reisen EXCLUSIV Audio - Höre Dir diesen Artikel an
0:00
0:00

Zwischen Dschungel und einsamen Stränden träumt Príncipe von einer Welt, in der Umweltschutz und Tourismus, Natur und gesellschaftlicher Wohlstand gemeinsam erblühen. Ein Experiment mit paradiesischen Aussichten. Wir waren auf der Insel unterwegs, die zu dem afrikanischen Inselstaat São Tomé und Príncipe gehört. 

Text: Bianca Klement

Bereits beim Anflug auf Príncipe fühle ich mich wie in der Szene eines Hollywood-Blockbusters: Mitten im Ozean erscheint plötzlich eine einsame, grüne Insel. Beim Näherkommen sieht man Nebel um gigantische schwarze Felsen wabern und bewaldete Berghänge hinabkriechen. Das dunkelblaue Meer brandet an goldgelbe Strände, die von dichtem Regenwald umgeben sind. Ich entdecke keine Zeichen von Zivilisation. Keine Gebäude, keine Funkmasten, keine Städte, nur endloser Dschungel. Irgendwie würde es nicht verwundern, wenn die Palmen plötzlich erzittern und ein Dinosaurier aus dem Dickicht auftaucht. Orte wie diese haben sich Schriftsteller wie Jules Verne oder Arthur Conan Doyle erträumt: ursprünglich, wild, geheimnisvoll.

Blick auf die Berge von São Tomé und Príncipe

Foto: Bianca Klement

Der zweitkleinste Staat Afrikas, São Tomé und Príncipe, liegt etwa 250 Kilometer vor der Küste des afrikanischen Kontinents, im Golf von Guinea. Der Archipel besteht aus 20 Inseln, von denen lediglich die beiden Hauptinseln bevölkert sind. Nur knapp 230.000 Menschen leben in dem Inselstaat. Der Großteil der Bevölkerung ist auf São Tomé zu Hause, auf Príncipe hingegen leben gerade mal 8.000 Menschen, die relativ autark vom Rest des Landes agieren.

Príncipe: Einsame Paradiesinsel im Golf von Guinea

Das rund 150 Kilometer entfernte São Tomé lässt sich nur mit dem Flugzeug oder mittels einer zwölfstündigen Schiffspassage erreichen. Aufgrund der starken Strömungen wagen viele Einheimische die Fahrt über das Wasser nicht, weshalb sie die Insel noch nie verlassen haben. Die Sehnsucht nach der größeren Schwesterinsel oder gar dem Festland ist ohnehin begrenzt. Schließlich bietet die Insel alles, was man zum Leben braucht: Fisch, Früchte, Wasser.

Príncipe präsentiert sich als Garten Eden: Die klimatischen Bedingungen sind beinahe das ganze Jahr über traumhaft. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 27 und 30 Grad, es gibt keine dramatischen Stürme und keine zähen Trockenzeiten. Okay, es regnet während der Regenzeiten im Frühjahr und Winter häufiger, aber dafür ist beinahe die gesamte Insel von wunderschönem Regenwald bedeckt.

Regenwald auf der Insel Príncipe

Foto: Bianca Klement

Der dichte, feuchte Wald ist keineswegs eine grüne Hölle, in der hinter jedem Blatt Gefahr lauert, sondern der ideale Einsteigerdschungel. Anders als in anderen tropischen Wäldern sind die Regenwälder Príncipes zwar voller gigantischer Bäume, Lianen und Wasserfälle, aber es gibt keine gefährlichen Tiere. Weder streifen Raubkatzen durch das Unterholz, noch lauern hier giftige Spinnen oder Schlangen. Außerdem gilt Príncipe als malariafrei.

