Im Naturhafen von Mahón ankerten über Jahrhunderte Karthager, Römer, Briten und Franzosen. Jede dieser Mächte hinterließ Spuren in der Küche. Drei Produkte überlebten bis heute und tragen den Namen der Stadt in die Welt: eine Sauce, ein Schnaps und ein Käse. Unsere Chefredakteurin Jenny Latuperisa-Andresen war vor Ort und hat die Spezialitäten in Mahón probiert.
Mahonesa, die handgeschlagene Sauce
Die Geschichte spielt im Sommer 1756. Französische Truppen unter dem Herzog von Richelieu erobern Mahón von den Briten zurück. In der Küche eines lokalen Gasthauses entdeckt ein Koch des Herzogs eine Emulsion aus Eigelb und Olivenöl, die Inselbewohner seit Generationen zubereiten. Zurück in Paris findet das Rezept seinen Weg an die Tafeln des Hochadels. Aus »salsa mahonesa« wird »mayonnaise«. So erzählt man es zumindest auf Menorca.

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Die sprachliche Herleitung bleibt umstritten. Französische Quellen geben andere Ursprünge an, etwa die Stadt Bayonne oder das Verb »manier« für rühren. Auf Menorca ficht das niemanden an. In den Restaurants rund um den Hafen steht die Mahonesa als Tischsauce neben Brot und Oliven, von Hand emulgiert, ohne Senf, ohne Industriebindemittel. Eigelb, Olivenöl, ein paar Tropfen Zitrone, Salz. Mehr braucht es nicht.
Gin Xoriguer, das Erbe der britischen Flotte
Zwischen 1712 und 1802 wechselte Menorca sieben Mal die Herrschaft. Am prägendsten blieb die britische Phase. Royal Navy und Marineinfanterie verlangten Wacholderschnaps, den die Insel nicht produzierte. Lokale Brenner improvisierten. Sie nutzten Weinalkohol als Basis statt Getreide und destillierten ihn mit Wacholderbeeren in kupfernen Brennblasen.

Fassade der Gin-Xoriguer-Destillerie am Hafen von Mahón. | Foto: Danuta Hyniewska/Shutterstock.com
Die Brennerei Xoriguer in Mahón hält dieses Verfahren seit Generationen aufrecht. Die Kupferkessel stehen direkt am Hafen, beheizt mit Holzfeuer. Der fertige Gin schmeckt anders als ein London Dry: weicher, leicht süßlich, mit deutlicher Wacholdernote und ohne die scharfe Botanical-Vielfalt moderner Craft-Gins. Die geografische Angabe »Gin de Mahón« schützt die Produktion seit 1997.
Im Sommer trinkt die Insel ihren Gin als Pomada, gemischt mit Bitterlimonade aus dem Plastikkrug. Bei den Sant-Joan-Festen in Ciutadella fließt das Getränk literweise. Wer den Gin pur probieren will, findet ihn in den Bars rund um den Moll de Llevant.

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Queso Mahón-Menorca, der Käse mit der orangen Rinde
Auf Menorcas Weiden grasen Holstein-Friesian-Rinder. Ihre Milch wird zu rechteckigen Laiben verarbeitet, die in Leinentüchern geformt und gepresst werden. Die typische Form mit den abgerundeten Kanten entsteht durch die Knoten des Tuchs. Anschließend reift der Käse zwischen drei Wochen und über zehn Monaten.

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Während der Reifung reiben die Bauern die Rinde mit Olivenöl und Paprika ein. Die Salzluft Menorcas tut den Rest. Vier Reifegrade gliedern das Sortiment: Der Tierno schmeckt buttrig und mild, der Semicurado bringt nussige Tiefe, der Curado wird bröckelig und intensiv. Der Añejo ab zehn Monaten Reife gehört in die Kategorie für Liebhaber. Säuerlich, bitter, fast scharf.

Foto: Jenny Latuperisa-Andresen
Queso Mahón trägt seit 1985 eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Nur Käse von der Insel darf den Namen tragen. In den Supermärkten der spanischen Halbinsel zählt er zu den meistverkauften Kuhmilchkäsen des Landes. Auf Menorca selbst gehört er zu jedem ordentlichen Frühstück, oft mit einem Tropfen Olivenöl und etwas Honig.
Persönlicher Foodie-Tipp der Redaktion
Zum Queso Mahón, zur Mahonesa auf frischem Brot oder einfach zum Sonnenuntergang am Hafen passt ein menorquinischer Weißwein besonders gut: der Torralba Alba Blanca. Eine reinsortige Garnacha Blanca aus IGP Vi de la Terra de Illa de Menorca, 13,3 Prozent, fruchtig und leicht, mit genau der Frische, die zur Sommerstimmung der Insel passt. Eine Empfehlung, die sich lohnt. Wer ihn bestellt, wird es nicht bereuen.

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Drei Produkte, ein gemeinsamer Nenner
Die Mayonnaise erzählt von einem französischen Sieg, der Gin von britischen Matrosen, der Käse von den Weiden im Inselinneren. Wer in Mahón am Hafen sitzt und alle drei probiert, schmeckt drei Jahrhunderte Inselgeschichte auf einem Teller. Industrielle Massenware findet sich anderswo. In Mahón bleibt es bei Handarbeit.
