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Leckeres Essen im Restaurant? Zack, Foto! Ein toller Moment auf dem Konzert der Lieblingsband? Zack, Video! Der Sonnenaufgang auf dem morgendlichen Spaziergang? Foto, Foto, Foto! Chefredakteurin Jenny fragt sich, ob das Handy nicht auch mal in der Tasche bleiben sollte.

In dieser Kolumne von Chefredakteurin Jennifer Latuperisa-Andresen wird nichts beschönigt, dafür viel beobachtet, ausprobiert und eingeordnet. Persönlich, pointiert und mit einem Augenzwinkern. Hier kommst du zu ihrem Instagram-Account.

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Hunderunde durch den Wald. Wie jeden Morgen. Ein Ritual, das mich morgens aus dem Bett bringt, auch wenn die Seele nach Liegenbleiben schreit. Immerhin kann Mischlingsdame Toffi nichts dazu, dass ich mich nicht fühle. Also stapfe ich durch den Wald, die Schuhe sinken leicht ins feuchte Laub ein, und es riecht erdig. Nach Herbst eben. Ich stehe auf einem breiten Waldweg, als es zu winden beginnt. Aus den Baumwipfeln regnet es sanft rote, orangefarbene und goldene Blätter. Ich greife automatisch nach meiner Jackentasche – doch da fällt es mir ein: Mein Handy liegt im Auto.

Ärgerlich. Kurz habe ich tatsächlich überlegt, zurück zum Wagen zu laufen, um es zu holen. Der Blätterregen sah so wunderschön aus, dass ich die Slow-Mo-Funktion schon in meinem Kopf eingestellt habe, um dieses morgendliche Ereignis zu filmen. Da kam mir der Gedanke – wie abwegig, dass der mir erst einmal kommen muss: Genieß es doch einfach. Also bleibe ich stehen und sehe zu, wie die Blätter langsam und beinahe majestätisch zu Boden segeln und spüre tatsächlich – und das klingt jetzt kitschig – einen seltsamen Frieden. Ohne Kamera, ohne Display, nur Toffi , ich und dieser Moment. Ich merke, dass ich meine Umgebung viel intensiver wahrnehme, spüre die Kühle des Winds auf der Haut und höre das Rascheln der Blätter.

Lass stecken

Da wird es mir wieder bewusst. Nicht dass ich den Gedanken bisher nicht gehegt hätte, aber ich bin auch irgendwie immer für den Job unterwegs. Und dann heißt es Content kreieren, Content finden, Bilder machen, in Bildern denken. Aus dem Hamsterrad ist es oft schwierig herauszukommen. Wie oft habe ich ähnliche Momente verpasst, weil ich durch mein Handy hindurch geguckt habe, anstatt die Szene wirklich zu erleben?

Neulich, im Restaurant mit den perfekt angerichteten Tellern – mein erster Gedanke war natürlich: Foto und Video für die Story. Das Essen schmeckte exzellent, ja, aber letztlich habe ich mehr Aufmerksamkeit darauf verwendet, anschließend die Fotos zu bearbeiten und zu posten. Ich sehe meine letzten Sonnenuntergänge vor meinem inneren Auge: herrliche Farbverläufe über dem Meer, pastellfarben und malerisch. Aber wie oft habe ich wirklich hingeschaut, ohne dabei das perfekte Foto zu suchen? Und dann die Begegnungen mit wilden Tieren – Augenblicke, die so rar sind –, auch da habe ich mehr Zeit mit dem perfekten Zoom und dem richtigen Winkel verbracht, als das Tier wirklich zu beobachten.

Jetzt, hier im Wald, ganz ohne Filter, merke ich: Es sind die Momente, die nicht durch einen Bildschirm vermittelt werden, die in Erinnerung bleiben – auch wenn es heute kaum noch üblich ist, sie einfach so, ohne Kamera und ohne »Beweis«, mitzunehmen. Der Drang, alles festhalten zu wollen, hat uns fast vergessen lassen, wie man etwas wirklich genießt. Es geht nicht darum, perfekte Fotos zu haben – sondern perfekte Erinnerungen.