Eine dunkle Geschichte voller Ausbeutung

Versteckt sich in Príncipe womöglich ein wahrhaftiges Paradies? Ein Ort, der sicher ist und reich an unverdorbener Natur? Fast scheint es so. Doch so unkompliziert idyllisch ist es nicht. Die Insel blickt auf eine Historie voller Leid zurück. Relikte der früheren Plantagen und Kolonialbauten erinnern an die dunkelste Zeit in der Geschichte der Inseln. 1471 wurde der damals unbewohnte Archipel von portugiesischen Seefahren entdeckt und in Besitz genommen. Tausende Menschen vom afrikanischen Festland wurden von Europäern auf die Vulkaninsel verschleppt und mussten auf den Plantagen als Sklaven schuften. So wurde die kleine portugiesische Kolonie schnell zum größten Kakaoproduzenten der Welt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch rund 150 Kaff ee-, aber vor allem eben Kakaoplantagen auf São Tomé und Príncipe. Als das Land 1975 nach jahrelangen Kriegen endlich seine Unabhängigkeit erlangte, ging die Kakaoproduktion der Inseln zu Ende. Zurück blieben verwaiste Kolonialbauten.

ehemalige Kakao-Plantage auf São Tomé und Príncipe

ehemalige Kakao-Plantage auf São Tomé und Príncipe I Foto: Bianca Klement

Auch die Nationalflagge verschweigt das brutale Ende der Kolonialzeit nicht: Zwei Sterne stehen für die Hauptinseln São Tomé und Príncipe, der gelbe Grund für den Kakao, der über Jahrhunderte auf den Inseln angebaut wurde, grüne Streifen für die Natur – und ein rotes Dreieck für das vergossene Blut. Heute sind 98 Prozent der Menschen auf São Tomé und Príncipe Nachfahren versklavter Afrikaner, die von den Portugiesen verschleppt wurden. Der Niedergang der mächtigen Kakaoindustrie auf Príncipe ist ein Segen für die Umwelt. Abgeschieden vom Rest der Welt, konnte sich auf der gerade mal 128 Quadratkilometer großen Vulkaninsel eine einzigartige Natur behaupten. Viele der Vögel, Schmetterlinge, Käfer und Pflanzen kommen nur hier vor und konnten sich ungestört entwickeln. Diese außergewöhnliche Artenvielfalt hat dem Inselstaat den Ruf als das Galápagos Afrikas eingebracht.

Unesco-Biosphärenreservat: 58 Prozent der Insel sind streng geschützt

Und seit 2012 ist Príncipe auch Unesco-Biosphärenreservat. Mehr als 58 Prozent der Insel sind vor jeglicher Bebauung streng geschützt. Lediglich im Norden ist bedingt Entwicklung gestattet, doch hohe Gebäude sind tabu.

Schmetterling im Regenwald von Príncipe

Foto: Bianca Klement

Auf den einstigen Schokoladeninseln, die zu den ärmsten Ländern der Welt gehören, wird der Tourismus immer wichtiger. Der Schatz der Insel sind längst nicht mehr die gelben Kakaofrüchte, es sind die einsamen Buchten und die unberührte Natur – denn sie locken Touristen an. Doch Massentourismus gibt es nicht. Und es soll ihn auch nicht geben. Stattdessen will Príncipe ein Musterbeispiel für nachhaltigen Tourismus werden.

HBD Príncipe: Wunderschöne Öko-Lodges

Vor knapp 14 Jahren suchte der südafrikanische Tech-Milliardär Mark Shuttleworth nach einer privaten Insel und stieß dabei auf Príncipe. Er schloss Land und Leute in sein Herz und erarbeitete ein wegweisendes Tourismusprogramm in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten und den Einheimischen. Mit HBD Príncipe, einem nachhaltigen Tourismus- und Agroforstwirtschaftsunternehmen, verfolgt der Unternehmer ein Ziel, das als Blaupause für innovativen Ökotourismus dienen könnte, wenn es gelingt. Mit seinem Engagement für nachhaltigen, integrierten Ökotourismus, Agroforstwirtschaft und soziale Initiativen soll Príncipe ein weltweites Vorbild werden. Shuttleworth‘ Vision:

»Wäre es nicht toll, wenn wir einen Maßstab dafür setzen könnten, was im Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch, Kultur und Tourismus möglich ist?!«

Auf Roça Sundy, der einst zweitgrößten Plantage der Insel, ist die Vision des Südafrikaners lebendig. Das ehemalige Kolonialherrenhaus aus dem 19. Jahrhundert ist heute eines der exklusiven Boutiquehotels von HBD.

