichen Vorbereitung. Dazu gehört auch, sich über die Sitten und Gebräuche der jeweiligen Region zu informieren. Ein Grundwissen über die Benimmregeln hilft, unangenehme Situationen zu vermeiden. Wir verraten, welche Benimmregeln in Brasilien gelten und was ihr sonst noch beachten solltet!

Você fala português?

Ihr seid schon durch viele Länder der Welt gereist und kamt mit Englisch eigentlich ganz gut über die Runden? Herzlichen Glückwunsch! In Brasilien ticken die Uhren aber anders. Auch wenn ihr vielleicht den einen oder anderen treffen werdet, der passabel englisch spricht: Es ist die Ausnahme. Wirklich. Es mag hart klingen, aber es ist so: In Brasilien spricht kaum jemand englisch.

Junge Brasilianer mit Flagge des Landes

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Wenn ihr also halbwegs mit den Einheimischen kommunzieren möchtet, kommt ihr nicht umhin, euch ein paar Portugiesisch-Kenntnisse anzueignen. Am besten fangt ihr ein paar Wochen oder Monate vor eurer Reise nach Brasilien an, Portugiesisch zu lernen. Dazu eignen sich verschiedene Apps (Babble zum Beispiel hat eine Brasilianisches-Portugiesisch-Variante) oder der Besuch eines Abendkurses an der Volkshochschule (VHS).

Sicherheit in Brasilien: Augen auf!

Brasilien und Sicherheit – das ist ein Thema für sich. Die Kriminalitätsrate in Brasilien ist im Vergleich zu jener in Deutschland exorbitant hoch. Das merkt ihr ziemlich schnell, wenn ihr durch die Stadt lauft. Banken, Supermärkte und Shopping-Malls verfügen über Unmengen an Securitypersonal. Häuser sind durch meterhohe Mauern oder Metallgitter abgesichert. Balkone im vierten (!) Stock sind vergittert, Fenster sowieso. An Touristen-Hotspots patroulliert die Polizei.

Grund zur Sorge? Nein. Schaltet lediglich euren gesunden Menschenverstand ein. Teure Armbanduhren, wertvoller Schmuck und Fotoapparate bleiben nach Einbruch der Dunkelheit im Hotelzimmer. Nehmt nur das Nötigste mit. Kreditkarte oder 100 Reais pro Person sollten für den Restaurantbesuch oder einen Abend im Club reichen. Verzichtet auf schicke oder gar protzige Kleidung, wenn ihr vorhabt, zu Fuß durch die Straßen zu ziehen. Vermeidet menschenleere Straßen in der Dunkelheit! Seid ihr unsicher, wo ihr euch abends besser nicht aufhalten solltet, fragt das Hotelpersonal oder euren Airbnb-Gastgeber.

Straße in Rio in der Nacht

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Uber, Taxi oder Bus?

Städte mit einem funktionierenden U-Bahn- oder S-Bahn-Netz sind rar gesät in Brasilien. Das Gros des öffentlichen Nahverkehrs wird mit dem Bus abgewickelt. Wollt ihr wissen, wie ihr von A nach B kommt, nutzt am besten Google Maps. Die App liefert euch sehr gute Ergebnisse, auch mit Blick auf die Busverbindungen. Habt ihr keine Lust auf ein Abenteuer im öffentlichen Nahverkehr Brasiliens, solltet ihr Uber nutzen. Die App ist in Brasilien weitverbreitet, und die Preise sind sehr günstig. Wer das Taxi bevorzugt, sollte vorab mit dem Fahrer einen Festpreis vereinbaren.

Benimmregeln in Brasilien gelten auch am Strand

Kaum ein Urlaubsland bietet Reisenden eine so große Vielfalt an Eindrücken wie Brasilien. Von schneeweißen Stränden über die Wildnis der Regenwälder bis hin zu den Metropolen, in denen Tanz und Musik den Takt des Lebens bestimmen – es fällt leicht, dem Charme des südamerikanischen Landes zu verfallen. Doch was viele zum Beispiel angesichts der extrem knappen Badekleidung am Strand wundert: Sonnenbaden ohne Bikinioberteil ist tabu. Auch solltet ihr euch nicht am Strand umziehen. Denn FKK gilt als Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Junger Mann in Brasilien am Strand

henri meilhac

Gut zu wissen: Brasilianer legen viel Wert auf ihre Garderobe. Badehose und Bikini sind wichtige Kleidungsstücke. Ihr seid also gut beraten, wenn ihr nicht in ausgeleierten Shorts auftaucht, sondern auch am Strand auf euer Äußeres achtet.

Generell gilt: Männer sollten sich gepflegt kleiden, etwa mit einem gebügelten Freizeithemd. Frauen können gerne kurze Röcke und ein ausgeschnittenes Dekolleté tragen. Aber bloß keinen langweiligen Wollkragenpullover oder lange Röcke. Doch aus der häufig körperbetonten Bekleidung der Brasilianerinnen sollten Männer keine falschen Rückschlüsse ziehen.

Brasilianer suchen im Gespräch oft Körperkontakt

Das soziale Miteinander spielt in Brasilien eine äußerst wichtige Rolle. Bei der Begrüßung liegen Urlauber mit einem Händeschütteln grundsätzlich richtig – gerne ausgiebig und mit festem Druck. Frauen und gute Bekannte küssen einander zwei oder drei Mal auf die Wangen, unter Freunden sind Umarmungen üblich. Bei Zweifeln einfach abwarten, wie die Einheimischen einem begegnen. Während eines Gesprächs suchen Brasilianer oft und gerne Körperkontakt. Der persönliche Abstand ist sehr viel geringer als in Europa. Doch gilt hier: nicht zurückweichen. Das würden die meisten Brasilianer als Affront bezeichnen.

Gruppe junger Menschen läuft über Wiese

Naassom Azevedo

Bloß nie pünktlich zum Abendessen kommen

Die Brasilianer sprechen häufig und schnell Einladungen aus. Allerdings haben die Menschen ein sehr lockeres Verhältnis zum Thema Pünktlichkeit. Das bedeutet: Wer auf die Minute genau zum Abendessen erscheint, bringt seinen Gastgeber in eine unangenehme Situation. Zum Dinner 30 Minuten und zu einer Party ein bis zwei Stunden zu spät kommen, ist angebracht.

Als Gastgeschenke eignen sich Pralinen oder Blumen – aber keine dunkelroten! Das ist eine Trauerfarbe. Sich bei Tisch die Nase zu putzen oder Zahnstocher zu verwenden, ist verpönt. Wichtig: Wer sich betrinkt, fällt unangenehm auf, egal ob beim Essen zu Hause oder im Restaurant. Zudem dürfen sich Urlauber nicht darüber wundern, wenn auf dem Tisch die Gabel rechts und das Messer links liegen. Das ist in Brasilien so üblich.

Essen im Kilo-Restaurant oder im Lanchonete?

Wenn ihr hungrig durch Brasiliens Straßen zieht und Ausschau nach einem Restaurant haltet, werdet ihr zweifelsohne Restaurants entdecken, wie ihr sie auch in Deutschland findet. Das heißt, ihr geht rein, bestellt von der Speisekarte, esst, zahlt und geht wieder. So weit, so gut.

In Brasilien gibt es darüber hinaus einen Restaurant-Typ, der sehr weit verbreitet ist: die »Quilo Restaurantes«. Dort könnt ihr euch vom Buffet bedienen. Anschließend geht ihr zur Kasse, wo euer Essen gewogen wird. Gezahlt wird nur das, was ihr auf euren Teller geschaufelt habt. Je nach Restaurant und Tageszeit zahlt ihr 30 bis 60 Reais pro Kilo. Darüber hinaus gibt es Restaurants, wo ihr einen Festpreis fürs Buffet zahlt. Die erkennt ihr häufig an der Bezeichnung »buffet livre«.

Restaurant mit Terrasse in Brasilien

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Last but not least findet ihr in Brasilien irre viele »lanchonetes«. Das sind (sehr) einfache Restaurants, in denen ihr für wenig Geld schmackhafte brasilianische Hausmannskost serviert bekommt. Eine Speisekarte sucht ihr hier meist vergeblich. Hin und wieder findet ihr aber eine handbeschriebene Tafel, auf denen ihr die Gerichte des Tages erfahrt. Ansonsten müsst ihr nach den Angeboten des Tages fragen.

Bier oder Caipirinha?

Ihr denkt, die Brasilianer trinken auf Partys und in Bars vor allem Caipirinhas? Weit gefehlt. Zwar bestellen Brasilianer auch zum Mittagessen gerne einen Caipirinha – aber mehr nicht. Party-Getränk Nummer eins in Brasilien ist »Cerveja«, also Bier. Als Europäer kann man es den Brasilianern nachmachen, muss man aber natürlich nicht. Denn: Ein Lobgesang auf das Nationalgetränk der Brasilianer kommt natürlich immer gut an. Außerdem ist Caiprinha in Brasilien deutlich günstiger als bei uns. Vor allem fern der Touristen-Hotspots. Für ein großes Glas Caiprinha (0,3 bis 0,4 Liter) zahlt ihr – je nach Stadt und Stadtteil – sechs bis zehn Reais (ca. 1,50 bis 2,20 Euro). Oft wird euch der Caipi auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten. Wie wäre es mit einem Kiwi- oder Maracuja-Caipirinha?

Solltet ihr euch dagegen für ein Bier entscheiden, wird euch häufig die Frage gestellt: »E qual?«. Tja, welches denn nun? Die bekanntesten Biermarken in Brasilien sind Brahma, Bohemia, Crystal, Itaipava und – der heimliche König unter den brasilianischen Biersorten – Skol! Heineken und Budweiser sind auch sehr verbreitet, in gut sortierten Supermärkten und Bars gibt es sogar Beck’s.