Zimmer im Roca Sundy, einem Hotel auf der Insel Princípe

Foto: HBD

Ausgestattet mit Antiquitäten und mitten auf der Plantage gelegen, scheint die Welt in Roça Sundy stehen geblieben zu sein. Vom Balkon meines Zimmers blicke ich über den dichten Urwald, der sich kilometerweit bis hin zum tiefblauen Atlantik ergießt. Die Luft ist herrlich frisch nach dem letzten Regenschauer. Aus dem undurchdringlichen Grün ragen hier und da Baumriesen, in deren Kronen Vögel nach Früchten und Insekten jagen. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich Bananenpflanzen, dicht behangene Mangobäume, Korallen-, Papaya- und Jackfrucht-Bäume. Schmetterlinge, beinahe so groß wie meine Hand, suchen in den zahlreichen Blüten des Waldes nach süßem Nektar. Zwei graue Papageien verschwinden zwischen den hohen Wipfeln und ich sehe gerade noch ihre roten Schwanzfedern aufblitzen.

Luxus eingebettet in die Kakao-Plantage

Die sich andeutende Dämmerung taucht den dichten Wald unter mir in ein sanftes, goldenes Licht und gebannt lausche ich den Geräuschen des Dschungels. Roça Sundy ist die einzige Kakaoplantage der Insel, die noch oder wieder aktiv ist. Eine Plantage, ganz nach meinem Geschmack – und das nicht nur, weil hier Kakao angebaut wird. Statt eintöniger Monokultur ist die Kakaoplantage rund um das ehemalige Herrenhaus ein immergrüner Wald, der voller Leben steckt. Der Kakao, der hier geerntet wird, zählt zu den besten der Welt und trägt als einzige Plantage Afrikas stolz das Label »vogelfreundlich«.

Kakaopflanze auf São Tomé

Foto: Roca Sundy

Das vom Smithsonian verliehene Zertifikat attestiert, dass die Plantage biodiversen Lebensraum bietet. Etwa 300 Familien leben in Terra Prometida, der Gemeinde, die zu Roça Sundy gehört. Die meisten Menschen sind in irgendeiner Form auf der Plantage oder im Hotel tätig. Umweltbewusstsein ist Teil ihrer Lebensphilosophie geworden. Sie sind mit vollem Herzen »Freunde der Umwelt«, wie David Carmo erzählt.

David arbeitet als Guide für HBD und führt Touristen über die Plantage. Er ist stolz auf seine Arbeit auf Roça Sundy. Schon sein Vater hat hier gearbeitet. Bei einem Rundgang über die Plantage erzählt er, dass es Interessenten gab und gibt, die auf Príncipe Ölpalmen anbauen wollen. Das Klima und die landschaftlichen Bedingungen wären dazu ideal. Die Produktion von Palmöl wäre wirtschaftlich lukrativ. Doch die Bevölkerung entschied sich dagegen. »Für Palmöl müssten wir den Wald roden. Aber ohne Bäume gibt es kein Regen und ohne Regen gibt es nichts zu essen«, erklärt er die simple Logik. »So wie es jetzt ist, gibt es genug für alle. Für uns und auch für die Tiere im Dschungel.«

Roça Sundy: Hier wurde Einsteins Relativitätstheorie bewiesen

An einer großen Kakaopflanze bleibt er stehen und pflückt eine gelbe Frucht in Form eines Footballs. Gekonnt bricht David die Frucht entzwei. Im weißen Fruchtkern stecken schleimige weiße Bohnen. Das Fruchtfleisch schmeckt süßsauer und erinnert ein bisschen an Litschi. Doch Kakaobauern haben es auf den harten Kern im Inneren abgesehen.

verlassener und unberührter Strand mit Palmen an der Küste von Príncipe

Foto: Bianca Klement

Die weißen Bohnen werden fermentiert, getrocknet und geröstet und dann hat man irgendwann die uns bekannten dunklen Kakaobohnen. An der Außenfassade einer Lagerhalle entdecke ich zwei große Wandgemälde. Eines zeigt eine Sonnenfinsternis. Stolz erzählt David, dass auf Roça Sundy einst Geschichte geschrieben wurde, als hier Einsteins Relativitätstheorie bewiesen wurde. Der britische Astronom Arthur Stanley Eddington war dazu zur Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 nach Príncipe – genauer gesagt nach Roça Sundy – gereist, um das geschichtsträchtige Foto zu machen und damit Einsteins Theorie zu verifizieren.

Eine Insel, die den Wandel schafft

Wir spazieren vorbei an lianenverschlungenen Bäumen, hinter denen die früheren Arbeitsbaracken brachliegen. Auch die kleine Kapelle zeigt deutliche Spuren der Zeit, und von den ehemaligen Stallungen stehen nur noch die Außenmauern, hinter denen sich bereits dichtes Grün ausgebreitet hat. Trotz des Verfalls ist es eine malerische Kulisse, die sinnbildlich für den Wandel auf Príncipe steht. Die düstere Ära des Kakaoanbaus, in der viele Menschen für den Profit ausgebeutet wurden, gehört der Vergangenheit an. Während die Mauern früherer Unterdrückung zerfallen, hat auf der Insel eine neue Ära begonnen. Eine Ära, in der die Einheimischen bestrebt sind, im Einklang mit der Natur zu leben. Einst selbst als Menschen ausgebeutet, soll auch die Ausbeutung der Natur ein Ende haben. Für die Erkenntnis, dass es den Menschen gut geht, wenn es der Natur gut geht, bedurfte es auf Príncipe weder Klimaprotesten noch düsterer ökologischer Prophezeiungen.

Natur pur auf der Insel Príncipe mit Blick auf das Meer

Foto: Bianca Klement

In den Boutiquehotels von HBD wird streng auf Nachhaltigkeit geachtet. Von Papier bis Glas wird alles recycelt. 25 Euro der Übernachtungskosten pro Nacht in Bom Bom, Roça Sundy und Sundy Praia wandern automatisch in einen Fonds, der lokale Projekte unterstützt. Auch arbeiten die Resorts vorrangig mit Einheimischen zusammen. Reisende helfen somit passiv mit, nachhaltigen Tourismus zu etablieren und die Menschen vor Ort zu unterstützen. Vielleicht könnte Mark Shuttleworth‘ Vision eines Gleichgewichts zwischen Natur und Mensch, Kultur und Tourismus hier Wirklichkeit werden. Allein die Vorstellung ist paradiesisch.

Mehr Infos zu einer Reise nach Príncipe

TAP Air Portugal (hier geht es zur Website der Airline) bietet viermal pro Woche ab Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Flugverbindung nach São Tomé an – mit Umstieg in Lissabon. Das Gepäck kann aber durchgecheckt werden.

Die nationale Fluggesellschaft von São Tomé und Príncipe STP Airlines (hier geht es zur Website) fliegt täglich außer dienstags von São Tomé nach Príncipe.

Hier stellen wir die die Luxushotel von HBD auf São Tomé und Príncipe genauer vor.

In diesem Artikel verraten wir die, warum du unbedingt nach São Tomé und Príncipe reisen solltest.

Auch unser Autor Andreas Dauerer war bereits auf São Tomé und Príncipe. Seine Reportage könnt ihr hier nachlesen, seine Reise-Tipps für die Inseln verrät er hier.

Pool im Hotel Sundy Praia

Pool im Hotel Sundy Praia I Foto: HBD