Frau sitzt allein im Restaurant

Igor Starkov

Wer Kritik äußert, gilt schnell als unhöflich

Urlauber sollten in jedem Fall darauf achten, niemanden vor Dritten zu kritisieren. Das werten Brasilianer als schwere Demütigung. Auch Flüstern gilt als unhöflich – einander zu unterbrechen dagegen nicht. Meist reden in Brasilien ohnehin alle durcheinander. Gute Themen für Smalltalk sind Sport, das Land und der Karneval. Zwar schimpfen viele Brasilianer ausgiebig über die Probleme in ihrem Land. Zugleich sind die meisten aber sehr patriotisch.

Brasilien-Flagge, Hintergrund Stadt

sergio souza

Europäer, die sich negativ über die Zustände vor Ort äußern, empfinden die Einheimischen als überheblich und arrogant. Hütet euch auch davor, die ungenügenden Englisch-Kenntnisse der Brasilianer zu kritisieren. Lernt lieber ein paar Brocken Portugiesisch vor dem Urlaub …

Auch Religion und Tradition haben einen sehr hohen Stellenwert. Kritische Anmerkungen zu diesen Themen können das Gesprächsklima daher schnell vergiften. Respekt wird auch beim Betreten einer Kirche erwartet: Wer lange Hosen und lange Ärmel trägt, liegt grundsätzlich richtig.

Der Gang aufs Klo …

Ihr habt vor eurer Reise ein paar Brocken Portugiesisch gelernt? Sehr löblich! Dann wisst ihr sicherlich, wie man danach fragt, wo sich die Toiletten befinden, oder? Mit der Frage »Onde são os banheiros?« seid ihr goldrichtig. Richtig, »banheiros«. Nicht »sanitário« oder »casa de banho«. Das sagt man in Portugal.

Auf der Toilette selbst solltet ihr noch etwas Wichtiges beachten: In Brasilien wirft man das benutzte Toilettenpapier nicht in die Spülung. Teils, weil die Spülung nicht stark genug ist, teils, weil das Toilettenpapier das Abflussrohr verstopft. Deshalb findet ihr auf jeder Toilette einen kleinen Eimer, in der ihr das Klopapier entsorgen könnt. In Hotelbadezimmern findet ihr darüber hinaus neben dem Klo häufig einen Schlauch, den ihr als »Gesäßdusche« nutzen könnt.

Brasilianer und der Sex

In Brasilien spielt das Flirten und der Sex eine gänzlich andere Rolle als in Deutschland. Die Brasilianer, vor allem die Männer, sind Weltmeister im Flirten. Dass man als Ausländer (mit blonden Haaren) im Supermarkt oder an der Bushaltestelle in der Schlange angesprochen wird, sollte nicht überraschen.

Mann und Frau sitzen an Tisch und flirten

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Viele Besucher, die zum ersten Mal Brasilien besuchen, sind denn auch überrascht über die Offenheit, mit der Brasilianer zum Ausdruck bringen, dass sie nichts gegen ein Schäferstündchen einzuwenden hätten. Ob es am tropischen Klima liegt? Oder an den vielen leichtbekleideten Menschen in Brasilien? An den vielen Partys? An den vielen Motels in Brasilien, die stundenweise gemietet werden können? Vermutlich eine Mischung aus allem …

Apropos Motels: Ihr findet in Brasilien sehr viele Stundenhotels. Umgangssprachlich heißen sie schlicht und einfach Motels. Viele von ihnen liegen in der Stadt, andere etwas außerhalb in Ausfahrtsstraßen. Mit ein bisschen Übung erkennt ihr sie sehr schnell, auch wenn sie sich offiziell »Hotel« nennen: diskrete, kleine Eingänge, wenige Fenster, abgedunkelte Scheiben, sehr wenige bis gar keine Gäste vor dem Hotelgebäude.

Die Motels werden in Brasilien deutlich häufiger von Pärchen genutzt, als ihr vermuten würdet. Die Gründe liegen auf der Hand: Gerade junge Brasilianer wohnen noch bei ihren Eltern, sodass die heimische Wohnung als Treffpunkt fürs erotische Abenteuer ausscheidet. Auch die Tatsache, dass Besucher vieler Wohnhäuser in Brasilien durch Sicherheitspersonal beobachtet werden, spielt eine Rolle – wer will schon riskieren, dass die Ehefrau am Abend vom Sicherheitsdienst erfährt, dass der Gatte am Nachmittag Besuch von einer Dame hatte? Ein Zimmer in einem Motel kostet pro Stunde etwa 25 bis 40 Reais (10 bis 15 Euro). Jeder Gast eines Motels muss sich ausweisen (Personalausweis, Reisepass).

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